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Buy and Hold: Warum die langweiligste Anlagestrategie der Welt die höchste Rendite bringt

Buy and Hold. Aktien kaufen, dann im Depot liegen lassen. Entspannt. Langweilig. Aber funktioniert. Ziemlich gut sogar.

Der folgende Beitrag stammt nicht von mir (Jonathan Neuscheler), sondern von Christoph Haberkorn. Christoph ist 35 Jahre alt, er investiert bereits seit rund 15 Jahren in Aktien. Sein Wissen teilt er kostenlos auf seinem Youtube-Kanal „Christophs Aktienkurs“. In diesem Beitrag beschreibt er für uns seine zugegebenermaßen äußerst langweilige, dafür aber auch ziemlich erfolgreiche, Anlagestrategie. Ich bin mir sicher, jeder von uns kann dabei etwas lernen.

  • Wie legt Christoph sein Geld an?
  • Welche Top 5 Aktien liegen in seinem Depot?
  • Was hat er in 15 Jahren an der Börse gelernt?

Lassen wir uns die Fragen von ihm selbst beantworten!

Podcast zum Artikel "Buy and Hold - die Anlagestrategie von Christoph Haberkorn"

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Die Anfänge

Hätte ich damals schon den Slogan meines Youtube-Kanals („Erst in finanzielle Bildung investieren – dann in Aktien“) verinnerlicht und befolgt, hätte ich mir wahrscheinlich das ein oder andere Lehrgeld, welches ich bezahlt habe, sparen können. Meine erste Aktie war die Infineon Aktie. Kaufgrund: Es war damals die Dax-Aktie mit dem geringsten Kurs und ich konnte die meisten Stücke für mein Geld kaufen. Ich behaupte mal, dass wahrscheinlich die meisten Börsianer so oder so ähnlich begonnen haben.

Die Infineon-Aktie rauschte nach dem Kauf – wie sollte es anders sein – in den Keller und ich verkaufte den gesamten Bestand mit einem Verlust von ca. 25%. Dies war für mich jedoch kein Grund, nicht weiter an der Börse aktiv zu sein und mein Glück erneut zu versuchen.

In den folgenden Jahren kaufte und verkaufte ich diverse Aktien ohne nennenswerte Erfolge. Meist hielt ich für einige Monate mehr oder weniger bekannte deutsche und später auch zunehmend internationale Papiere. Aus heutiger Sicht würde ich meinen damaligen Investmentstil wie folgt skizzieren: ängstlich, emotional, auf schnelle Gewinne aus, mit nur bedingtem Interesse an dem hinter der Aktie stehenden Unternehmen, ohne klare Strategie und Ziele.

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Keine guten Voraussetzungen, um langfristig und nachhaltig eine gute Rendite zu erzielen. Mit der Zeit begann ich jedoch, mehr und mehr über Aktien zu lesen und mir entsprechendes Börsenwissen anzueignen. Das ging los mit den sehr unterhaltsam geschriebenen Geschichten von Kostolany, welcher eher Spekulant als langfristiger Investor war. Später las ich verschiedene Bücher, die die Anlagestrategie und Denkweise der Investorenlegende Warren Buffett behandelten („Buffettology“, kann ich nach wie vor sehr empfehlen). Einige Zeit später stieß ich auf das Werk „Common Stocks and Uncommon Profits“ von Philip A. Fisher, welches rückblickend meine Anlagestrategie und mein „Aktien-Mindset“ nachhaltig beeinflusst hat.

Ebenfalls sehr viel Content liefert „One up on Wall Street“ von der Investorenlegende Peter Lynch. Hier werden u.a. auch die 6 Aktienkategorien (z.B. Fast Grower, Zykliker, Turnarounds etc.) behandelt, die man von den Analysen von AlleAktien.de kennt.

Meine Anlagestrategie im Überblick

Ich investiere langfristig (idealerweise über mehrere Jahrzehnte) in Aktien von Unternehmen, die in ihrer Branche zu den führenden Playern mit entsprechend hoher Marktmacht zählen und die ein hohes Wachstumspotential besitzen.

Man erkennt diese Unternehmen meist an überdurchschnittlich hohen Gewinnmargen, die aus einer hohen Preissetzungsmacht und qualitativ sehr guten Produkten bzw. Dienstleistungen resultieren.

Die Entwicklung des Aktienkurses hängt langfristig immer und ausschließlich von der Gewinn- und Cash Flow-Entwicklung des dahinterstehenden Unternehmens ab. Unternehmen, die in der Vergangenheitsbetrachtung stark schwankende Gewinne bzw. Verluste aufweisen, kommen für mich in der Regel nicht in Betracht. Als Aktionäre können wir langfristig nur eine Rendite erzielen, wenn das Unternehmen eine positive Gewinn- bzw. Free Cash Flow-Entwicklung aufweist. Diese spiegelt sich in einem steigenden Unternehmenswert und somit letztlich in einem steigenden Aktienkurs wider. Gewinn bedeutet, dass nach Abzug aller Kosten, auch der Zinskosten für das Fremdkapital, noch Geld übrigbleibt, welches die Eigenkapitalbasis stärkt und z.B. für weitere Wachstumsinvestitionen oder die Ausschüttung von Dividenden verwendet werden kann.

Warum es nicht „den Aktienmarkt“ gibt

Es gibt aus meiner Sicht nicht den Aktienmarkt, von dem in den Medien meistens die Rede ist. Natürlich korreliert die Entwicklung der meisten Aktien im Rahmen von großen Auf- und Abschwüngen stark miteinander. Dennoch gibt es insbesondere seit der letzten großen Finanzkrise große Unterschiede hinsichtlich der Nachfrage nach verschiedenen Aktien: Unternehmen mit einem extrem stabilen Geschäftsmodell, die zudem weiteres Wachstumspotenzial aufweisen, sind tendenziell deutlich höher bewertet (nachgefragt) als solche mit stark schwankenden Gewinnen und geringen bzw. negativen Free Cash Flows.

Diese Tatsache hat sich zum Beispiel auch Warren Buffett zu Nutze gemacht, indem er sich bei seinen Aktieninvestments genau auf diese außergewöhnlich starken Unternehmen fokussiert und dadurch den breiten Aktienmarkt deutlich outperformt hat.

Es ist auch absolut logisch und rational, dass diese Top-Unternehmen stärker nachgefragt sind. Als Aktionäre bzw. Eigenkapitalgeber werden wir insbesondere im Krisenfall immer nachrangig behandelt. Dies hat damit zu tun, dass z.B. die Zins- und Tilgungsansprüche der Fremdkapitalgeber vertraglich vereinbart sind und auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten entsprechend bedient werden müssen. In solchen Situationen wird die Dividende regelmäßig gekürzt oder ganz gestrichen. Auch auf den Aktienkurs wirken sich Krisensituationen meist negativ aus: Zum einen steigt das Risiko einer Insolvenz, zum anderen werden die Prognosen zur zukünftigen Gewinn- bzw. Free Cash Flow-Entwicklung reduziert, was sich negativ auf den Unternehmenswert auswirkt.

Je unwahrscheinlicher solch ein extremes Krisenszenario ist, desto höher ist eine Aktie bzw. ein Unternehmen nachgefragt. Die Top-Unternehmen werden somit regelmäßig zu deutlich über dem Marktdurchschnitt liegenden KGVs (Kurs-Gewinn-Verhältnis) bzw. KCVs (Kurs-Cash Flow-Verhältnis) bewertet. Man kann dies als eine Art zusätzliche Prämie für die gegenüber dem Durchschnittsunternehmen höhere Sicherheit bzw. das geringere Risiko einer Insolvenz betrachten.

Warum ein geringes KGV gefährlich ist

Der Börsenanfänger (und dies betraf zu Anfangszeiten auch mich selbst) sucht tendenziell nach Unternehmen mit einer scheinbar günstigen Bewertung, also z.B. einstelligen KGVs. Denn diese hätten ja noch ein Aufholpotenzial zum höher liegenden durchschnittlichen KGV des gesamten Aktienmarktes. Andersherum werden Aktien mit einer überdurchschnittlich hohen Bewertung tendenziell gemieden, da ja ein höheres Risiko einer Anpassung der Bewertung hin zum Durchschnitt bestünde, so die landläufige Argumentation.

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Macht man sich jedoch klar, warum die unterschiedlichen Bewertungsniveaus existieren, ist dies das genau falsche Vorgehen. Das durchschnittliche KGV des Gesamtmarktes ergibt sich ja genau aus den vielen verschiedenen Unternehmen, von denen viele als eher schwach oder mittelmäßig und nur einige wenige als wirklich stark bezeichnet werden können.

Schaut man sich dann die historische Entwicklung des KGVs eines einzelnen Unternehmens an, wird man regelmäßig feststellen, dass hier über viele Jahre ein meist relativ ähnliches Bewertungsniveau vorherrscht, besondere Krisen- und Boomphasen mal ausgenommen.

Das Argument, dass ein hohes KGV eines guten Unternehmens irgendwann zur durchschnittlichen Marktbewertung zurückkehren muss, kann somit schnell entkräftet werden. Der Aktionär sollte sich im Gegenteil immer freuen, wenn ein von ihm als stark eingeschätztes Unternehmen ein überdurchschnittlich hohes Bewertungsniveau aufweist, da genau dieses seine Einschätzung untermauert.

Gehen wir nun davon aus, dass ein als stark identifiziertes Unternehmen eine durchschnittliche jährliche Steigerung des Free Cash Flows von 15% erreicht und auch in Zukunft zu seinem durchschnittlichen historischen KCV von z.B. 25 bewertet wird, so wird sich die durchschnittliche jährliche Rendite des Aktionärs regelmäßig in Richtung dieser 15% bewegen.

Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht den Sachverhalt:

Jahr FCF KCV Aktienkurs
1 4 25 100
2 4,6 25 115
3 5,3 25 132
4 6,1 25 152
5 7 25 175
6 8 25 201
7 9,3 25 231
8 10,6 25 266
9 12,2 25 306
10 14,1 25 352

Hier wird weiterhin deutlich, dass der Aktionär auch vom Zinseszinseffekt profitiert, denn die 15%-Steigerung des Free Cash Flows bezieht sich ja jeweils auf das Vorjahr.

Gehen wir auf der anderen Seite von einem großen deutschen Automobilhersteller wie Daimler aus, der in der Regel mit einem einstelligen KGV bewertet wird. Hier werden wir feststellen, dass das aktuelle Kursniveau (Mitte August 2019) z.B. bereits Mitte der 90iger Jahre herrschte. Der Aktionär hat über Dividenden natürlich trotzdem einige Prozentpunkte Rendite erzielt, der große reale Vermögenszuwachs über Kurssteigerungen ist hier aber auch über einen langen Zeitraum von 25 Jahren ausgeblieben:

Verlässliche Kurse und Kennzahlen auf Eulerpool

Warum wird Daimler trotz einer in Summe positiven Umsatz- und Gewinnentwicklung von der Börse so „abgestraft“? Dies hat auf der Realebene natürlich mit unternehmens- und branchenspezifischen Themen zu tun (Daimler-Chrysler-Desaster, Autobranche kann als zyklisch betrachtet werden, Trend zur Elektromobilität verschlafen, grundsätzlich hohe Investitionsausgaben usw.). Diese negativen Aspekte spiegeln sich letztlich in den Zahlen des Unternehmens wider. Hier reicht jedoch nicht der Blick in die Gewinn- und Verlustrechnung, die ja tendenziell steigende Gewinne aufweist.

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