Aktienblase (Spekulationsblase)

Von einer Aktienblase (auch Spekulationsblase oder Bubble) spricht man, wenn eine Bewertung (manchmal auf einen ganzen Markt bezogen) deutlich über dem tatsächlichen oder auch inneren Wert (Fundamentalwert, intrinsischer Wert) der Aktien liegt. 

Oft werden Aktien zu dieser Zeit mit einem KGV jenseits von 50 gehandelt und Aktien auf Kredite (Fremdkapital) gekauft, wie es zuletzt in der DotCom-Blase im Jahr 2001 oder der US-Immobilienblase in 2008 der Fall war.

 


Merkmale einer Spekulationsblase

 

  1. Anstieg der Kurse: Die Aktienkurse steigen unverhältnismäßig an.
  2. Gerüchte: Angebliche Gründe und Rechtfertigungen für die hohen Preise werden verbreitet.
  3. Menschen geben an: Plötzlich verdient jeder viel Geld an der Börse und prahlt damit.
  4. Massenmedien berichten: Die Nachrichten sind gefüllt mit Informationen über Aktien und vermeintlichen Chancen, um von der Situation zu profitieren.
  5. Schnelle Wertminderung: Auf die schnelle Inflation folgt ein „Crash“ oder auch „Bubble Burst“.
  6. Änderung des Anlegerverhaltens: Häufig ist verändertes Verhalten der Anleger der Auslöser für eine Blase (extreme Euphorie oder Emotionen am Markt.)

 

„Greater Fool“ Theorie (Die Theorie des größten Narren)

Die „Greater Fool“ Theorie ist eng verwandt mit der Dienstmädchenhausse. Die Stimmung gegenüber der Börse ist dabei enorm euphorisch, Gewinnchancen werden überschätzt und Risiken ignoriert. Jeder berichtet von den tollen Chancen und wie viele tausende Euro er letzte Woche verdient habe. Jeder versucht, dich zu überzeugen, jetzt auch einzusteigen. Die Massenmedien (BILD-Zeitung, RTL, …) kennen kein anderes Thema mehr. Aktionäre „lassen die Phantasie mit einem durchgehen“, getrieben durch Gier: Man hofft, dass irgendjemand noch „dümmer“ (Greater Fool) ist, und zu einem noch höheren Preis kauft, damit die eigenen Aktien (oder andere Werte) immer weiter steigen. Ohne Rücksicht auf den inneren Wert (oder fairen Wert) einer Aktie. Wenn niemand mehr bereit ist, diese überhöhten Preise zu bezahlen, kommt es zu einer Korrektur.

Spekulationsblasen gibt es nicht erst seit dem modernen Finanzsystem, sondern wurden bereits im 17. und 18. Jahrhundert (Tulpenmanie, Mississippi-Krise, Südseeblase) sehr genau dokumentiert. Aktienblasen wurden völlig unabhängig von der Zinspolitik und Inflation beobachtet.

▲ „Greater Fool Theorie“ – Gewinnchancen werden überschätzt und Risiken ignoriert.

 

Historische bedeutsame Blasen*

Jahr Ereignis
1637 Am 7. Februar platzt die seit circa 1634 andauernde Tulpenzwiebelspekulation in Holland.
1700 Die Darién-Gesellschaft kann nach Scheitern des Projekts ihre Anteile nicht mehr einlösen.
1720 Spekulation mit den Anteilscheinen der Mississippi-Kompanie in Frankreich
1720 Spekulation mit den Anteilscheinen der South Sea Company in England (Südseeblase, South Sea Bubble)
1873 Eisenbahnspekulation in Nordamerika
1873 Am 9. Mai (Schwarzer Freitag) platzt die Blase der deutschen Gründerzeit: Gründerkrise
1929 Am 24. Oktober (Schwarzer Donnerstag, engl. „Black Thursday“).
1970er Blase am Silbermarkt durch Silberspekulation der texanischen Gebrüder Hunt
1990 Die Aktien- und Immobilienblase der 1980er Jahre in Japan platzt
2000 Mitte März kulminiert die Spekulation mit Aktien der Internet- und Telekommunikationsbranche (Dotcom-Blase). In den drei Jahren darauf (also bis März 2003) brechen viele der Kurse um über 90 Prozent ein.
2007 Die Immobilienblase in den Vereinigten Staaten platzt. Diese sogenannte Subprime-Krise löst in einer Kettenreaktion eine Bankenkrise in den USA aus, der die Finanzkrise ab 2007 in den meisten Industrienationen folgt.

*Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bildet aber die Vielzahl aller Blasen mit einem Einbruch von mehr als 30% – 50% der Kurse ab.

 

Häufigkeit von Blasen und Massenmedien

Gegenüber der historischen Ereignisse zum Aufkommen von Spekulationsblasen stehen die Massenmedien, die solche Blasen weitaus häufiger prognostizieren, als sie eigentlich auftreten.

In den USA und Europa berichteten bereits ab 2010 alle Massenmedien wieder regelmäßig von der nächsten Blase und der „enormen Überbewertung“ von Aktien und Immobilien. Teilweise wird „der nächste Crash“ nahezu täglich in den Massenmedien mit religiösem Ethos prophezeit, denn mit Angst verdienen die Medien am meisten Klicks und Geld.