Cashflow

Das Wort Cashflow bedeutet frei übersetzt „Geldfluss“ oder auch „Kapitalfluss“.
Dieser Begriff bezeichnet demnach den Zu- oder Abfluss von liquiden Mitteln, umfasst also die Zahlungsströme, die in ein Unternehmen hinein und heraus fließen. Er wird als Kennzahl verwendet, um die Liquidität eines Unternehmens beurteilen zu können.


Kernpunkte

 

  1. Der Cashflow zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen erwirtschaftet hat.
    Er bezieht sich dabei nicht nur auf den Gewinn.
  2. Er besteht aus 3 Bereichen. Die betrieblichen Tätigkeiten, Investitionen und das Finanzierungsgeschäft des Unternehmens.
  3. Der Free Cashflow ist eine Kennzahl. Sie wird von Analysten häufig zur Beurteilung der Rentabilität eines Unternehmens verwendet. Der Free Cashflow stellt den Geldfluss dar, den ein Unternehmen nach Berücksichtigung der Mittelabflüsse zur Unterstützung des Geschäftsbetriebs und zur Aufrechterhaltung seines Kapitalvermögens generiert.

 

▲ Cashflow bedeutet frei übersetzt „Geldfluss“ oder auch „Kapitalfluss“.

 

Die drei Bereiche des Cashflows

  1. Der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit: Er wird auch operativer Cashflow genannt. Dieser umfasst alle Cashflows, die durch die Hauptgeschäftsaktivitäten eines Unternehmens generiert werden. Es werden nur Erträge und Ausgaben der normalen Geschäftstätigkeit mit einbezogen, zum Beispiel die Produktionskosten.
  2. Der Investitions-Cashflow: Umfasst alle Käufe von Kapitalvermögen und Investitionen.
  3. Der Finanzierungs-Cashflow: Umfasst alle Einnahmen aus der Beschaffung von Fremdkapital (Emission von Schuldtiteln) und Eigenkapital (Aktienemission) sowie Zahlungen des Unternehmens.

 

Profits Are an Opinion, Cash Is a Fact.Alfred Rappaport

 

Die Bedeutung (Positiver oder negativer Cashflow)

Ein positiver Cashflow signalisiert: Das Unternehmen hat liquide Mittel (Barreserven), die für Investitionen oder Auszahlungen (Dividenden) an Aktionäre verwendet werden können. Ist der Cashflow in einem Geschäftsjahr positiv, ergibt sich ein Jahresüberschuss, ist er negativ, ergibt sich ein Jahresfehlbetrag.

Annahme: Es wurden ein Cashflow in Höhe von 60.000 EUR und ein Gewinn in Höhe von 20.000 EUR erzielt. Während der Gewinn darüber Auskunft gibt, wie viel an die Eigentümer ausgeschüttet werden kann, gibt der Cashflow an, wie viele liquide Mittel erwirtschaftet wurden. Der Cashflow in Höhe von 60.000 EUR kann dazu verwendet werden, eine Investition zu tätigen (z.B. um eine neue Produktionsmaschine anzuschaffen), einen bestehenden Kredit zu tilgen oder das erwirtschaftete Geld im Unternehmen zu belassen, um die Liquidität zu erhöhen. Es entsteht also ein positiver Cashflow.
Bei einem negativen Cashflow hat das Unternehmen kein Geld verdient, sondern musste Geld für das (operative) Geschäft verwenden. Das Geld ist nicht unbedingt verloren, sondern steckt ggf. nur in den Vorräten oder Forderungen.

 

Cashflow-Berechnung

Nehmen wir an, der Gewinn eines Geschäftsjahres beträgt 110.000 EUR. Es werden 60.000 EUR für Gehälter abgezogen, 20.000 EUR für Abschreibungen und 10.000 EUR für die Bildung der Garantierückstellung. Übrig bleiben 20.000 EUR als Jahresüberschuss. Die indirekte Berechnung des Cashflows addiert zum Jahresüberschuss die „nicht zahlungswirksamen Aufwendungen“, die den Gewinn gemindert haben – hier sind das die Abschreibungen und die Zuführung zur Garantierückstellung, denn diese wurden nicht direkt ausgezahlt. Die Gehälter beispielsweise werden hier nicht betrachtet, denn sie sind bereits vom Unternehmen abgeflossen. Alle Faktoren die den Gewinn schmälern, durch die aber nicht weniger Geld in der Kasse ist, werden hinzugerechnet. Alle Faktoren, die den Gewinn steigern, durch die aber kein Geld gemacht wurde, werden abgezogen.

 

20.000 EUR = Jahresüberschuss nach Steuern
30.000 EUR + Abschreibungen* +
10.000 EUR + Zuführung zur Garantierückstellung
60.000 EUR = Cashflow

* Durch eine Abschreibung sinkt der Gewinn, jedoch fließt effektiv kein Geld aus dem Unternehmen.
Darum: Für den Cashflow wird der Jahresgewinn (Überschuss) um die Abschreibung bereinigt. Gleiches Prinzip bei Rückstellungen; zunächst zwar ein Verlust oder bei deren Auflösung ein Ertrag. Da das Geld jedoch nicht vom Unternehmen abgeflossen ist, sind die Rückstellungen für den Cashflow irrelevant.
Sind also alle Faktoren herausgerechnet, ergibt das den Cashflow.

 

Cashflow-Marge

In unserem Beispiel beträgt der Gewinn:

110.000 EUR
– 60.000 EUR (Gehalt)
– 20.000 EUR (Abschreibungen)
– 10.000 EUR (Aufwand für die Bildung der Garantierückstellung)
= 20.000 EUR

Aus diesem Beispiel lässt sich auch die Cashflow-Marge berechnen:

Cashflow-Marge
60.000 EUR = Cashflow / Umsatz
60.000 EUR / 110.000 EUR = 0,54
54 % = Cashflow-Marge

 

Die Berechnung des Free Cashflow

Die Formel lautet operativer Cashflow + Cashflow aus Investitionen. Diese Kennzahl verdeutlicht, wie viel Geld für die Aktionäre eines Unternehmens tatsächlich übrig bleibt. Sie kann, anders als der Nettogewinn nicht so leicht manipuliert werden. Wir nehmen an, ein Unternehmen hat einen hohen Cashflow, aber auch sehr viele Konkurrenten und Wettbewerber, sodass der ganze Cashflow für neue Investments benötigt wird. Der hohe Cashflow ist dann zwar „schön“, nutzt dem Firmeninhaber aber nichts, weil er nicht ausgezahlt werden kann, sondern für die Investments genutzt werden muss. Der Free Cashflow sagt also aus, wie viel Geld tatsächlich für Ausschüttungen (Dividenden, Investitionen) zur Verfügung stehen. Wie wir bereits wissen: Der operative Cashflow ist der Cashflow aus Geschäftstätigkeit. Er sagt aus wie viel Geld das Unternehmen mit seinem Geschäftsbetrieb in einer Zeitperiode erwirtschaftet hat. Dieser wird mit dem Cashflow aus den Investitionen addiert. Der Cashflow aus Investitionen ist fast immer negativ, er wird also faktisch vom operativen Cashflow abgezogen.

 

▲Der Free Cashflow addiert beide Kennzahlen: operativer Cashflow + Cashflow aus Investitionen = Free Cashflow (FCF) Verwendung für Dividenden, Aktienrückkäufe, Schulden Tilgung, etc.

 

Formel Cashflow aus Investitionstätigkeiten
Einzahlungen aus Anlageabgängen (Investitionen)
– Auszahlungen für Anlageinvestitionen (Investments)
= Cashflow aus Investitionstätigkeiten

 

Formel Free Cash Flow
Jahresüberschuss + Abschreibungen / Veränderungen
= Operativer Cashflow
+ Investitionen
= Free Cash Flow

 

Beispielrechnung:
500.000 EUR = Gewinn
+ 50.000 EUR Abschreibungen
– 150.000 EUR Investitionen
+ 30.000 EUR Erhöhung von Verbindlichkeiten
= 430.000 EUR operativer Cashflow
 – 250.000 EUR Anschaffung neue Produktionsmaschine
= 180.000 EUR Free Cashflow

 

Der Free Cashflow ist der frei verfügbare Cashflow und eine der wichtigsten Kennziffern bei der Aktienbewertung. Er verdeutlicht, wie viel Geld für die Dividenden der Aktionäre bzw. Gesellschafter oder für eine fällige Rückführung der Fremdfinanzierung verbleibt. Der FCF dient auch als Indikator für die Rückzahlungsfähigkeit von Krediten und wird deshalb oft als Berechnungsgrundlage der Finanzierungskapazität verwendet.
Unternehmen, denen es gelingt den großen Teil ihrer Gewinne als Free Cashflow zu erwirtschaften, sind an der Börse besonders wertvoll und verfügen meist über ein besonders hohes, langfristiges Renditepotential. Denn sie können trotz Investitionen in das eigene Wachstum an ihre Aktionäre Dividenden auszahlen. Dadurch kann man durch langfristiges Kurspotential sowie Dividendenzahlungen „doppelt“ profitieren.

 

Betrachtung des Cashflows bei der Aktienbewertung

▲ Bei der Aktienbewertung ist festzustellen, ob Aktien unter- oder überbewertet sind.

 

Der Cashflow kann aussagen, ob sich der Kauf einer Aktie für die Zukunft lohnen wird oder nicht. Dazu wird der Cashflow je Aktie mit dem momentanen Aktienkurs betrachtet. Die daraus resultierende Kennzahl nennt sich Kurs-Cashflow-Verhältnis, kurz KCV. Wie beim Kurs-Gewinn-Verhältnis gilt: Je niedriger das KCV im Vergleich zum Wert einer anderen Firma aus der gleichen Branche ausfällt, umso besser – denn umso günstiger bewertet ist die Aktie.
Für Privatanleger ist es allerdings häufig schwierig, den KCV zu ermitteln, denn die Kennzahl wird selten ausgewiesen.

Dazu ein Beispiel:
Bei einer Aktie lässt sich die „Rendite“ nicht so einfach bestimmen wie etwa bei einer Anleihe, bei der alle Faktoren bereits im Vorfeld bekannt sind. Denn die Aktionäre bekommen im Gegensatz zu den Anleiheinvestoren keine fixen Zahlungen zu fixen Zeitpunkten, sondern ihnen stehen alle Cashflows nach Bedienung aller anderen Verbindlichkeiten des Unternehmens zu.

Werden Annahmen über die künftige Geschäftsentwicklung getroffen, so können auch Annahmen über die künftigen Free Cashflows getroffen werden. Diese kann man sich dann wie eine Zinszahlungsreihe vorstellen. Sie stellen den Nutzen für uns Aktionäre dar. Entweder können sie vollständig für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe verwendet werden, von denen wir Aktionäre unmittelbar profitieren, oder durch Zukäufe wird der künftige Free Cashflow-Strom noch weiter erhöht.