Diversifikation bei Aktien

Mit einer sinnvollen Diversifikation lassen sich Risiken bei Aktien-Investments massiv senken — bei gleich hoher Rendite!

Diversifikation bezeichnet bei der Kapitalanlage die Aufteilung der Mittel auf mehrere Anlageklassen oder Investmenttitel, um das Verlustrisiko zu verringern. Wird das gesamte Kapital in eine einzige Aktie investiert, ist die Anlage zu 100% abhängig von der Entwicklung der einen Aktie. Fällt diese stark, verringert sich auch der Anlagewert dementsprechend.

Teilt man nun aber das verfügbare Kapital auf mehrere Titel auf, hat der Absturz einer Aktie nicht mehr so einen großen Einfluss auf die Gesamtwertentwicklung. Das Verlustrisiko wird durch die Diversifikation verringert.

 

Diversifikation gegen Risiko: Volatilität und Korrelation

Die Volatilität (oder das Risiko) wird als Standardabweichung gemessen und spielt bei diesem Thema zusätzlich eine wichtige Rolle. Denn auch wenn ein Portfolio nur aus Aktien mit hoher Volatilität besteht, kann das Portfolio trotzdem insgesamt weniger riskant sein als jede der enthaltenen Aktien. Dies ist möglich, wenn beispielsweise an einem Tag einige Aktien stark fallen, dafür aber andere Aktien gleichzeitig stark steigen. Das Gesamtergebnis des Portfolios fällt dann weniger drastisch aus.

Um den Zusammenhang und die wechselseitige Beziehung zwischen zwei Anlagetiteln zu bestimmen, wird in der Statistik der Korrelationskoeffizient verwendet. Er liegt zwischen -1 und +1. Haben zwei Aktien einen Korrelationskoeffizient von -1, bedeutet dies, dass die Aktien sich exakt gegenläufig verhalten. Fällt die eine Aktie, steigt die andere im gleichen Maße an. Ein Wert von +1 bedeutet, dass sich die Aktien genau gleich verhalten: Ein identischer Renditeverlauf. Man sagt auch die Korrelation zwischen diesen Titeln ist sehr hoch.

Ein Wert von 0 deutet auf gar keine linearen Zusammenhänge hin. Alle Werte dazwischen sind dementsprechend zu interpretieren. Aktien aus einer speziellen Branche weisen meist eine recht hohe Korrelation auf. Das heißt, dass diese sich immer ähnlich verhalten. Sie steigen und fallen mehr oder weniger gleichzeitig, da sie von der Branche abhängig sind. Diversifikation kann dabei helfen, diese Abhängigkeit und somit auch das Risiko zu verringern, indem man Aktien auswählt, die keine hohe Korrelation zueinander aufweisen.

 

SINNVOLLE Diversifikation: Nur eine sinnvolle Diversifikation unter Aktien verschiedener Branchen und Abhängigkeiten ist sinnvoll. Kauft man sich beispielsweise Coca Cola und PepsiCo, so hat man zwar verschiedene Aktien, aber noch genau die gleichen Risiken: Starke Abhängigkeit von der Konsumgüterindustrie, konkret: von nichtalkoholischen Erfrischungsgetränken. Wir stellen dir hier vor, wie du sinnvoll und gezielt diversifizieren kannst.

 

Diversifikation über Anlageklassen: Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Immobilien, Alternative Investments, …

Auch der Börse übergeordnet kann bei der Kapitalanlage diversifiziert werden. Eine Aufteilung des Kapitals auf verschiedene Anlageklassen kann das Verlustrisiko verringern. Beispielsweise sind Anlageklassen wie Anleihen oder Gold dafür bekannt, dass sie eine negative Korrelation mit dem Aktienmarkt aufweisen. Fallen die Aktienmärkte, steigen die Preise für Anleihen und Gold. Ein Mix aus mehreren Anlageklassen kann also Sicherheiten bieten. Allerdings werden dabei auch die erwarteten Erträge verringert. Denn Aktien liefern historisch gesehen die besten Renditen. Eine Reduktion des Risikos bringt auch immer eine niedrigere Renditeerwartung mit sich. Auch Immobilien können als weitere Anlageklasse eine höhere Diversifikation in der Vermögensbildung liefern.

 

Diversifikation über verschiedene Aktien

Das Risiko für einen Verlust bei einer Aktie kann in zwei Kategorien eingeteilt werden: das unsystematische und das systematische Risiko. Das unsystematische Risiko beschreibt hierbei nicht-planbare Ereignisse im Unternehmen. Beispielsweise wenn der CEO überraschend stirbt, Bilanz-Betrug aufgedeckt wird oder wichtige Produktionshallen abbrennen. Wichtig ist hier: Aktien verschiedener Branchen kaufen, um effektiv zu diversifizieren.

Das systematische Risiko liegt hingegen in der Entwicklung der Branche oder der gesamten Konjunktur. Diesem Risiko ist jedes Unternehmen ausgesetzt und es kann nur wenig gegengesteuert werden. Bei der Portfoliobildung kann allerdings das unsystematische Risiko vollkommen durch Diversifikation beseitigt werden.

Die Grafik weiter unten zeigt den Zusammenhang zwischen der Portfoliovarianz, also dem Risiko, und der Anzahl der Anlagen im Portfolio. Je mehr Anlagen das Portfolio umfasst, desto mehr nähert sich das Risiko der Linie, die das systematische Risiko abbildet. In anderen Worten: Je mehr Aktien ein Anleger im Portfolio hat, desto geringer ist das Verlustrisiko durch nicht-planbare Ereignisse und Fehlentscheidungen in den Unternehmen. Die Wissenschaft zeigt, dass 15-20 Aktien ausreichen, um das unsystematische Risiko zu beseitigen.

 

Diversifikation über Branchen

Wie bereits beschrieben, ist die Korrelation von Aktien innerhalb einer Branche meist sehr hoch. Werden nun ausschließlich Aktien aus einer Branche, beispielsweise dem Finanzsektor, für ein Portfolio gewählt, kann es passieren, dass durch Veränderungen in dieser Branche (bspw. Zinsen) alle Aktien gleichzeitig nachgeben. Eine Diversifikation mit Aktien aus verschiedenen Branchen kann also helfen, dieses Risiko zu umgehen.

 

Diversifikation über Länder

Auch birgt eine zu hohe Konzentration auf einzelne Länder ein gewisses Risiko. Der „Home Bias” bezeichnet im englischen das Phänomen, dass Anleger am liebsten Aktien aus ihrem eigenen Land kaufen, da sie sich dort am besten auskennen und am wohlsten fühlen. Allerdings ist das Portfolio dann auch stark abhängig von der wirtschaftlichen Stärke dieses Landes. Länder wachsen verschieden schnell und die Unternehmen sind immer abhängig von den politischen Entwicklungen, Umweltzuständen, Steuern oder Ressourcen. Daher hat es Vorteile, Aktien aus verschiedenen Ländern zu halten. Ein Gegenargument ist bei Weltkonzernen allerdings oft, dass diese Unternehmen ihr Geld ohnehin weltweit verdienen. Sie sind nicht alleine abhängig von der Nachfrage des Ursprungslandes, da sie Kunden auf der ganzen Welt haben. Auch können sie ihre Produktionen in andere Länder verlegen. Aber hier sollte immer jedes Unternehmen individuell betrachtet werden, da immer noch die meisten Konzerne den Großteil ihres Umsatzes aus einer Region bezieht.

Eine der wichtigsten Diversifikationsarten: Länder- und Währungsdiversifikation. Niemand kann vorhersehen, ob ein einzelnes Land auch in 5, 10, oder 20 Jahren noch gut regiert wird. Ebenso ist es ein häufiger Fehler, nur in das Heimatland (bei uns: Deutschland) zu investieren. Oft verpasst man so die besten Chancen und holt sich unnötige Risiken ins Portfolio (Stichwort: Deutsche Banken- und Automobilindustrie).

 

Nutzen für Privatanleger

Für Privatanleger ist das Ziel der Kapitalanlage sehr wichtig, um auf die Frage der Diversifikation eine Antwort zu finden. Steht der Anleger kurz vor dem Renteneintritt, oder soll nur ein sicheres Nebeneinkommen aufgebaut werden, ist eine hohe Diversifikation von Nutzen. In jungen Jahren kann man allerdings auch mit geringerer Diversifikation die Chancen erhöhen. Mit der Auswahl von 5-10 guten Qualitätsaktien können vielleicht auch höhere Renditen erzielt werden. Allerdings ist das Risiko eines Verlustes auch höher. Im Allgemeinen gilt: Je höher die Anzahl der Aktien im Portfolio, desto mehr nähert man sich an die Marktrendite an. Bei sehr vielen Aktien ähnelt das Portfolio dann einem ETF.

 

Beispiel Diversifikation — die Demonstration der Risikostreuung

Ein Portfolio aus 15 Aktien wird betrachtet. Angenommen ein Unternehmen muss Insolvenz anmelden und der Aktienkurs stürzt ab. Dies ist bei einer sorgfältigen Auswahl von Qualitätsaktien sehr unwahrscheinlich, aber dennoch möglich. Nun müssten die übrigen 14 Unternehmen im Durchschnitt nur um 7,15% steigen, um den Verlust der einen Aktie komplett zu kompensieren.

Aktie Jahr 1: Kauf Jahr 2: Wachstum 7,15%
1 1.000 0
2 1.000 1.071,5
3 1.000 1.071,5
4 1.000 1.071,5
5 1.000 1.071,5
6 1.000 1.071,5
7 1.000 1.071,5
8 1.000 1.071,5
9 1.000 1.071,5
10 1.000 1.071,5
11 1.000 1.071,5
12 1.000 1.071,5
13 1.000 1.071,5
14 1.000 1.071,5
15 1.000 1.071,5
Total: 15.000 15.001,0

 

 

 

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