Invertierte Zinskurve: Bedeutung für Aktien

Man spricht von einer inversen Zinskurve, wenn am Kapitalmarkt die langfristigen Zinsen unter den kurzfristigen liegen. Sprich,für kürzere Anleihenlaufzeiten erhält man mehr Zinsen als für längere. Normalerweise verhält es sich genau umgekehrt.

 

Steht eine Rezession bevor?

Eine invertierte Zinskurve ist relativ selten und wird von vielen Ökonomen als Warnsignal für eine drohende Rezession verstanden. Es wird mit sinkenden Zinsen und einer schwächeren Wirtschaft gerechnet. Unternehmen wie Verbraucher werden vorsichtiger, es wird weniger investiert und die Nachfrage nach Krediten sinkt. Entsprechend fällt auch der Preis für Kredite – eben der Zins. Für den Aktienmarkt bedeutet eine invertierte Zinskurve sinkende Aktienkurse, da Aktien sehr sensibel auf die allgemeine Wirtschaftslage reagieren. Der Markt wird dann «bärisch».

Aber Achtung: Nicht jede invertierte Zinskurve führt automatisch zu einer Rezession. Vielmehr handelt es sich bei dem Zusammenhang zwischen inverser Zinsstruktur und Rezessionsgefahr um einen statistischen Zusammenhang. Die Ursachen für eine tatsächliche Rezession sind komplexer. Die Zinsentwicklung ist dabei nur ein Faktor.

 

Inverse Zinskurve und die Geldpolitik

Es gibt auch einen Zusammenhang zwischen einer inversen Zinskurve und der Geldpolitik der Notenbanken. Wenn zum Beispiel eine Zentralbank die Leitzinsen deutlich anhebt und/oder ihre geldpolitischen Zügel strafft, kann das zu einer inversen Zinskurve führen, vor allem bei den kurzfristigen Zinsen. Bei den langfristigen Zinsen braucht es mehr Zeit, bis Maßnahmen einer Zentralbank Reaktionen hervorrufen.

Es ist immer möglich, dass die Erhöhung der Leitzinsen zu einer kurzzeitigen inversen Zinsstruktur führt. Meist normalisiert sich diese aber wieder. Bleibt die „umgekehrte“ Zinskurve aber länger erhalten, besteht Grund zur Sorge, dass sich die Wirtschaft abschwächt und eine Rezession droht.

 

Die Ursachen der invertierten Zinskurve

Die Ursache für eine invertierte Zinskurve liegt in der Erwartungshaltung der Anleger.

Die Notenbanken geben mit ihren Leitzinsen eine grobe Richtung vor. Die Verzinsung, sprich die Rendite am Anleihemarkt, wird von ihnen aber nicht fix definiert. Vielmehr sind es die Anleger selbst, die die Renditen beeinflussen, indem sie Anleihen verstärkt kaufen oder verkaufen. Weil sich die Rendite einer Anleihe nicht nur aus dem Zinskupon errechnet, sondern auch aus deren Kurs.

Bei steigendem Kurs verringert sich die Rendite. Jetzt stellt sich aber die berechtigte Frage, woran sich Investoren orientieren, wenn nicht am Leitzins der Notenbanken? Respektive, warum kaufen sie lange Laufzeiten in so großen Mengen, dass deren Rendite deutlich sinkt, anstatt in kurze Laufzeiten mit einer höheren Rendite zu investieren? Ganz einfach, weil sie diese Käufe mit einem Blick in die Zukunft tätigen. Die Investoren antizipieren zukünftige Maßnahmen der Notenbanken und nehmen so kommende Aktionen vorweg.

Und wenn lange Laufzeiten weniger Rendite erreichen als kurze, weil sie massiv gekauft werden, bedeutet das, dass sich die Investoren auf sinkende Leitzinsen einstellen. Und Leitzinsen sinken dann, wenn die Wirtschaft abkühlt und eine Rezession zu befürchten ist.

 

Bei invertierter Zinskurve Aktien verkaufen?

Was für Auswirkungen hat eine invertierte Zinskurve für den Aktienmarkt? Sollen Anleger panikartig verkaufen? Es wäre in jedem Fall vorschnell, sofort alle Aktien zu verkaufen. Man sollte aber den Aktienmarkt genau beobachten und bereit sein, sofort abzuspringen, wenn es zu entsprechenden, klar «bärischen» Signalen kommt. Eine invertierte Zinskurve ist zwar ein klares Warnsignal, aber kein unmittelbares Verkaufssignal.

 

 

 

 

 

 

 

 

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