Aktien Kennzahlen richtig interpretieren und verstehen – und Fehler vermeiden

Die Analyse von Aktien anhand von Aktien Kennzahlen und Fundamentaldaten ist bei vielen Investoren sehr beliebt. Dafür gibt es gute Gründe:

  • Geringer Zeitaufwand: Grafiken und Zahlen sind schnell zu lesen, verglichen mit den oft hunderten Seiten dicken Geschäftsberichten.
  • Objektivität: Umsatz, Gewinn und Cashflow werden nach genau definierten Regeln berechnet (internationale Rechnungslegungsstandards).
  • Vergleichbarkeit von Unternehmen: Welches Unternehmen wächst schneller im Umsatz und Gewinn? Welche Aktie hat die höhere Dividendenrendite? Anhand von Kennzahlen können verschiedene Investitions-Alternativen einfach miteinander vergleichen werden.

 

Fehler bei der Interpretation von Kennzahlen

Doch Vorsicht: Wer „nur mal eben schnell“ auf die Kennzahlen schaut, der kann gravierende Fehler machen. Unter Umständen können diese Fehler viel Geld kosten. Daher möchten wir in den folgenden Abschnitten dieses Artikels häufige Fehler bei der Interpretation von Kennzahlen aufzeigen – und dir erklären, wie du diese Fehler vermeiden kannst.

 

Umsatz und Gewinn brechen plötzlich stark ein – was tun?

Praxisbeispiel: YUM! Brands: Einen solchen Fall hatte ich selbst erst vor wenigen Wochen, als ich mir die Umsatzentwicklung von YUM! Brands angeschaut habe. Nach einem schönen Umsatzwachstum von 2000 bis 2015 erfolgte im Jahr 2016 ein regelrechter Absturz. YUM! Brands ist die Muttergesellschaft der Fast-Food-Ketten KFC, Taco Bell und Pizza Hut. Ist das Geschäftsmodell also in Gefahr?

Eines vorweg: Die Umsatzentwicklung ist korrekt. Es handelt sich nicht um einen Daten-Fehler. Aber YUM! Brands steckt auch nicht in einer Krise. Das Unternehmen hat sich schlicht und einfach aufgespalten. Statt einer YUM! Brands-Aktie gibt es seit 2016 zwei getrennte Unternehmen, denn das China-Geschäft des Unternehmens wurde abgespalten und ebenfalls an die Börse gebracht. Folglich fehlen die China-Umsätze nun bei der „alten“ YUM! Brands-Gesellschaft.

In diesem Fall ist also nicht die Nachfrage eingebrochen, sondern es wurde ein Teil des Unternehmens abgespalten.

Bei yum Brands ist der Umsatz gravierend eingebrochen: Warum? Nur mit einen Blick in den Geschäftsbericht oder mit Aktienanalysen (z.B., auf AlleAktien.de) findet man heraus: Das China-Geschäft wurde in “yum Brands China”, ein eigenes Unternehmen und eine eigene Aktie, abgespalten.

 

Profi-Tipp: Daher sollten Anleger bei auffälligen Schwankungen immer kurz in den Geschäftsbericht schauen und prüfen, ob es eine Erklärung für das Phänomen gibt. Nur so kann störender „Lärm“ von echten Warnsignalen getrennt werden.

 

 

Ist es ein internes Problem oder leidet die gesamte Branche? 

Wer sich intensiver mit Unternehmen und Aktien beschäftigt, der hört bei einer schlechten Geschäftsentwicklung öfters Ausreden vonseiten des Managements. Modeanbieter verweisen dann gerne auf das „schlechte Wetter“ und Automobilhersteller auf die „schwache Konjunktur“.

In diesem Fall sollten Anleger prüfen, ob es sich wirklich um ein branchenspezifisches Problem handelt, oder ob das Management nur eine Ausrede für die schwache Leistung sucht. Dies gelingt durch die Kennzahlen-Analyse von Wettbewerbern. Ziehen wir als Beispiel die Automobilindustrie heran: Der traditionsreiche Hersteller Ford (Erfinder der Fließbandfertigung und des „Model T“ kann seinen Umsatz bereits seit dem Jahr 2000 nicht mehr steigern. Dafür fallen dem Management eine Reihe von Gründen ein: Die schwache Konjunktur, der Handelskonflikt zwischen China und den USA, ein gesättigter Markt usw.

Umso erstaunlicher ist es vor diesem Hintergrund, dass anderen Automobilherstellern wie Tesla ein massives Umsatzwachstum gelingt. Wie kann das nur möglich sein, denn der Markt stagniert ja?

Ganz einfach: In einer freien Marktwirtschaft treffen die Kunden die Entscheidungen. Offensichtlich gefallen den Kunden die Produkte von Tesla deutlich besser, die Nachfrage nach den Modellen des kalifornischen Herstellers steigt rapide an. Während Ford den stagnierenden Umsatz auf äußere Einflüsse schiebt, beweist Tesla, wie man in diesem Markt wachsen kann. Immerhin: Ende 2019 hat Ford einen vollelektrischen Geländewagen vorgestellt, der bei vielen Beobachtern auf Begeisterung gestoßen ist.

Profi-Tipp: Wenn es bei einem Unternehmen kriselt, immer prüfen, wie sich die Kennzahlen der direkten Wettbewerber entwickeln. Wenn diese ebenfalls zu kämpfen haben, so deutet dies tatsächlich auf ein branchen-spezifisches Problem hin. Gelingt es der Konkurrenz hingegen zu wachsen, dann wirkt die Begründung des Managements eher wie eine Ausrede.

Laut Ford und GM stagniert die Automobil-Branche seit 20 Jahren (6 Jahre mehr, als hier überhaupt angezeigt werden). Kann man diesen “Ausreden” für sinkende Umsatzzahlen bei Ford/GM glauben schenken?

 

Fazit: Aktien Kennzahlen bereiten große Freude – aber Vorsicht bei der Interpretation 

Aktien Kennzahlen und Fundamentaldaten sind ein mächtiges Instrument. Innerhalb von wenigen Sekunden können zahlreiche Daten geprüft werden. Bei starken Schwankungen sollte immer der Grund für die Abweichung gesucht werden. Dieser ist im Geschäftsbericht zu finden. Macht das Management eines Unternehmens die schlecht laufende Branche für ein schwaches Abschneiden verantwortlich, so sollte stets geprüft werden, ob die Konkurrenz ebenfalls mit denselben Problemen zu kämpfen hat.

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