Michael C. Jakob Gründer von AlleAktien. Studium von Informatik und Management am KIT/ ETH Zurich/ Massachusetts Institute of Technology. Danach in der Strategie bei UBS und McKinsey&Company.

AlleAktien Geschäftsführer und Chief Technology Officer. Michael analysiert vorrangig globale Software- und Finanzunternehmen mit einer Vorliebe für US- und China-Aktien. Er war zuvor bei McKinsey&Company, UBS, und studierte an KIT, ETH Zurich, und MIT Informatik und Management. Er verfolgt die AlleAktien Cluster-Nummer-1-Strategie: Nur die besten Aktien jeder Branche kommen in das Portfolio.

Airbnb zum Börsengang 2020: Software is Eating Hotels and Tourism

▲ Airbnb war der am meisten erwartete Börsengang des Jahres 2020. Obwohl Airbnb im Zentrum der Tourismusbranche ist und von COVID-19 stark getroffen wurde, explodierte die Aktie am Tag des Börsendebuts: Plus 114%. Von 48 USD auf 146 USD pro Aktie. Airbnb wurde ironischerweise exakt inmitten der Finanzkrise 2008 gegründet. Für den Gründer Brian Chesky hat sich das voll ausgezahlt: Denn gerade in einer Krisenzeit achtet man besonders stark auf Kosten. Günstige Immobilien kommen dann wie gerufen. Airbnb und Brian Chesky beeindrucken mich aber mit etwas ganz anderem: Ernsthaftigkeit, einem klaren Weg zur Profitabilität und Flexibilität: Die Corona-Reaktion von Airbnb war hervorragend. In wenigen Wochen haben sie die Webseite neu umgestaltet. Jetzt wird für Dauervermietung geworben (mehrere Monate zur Miete) und Wochenend-Urlaubszimmer in der Nähe. Genau das Richtige, um aus der verstaubten Wohnung rauszukommen. Und weil wir von zuhause arbeiten dürfen, können wir nun auch von jedem beliebigen Ort der Welt aus arbeiten.

 

 

Aktienanalyse Airbnb
Hauptsitz USA
ISIN US0090661010
WKN A2QG35
Ticker-Symbol ABNB
Sektor Kommunikation
Kurs 128 Euro
Ausstehende Aktien 602,4 Mio.
Marktkapitalisierung 93 Mrd USD
Enterprise Value 108,8 Mrd. USD
Nettoverschuldung 15,8 Mrd. USD
Bruttomarge 75%
EBIT-Marge -14,8%
Gewinnmarge -26,7%
Dividendenrendite 0%
Börsengang am 9. Dezember 2020
Datum 28.12.2020

Airbnb Aktie und Aktienanalyse zum Börsengang

  • Airbnb disruptiert die Hotel- und Übernachtungsbranche. Airbnb vermittelt Nächte zwischen Gastgebern (sog. Hosts) und Gästen. Die disruptive Idee dahinter: Jeder von uns kann Host werden und sein eigenes Ein-Zimmer-Hotel eröffnen — ohne Papierkram, Hotel-Steuern und Regulierungen. Jeder kann einen freistehenden Raum untervermieten und nebenbei Geld verdienen. Airbnb verdient an jeder Übernachtung mit, ohne auch nur eine einzige Immobilie zu besitzen. Damit ist Airbnb wohl der “profitabelste Immobilienkonzern” der Welt.
  • Der am meisten erwartete Börsengang des Jahres 2020. Airbnb war der am meisten erwartete Börsengang des Jahres. Schon im Januar haben mir viele meiner bester Investorenfreunde erzählt: Egal was es kostet, ich investiere hier einige zehntausend Euro. Das war FOMO-Investieren in Reinform. Der erste Indikator, dass der Aktienpreis nicht durch rationale, nüchterne Aktienanalyse ermittelt ist (Investoren), sondern von “blinder” Angebot und Nachfrage (Spekulation). Investoren kaufen Airbnb einfach nur deshalb, weil sie dabei sein wollen. Der Preis ist egal. Ist jede Aktie um jeden Preis kaufenswert und wann zieht man die Reißleine? Der Frage gehe ich heute am Beispiel Airbnb nach.
  • Hype oder kaufenswert. Technologieaktien haben seit 2010 bessere Renditen als jede andere Branche. Immer mehr Privatinvestoren und auch Laien sprechen über Softwarekonzerne. Das Ergebnis: Software- und Technologieaktien sind so hoch bewertet wie nie. Die Börsengänge erfahren einen regelrechten FOMO-Hype: Dabei sein um jeden Preis.
  • COVID-19 Betroffener mit einem flexiblen Muskel. Airbnb wird das Jahr mit einem negativen Umsatzwachstum von -32% verbuchen. Für ein Tourismusunternehmen ist das gar nicht mal schlecht. Lufthansa und TUI liegen beide bei -60% Umsatz 2020, Marriott International bei -50%. Management und professionelle Analysten von Goldman Sachs erwarten ab 2021 wieder 35% Umsatzwachstum pro Jahr. Spätestens 2022 hat sich Airbnb damit komplett erholt. Ab wann Airbnb jetzt kaufenswert ist, das habe ich mir in dieser Kurzanalyse zum Airbnb Börsengang angesehen.

 

 

Airbnb Aktienanalyse zum Börsengang

  1. Airbnb Geschäftsmodell im Detail
    1. Unternehmensgeschichte: Airbnb, das Startup
    2. Mission: Eine Welt erschaffen, in der jeder zugehörig ist
    3. Gründer und CEO: Brian Chesky
    4. Geschäftsmodell im Detail: Übernachtungen und Erfahrungen
  2. Airbnb Bewertung
    1. IPO AlleAktien Qualitätsscore von 4/10
    2. AlleAktien Discounted Cashflow Modell (AADCF)
    3. AlleAktien Future Multiple Valuation (AAFMV)
    4. Investmentstrategie
  3. Airbnb Risiken
    1. Ewigkeitsfaktor: Wie wahrscheinlich ist es, dass es Airbnb 2030 besser geht als heute?
    2. Substanzielles Risiko 1: Bewertungsrisiko
    3. Substanzielles Risiko 2: Corona-Reaktion
  4. Airbnb Fazit

 

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1. Geschäftsmodell von Airbnb:

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Unternehmensgeschichte: Airbnb, das Startup

Unternehmensgeschichte: Airbnb, das Startup

Dem arbeitslosen Gründer Brian Chesky kam die Idee zu Airbnb damals in San Francisco, als er dringend und schnell Geld benötigte. Er konnte seine eigene Miete sonst nicht bezahlen. Ein Einkommen hatte er nicht, da er gerade erst nach Kalifornien umgezogen ist und sich eigentlich an einem Cornflakes-Startup versuchen wollte.

 

Zeitgleich war in San Francisco die weltweit bekannte Salesforce-Konferenz, die Verkäufer und Geschäftsführer aus der ganzen Welt anzieht. Das Ergebnis: Es waren kaum freie Hotelzimmer zu finden (übrigens eine Situation, die ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann: Zu dieser Situation kommt es in SF immer noch alle paar Wochen). Also kam Brian die zündende Idee: Ich werfe ein paar Luftmatratzen (Airbeds) auf den Boden und serviere kostenloses Frühstück (Breakfast) für 80 USD (72 Euro). Nur wenige Stunden nachdem er seine Website live geschalten hatte, fanden sich drei zahlende Gäste. Das Unternehmen trägt noch immer den Titel des ehemaligen Geschäftsmodells: Airbnb bedeutet “Airbed and breakfast”.

 

Airbnb entsteht aus Airbed and Breakfast — Luftmatratze und Frühstück

 

 

 

Airbnb war unglaublich disruptiv, und ist es immer noch. Die Schwierigkeit in den Jahren nach der Gründung war Folgendes: Niemand traute sich, wildfremde Menschen bei sich zuhause übernachten zu lassen. Die Idee war geradezu verwerflich. Was, wenn das Räuber oder Mörder sind? Die rauben meine ganze Einrichtung. Und du möchtest, dass ich zu der gleichen Zeit noch nicht einmal selbst zu hause anwesend bin? Kannst du dir vorstellen, eine komplett Fremde Person bei dir in der Wohnung eine Woche lang leben zu lassen? Meine Antwort: Nur, wenn die Person von Airbnb vermittelt wurde und bereits zig 5-Sterne-Bewertungen hat.

 

Für mich ist Airbnb eine klassische Startup-Geschichte aus San Francisco: Eine Idee aus der Not, die ein echtes Problem auf eine sehr kreative Art und Weise löst (Airbnb war 2008 – 2010 extrem kontrovers und umstritten, wildfremde und möglicherweise sogar aggressive/stehlende/psychisch kranke Menschen bei sich übernachten zu lassen). Gründer mit einem ausgesprochenen Kundenfokus, Mut (Brian hat sein Cornflakes-Startup komplett aufgegeben und auch Luftmatratzen hat er komplett aufgegeben) und eine Geschichte über unnachgiebigen Hustle in unzählbaren Konflikten mit der Hotel-Lobby und komplexer lokaler Regulatorik. Ich sehe daher auch die Zukunft sehr positiv.

 

Börsengang am 9. Dezember 2020. Obwohl sich Airbnb im “Zentrum des Corona-Sturms” befindet, steigt die Aktie mehr als 100% am Tag des Börsengangs. Für mich ist eines klar: Auf Airbnb Aktien haben sehr viele Investoren das ganze Jahr gewartet. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 100 Mrd. ist Airbnb wertvoller als die meisten Immobilien-REITs und doppelt so wertvoll wie Marriott International.

 

 

 

Mission: Eine Welt erschaffen, in der jeder zugehörig ist

Eine Welt erschaffen, in der jeder zugehörig istAirbnb Mission

Die Mission klingt fast wie bei WeWork, einige von euch werden wahrscheinlich direkt sehr vorsichtig. Ich stimme zu. Konkreter wird es bei Airbnb allerdings leider nicht. Die Mission ist, Vertrauen in Gemeinschaften zu schaffen. Viel Toleranz. Denn genau jene braucht es, wenn man fremde Menschen aus anderen Ländern und anderen Kulturen bei sich beherbergt. Und dieser Aufenthalt soll so authentisch und angenehm wie möglich für alle Beteiligten sein.

Daher, wenn ihr Airbnb nutzt: Verhaltet euch bitte nicht wie in einem Marriott Hotel, in dem nach euch das verwüstete Hotelzimmer mehrere Stunden geputzt und aufgeräumt werden muss. Bei solch einem Verhalten werdet ihr relativ schnell von Airbnb-Hosts mit 1-Sterne-Bewertungen überflutet und der Account deaktiviert. So eine Gast-Gastgeber Beziehung ist nicht-anonym und wird online bewertet. Sowohl Gast als auch Gastgeber.

 

Vier Typen der Konkurrenz inkl. Marriott und Booking Holdings

 


Als Hauptkonkurrenz sehe ich vor allem vier Kategorien, die man in einer Vollanalyse näher betrachten sollte. Ich fokussiere mich dabei auf das Kerngeschäft: private Übernachtungen (also explizit nicht: Erlebnisse, geschäftliche Übernachtungen)

  1. Globale Vermittler: Booking Holdings/Expedia/TripAdvisor/Hotels.com, Marriott International (Lizenzfirma), Google Travel/Apple Siri/Amazon Alexa
  2. Platzhirsche (Hotelbetreiber): Betreiber von Marriott Hotel-Marken (W, Ritz Carlton, Marriott, Westin, Sheraton, FourPoints, …), sowie alle anderen Hotel-Betreiber und die Hotel-Lobby
  3. Echte Alternativen: Zuhause, bei Freunden, am Flughafen, am Arbeitsplatz, im Krankenhaus übernachten sowie Medikamente oder andere disruptive Erfindungen und Technologien, die Schlaf/Müdigkeit überflüssig machen
  4. Lokale Vermittler (und Airbnb-Klone): USA (Sonder, HomeAway, Outdoorsy), China (xiaozhu.com “kleines Schweinchen” und tujia.com “dein Zuhause” mit je ca. 600.000 Listungen) sowie hunderte kleinere nationale Nischenanbieter (meistens auf das Luxus-Segment fokussiert)

Die Gefahr der globalen Vermittler sehe ich dabei am deutlichsten, weil diese aktuell sehr aggressiv in den Markt der privaten Übernachtungen vordringen — allen voran Booking Holdings (AlleAktien Aktienanalyse) und Marriott International (AlleAktien Aktienanalyse). Ebenso dringt aber auch Airbnb aggressiv in den Markt der “Business Übernachtungen” für Geschäftskunden ein und versucht ein standardisiertes Angebot auf die Beine zu stellen, welches als B2B-Produkt für Angestellte verkauft wird.

Insgesamt werden die Unternehmen am erfolgreichsten sein, die sich mit einem Burggraben am stärksten von der Konkurrenz abheben können. Netzwerk-Effekte gibt es wie bei jedem Marktplatz definitiv. Booking Holdings ist mit ca. 28 Mio. Listungen ganz vorne, Airbnb folgt mit 7 Mio. Listungen. Das Besondere ist jedoch: Die Listungen überschneiden sich kaum (Hotels vs. private peer-to-peer Übernachtungen). Sieht man sich nur die privaten peer-to-peer Übernachtungen an, so liegt Airbnb als ganz klarer Sieger weit vor dem Zweitplatzierten (xiaozhu.com in China mit ca. 600.000 Listungen).

 

Gründer und CEO: Brian Chesky

 

 

 

What was special about the Airbnbs was how earnest they were.Paul Graham, ycombinator

Quelle: The Airbnbs, https://blog.ycombinator.com/the-airbnbs/

 

Brian Chesky ist Gründer und Geschäftsführer von Airbnb. Er setzt die Vision und Strategie des Unternehmens. Brian und sein Mitgründer Joe Gebbia waren die ersten Gastgeber bei Airbnb, als sie das Geschäftsmodell in San Francisco getestet haben. Wenige Tage später haben sie allerdings gemerkt, dass die Nachfrage in New York viel größer ist und sind nach New York gezogen. Die ersten Gastgeber von außen hatten das Problem, dass sie 2008 keine gute Kamera und kein gutes Smartphone hatten (ich erinnere: Das iPhone 1 erschien erst 2007, ein Jahr zuvor). Damit konnten sie keine guten Bilder von ihren Wohnungen machen. Also hat sich Brian selbst eine Spiegelreflexkamera gekauft und ist zu den Gastgebern hin und hat Bilder von der Wohnung gemacht, die dann auf Airbnb.com eingestellt wurden.

Von diesen Stories gibt es hunderte, und alle beweisen eines: Ernsthaftigkeit (earnestness). Airbnb ist kein Spaß. Sondern Brian tut alles Menschenmögliche, um “sein Baby” Airbnb erfolgreich zu machen. Genau das ist es, was an Brian Chesky so faszinierend ist. Er übernimmt volle Verantwortung für das Unternehmen und uns Investoren. Mit 26% aller ausstehenden Aktien ist er jeden Tag voll motiviert. Das ist selbst für einen Gründer sehr, sehr viel  — Jeff Bezos (16% Amazon) und Elon Musk (18% Tesla) halten deutlich weniger ihrer eigenen Firmen.

 

▲ Brian Chesky, Gründer und Geschäftsführer von Airbnb.

 

 

Geschäftsmodell im Detail: Übernachtungen und Erfahrungen

▲ Airbnb agiert schnell: In Coronazeiten gibt es Online-Experiences und lokale Adventures. Uns wird zuhause langweilig. Wir wollen rausgehen, was erleben. Airbnb hat das passende Angebot. Ein weiteres Argument für den Ausruf “Es gibt keine schlechten Branchen, nur unkreative Unternehmer”.

 

Airbnb.com ist ein Online-Marktplatz für Übernachtungen (hauptsächlich bei anderen Privatpersonen) und Erlebnisse. Airbnb ist in über 220 Ländern und über 100.000 Städten mit 7 Mio. Listungen auf der ganzen Welt präsent und weitgehend bekannt sowie akzeptiert. Der Großteil des Umsatzes und Gewinnes entfällt aktuell jedoch auf die zahlungskräftigeren Kunden in den USA und Europa.

Airbnb besitzt keine Immobilien oder Erlebnis-Veranstalter, sondern dient lediglich als Marktplatz (“Broker”) und vermittelt zwischen Angebot und Nachfrage. Für jede erfolgreich vermittelte Übernachtung oder Erlebnis erhält Airbnb eine umsatzabhängige Vergütung. Man kann einzelne Übernachtungen (wie bei einem Hotel) oder auch ganze Monate und Jahre (normale Mietverträge) auf Airbnb buchen.

Auch für die Gastgeber ist es genial: Ohne Kapitalkosten und teure Hotellerie-Registrierung kann sofort ein Reingewinn in der eigenen Wohnung erwirtschaftet werden. Für viele Gastgeber ist es so profitabel, dass sie sich eigens Mietwohnungen beschaffen, die sie dann per Airbnb untervermieten – ohne alle Einschränkungen, Anforderungen, komplexe Bürokratie und Gebühren, die normalerweise bei einem Hotel anfallen.

 

Burggraben Listungen: Gast und Gastgeber bewerten und kommentieren sich (wie bei UBER oder Lyft) bei jeder Buchung gegenseitig, um “schlechte Gäste” oder “schlechte Gastgeber” auszufiltern und letztendlich aus der Plattform auszuschließen. Auch das stellt über die Zeit einen enormen Burggraben dar.

 

 

Burggraben “Marke Airbnb”: Airbnb gilt als führender Anbieter von privaten Übernachtungen und als die vertrauensvollste Marke. Wenn man “wildfremde Menschen” bei sich zu Hause übernachten lässt, spielt das eine große Rolle. Airbnb hat einen wichtigen Ruf als “sichere, seriöse, vertrauenswürdige” Plattform zu verlieren. Deshalb sammeln sich wie bei einem sozialen Netzwerk sowohl Gäste als auch Gastgeber um den Platzhirschen herum magnetisch an.

 

 

Burggraben Regulation: Die Übernachtungs- und Hotellerie-Regulation obliegt in fast allen Ländern der Welt den lokalen Behörden (Städten): Tourismus-Gebühren, minimaler und maximaler Übernachtungszeitraum, Reisepasskontrolle, Mindestpreise/Maximalpreise, maximale Anzahl an vermieteten Tagen/Jahr. Entsprechend komplex ist die globale Hotel-Industrie. Airbnb ist mittlerweile aber in über 100.000 Städten zugelassen und hat die eigene Regulatorik jeder Stadt im System abgespeichert, hat eigene Verträge mit den Städten geschlossen und arbeitet damit “rechtssicher”. Eine unglaubliche Aufgabe, die auch viel Kapital erfordert. Die Regulatorik ist jetzt ein Burggraben: Dieses System zu kopieren, ist zeitaufwändig, anfällig für Rechtsklagen/Rufschaden und kapitalintensiv.

 

 

2. Bewertung der Airbnb Aktie

IPO AlleAktien Qualitätsscore: 4 / 10 Punkten

▲ Im AAQS IPO-Score erreicht Airbnb nur 4 von 10 Punkten, dank Corona-Effekt. Zwei Punkte fehlen alleine, weil das Umsatzwachstum jetzt in 2020 fehlt. Weitere zwei Punkte fehlen, weil das Unternehmen erst ab 2022 profitabel werden wird. Der pre-Corona-Plan war, schon 2021 profitabel zu werden. Der Corona-Effekt ist wie eine Zeitdilatation um ca. zwei Jahre nach hinten: Alles, was eigentlich 2020 geplant war, das wird erst 2022 erreicht. Achtung: Das ist nicht der “normale” AAQS-Score.

 

 

 

 

Bewertung der Airbnb Aktie: Derzeit unterbewertet?

1. Airbnb ist ein Fast Grower nach Peter Lynch

▲ Airbnb ist ein sehr eindeutiger Fast Grower. Der Gewinn wächst schnell, das Geld wird investiert und vorerst gibt es keine Dividenden. Fast Grower soll man kaufen, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das Wachstum gehalten werden kann.

 

 

2. AlleAktien Discounted Cashflow (AA DCF)

AlleAktien DCF-Modell als Excel-Datei herunterladen »

▲ Airbnb im AlleAktien DCF Modell. Hier seht ihr meine Annahmen: 32% Umsatzeinbruch 2020. Rückkehr zu normalem Wachstum ab 2021, welches dann zügig erst auf 20% (bis 2030) und ab dann auf 10% pro Jahr abflachen wird. Bei diesen Annahmen landet man bei einer Überbewertung von mehr als 28%, und einem klaren “nicht zeichnen” bzw. “nicht kaufen” beim aktuellen Kurs. Das Hauptproblem war also, dass die Aktie direkt nach dem Börsengang so stark in die Höhe geschossen ist. Denn zu ca. 60 Mrd. USD Marktkapitalisierung wollte Airbnb doch ursprünglich an die Börse gehen.

 

Meine Empfehlung: Ladet euch unser AlleAktien DCF-Modell als Excel-Datei herunter und pflegt eure eigenen Annahmen ein. Dann lernt ihr, wie sich Airbnb bei unterschiedlichen Wachstums- und Margenkonstellationen verhalten wird. Und im Ergebnis: Ob die Aktie bei euren Annahmen aktuell kaufenswert ist.

 

 

 

3. AlleAktien Future Multiple Valuation (AA FMV)

Bewertungsmethodik: AlleAktien Future Multiple Valuation

Im stark vereinfachten AlleAktien FMV-Modell kommen wir auf immerhin 4% Rendite pro Jahr bis 2030, da hier die Opportunitätskosten nicht berücksichtigt sind. Auch keine besonders herrliche Rendite gemessen an den Risiken, die vor uns stehen.

Das AA FMV Modell ist im oberen Screenshot unten rechts eingebettet, als Teil des AA DCF Modells.

 

 

3. Risiken von Airbnb

Ewigkeitsfaktor: Wie wahrscheinlich ist es, dass es Airbnb 2030 besser geht als heute?

Auf Unternehmensebene bin ich überzeugt, dass Airbnb und die Geschäftsführung viele gute Jahre vor sich haben werden. Das Unternehmen hat eine mittelstarke Verschuldung und das Wachstum lief in den letzten Monaten seit September schon wieder gut an. Gleichzeitig arbeitet Airbnb mit voller Energie daran, so schnell es geht profitabel zu werden. Das werden sie ab 2022 erreichen, in knapp über 18 Monaten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Airbnb 2030 besser als 2020 gehen wird, sehe ich bei über 80%. Das mag für viele etwas gering erscheinen, doch man darf nicht vergessen: Airbnb ist Stand heute eben noch nicht profitabel, und jederzeit auf Investoren von außen angewiesen.

 

Substanzielles Risiko 1: Bewertungsrisiko

Substanzielles Risiko 1: Bewertungsrisiko

Airbnb ist bewertet wie ein Corona-Profiteur statt ein Corona-Verlierer.

Fundamentale Auswirkung bei Eintritt: hoch

Airbnb ist disruptiv, genau wie Tesla. Trotzdem rechtfertigt das nicht jedes willkürliche und utopische Preisschild. Die Bewertung ist mit knapp 100 Mrd. auf unter 10 Mrd. Umsatz bereits riesig: ein KUV von über 20. Da ist sehr wenig Spielraum für Enttäuschungen. Gleichzeitig drängen sich Booking Holdings und kleinere Startups weltweit bereits auf: Sie kopieren das Airbnb Geschäftsmodell und erlauben jedermann, die eigenen Wohnungen zu vermieten. Airbnb wird keine 100% Marktanteil haben, sondern bei ~50% landen. Zuletzt ist Airbnb von vielen irrationalen Privatanlegern auf Biegen und Brechen ins Depot gelegt worden, vor allem in Amerika. “Robinhood Trader” nennt man solche Aktionäre. Das sind unerfahrene Privatanleger, die auf das Bauchgefühl statt Fakten setzen. Das kann gut gehen, aber meistens geht es nicht gut.

 

Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb von 12 Monaten: mittel

Ich sehe die Wahrscheinlichkeit bei 50%, dass der Kurs aus diesem Grund in den kommenden 12 Monaten stark einknicken wird. Das bedeutet für uns dann: Die abgestraften Qualitätsaktien aufsammeln. Antizyklisch investieren, wenn die Stimmung am Boden ist. Genau das hat uns auch mit theTradeDesk, Tesla, HeidelbergCement, LVMH und Mastercard erfolgreich gemacht.

 

Substanzielles Risiko 2: Corona-Reaktion

Substanzielles Risiko 2: Corona-Reaktion

Airbnb ist ein Corona-Verlierer. Wie reagiert CEO Brian Chesky?

Fundamentale Auswirkung bei Eintritt: sehr hoch

2021 wird — wie 2020 — eine Welt, die sich unglaublich schnell ändert. Kundenwünsche ändern sich aufgrund der Lockdown-Einschränkungen ständig. Viele Unternehmen können sich nicht anpassen und gehen insolvent. Insolvenz bedeutet bei Aktien Totalverlust.

 

Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb von 12 Monaten: mittel

Grundsätzlich halte ich die Wahrscheinlichkeit bei Airbnb für sehr gering, zumindest rückblickend. Bisher haben sie Corona — im Gegensatz zu Marriott, TUI und Lufthansa — hervorragend gemeistert. Obwohl sie stark betroffen waren, haben sie flexibel und schnell reagiert. Schnell die neuen Kundenwünsche wahrgenommen: Onlineseminare verkauft. Online-Schulungen. Online-Erfahrungen (gemeinsam etwas online lernen oder machen). Und schließlich: Ferienwohnungen und lokale Trips (im Umkreis einer Autofahrt) vermitteln.

Trotzdem stufe ich das Risiko als “mittel” ein, denn niemand von uns weiß, was 2021 und 2022 genau bringt. Noch eine Virus-Mutation oder noch mehr Lockdown. Exakt das ist für mich die Definition von Risiko: Man weiß nicht, was passiert. Das Ergebnis ist dann meistens eine positive oder negative Überraschung.

 

 

4. Fazit zu Airbnb: haltenswert

Ich halte Airbnb für haltenswert

▲ Airbnb wirbt jetzt mit “Go Near”. Mach Urlaub in der Nähe, raus aus der langweiligen Bude. Und trifft damit perfekt den Nerv der Zeit. Unternehmen mit solch einer Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind einfach nur beeindruckend. Darwin sagt so schön: “Es sind nicht die stärksten oder intelligentesten Spezies, die überleben, sondern die anpassungsfähigsten”. Bei Firmen ist es ebenso.

 

Es sind nicht die stärksten oder intelligentesten Firmen, die überleben, sondern die anpassungsfähigsten.Michael C. Jakob, inspiriert von Darwin

 

Airbnb ist für mich beim aktuellen Kurs zwischen verkaufens- und haltenswert geblieben. Verkaufenswert, weil die utopische Bewertung und die direkte Corona-Betroffenheit sehr viele Risiken erzeugt, wenig Spielraum für Fehler.

Ich tendiere allerdings zu “haltenswert”, weil ich ein mittel verschuldetes Qualitätsunternehmen mit starkem Wachstum, welches in 18 Monaten profitabel wird, nur schweren Herzens als verkaufenswert einstufen würde. Langfristig, in zehn und mehr Jahren, wird sich Airbnb als Unternehmen sehr gut entwickeln. Nur aktuell ist die Aktie einfach zu teuer für einen Einstieg, der die Risiken rechtfertigen würde. Daher packe ich Airbnb auf die AlleAktien Premium Watchlist und schlage zu, wenn die Aktie kaufenswert wird. Ihr werdet dabei als Erstes informiert.

Eine Regel halte ich bei Börsengängen für mich heilig: Die drei-Quartale-warten-Regel. Bis auf den Börsengangsprospektus gibt es noch kaum Informationen und nur drei Jahre Umsatzhistorie. Noch keine Präsentationen. In den kommenden drei Quartalen (9 Monaten) wird sich zeigen, wie der CEO Brian Chesky mit den Investoren kommuniziert und ob er seine angekündigten Wachstumsprognosen einhält. Man muss nicht immer sofort dabei sein. Auch bei Facebook, Amazon, Google, theTradeDesk, Square und Tesla hatten wir nach dem Börsengang noch viele Monate Zeit, bevor die Aktie angesprungen ist. Es wird in Zukunft ein besseres Unternehmen zu einem hoffentlich besseren Preis sein.

 

 

Aufrichtige Grüße,
Michael C. Jakob
AlleAktien Gründer und Geschäftsführer

 

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit keine Aktien von Airbnb.

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