Was ist ein gutes/ niedriges KGV bei Aktien?

Die Abkürzung KGV bedeutet Kurs/Gewinn-Verhältnis oder auf englisch von Price/Earnings-Ratio oder P/E-Ratio. Es setzt den Aktienkurs eines Unternehmens in Relation zum Ergebnis je Aktie und sagt aus, mit welchem Faktor des Jahresgewinns das Unternehmen bewertet wird. Mit dem KGV lässt sich eine Aussage über den erwarteten Gewinn pro Aktie treffen. Beträgt das KGV beispielsweise 5, bedeutet das, dass 20 Prozent des Börsenwertes einen Jahresgewinn ausmachen. Das Unternehmen würde also fünf Jahre benötigen, um sich selber kaufen zu können.


Kernpunkte

 

  1. Generell sind Investoren eher auf der Suche nach Aktien mit einem niedrigen KGV.
  2. Ein niedriges KGV alleine ist keine aussagekräftige Bewertungskennzahl und muss immer im Zusammenhang mit allen Kennzahlen betrachtet werden.

 

▲ Das KGV setzt den Aktienkurs eines Unternehmens in Relation zum Ergebnis je Aktie.

 

Was sagt das KGV aus?

Generell sind Investoren auf der Suche nach Aktien mit einem tiefen KGV. Es gilt weitläufig die Ansicht, dass ein Unternehmen an der Börse unterbewertet ist, wenn es ein niedriges KGV hat. Aber Vorsicht: Ein niedriges KGV bedeutet nicht automatisch, dass die Aktie auch unterbewertet ist. Da immer der letzte Gewinn der Vergangenheit dem aktuellen Aktienkurs gegenübergestellt wird, kann es sein, dass das KGV niedriger erscheint, als es wirklich ist. Darum muss das KGV immer im Kontext betrachtet werden. Es gilt, seine historische Entwicklung im Auge zu behalten und auch das KGV der Konkurrenz aus derselben Branche zum Vergleich heranzuziehen. Die einfache Formel zur Berechnung des KGV lautet: KGV = Aktienkurs / Unternehmensgewinn pro Aktie.

 

Ist ein einstelliges KGV gut oder schlecht?

Es gibt hier keinen festen Wert, ab welchem das KGV einer Aktie als fair oder gar günstig bewertet gilt. Je nach Marktphase und Branche variieren die KGVs stark. Eine Aktie, die ein hohes zweistelliges KGV aufweist, muss nicht zwingend teuer sein, so lange das betreffende Unternehmen ein entsprechendes Gewinnwachstum aufweist. So kann ein Unternehmen an der Gewinnschwelle extrem teuer erscheinen, weil der Wert im Nenner eben noch sehr klein ist.

Dennoch gilt eine gewisse Vorsicht bei sehr niedrigen KGVs, diese können mitunter ein Warnzeichen sein. Denn nicht selten entwickelt sich der Markt schneller weiter als die Einschätzung der Analysten. Beispielsweise kann in Erwartung fallender Gewinne der Aktienkurs fallen, womit das längst überholte KGV die Aktie auf dem Papier günstig erscheinen lässt. Aber leider nur auf dem Papier.

 

 

Jeder Branche ihr KGV

Jede Branche hat ihre eigenen Merkmale. Ein Vergleich unter verschiedenen Branchen macht daher wenig Sinn. Die Automobilbranche hat traditionell eher ein niedriges KGV, da sie sehr forschungsintensiv ist und die Produktion von Autos ins Geld geht. Man weiß auch, wie extrem konjunkturabhängig diese Branche ist. Daher sind hier KGVs um 15 schon teuer, während ein solcher Wert bei Aktien, die zu wachstumsstarken Branchen gehören, von denen die Anleger massive Zuwächse in den kommenden Jahren erwarten, überaus günstig wäre. Da kann das KGV gut und gerne bei 40 oder 50 liegen und die Anleger investieren trotzdem.

 

 

KGV berücksichtigt Dividenden nicht

Das KGV sagt nichts über die Dividende aus, die ein Unternehmen ausschüttet. Wer eine Dividendenstrategie verfolgt, für den ist das KGV nicht sonderlich relevant. Denn viele Investoren nehmen ein etwas höheres KGV gerne in Kauf, wenn sie zugleich mit einer hohen Ausschüttung belohnt werden.

 

 

Die konjunkturelle Phase

Wenn man von einem billigen oder teuren KGV spricht, muss auch immer die aktuelle Wirtschaftsphase berücksichtigt werden. Befindet sich die Wirtschaft gerade in einer Wachstumsphase oder in einer Rezession? Herrscht Rezession, wird die Messgröße KGV nämlich oft unbrauchbar, weil die Gewinne vieler Unternehmen stark einbrechen können oder gar Verluste verbucht werden müssen. Dadurch kann ein KGV nach oben explodieren. Wenn der Gewinn um 80 Prozent einbricht und die Aktie aber nur um 40 Prozent gefallen ist, dann ist das KGV plötzlich deutlich höher.

 

KGV für Indizes

Auch ein Aktienindex kann ein KGV ausweisen. Dafür werden die Gewinne aller im Index aufgeführten Aktien entsprechend der Gewichtung der Aktien im Index aufsummiert und durch die Zahl der Aktien (also beim DAX durch 30)  geteilt. Diese Methode wird angewendet, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob man in einen bestimmten Markt investiert oder nicht.

 

KGV sollte Faustregel sein

Das KGV ist ein guter Ansatz, wenn es um die Frage geht, ob man einsteigen soll oder nicht. Das KGV einer Aktie sollte immer mit Aktien anderer Branchenteilnehmer verglichen werden, um zu sehen, ob das KGV der avisierten Aktie tief oder hoch ist. Zusätzlich sollte auch die Höhe der Dividendenrendite betrachtet werden. Und dann gilt es auch, die historische Entwicklung der Aktie zu berücksichtigen. Idealerweise weist sie einen Aufwärtstrend vor. Denn ein alter Börsenspruch lautet: Was billig scheint, kann leicht noch viel billiger werden!