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Update

Kraft Heinz Update: Ist jetzt die Zeit für ein Turnaround-Investment gekommen?

Benjamin Franzil

Kraft Heinz Aktie und Aktienanalyse

WKN
A14TU4
Symbol
KHC
Sektor
Nichtzyklischer Konsum
Kurs
36 USD, 32 EUR
Ausstehende Aktien
1.238 Mio.
Marktkapitalisierung
44,0 Mrd. USD
Enterprise Value
69,7 Mrd. USD
Nettoverschuldung
25,7 Mrd. USD
Bruttomarge
35,0 %
EBIT-Marge
22,5 %
Gewinnmarge
1,4 %
Free Cash Flow-Rendite
6,9 %
Dividendenrendite
4,4 %
Datum
06.01.2022

Kraft Heinz Aktie und Update

  • Konsumgüter sind die perfekten Krisenaktien. Konsumgüter sind die Produkte, die immer gekauft werden müssen. Das macht sie langfristig so spannend. Denn in Krisenzeiten profitieren besonders Konsumgüterhersteller. Und Investoren profitieren von der stabileren Kursentwicklung. Gerade für Investoren mit Fokus auf Sicherheit sind diese Aktien deshalb spannend.

  • Kraft Heinz ist in den letzten Jahren stark gefallen. Die Kraft Heinz-Aktie war lange Zeit ein Anlegerliebling. Aber seit 2017 läuft es bei dem Unternehmen nicht mehr gut. Der Kurs ist um über 60 % gefallen, die Gewinne bröckeln und die Dividende wurde gekürzt. Das Problem war eine jahrelange Kultur der Einsparungen. Viele Kraft Heinz-Marken haben darunter gelitten und mussten abgeschrieben werden.

  • Das Management setzt auf den großen Wiederaufbau. Kraft Heinz war eigentlich für Übernahmen bekannt. Durch die hohe Verschuldung ist das mittlerweile nicht mehr möglich. Deshalb fokussiert sich die Firma jetzt stärker auf Schuldentilgung und seine eigenen Marken, um den Konzern wieder gesund aufzustellen für die kommenden Jahre.

  • Ist jetzt die Chance für die Kraft Heinz-Aktie gekommen? Tausende Aktionäre haben mit Kraft Heinz Geld verloren. Sogar Warren Buffett hat mit Kraft Heinz einen teuren Fehler begangen. Aber könnte jetzt die Gelegenheit gekommen sein, um die Aktie günstig einzusammeln und von einem Turnaround zu profitieren? Erfahre es jetzt in diesem Update.

Aktienkurs von Kraft Heinz

Kraft Heinz Update

Kurzvorstellung

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Geschäftsmodell von Kraft Heinz

Kraft Heinz ist der fünftgrößte Lebensmittelhersteller der Welt und Nordamerikas drittgrößter Lebensmittelhersteller. Das Unternehmen produziert viele bekannte Marken, die jeden Tag millionenfach im Einkaufswagen landen. Dabei ist Kraft Heinz vor allem auf die uramerikanischen Produkte fokussiert. Zur Firma gehören verschiedene Marken, die in amerikanischen Haushalten seit Jahrzehnten gekauft werden.

Die Marke Kraft ist bekannt für ihren Schmelzkäse in Scheiben, das Fertiggericht Mac & Cheese oder auch seine Miracle Whip-Mayonnaise. Heinz ist bekannt für seinen Ketchup, der in vielen Regionen auf der Welt über 50 % Marktanteil hat und seine weitere Soßen. Philadelphia kennt man für seine Frischkäsezubereitung. Die Marke Kool-Aid steht für Pulver und Sirup, welche man mit Wasser zu einem Softdrink mischen kann. Aber zu Kraft Heinz gehören auch viele Marken, die überwiegend in den USA aktiv sind wie die Marke Oscar Mayer, die unter anderem Hot Dog-Würstchen herstellt, der Kaffeehersteller Gevalia oder Velveeta, die für besonders zarten Analogkäse bekannt sind.

Innerhalb der Produktkategorien ist Kraft Heinz relativ breit diversifiziert. Sie setzen auf 10 verschiedene Produktkategorien. Gewürze und Soßen haben dabei den größten Umsatzanteil mit ca. 26 % der Umsätze, aber Kraft Heinz setzt auch auf Käse und Milchprodukte, konservierte Lebensmittel, Fleischprodukte, Getränke, Desserts, Kaffee oder auch Snacks.

Die Produkte schmecken den Nordamerikanern besonders gut. 74 % der Umsätze werden hier erwirtschaftet, während das internationale Geschäft nur auf 20 % der Umsätze kommt. Es ist relativ klein und in den letzten Jahren sogar etwas geschrumpft. Anders als viele Wettbewerber hat sich Kraft Heinz vor allem auf die Expansion in den USA fokussiert und die Schwellenländer außen vor gelassen.

Kraft Heinz arbeitet viele Fehler auf

In unserer letzten Kraft Heinz-Analyse vor rund 3 Jahren haben wir bereits die operativen Probleme von Kraft Heinz angesprochen. Der Großaktionär 3G Capital setzte auf gewaltige Kostenreduktionen, indem man unter anderem Marketing und Forschung reduzierte und aggressiv andere Firmen übernahm. Das Konzept ging bei Kraft Heinz leider nicht auf und die Aktie ist seit ihrem Hoch um über 60 % gefallen.

Kraft Heinz konnte zwar seine Kosten senken, aber die Kraft Heinz-Produkte haben ihre Markenmacht deutlich verloren. Ein Grund dafür sind die starken US-Einzelhändler, die auf Eigenmarken (wie Gut & Günstig, Ja! oder K Classic) zu deutlich günstigeren Preisen setzen. Hier ist gerade Costco eine echte Marktmacht. Costcos Eigenmarke Kirkland kam in 2020 auf 59 Mrd. US-Dollar Umsatz und wächst kontinuierlich. Viele Konsumenten greifen gerne zu den günstigeren Marken, weil sie oft sogar in derselben Fabrik gefertigt wurden wie die teuren Markenprodukte. Es gibt in der Regel nur kleine Qualitätsunterschiede, die die Produkte unterscheiden. Hier sind eine starke Marke und ein innovatives Produkt wichtig, um den Eigenmarken immer einen Schritt voraus zu bleiben.

Aber neben den starken Eigenmarken hat Kraft Heinz auch die Trends der letzten Jahre verpasst. Die Menschen ernähren sich immer gesünder, fleischlose Ernährung wird wichtiger und zuckerfreie Produkte werden beliebter. Kraft Heinz‘ Marken haben diese Trends teilweise ignoriert. Die Konsequenz ist, dass Kraft Heinz Abschreibungen in Milliardenhöhe auf viele ihrer Marken vornehmen musste. In 2019 haben sie über 15 Mrd. US-Dollar an Markenwerten aus ihrer Bilanz gelöscht, weil sie merkten, dass die Übernahmen ihren Wert nicht erfüllen können. In 2020 wurden ebenfalls Firmenwerte abgeschrieben. Unter anderem von Kraft und Oscar Mayer, die eher ungesunde und stark verarbeitete Lebensmittel produzieren. Die Dividende wurde außerdem um 36 % gekürzt und eingefroren als Reaktion auf die Abschreibungen.

Kraft Heinz ist das Schlimmste passiert, was einer Konsumgütermarke passieren kann: Sie haben ihre Marke mit zu starken Kostensenkungen zerstört und dadurch ihre Preissetzungsmacht gegenüber dem günstigeren Wettbewerb verloren. Kraft Heinz hat viele Marken, die eher traditionell amerikanisch angesiedelt sind. Marken mit kleinerem Marktanteil haben deshalb wenig entgegenzusetzen. Kraft Heinz musste aus diesem Grund viele Bilanzwerte streichen.

Kraft Heinz zieht die Notbremse

Die Zukunft von Kraft Heinz ist in Gefahr, deshalb hat die Firma in den letzten Jahren reagiert. Kraft Heinz hat im Grunde genommen drei Probleme:

  1. Hohe Verschuldung, die kaum Investitionen möglich macht
  2. Marken, die angestaubt sind und nicht mehr wachsen
  3. Kaum junge Marken, die Wachstumsbereiche adressieren

Kraft Heinz hat deshalb reagiert und baut die Firma aktiv um. Die erste Maßnahme war es, dass man das Geschäft mit Käse und Nüssen verkauft, weil es nicht mehr wächst und von Eigenmarken stark angegriffen wird. Durch diese Verkäufe konnte Kraft Heinz über 6 Mrd. US-Dollar einnehmen, um die Verschuldung zu reduzieren oder wichtige Übernahmen einzuleiten. Ein weiterer Vorteil war, dass die Überlappung mit Eigenmarken im Portfolio von 17 % auf 12 % zurückgegangen ist.

Als Nächstes haben sie kleinere, neue Marken aufgekauft, die Wachstum in den Konzern bringen können. Die letzten drei Übernahmen waren Assan Foods, Just Spices und Primal Kitchen. Alle drei Unternehmen sind im Bereich Soßen und Gewürze aktiv und stehen für ein junges, innovatives Produkt. Just Spices ist sogar ein deutsches Unternehmen, das man für seine kreativen Gewürzmischungen kennt. Die Marke hat Gewürze aus aller Welt und die einheimische Person, die das Rezept entwickelt hat, ist auf der Packung abgedruckt. Assan Foods (Übernahmepreis: 100 Mio. US-Dollar) ist ein türkischer Soßenhersteller und besonders in Schwellenländern aktiv. Primal Kitchen (Übernahmepreis: 200 Mio. US-Dollar) stellt Soßen für eine Paleo-Ernährung her. Diese Ernährungsform wird immer beliebter und Kraft Heinz sichert sich einen der vorderen Plätze im Markt. Das Ziel der Übernahmen ist es, diese Marken aufzubauen und neue Supermarken im Konsumsektor aufzubauen. Just Spices ist zum Beispiel international kaum aktiv und soll zu einer globalen Marke für Gewürze werden.

Kraft Heinz setzt mittlerweile auf Portfolioumstrukturierungen. Sie haben viele kleine und eher schwache Marken verkauft, die in hohem Wettbewerb standen. Außerdem kauft Kraft Heinz junge Marken hinzu. Allerdings nur in einem reduzierten Rahmen. Die hohe Verschuldung ermöglicht keine großen Übernahmen mehr.

Die letzte Maßnahme ist, dass Kraft Heinz seine bisherigen Marken ausbaut und versucht, aus ihnen moderne Marken mit Preissetzungsmacht zu formen. Das wird bisher eher in kleinerem Umfang angegangen, aber die ersten Schritte sehen gut aus. Allerdings sollte man bedenken, dass der Fokus aktuell vor allem auf Schuldenabbau gesetzt wird, weil Kraft Heinz eine kritische Verschuldung hatte. Mittlerweile ist die Verschuldung auch wieder deutlich zurückgegangen. Kraft Heinz kommt auf ein Nettoschulden-EBITDA-Verhältnis von 3,4. Das ist immer noch hoch, aber Kraft Heinz liefert auch stabile Cash Flows.

Das Ziel der ganzen Maßnahmen ist klar: Kraft Heinz möchte wieder aus eigener Kraft wachsen können mit rund 1 % bis 2 % pro Jahr und der operative Gewinn soll in Zukunft auch wieder um 2 % bis 3 % pro Jahr steigen.

Die wichtigste Änderung findet bei Kraft Heinz intern statt. Die Marken müssen wieder modern werden und die Innovation der eigenen Firma muss angetrieben werden. Kraft Heinz setzt deshalb wieder auf mehr Investitionen sowie Marketing und arbeitet an der Verschuldung. Allerdings sind die langfristigen Ziele eher klein angesetzt. Der Umsatz soll in den kommenden Jahren um 1 bis 2 % pro Jahr wachsen. Das klingt erstmal angenehm, aber nach einer realistischen Inflation von 2 % pro Jahr steigt der Umsatz streng genommen gar nicht oder schrumpft sogar. Hier sieht man, welchen Turnaround Kraft Heinz eigentlich zu stemmen hat. Ihre Marken sind im Durchschnitt nicht mal mehr in der Lage, die Inflation auszugleichen.

Fazit zum Umbau: Kraft Heinz geht die Probleme an, aber ist nicht so ambitioniert

Insgesamt sieht der Umbau bei Kraft Heinz nicht schlecht aus. Das Unternehmen setzt auf neue Produkte und junge Marken. Gleichzeitig werden die Schulden reduziert, damit man in der Zukunft wieder größere Übernahmen durchführen kann. Es klingt schon fast so, als ob alles in bester Ordnung sei. Allerdings muss ich persönlich sagen, dass der Schaden, den Kraft Heinz erlebt hat, sehr groß ist. Ein paar 100 Mio. US-Dollar in Soßen und Gewürzen heilen das nicht. Auch die neue Produktpalette muss deutlich ausgebaut werden. Zum Beispiel das Produktportfolio von Oscar Mayer oder Kraft hat immer noch einige Schwächen und die Produkte wirken oft nicht so,als ob sie in diesem Jahrhundert hergestellt wurden. Insgesamt sind in meinen Augen die Marketing- und Entwicklungsausgaben nach wie vor gering, weil die Verschuldung so hoch ist. Der Turnaround könnte hierdurch noch länger andauern.

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Bewertung der Kraft Heinz-Aktie

AAQS: Kraft Heinz erreicht 4 / 10 Punkten im AlleAktien Qualitätsscore

Kraft Heinz erlebt Stagnation und sinkende Margen

Kraft Heinz erreicht im AlleAktien Qualitätsscore (AAQS) 4 von 10 Punkten. Das Unternehmen erhält Punkte für seine stabilen Gewinne in der Vergangenheit und sein Umsatz- und Gewinnwachstum. Allerdings muss man hier beachten, dass der Umsatzsprung in 2015 und 2016 durch die Fusion zwischen Kraft und Heinz zustande kommt. Wenn man dies vernachlässigt, stagniert der Umsatz seit Jahren. Die anderen Punkte verliert Kraft Heinz, weil die Umsätze in Zukunft schrumpfen sollen und wegen der aufgeblasenen Bilanz. Die Verschuldung ist sehr hoch und das Firmenkapital wird nicht so rentabel eingesetzt wie bei anderen Konsumgüterherstellern.

AlleAktien DCF- und FMV-Modell

Um den fairen Wert einer Aktie zu ermitteln, eignet sich das DCF-Modell. Es hat eine simple Annahme: Ein Unternehmen ist so viel wert wie alle Gewinne, die die Firma in der Zukunft erwirtschaftet. Die Idee dahinter ist, wie ein Unternehmer zu denken, dem eine Firma bis in die Ewigkeit gehört. Allerdings muss man bei dem DCF-Modell immer bedenken, dass wir die Zukunftsgewinne nur abschätzen können und dass 1 Mio. US-Dollar für uns heute einen viel höheren Nutzen haben als in 10 Jahren. Deshalb wird das DCF-Modell mit einem Diskontierungsfaktor berechnet, der diese Einflüsse bereinigt.

 

Wert

Begründung

Umsatzwachstum

anfänglich ca. 2 %, langfristig 3 % pro Jahr

Kraft Heinz zahlt aktuell seine Verschuldung ab und strukturiert sein Portfolio um. Deshalb ist kein Kapital für Übernahmen frei. Ab 2026 sollte die Verschuldung wieder auf einem Niveau sein, dass Übernahmen zum Wachstum beitragen können.

EBIT-Marge

20 % EBIT-Marge, die langfristig um 0,1 %-Punkte pro Jahr steigt

Kraft Heinz' Marge hat in den letzten Jahren gelitten. Meine Erwartung ist, dass die Marge in Zukunft bei nur noch 20 % der Umsätze liegt und sobald wieder größere Übernahmen stattfinden, dann steigen kann, aber nur noch in kleinem Maß durch den erhöhten Wettbewerb.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

20

Aufgrund des geringen Wachstums und der schwächeren Marken sehe ich das KGV langfristig bei nur noch 20. Das liegt unter dem historischen Wert von 27 und auch unter der Bewertung von Unilever (ca. 23) und Nestlé (ca. 29). Das höhere Risiko sollte in einem niedrigeren Multiple enthalten sein.

Ausschüttungsquote

60 %

In den letzten Jahren nach der Dividendenkürzung lag die Ausschüttungsquote bei über 70 %. Ich sehe sie langfristig bei 60 %, damit eine Schuldenrückzahlung möglich bleibt.

Gemäß meiner Annahme entsteht beim DCF-Modell eine Renditeerwartung von 11 % und beim FMV-Modell von 10 % pro Jahr.

AlleAktien Kraft Heinz Aktie Aktienanalyse DCF-Modell

Renditeerwartung in Abhängigkeit vom Einstiegskurs

Je niedriger der Einstiegskurs, um so höher die langfristige Renditeerwartung

Einstiegskurs

Renditeerwartung pro Jahr

15 USD

20,1 %

20 USD

16,7 %

25 USD

14,1 %

30 USD

12,0 %

35 USD

10,3 %

36 USD

10,0 %

40 USD

8,8 %

45 USD

7,6 %

50 USD

6,4 %

55 USD

5,4 %

60 USD

4,5 %

65 USD

3,7 %

70 USD

2,9 %

75 USD

2,2 %

80 USD

1,6 %

 

Vergleich mit Konsumgüterherstellern

Unternehmen

Kraft Heinz

Nestlé

Unilever

PepsiCo

Coca-Cola

Logo

WKN

A14TU4

A0Q4DC

A0JNE2

851995

850663

Marktkapitalisierung in Mrd. USD

44,0

363,5

135,9

238,0

254,8

Umsatz 2020 in Mrd. USD

26,2

95,7

62,0

70,4

33,0

Umsatzwachstum 3J

0,1 %

1,2 %

1,3 %

3,5 %

-3,0 %

EBIT 2020 in Mrd. USD

5,9

16,4

11,4

10,8

10,0

EBIT-Marge 2020

22,5 %

17,2 %

18,4 %

15,3 %

30,3 %

KUV 2021

1,7

3,9

2,3

3,0

6,7

KGV 2021

13,2

29,2

21,0

28,3

26,9

Dividendenrendite

4,4 %

2,1 %

3,7 %

2,5 %

2,9 %

 

Nestlé ist der größte Lebensmittelkonzern der Welt mit einem breiten Portfolio aus Lebensmitteln. Zu Nestlé gehören Säuglingsnahrung wie Beba, Wasser wie San Pellegrino, Süßwaren wie KitKat, Fertiggerichte oder auch Nescafé. Weil Nestlé bereits so groß ist, ist das Wachstum gering. Aber der Konzern hat sich vor allem auf Kaffeeprodukte fokussiert und adressiert damit einen der größten Lebensmitteltrends. Die Nestlé-Aktie ist deshalb vor allem für Investoren geeignet, die auf Sicherheit setzen wollen.

Unilever ist einer der größten Konsumgüterkonzerne der Welt. Das Unternehmen bietet Konsumgüter wie Duschgel (Dove) oder Deo (Axe), Reinigungsmittel (Comfort) und Lebensmittel wie Fertiggerichte (Knorr) oder Eis (Langnese) an. Das Unternehmen ist breit aufgestellt und profitiert insgesamt vom Aufstieg der Weltwirtschaft. Der größte Vorteil ist der Fokus auf Schwellenländer mit rund 60 % Umsatzanteil. In den letzten Jahren kam Unilever etwas ins Stocken durch die Coronakrise und einige Umschichtungen des Portfolios. Aber die Aktie ist günstig geworden und reizt mit 3,7 % Dividende. Für Anleger, die ein solides Dividendenunternehmen suchen, in meinen Augen die beste Wahl, wenn die Dividende im Fokus steht.

PepsiCo ist der zweitgrößte Lebensmittelkonzern der Welt und sehr spannend, weil der Konzern ungefähr zur Hälfte in Snacks und Getränke aufgeteilt ist. PepsiCo profitiert damit von der Lust auf Süßes und Salziges. Bekannte Marken von PepsiCo sind z.B. Lay’s, Cheetos, Doritos, Pepsi, Mountain Dew oder 7UP. Die größte Stärke sehe ich im aktuellen Umbau auf gesündere und funktionale Produkte. Die Süßgetränke werden zuckerfrei und PepsiCo erfindet viele neue Getränke und Lebensmittel, die bei einem gesünderen Leben helfen. Wer hiervon überzeugt ist und im Vergleich zu Coca-Cola auf mehr Diversifikation steht, der findet eine tolle Aktie.

Coca-Cola wirkt im ersten Moment wie der uninteressanteste Konzern wegen des geringen Wachstums, aber der erste Blick täuscht. Coca-Cola hat den Konzern in den letzten Jahren stark umgebaut von einer Firma, die ihre Getränke selbst abfüllt zu einer Firma, die mit Subunternehmern arbeitet. Das Resultat: Die Umsätze sinken, die Marge steigt stark an. Coca-Cola hat eine operative Marge von über 30 % und kann diese vermutlich in Zukunft noch weiter steigern. Außerdem besitzt Coca-Cola die vermutlich ikonischsten Marken in diesem Vergleich: Coca-Cola, Sprite, Fanta, Schweppes, vitaminwater etc. Mittlerweile setzt Coca-Cola stark auf den Ausbau von funktionalen Fitnessgetränken mit der Übernahme von Bodyarmor und auf Kaffeegetränke mit der Übernahme von Costa Coffee. Die Bewertung ist relativ attraktiv dafür, dass in den nächsten Jahren Coca-Cola vermutlich das stärkste Wachstum haben wird.

Kraft Heinz ist der fünftgrößte Lebensmittelkonzern der Welt und die Nummer 3 in den USA. Das Unternehmen überzeugt vor allem mit einer günstigen Bewertung und hoher Dividende. Die operative Marge ist auch eine der höchsten im Vergleich. Allerdings ist die Aktie vom Umsatzwachstum nach Coca-Cola am schwächsten. Insgesamt ist in meinen Augen die Kraft Heinz-Aktie am meisten für Investoren geeignet, die direkt mit einer hohen Dividende einsteigen wollen oder an dem Strategiewechsel teilnehmen wollen. Allerdings würde ich im direkten Vergleich die Wettbewerber vorziehen, weil ich bei jeder Firma eine höhere Qualität sehe ohne die Aufgaben und Probleme von Kraft Heinz in der Zukunft.

Fazit zur Kraft Heinz-Aktie: Der Umbau geht voran, aber nicht sehr schnell

Kraft Heinz hat sich seit unserer letzten Analyse auf jeden Fall gut weiterentwickelt und den Konzernumbau in Angriff genommen. Einige Marken wurden in Milliardenhöhe abgeschrieben und das Management arbeitet daran, die Verschuldung zu senken, die alten Marken in die Neuzeit zu holen und neue Marken zu kaufen. Allerdings ist der Problemhaufen sehr groß. Solange die Verschuldung so hoch ist, kann Kraft Heinz keine größeren Übernahmen mehr durchführen und es wird immer noch wenig Geld in die eigenen Produkte investiert.

Die aktuelle Bewertung ist verlockend, aber Kraft Heinz‘ Marken haben kaum Marktmacht. Mir fehlt persönlich die langfristige Aussicht, dass Kraft Heinz wieder an die Qualität von Firmen wie Nestlé, PepsiCo, Unilever oder Coca-Cola herankommt. Hier zahlt man zwar eine viel höhere Bewertung, aber kauft sich dafür keine Probleme ein. Deshalb sehe ich die Kraft Heinz-Aktie beim aktuellen Kurs von 36 US-Dollar als haltenswert bei einer Renditeerwartung von 10 % pro Jahr. Für mich wäre die Kraft Heinz-Aktie erst bei 30 US-Dollar interessant.

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Liebe Grüße,
Benjamin Franzil
AlleAktien Partner

Über den Autor

Benjamin Franzil

AlleAktien Partner und Aktienanalyst. Benjamins Fokus liegt auf den Branchen Luxusgüter, Restaurants und Halbleiter. Er war vorher bei Infineon in der Digitalisierung und Forschungsstrategie angestellt und hat an der Hochschule Trier Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Seine Strategie ist, in Aktien mit den tiefsten Burggräben und stärksten Marken zu investieren — vorzugsweise Dividendenaktien.

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit keine Aktien von Kraft Heinz.

Quellen & weiterführende Literatur

Beschreibung Link
Kraft Heinz Geschäftsbericht 2020
Kraft Heinz Business Update Q3 2021
Kraft Heinz Business Update Q2 2021
Kraft Heinz erste Goodwill-Abschreibung
Kraft Heinz zweite Goodwill-Abschreibung
Primal Kitchen Übernahme
Assan Foods Übernahme
Just Spices Übernahme

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