Hebelprodukte

Hebelprodukte sind Finanzderivate, die überproportional auf Kursänderungen des zugrunde liegenden Basiswerts reagieren. Dieser Basiswert können Anleihen, Aktien, Rohstoffe oder Währungen sein. Die Kursentwicklung ist also von der Entwicklung eines anderen Papieres oder Wertes abhängig. Allerdings ist nicht jedes Finanzderivat automatisch auch ein Hebelprodukt.

 

Man setzt auf fallende oder steigende Kurse

Hebelprodukte ermöglichen es Anlegern, bei geringem Kapitaleinsatz einen relativ hohen Gewinn zu erzielen. Und zwar ohne, dass das Investitionskapital erhöht werden muss. Vielmehr wird die Hebelwirkung genutzt. Denn der Anleger profitiert sowohl von steigenden als auch fallenden Kursen des Basiswerts und die prozentuale Kursveränderung des Hebelprodukts fällt im Vergleich zum Basiswert um den jeweiligen Hebel höher aus.


Risikoreiche Anlage

Allerdings ist das Risiko bei Hebelprodukten deutlich höher als bei einer Direktinvestition in eine Aktie oder eine Anleihe. Bei fast allen Hebelprodukten muss zur Eröffnung einer Position ein Teil des Positionswertes als Sicherheit hinterlegt werden. Dieser Betrag wird Margin genannt.


Die 5 bekanntesten Hebelprodukte bei Aktien

Hebelprodukte sind bei risikofreudigen Anlegern beliebt, weil sich in kurzer Zeit hohe Renditen erzielen lassen. Die bekanntesten Hebelprodukte sind:

  • Optionsscheine
  • Zertifikate
  • FOREX-Kontrakte
  • Differenzkontrakt (CFDs)
  • Binäre Optionen

1. Optionsscheine

Bei einem Optionsschein unterscheidet man zwischen einem Kaufoptionsschein (Call) und einem Verkaufsoptionsschein (Put) sowie zwischen dem Kurswert am Verfallstag des Optionsscheins und dem Kurswert während der Laufzeit.

Wer einen Kaufoptionsschein (Call) erwirbt, hat während der gesamten Laufzeit das Recht, den zugrunde liegenden Basiswert zum Basiskurs – der beim Kauf des Scheins ausgewählt wird – zu beziehen. Calls werden entsprechend bei erwarteten Kurssteigerungen des Basiswerts gekauft.

Beim Verkaufsoptionsschein (Put) wird in den zu erwartenden fallenden Börsenkurs des Basiswertes investiert. Der Anleger hat das Recht, den Basiswert zum Basiskurs anzudienen.

2. Zertifikate

Seit Anfang des neuen Jahrhunderts existieren Hebelzertifikate, um die unerwünschten Einflüsse des Aufgeldes bei einem Optionsschein auszuräumen und die Kursentwicklung des Basiswerts 1:1 abbilden zu können. Da Zertifikate im Gegensatz zu Optionsscheinen während der ganzen Laufzeit nur ein geringes Aufgeld aufweisen, sind sie als Investition besser kalkulierbar. Zu den Hebelzertifikaten gehören unter anderem Turbo-Optionsscheine, Mini-Future-Zertifikate, Turbo-Zertifikate oder Bull- und Bear-Zertifikate.

3. FOREX-Kontrakte

Futures-Kontrakte sind keine Wertpapiere, sondern Verträge auf einen in der Zukunft festgelegten Termin (z.B. Termingeschäfte, Finanzkontrakte oder Verfügungsrechte aus Zeitgeschäften), die nach einem einheitlichen Muster in gleichmäßiger Art und Weise an den sogenannten Terminbörsen notiert und gehandelt werden.

Bei Termingeschäften in Futures handelt es sich um geregelte und anonym gehandelte Verfügungsrechte. Die persönliche Identität der jeweiligen Marktteilnehmer bleiben beim Handel verborgen. Die notwendige Rechtssicherheit bei diesen Geschäften ergibt sich durch die bestehende Integrität der Terminbörsen.

4. Differenzkontrakt (CFDs)

CFDs bilden den Basiswert 1:1 ab, besitzen keinen Verfallstermin und keinen Knock-Out. Es lässt sich sowohl von steigenden als auch fallenden Kursen profitieren. CFDs gelten als das transparenteste Hebelprodukt in der Welt der Finanzderivate. Trotzdem ist ein klares Risikomanagement seitens des Anlegers gefragt. Bevor in CFDs investiert wird, sollte ein Anlageplan mit einem klaren Stop-Loss für jede Position definiert werden.

5. Binäre Optionen

Binäre Optionen werden auch digitale Optionen genannt. Es handelt sich dabei um neuartige Finanzinstrumente, mit denen Anleger sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen. Daher der Begriff Binär. Die Laufzeit kann zwischen 30 Sekunden und einem Jahr liegen. Binäre Optionen sind besonders für Einsteiger geeignet, da sie bereits mit sehr kleinem Kapitaleinsatz gehandelt werden.


Wo werden Hebelprodukte gehandelt?

Erworben werden Hebelprodukte an den Börsen oder beim Emissionshaus des Produktes selbst. Dafür benötigt man ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Broker. Außerdem muss der Käufer eines Hebelproduktes seine so genannte Finanztermingeschäftsfähigkeit nachweisen können, denn Hebelprodukte sind spekulative Anlagen mit hohem Risiko. Dieser Nachweis gilt als Absicherung für die Emittenten und bestätigt, dass der Anleger mit den Risiken, die er einzugehen gedenkt, vertraut ist.


Für wen eignen sich Hebelprodukte?

Hebelprodukte weisen ein hohes Risiko auf, weshalb sie für sicherheitsorientierte Anleger nicht geeignet sind. Aus demselben Grund eignen sie sich auch nicht für die Altersvorsorge. Wer in diese Anlageklasse investiert, sollte zu hundert Prozent von der Kursentwicklung des Basiswerts überzeugt sein und eine hohe Risikobereitschaft aufweisen. Als Anleger muss man einen Totalverlust der getätigten Investition verkraften können. Daher empfiehlt es sich, nur einen kleinen Teil des Depots in Spekulationen mit Hebelprodukten anzulegen.

 

 

 

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