IPO (Initial Public Offering)
 / Börsengang

Der Börsengang, oder im englischen IPO (Initial Public Offering), beschreibt den Schritt von einem bislang privaten Unternehmen an den öffentlichen Markt. Hierbei wird in den meisten Fällen neues Eigenkapital eingesammelt und im Gegenzug werden Aktien ausgegeben. Dies nennt sich Erstplatzierung und die Aktien sind dann an einem organisierten Kapitalmarkt handelbar.

 

Börsengang Ablauf: Primärmarkt = Erstmarkt

Der Börsengang ist für ein Unternehmen ein langer und bürokratischer Prozess, der viel Geld kosten kann. Die Vorbereitung dauert ca. 1 Jahr und wird von IPO-Beratern, Banken, Wirtschaftsprüfern und anderen externen Parteien begleitet. Nicht ohne Grund gilt daher der Börsengang als großer Schritt für ein Unternehmen und wird nur bei entsprechender Größe durchgeführt. In Deutschland muss zunächst die Rechtsform des Unternehmens stimmen. Nur eine Aktiengesellschaft (AG), eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder eine Europäische Gesellschaft (SE) kann hier an die Börse gehen. Der Börsengang erfolgt über eine Investmentbank oder ein Konsortium aus mehreren Investmentbanken. Da das Unternehmen bisher nicht regelmäßig Zahlen veröffentlichen musste, werden zu Beginn die Bücher geprüft und es wird eine Finanzanalyse durchgeführt. Ziel ist es, eine Einschätzung des Unternehmenswertes zu erhalten. Diese Analyse nennt sich Research-Report. Im Anschluss folgt eine Roadshow. Hierbei stellen die Konsortialbanken das Unternehmen einigen Institutionellen Investoren vor, um sie dazu zu bewegen, einige Anteile zu zeichnen. Die Investoren geben dann Angebote ab, anhand derer die Preisspanne des Emissionspreises bestimmt wird.

 

Während dieser Zeit wird auch kräftig für den Börsengang geworben. Denn je mehr Aufmerksamkeit ein Unternehmen bekommt, desto höher ist die Chance auf einen hohen Emissionspreis. Um den Emissionspreis zu bestimmen, ist in Deutschland neben dem Festpreis- und dem Auktionsverfahren das Bookbuilding-Verfahren das wichtigste. Haben die beteiligten Banken die Preisspanne bestimmt, kommt es im Bookbuilding-Verfahren zur eigentlichen Bestimmung des Ausgabepreises. Investoren können in dieser Phase ihre Gebote innerhalb der vorgegebenen Preisspanne abgeben. Das Verfahren dauert meist eine Woche und bietet auch für Privatanleger die Chance, Aktien durch ihren Online-Broker zu zeichnen. Allerdings gibt es oft eine Mindestanzahl an Aktien, beispielsweise 50 Stück, die geordert werden müssen. Zudem kann es zu Bevorzugungen bei der Vergabe kommen, wenn der genutzte Broker zu einer der Konsortialbanken gehört. Anhand der Nachfrage wird dann gegen Ende des Bookbuilding-Verfahrens der beste Preis bestimmt, zu dem alle Aktien zu einem möglichst hohen Preis herausgegeben werden können. Dieser Preis ist der Emissionspreis und die Aktien werden zu diesem ausgegeben. Das eingesammelte Kapital wird in der Bilanz auf der Passiva-Seite im Eigenkapital unter “gezeichnetes Kapital” ausgewiesen. Liegt allerdings der Emissionspreis über dem Nennwert der Aktien, wird die Differenz, genannt Agio, unter dem Posten “Kapitalrücklagen” im Eigenkapital der Bilanz ausgewiesen.

 

Nach dem Börsengang: Sekundärmarkt = Zweitmarkt

Nachdem die Aktien ausgegeben wurden, können sie am Sekundärmarkt, also ganz normal an einer beliebigen Börse, gehandelt werden. Das Unternehmen hat ab diesem Zeitpunkt keinen Einfluss und keine direkten Vor- oder Nachteile von dem Handel der Aktien. Es hat das nötige Kapital eingesammelt und kann den Handel und die Marktbewertung nur wenig beeinflussen. Das Unternehmen muss sich ab dem Börsengang allerdings an einige regulatorischen Vorschriften halten und regelmäßig Zahlen bereitstellen. Um Themen wie Ad-hoc Mitteilungen, Veröffentlichungen und Investor Relations muss sich das Unternehmen jetzt kümmern.

 

Vorteile Börsengang / IPO

Ein Börsengang bringt für die Unternehmen viele Vorteile mit sich. Die Aufmerksamkeit auf das Unternehmen ist enorm. Presse und Medien berichten über das Ereignis. Die Marke und die Produkte stehen in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig geht es um die Eigenkapitalstärkung. Für viele Geschäftspartner und Banken ist eine gute Eigenkapitalquote unabdingbar für eine Zusammenarbeit. Das eingesammelte Eigenkapital hilft dabei, diese zu verbessern. Im gleichen Zuge werden die Kosten für eine Fremdkapitalfinanzierung reduziert, da durch das neue Eigenkapital zusätzliche Sicherungen vorhanden sind.

 

 

Liste der größten Börsengänge

Logo Firma Jahr des IPO Erlös in USD
Ähnliches Foto General Motors 2010 23,1 Mrd.
Agricultural Bank of China 2010 22,9 Mrd.
Ähnliches Foto Industrial & Commercial Bank of China 2006 21,9 Mrd
Alibaba Group Holding 2014 21,8 Mrd.
Bildergebnis für AIA – Asienableger der AIG AIA – Asienableger der AIG 2010 20,5 Mrd.
NTT Mobile 18,4 Mrd
VISA 2008 17,9 Mrd
Bildergebnis für Enel Enel 2010 16,6 Mrd.
Facebook 2012 16,0 Mrd.
Bildergebnis für telekom Deutsche Telekom 1996 12,5 Mrd.

 

 

 

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