Torsten Tiedt |

Gründer von Aktienfinder.Net - einem in kürzester Zeit zu internationaler Bekanntheit gelangten Aktienscreener, der nachhaltiges Gewinnwachstum sichtbar macht, damit auch gewöhnliche Anleger von langfristig steigenden Dividenden und Kursgewinnen profiteren können.

Aktie teuer. Trotzdem kaufen?

Auf mein Video “Aktien günstig kaufen. Fair Values verstehen.“ kam folgende Frage:

„Also in dem konkreten Beispiel mit 3M wäre die Aktie momentan überteuert, oder? Aber wann steigt man dann ein, wenn die Aktie nur noch steigt im Kurs?“

Eine gute Frage, die sich vermutlich viele Anleger stellen. Trotz der aktuellen Korrektur befinden sich die Indizes insbesondere in den USA weiterhin nahe ihrer historischen Hochs. Soll man eine „teure“ Aktie nun kaufen oder nicht?

Hinweis: Wer mit dem Begriff „fairer Wert“, bzw. „fair value“ wenig anfangen kann, sollte sich zunächst damit auseinandersetzen und danach eine Möglichkeit finden, wie er an den fairen Wert einer Aktie gelangt. Ansonsten wird der Begriff „teuer“ durch Bauchgefühl oder unbefriedigende Hilfskonstrukte wie das einfache KGV bestimmt. Die im Aktienfinder implementierten Fair Values sind hier beschrieben.

Hat man als Investor ein Auge auf eine Aktie geworfen, an die man sich gerne über Jahre binden möchte, die aber teuer scheint, hat man unterschiedliche Möglichkeiten, damit umzugehen:

  • Trotzdem kaufen
  • Auf günstigere Aktien ausweichen
  • Warten
  • Optionen schreiben

Trotzdem kaufen

Die Aktie eines Unternehmens zu kaufen, dessen Gewinne langfristig steigen, wird langfristig immer zu einer positiven Rendite führen. Die folgende Grafik ist aus „Ein Satz gegen den gefühlten Crash“ entnommen und zeigt beispielhaft, das ein höherer fairer Wert langfristig auch den Kurs noch oben treibt.

Quelle: Aktienfinder.Net

Also Qualitätsaktien kaufen um jeden Preis? Kann man machen. Als konservativer Investor konzentriert man sich dann auf das Wesentliche: die Qualität einer Aktie. Mit Schnäppchen und Überrenditen am Stammtisch angeben, wird man dann eher nicht. Aber wessen Ego so etwas nicht braucht, kann das durchaus tun. Baut man sich die Position in mehreren Käufen auf, scheidet zudem die ärgerliche Möglichkeit aus, zum (vorläufigen) Höchstkurs eingestiegen zu sein.

Auf günstigere Aktien ausweichen

Bevorzugt auf eine Aktie aus derselben Branche und demselben Land, da Sie ansonsten ihre Portfoliostruktur dem Preisdiktat der Aktien unterwerfen. Leider ist diese Ausweichstrategie nicht immer erfolgreich. Der Markt preist nicht perfekt. Aber er ist auch nicht dumm. Wenn die Aktie eines Konkurrenzunternehmens günstiger bewertet ist, hat dies sicherlich einen Grund. Den gilt es herauszufinden, um beurteilen zu können, ob die Wachstumsqualität der alternativen Aktie den eigenen Anforderungen genügt. Falls ja, ist das Ausweichen auf diese Aktie eine Möglichkeit. Selbstverständlich können Sie auch beide Aktien kaufen und haben dann anstatt einer großen zwei kleinere Positionen.

Warten

Wird von eher unerfahrenen Anlegern des Öfteren gemacht. Die Gefahr: steigenden Kursen lange genug hinterherzuschauen, löst Verpassens-Angst aus. Spätestens, wenn der Nachbar von seinen Kursgewinnen erzählt und die Medien den schnellen Reichtum versprechen, ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Die Gier gewinnt die Oberhand. Es wird massiv gekauft, wenn die Euphorie die Kurse bereits in fundamental entrückte Dimensionen getrieben hat.

Mit dieser Strategie wird man wahrscheinlich nicht nur eine niedrigere Rendite erzielen, sondern dem Aktienmarkt als „geläutertes Opfer eines unberechenbaren Spielkasinos“ den Rücken kehren.

Hinweis: Um den typischen Börsenzyklus zu verstehen, empfehle ich die kostenlose Kapitalmarktprognose 2018 von GrünerFisher Investments.

Optionen schreiben

Etwas genauer: Put-Optionen auf „teure“ Aktien schreiben mit dem Ziel, während des Wartens auf den Kursrückgang Prämie für die verkauften Optionen zu kassieren und sich die Aktien andienen zu lassen, sobald der Kursrückgang eintritt.

Diese Strategie setzt voraus, dass man sich mit dem Thema Aktienoptionen beschäftigt und ist die anspruchsvollste der hier vorgestellten Kaufstrategien. Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, wird bei Zahltagstrategie von Nils Gajowiy bestens bedient.

Wie ich entscheide

Für mich kommen alle vier Strategien in Frage. Notiert eine Aktie weit über ihren fairen Wert, frage ich mich zunächst, wann der faire Wert den Prognosen entsprechend erreicht sein wird. Je später der faire Wert erreicht wird, desto unwahrscheinlich ist es, dass ich die Aktie zu einem solch hohen Kurs kaufe.

Bei 3M, der Aktie des Fragestellers, ist dies Ende 2020 der Fall (laut der Fair Value Berechnungen des Aktienfinders basierend auf Gewinn und operativem Cash-Flow).

MMM Fair Value

Quelle: Aktienfinder.Net

Dies empfinde ich trotz des aktuellen Kursrückgangs als eine sehr sportliche Bewertung. Ein Kauf zu diesem Preis kommt für mich nicht in Frage. D.h. ich würde bei entsprechender Prämie entweder Optionen schreiben oder versuchen, auf eine andere Aktie auszuweichen.

Fazit

„Hätte ich damals doch XYZ gekauft, als sie noch billig waren. Heute ist der Zug schon abgefahren.“ Leicht vergisst man, dass dieselbe Aktie damals entweder in Ungnade gefallen war oder der Zug auch damals schon abgefahren schien.

Lassen Sie sich von scheinbar hohen Kursen deshalb genauso wenig von einem Kauf abhalten wie von billigen Kursen verleiten, in schlechte Qualität zu investieren. Und wenn es nach dem Kauf einer Aktie zunächst nach unten geht, dann ist das halt so. So lange fundamental mit dem Unternehmen alles in Ordnung ist, sitzen Sie den Rücksetzer einfach aus. Mir selbst ist das schon oft genug passiert.

3 Antworten

  1. Peter Quick sagt:

    Ja, Aktienoptionen schreiben ist prinzipiell ein guter Ansatz. Aber man braucht dafür auch das nötige Kleingeld! Beispiel 3M. Bei einer Bewertung von ca. $200/Aktie schreibe ich einen Put auf z.B. $180. OK, werde ich jetzt aber ausgeübt, muß ich auf einen Schlag $18.000 parat haben. Das kann nicht jeder. Gut, ich könnte natürlich sofort wieder einen Teil der Aktien verkaufen, aber wenn der Preis unter dem Strike liegt, wäre das ja ein Verlust…
    Also im Prinzip gut, mache ich auch bei Aktien wie CVS, WBA, aber nicht bei dreistelligen Preisen…

  2. Hallo Peter,

    mit Aktien-Optionen kann man sehr viele Strategien fahren. Klar, wenn man sich ausüben lassen würde, dann benötigt man das entsprechende Kapital.

    LG!

  1. 20. Januar 2019

    […] Wer kauft nicht gerne günstig ein? Doch günstig heißt nicht billig! Für uns Aktionäre bedeutet dies, dass wir unterscheiden müssen, ob ein Kursrückgang eine günstige Kaufgelegenheit darstellt oder es sich um den Griff ins fallende Messer handelt. Dabei beziehe ich mich nicht auf Charttechnik, sondern auf fundamentale Merkmale, die für den langfristigen Anlageerfolg von entscheidender Bedeutung sind, denn langfristig steigende Kurse und Dividenden hängen von langfristig steigenden Unternehmensgewinnen a…. […]

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