ADR (American Depositary Receipt)

Ein ADR ist ein Zertifikat, das den Anspruch auf Auslieferung einer Aktie verbrieft.


Kernpunkte

 

  1. Ein ADR ist keine Aktie. Es handelt sich dabei um ein Zertifikat. Es wird an der US-Börse stellvertretend für die Original-Aktie gehandelt
  2. US-Depotbanken geben ADRs aus.
  3. Ausländische Unternehmen werden handelbar: Häufig ist der Weg über ein ADR die einfachste und günstigste Möglichkeit, um an US-Börsen gelistet und handelbar zu werden.

 

Warum gibt es ADRs?

Diese Zertifikate werden genutzt, um ausländische Firmen einfach an einer US-Börse handelbar zu machen.
Als Aktionär aus Deutschland wäre es uns nicht erlaubt, chinesische Aktien überhaupt zu erwerben. Viele in China öffentlich gelistete Unternehmen (z.B. Alibaba, Tencent, Baidu, JD.com, …) sind an der New York Stock Exchange nur als ADR in USD zu erwerben. Ein ADR wird immer in USD ausgelegt. Deshalb kann man beispielsweise Alibaba-Zertifikate in USD handeln. Man erkennt schnell an der ISIN (US…), dass es sich um ein ADR handelt.

Auch das Internet ist in China eine der für Ausländer verbotenen Industrien. Hauptgrund dafür ist, dass die landesinneren Kontrollinstanzen jeden veröffentlichten Inhalt potentiell zensieren können müssen. Auf eine bestimmte Art und Weise werden ausländische Investoren durch diese Regelung sogar „geschützt“. Neben Alibaba gibt es noch weitere chinesische Tech-Firmen, die ebenfalls ADRs nutzen und an der NYSE gelistet sind, z.B. Baidu und Tencent. Die Regierung Chinas will die Kontrolle über die eigenen Firmen behalten, möchte jedoch auch durch Kapital aus dem Ausland ein größeres Wachstum erzielen können.

▲ An der New York Stock Exchange sind ADRs in USD gelistet.

 

Wie ist das Risiko bei dem Kauf von ADRs oder Aktien?

Häufig bleibt uns gerade bei chinesischen Werten keine Wahl. Generell kann man aber sagen: Sind alle Parameter identisch (Preis, Risiko, Verbriefung) so ist man mit einer Aktie besser beraten als mit einem ADR. Grund: Ein ADR ist ein weiterer Abstraktionsschritt und ein weiteres Finanzprodukt, welches Risiken einbringt. Es ist leichter, von einem ADR anstatt von einer Aktie enteignet zu werden.

Das Unternehmen könnte auch entscheiden, dass alle ADRs hinfällig sowie ungültig werden und in Aktien konvertiert werden müssen. Im Beispiel China wäre das nahezu unmöglich, da man als Deutscher beispielsweise keine chinesischen Aktien halten darf. Gelingt dies also nicht, würde man in der Theorie auf den dann wertlosen ADRs sitzen bleiben. Auch trägt man mit den ADRs das Emissionsrisiko der Bank oder Börse, welche das ADR ausgestellt hat. Sollten diese zahlungsunfähig werden, ist unklar, was mit den ADRs passieren wird.

Wenn man ein ADR kauft, kauft man ein Finanzprodukt (genauer: eine Verbriefung, einen Vertrag), das die Berechtigung auf eine Aktie zusichert. Man kauft aber keinen „echten“ Sachwert.

 

ADR-Ebenen

Die Initiatoren eines ADR-Programms können zwischen einem „sponsored“ oder einem „unsponsored“ ADR-Programm wählen.

Unsponsored ADRs

Die Initiative, einen ADR aufzulegen geht von einer Depotbank oder einem Händler in den USA aus. Unsponsored ADRs sind eher die Ausnahme.

 

Sponsored ADRs

Die Initiative geht vom Unternehmen selbst aus. Die Depotbank verpflichtet sich, die Zertifikate auszugeben und zurückzunehmen, Stimmrechte zu übernehmen, sowie Dividenden auszuzahlen.

 

Abgrenzung der Begriffe ADR, ADS, GDR

Neben den ADRs gibt es auch noch ADSs und GDRs:

  • ADR = American Depositary Receipt. Ein Zertifikat, das eine Aktie verbrieft.
  • ADS = American Depositary Share. Die eigentliche, verbriefte Aktie (USA).
  • GDR = Global Depository Receipts. Vergleichbar mit einem ADR. Der Unterschied liegt darin, dass ein GDR an einem anderen internationalen Börsenplatz notiert ist (meist London).