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Jens Will | Maschinenbau Ingenieur in der Pharmaindustrie. Das erklärt mein Faible für diese Aktien. Wer mit offenen Ohren durch die Werke wandert, bekommt die neuesten Innovationen oft schon mit, bevor die Analysten die Pressekonferenz besuchen.

Ich fahre die Strategie der maximalen Diversifizierung. Die Anzahl meiner Positionen liegt im dreistelligen Bereich. Meine Schwerpunkte sind die Pharmaindustrie, Commodities und Maschinenbauindustrie. Ich strecke meine Fühler aber auch in andere Bereiche aus.

Coronavirus Aktien: Diese 4 Unternehmen können von der Krise profitieren

Das Coronavirus breitet sich aus. Am 03. März 2020 wurden weltweit bereits mehr als 90.000 Fälle in über 70 Ländern gemeldet. Innerhalb Chinas scheint sich die Lage zu bessern. Dafür aber bricht die Erkrankung in immer mehr anderen Ländern aus – und sorgt so vielerorts für Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens. Auch die Börse wurde bereits infiziert – Ende Februar korrigierte der S&P 500 Index innerhalb von wenigen Tagen um mehr als 10% nach unten. Anfang März kam es dann schon wieder zu einer Gegenbewegung. In diesem Artikel stellen wir dir 4 Unternehmen vor, die von dieser Krise profitieren können. Sollte es an den Börsen weiter Richtung Süden gehen, so werden wir einen weiteren Artikel nachschieben – und darin auf die Aktien mit größtem Corona-Rabatt eingehen. Doch noch ist es nicht soweit.

Kapitel

  1. Coronavirus und Aktien
  2. Heilversprechend: AbbVie Corporation
  3. Gerresheimer - die Abfüller
  4. Desinfektion ausverkauft: Paul Hartmann AG ein Profiteur?
  5. Nicht nur sauber
  6. sondern porentief rein: Reckitt Benckiser
  7. Fazit

 

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Wegen der Ausbreitung des Coronavirus werden weltweit Flüge gestrichen. Flughäfen sind leer wie selten zuvor. In diesem Artikel gehen wir aber nicht auf mögliche Verlierer-Aktien ein, die es derzeit mit Rabatt an der Börse zu kaufen gibt. Sondern auf die Gewinner.

Coronavirus und Aktien

Existentielle Krisen der Menschheit: Wer sich die Zeit nimmt und im Internet über existentielle Krisen für die Menschheit sucht – Krisen, die die Menschheit also teilweise oder ganz auslöschen könnten – der stößt neben „Supervulkanen“, „Meteoriteneinschlägen“ und „Atomkrieg“ auch ganz schnell auf den Begriff „Pandemie“.

Coronavirus eine Pandemie? Eine Pandemie ist per Definition der weltweite Ausbruch einer Krankheit mit teilweise tödlichem Verlauf – quasi die globalisierte Steigerung einer Epidemie. Also eigentlich genau das, was wir gerade mit Corona, dem Erreger der „COVID 19“ Erkrankung erleben. Anfangs von vielen als harmlose Grippeepidemie unterschätzt, ist das Virus mittlerweile weltweit aufgetreten.

Eine tückische Erkrankung: Besonders tückisch an dieser Krankheit ist die lange Inkubationszeit. Ein Infizierter weiß oft tagelang nicht, dass er den Erreger in sich trägt und hat so jede Menge Zeit, seine Mitmenschen ebenfalls zu infizieren. Das macht es beinahe unmöglich und unglaublich aufwendig, die Eskalation zu verzögern. Die Versuche der Behörden, ein „Outbreak“ zu verhindern, wirken allesamt hilflos. In China und Italien werden ganze Städte von der Außenwelt abgeriegelt.

Die Lage in Deutschland: Auch Deutschland scheint die Kontrolle über die Seuche längst verloren zu haben, bereits jetzt könnten zahllose Menschen das Virus in sich tragen, die davon nichts ahnen. Die Letalität – also die Sterblichkeitsrate – durch Corona ist zum Glück mit 1:50 noch gering und trifft vor allem ältere Patienten und Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Immerhin ist Covid 19 aber 10 mal tödlicher als die Grippe. Dort liegt die Letalität bei nur 1:500. Schwangere und Kinder haben vor dem Virus quasi nichts zu befürchten.

Ein Ausbruch in Afrika? Nicht auszumalen jedoch, was passiert, wenn der Erreger z.B. in Afrika ausbricht und dort in den Elendsvierteln auf die Menschen trifft. Dort, wo keine Hygienemaßnahmen ergriffen werden können und die Menschen oft unterernährt und geschwächt sind, wird sich die Sterblichkeit rasch vervielfachen. So gesehen hat diese Grippe also tatsächlich das Potential einer Pandemie, die einen guten Teil der Menschheit bedrohen könnte. Obwohl keiner den weiteren Verlauf dieser Situation seriös voraussehen kann, muss man wohl davon ausgehen, dass uns der schlimme Höhepunkt noch bevorsteht. Und das gilt wohl auch für die Wirtschaft.

Aktuelle Zahl der Erkrankungen: Natürlich ist es angesichts von mittlerweile 3.000 Toten und über 90.000 Erkrankten (Stand 03. März 2020) moralisch schwierig, sich Gedanken über die Auswirkungen der Seuche auf die Performance des eigenen Portfolios zu machen. Ich hoffe jedoch für alle unsere Leser, dass diese Erkrankung an euch und euren Familien und Freunden vorüberzieht und wir uns künftig wieder voll auf die Vermögensbildung konzentrieren können.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen: Interessant ist es dennoch, mal zu schauen, welche Firmen aus einer Pandemie wie Corona kurz und mittelfristig gestärkt hervorgehen könnten. Denn Verlierer wird es auch an den Börsen genug geben. Wir erleben hier derzeit keine Kurskorrektur aufgrund einer Börsenlaune. Hier entsteht derzeit massiver, wirtschaftlicher Schaden. Wie hoch, das lässt sich seriös kaum abschätzen. Oder wie Christian W. Röhl so passend erklärt:

Der Kaffee im Starbucks, der derzeit nicht getrunken wird, der wird auch später nach dem Virus nicht nachgeholt

Konzentrieren wir uns in diesem Artikel auf die Betrachtung der Firmen, die helfen werden, dass es Pandemien künftig schwerer haben, Menschen zu töten.

 

Heilversprechend – AbbVie Corporation

Wann wird es einen Impfstoff geben? Ganz zu Beginn gleich eliminieren wir mal ein Missverständnis, das uns die Presse derzeit täglich zum Frühstück serviert. Eine Impfung wird präventiv verabreicht, also bevor man erkrankt. Hat man das Virus erstmal im Körper, kann man so lange impfen, bis die Nadel glüht. Es nützt nichts mehr. Dann benötigt man einen Wirkstoff, ein Medikament, das die Krankheitssymptome abschwächt und den Patienten bestenfalls heilt. Der Impfstoff wird laut Experten noch eine Weile auf sich warten lassen, hier reden viele von 12 Monaten.

Ein rettendes Medikament: Der wichtigste Schritt zur Eindämmung des Virus ist aber ganz klar ein Wirkstoff, der den Verlauf der Erkrankung abschwächt und das Leben der Patienten rettet. Das ist von psychologischer Bedeutung, denn eine Krankheit, der man mit einem Gegenmittel den „Zahn“ ziehen kann, die verbreitet eben längst nicht mehr diesen Schrecken. Die ganze Welt und vor allem die Finanzwelt schaut wie gebannt auf die Labore der Pharmaindustrie.

Hat AbbVie ein Medikament im Angebot? Und während weltweit eifrig die Petrischalen observiert werden, behauptet die Konzernspitze von AbbVie rotzfrech, dass sie ein solches Medikament bereits haben. Hier geht es um ein Präparat aus der AIDS Pipeline (Kaletra bzw. Aluvia) eigentlich gegen das HI-Virus entwickelt und scheinbar in der Lage, den Verlauf der COVID 19 Erkrankung positiv zu beeinflussen. Problem: Bis jetzt existieren noch nicht genügend verlässliche Daten, um die Wirksamkeit des Medikamentes zu beweisen. In China wird es aber bereits an Patienten getestet. Sollte die Wirksamkeit bewiesen werden, wären die Pharmazeuten von AbbVie die Helden der Stunde und die Menschheit könnte weltweit etwas aufatmen.

Lage würde sich entspannen: Damit würde die Corona Pandemie vorerst zu einer Grippe Epidemie herabgestuft. In den kommenden Jahren könnte AbbVie seinen Wirkstoff jährlich zur neuen Covid Saison herausbringen. Das würde Umsatz und Gewinn nachhaltig stärken. Natürlich ist das nur eine reine Spekulation und den endgültigen Erfolg können auch andere Firmen davontragen. Aber die Börsen honorieren derzeit die Fortschritte von Abbvie, der Kurs ist seit Ausbruch der Krankheit deutlich gestiegen. Sollte AbbVie oder ein Wettbewerber Erfolg haben, so richtig durch die Hölle durch wären wir damit noch nicht. Dazu benötigen wir wie gesagt den Impfstoff, doch darauf gehen wir im nächsten Kapitel ein.

Vorher noch ein paar Worte zu AbbVie: Der etwas gekünstelt klingende Name leitet sich aus den Wurzeln des Unternehmens ab. AbbVie war einst Teil der Abbott Laboratories und wurde im Jahr 2013 abgespalten. Während sich Abbott mehr auf Diagnostik und Medizintechnik konzentriert, ist AbbVie stark in der Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Hepatitis C, Rheuma, Multiple Sklerose und Onkologie. AbbVie hält auch das Patent an der Mutter aller Blockbuster, „Humira“, dem umsatzstärksten Medikament der Welt. Knapp 19 Mrd. Dollar hat Abbvie 2017 mit diesem Wirkstoff eingenommen und ein Ende des Booms ist auch in den nächsten Jahren noch nicht wahrscheinlich. Zu breit ist das Anwendungsspektrum dieser Arznei.

Die nächsten Schritte des Unternehmens: Aber bei Abbvie ruht man sich nicht auf seinen Lorbeeren aus. Erst im letzten Jahr haben die Pharmazeuten aus Chicago bekannt gegeben, den irischen Konzern Allergan übernehmen zu wollen. Damit würde ein weiterer Blockbuster, das Kosmetikmittel „Botox“ in die Hände von AbbVie geraten. Und auch in Sachen Forschung geht AbbVie mit großen Schritten voran. Man spricht von einem der flexibelsten und schnellsten Wirkstoffentwickler der Welt.

Fundamentales zur AbbVie-Aktie: Wer auf solide finanzierte Firmen mit komfortablem Eigenkapitaldeckel steht, der sollte die nächsten Zeilen überspringen. Die Bilanz von AbbVie enthält einen großen Berg an Fremdkapital. Der dreifache Jahresumsatz wird in den Büchern unter Verbindlichkeiten geführt. Das wirtschaftliche Eigenkapital ist sogar negativ. Ein wenig Bescheidenheit und Investitionszurückhaltung täte dem Management also gut. Andererseits ist Fremdkapital billig wie nie. Und auch die vermeintlichen Musterschüler Roche und Novartis haben in den letzten Jahren tüchtig auf Pump gelebt. Gepflegte Bilanzen sind also nicht des Pharmazeuten liebstes Kind. Und ansonsten?

Eine Dividendenperle: Das KGV liegt unter 10. Sowas erleben wir ansonsten nur in der Automobilindustrie, eine Dividendenrendite von 5%, die seit Jahren jährlich gesteigert wird. Die prall gefüllte Pipeline lässt keinen Zweifel daran, das AbbVie in den nächsten Jahren viel vor hat.

 

Meine Meinung zur AbbVie-Aktie:

Eine jener Aktien, die ich als Basisinvestment empfehle. Trotz tüchtiger Ausschüttung nicht im Wachstum gehemmt. Verschuldet, aber mit stabilem Cashflow. Eher unterbewertet und zu großen Sprüngen bereit. Die Börse bestraft derzeit das Auslaufen des Humira Patentes. Aber noch halten sich die Mitbewerber mit Biosimilars zurück. AbbVie kann diese Zeit nutzen und das Portfolio an anderer Stelle verstärken. Ich halte Anteile von AbbVie und baue meinen Bestand hin und wieder aus.

 

Die Abfüller – Gerresheimer

Wir brauchen den Impfstoff: Eines ist klar: Ein Impfstoff gegen Corona muss in jedem Fall gefunden werden. Das Virus ist nun mal in der Welt und wir müssen uns für die Zukunft dagegen schützen. Denn eine Krankheit lässt sich nur ausrotten, wenn eine flächendeckende Impfung gegen das Virus das Ausbreiten verhindert.

Ein großer Markt: Der Markt für den Hersteller des Impfstoffes wird gigantisch. Alleine in China ließen sich schlagartig über 1 Mrd. Spritzen verkaufen. Sollte der Impfstoff öfters verabreicht werden müssen, dann das Ganze mal Faktor X. Vermutlich wären nicht mal die größten Pharmazeuten wie GSK und Sanofi in der Lage, diese gigantische Menge an Impfungen in gegebener Zeit herzustellen. Deshalb würden große Chargen des Mittels an Lohnfertiger und Generikahersteller wie TEVA und Mylan ausgegliedert. Eine seriöse Abschätzung, wer wieviel vom Kuchen abbekommt, ist unmöglich.

Der lachende Dritte: In jedem Fall gibt es aber in diesem Duell einen lachenden Dritten. Den Hersteller der Spritzen. Dieser Impfstoff wird mit Einwegspritzen verabreicht. Das sind hochpräzise Glasröhren, in die der Impfstoff unter supersterilen Bedingungen eingefüllt wird. In einem weiteren Schritt wird ein sog. „Plunger“ in die Spritze gesetzt. Alle diese Teile, Nadel, Nadelschutz, Glasröhre, Plunger sind wichtige Zutaten einer erfolgreichen Grippekampagne. Es gibt nur wenige, zertifizierte Hersteller, die diesen Massenmarkt bedienen können.

Gerresheimer-Aktie vorgestellt: Der Platzhirsch aus Deutschland ist die Düsseldorfer Gerresheimer Gruppe. Von Börsianern gerne als „Verpackungsspezialist“ oder „Food-and-non-food-Glaser“ herabgewürdigt, ist Gerresheimer der wahre Allrounder in der Pharmaindustrie. Von der Hüttenglas-Flasche über die Karpulle bis hin zur Spritze aus Röhrenglas: Gerresheimer ist als Vollsortimenter auf die Corona-Krise vorbereitet. Dabei wird dieser Wert an den Börsen derzeit kaum wahrgenommen. Zu groß ist derzeit das Börsenbeben und da werden auch die vermeintlichen Heilsbringer mit in den Abgrund gezogen. Völlig zu unrecht. Denn auch wenn ein Impfstoff noch weitere 12 Monate brauchen sollte – dieser wird und muss kommen. Und ohne Gerresheimer wird ihm das nicht gelingen.

Ein paar historische Worte: Die Gerresheimer blicken auf eine lange Börsengeschichte zurück. Seit 1888 treibt man sich auf dem Parkett rum, wurde zwischenzeitlich mal von Banken und mal von Heuschrecken übernommen. Eine Liste aller Eigentümer und Spin Offs füllt alleine bei Wikipedia 3 Seiten. In seiner jetzigen Form ist Gerresheimer eigentlich seit 1990 unterwegs. Damals stieß man das Geschäft mit Bier- und Wasserflaschen ab und konzentrierte sich auf Pharma-Verpackungen. Dabei ist man bis heute geblieben und hat sich noch mit den lukrativen Bereichen Mikropumpen und Inhalationstechnik aufgehübscht. Ach ja… Und da wären tatsächlich noch die kleinen braunen Nestlé Flaschen, in die das gute alte Maggi Gewürz abgefüllt wird. Ja, die kommen auch noch von Gerresheimer.

Fundamentales zur Gerresheimer-Aktie: Auch die Gerresheimer haben einen tüchtigen Schuldenberg vom immerhin 3-fachen EBITDA auf dem Buckel. Dazu kommt, dass 2019 kein Glanzjahr war. Das neue Business mit den Mikropumpen zeigt Startschwierigkeiten, dort sind wichtige Aufträge weggebrochen. Ob die Corona-Impfkampagne diese Delle wieder ausmerzen kann, darf bezweifelt werden. Dieser Geldregen wird wenn dann erst im Geschäftsjahr 2021 realisiert. Das ist aber eigentlich auch nicht so wichtig. Das KGV des Pharmaspezialisten liegt selbst im Katastrophenjahr bei seriösen 22. Die Dividende ist mit knapp 1,8 % ein wenig karg, aber die Ausschüttung liegt bei 50% des Ergebnisses. Also alles gut. Gerresheimer wird seine Probleme in den Griff bekommen und so lange einfach weiterhin Spritzen, Flacons und Maggi Flaschen produzieren. Stabile Nachfrage. Und danach? Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass man in Zukunft eher wieder auf ein KGV von 15 kommt. Bezogen auf den heutigen Kurs reden wir also von einem Gewinnwachstum von etwa 20 % pro Jahr. Und da ist Corona noch gar nicht eingepreist.

 

Mein Fazit zur Gerresheimer-Aktie:

Ich halte die Anteile von Gerresheimer, weil ich auch beruflich mit den Produkten der Düsseldorfer zu tun habe. Wenn die großen Pharmazeuten einen neuen Wirkstoff zur Serienreife bringen, dann sitzt Gerresheimer als erste Wahl immer mit am Tisch. Als erste Firma entwickelte Gerresheimer sog. COP Spritzen aus Kunststoff – die Verpackung der Wahl für onkologische Präparate im hochpreisigen Segment.

Die Aktie ist keine Wachstumsrakete, hat aber ein solides Kerngeschäft mit hin und wieder leichtem Rückschlagpotential. Wer glaubt, dass Menschen auch in 30 Jahren noch Arznei über Spritzen verabreicht bekommen, der kann hier gerne investieren. Dividendenjägern springt dieser „Low-Yielder“ wohl eher nicht ins Depot.

 

Desinfektion ausverkauft: Paul Hartmann AG ein Profiteur?

Masken wirken nicht: Alle Jahre wieder bietet sich während der Grippesaison das gleiche, drollige Bild. Gefühlt jeder dritte Mensch, vornehmlich asiatischer Herkunft, trägt im Gesicht eine Staubschutzmaske aus dem Baumarkt, um sich und seine Mitmenschen vor den Grippeviren zu schützen. Einzig, es nützt nichts. Diese Masken sind so wirkungslos, als würde man ein paar Latex Handschuhe anziehen, um sich gegen den Einschlag einer Atombombe zu wappnen. Es liegt an den Viren selbst. Diese sind wesentlich kleiner als der Lochabstand des Vlieses, aus dem die Staubschutzmasken selber bestehen. Das ist in etwa so, als wenn eine Gummiente durch die Hamburger Hafeneinfahrt schwimmt. Da kollidiert nichts.

Nur teure Masken schützen wirklich: Ja, es gibt auch Schutzmasken, die Viren abhalten können. Aber diese Masken kommen mit erheblichen Komforteinbußen daher und sind für die Nutzung im Alltag schlicht unbrauchbar. Mit so einem Ding kann man sich kaum bewegen, schon gar keinen Koffertrolley durch die Münchner Innenstadt ziehen.

 

Auch Desinfektion kann helfen: Experten sind sich einig: Das Einzige, was dem Virus Einhalt gebieten kann, ist ständige Desinfektion. Jede Türklinke, jeder Wasserhahn, jede Haltestange in der U-Bahn kann kontaminiert sein. Wer erst dorthin fasst und sich dann kurz darauf an oder in den Mund greift, der ist möglicherweise schon infiziert. Deshalb tauchen jetzt in immer mehr Büros und öffentlichen Plätzen die charakteristischen, blauen Desinfektionsspender auf. Zwei „Hübe“, am besten mit dem Ellenbogen ausgeführt auf die Hand, einwirken lassen und die Hände sind wieder keimfrei. Übrigens empfiehlt sich auch das Mitführen einer kleinen Desinfektionsflasche für die Jackentasche für alle von uns, die im Außendienst arbeiten und viele Hände schütteln. Zwei Produkte, die eigentlich immer Konjunktur haben sollten und derzeit überall knapp sind – Stichwort Hamsterkäufe. Beide Produkte kommen u.a. von der Paul Hartmann AG, der wir uns nun näher zuwenden wollen.

Ein paar Infos zur Paul Hartmann AG: Bei Paul Hartmann wird alles produziert, was man im Krankenhaus und der Hausapotheke „sonst noch so“ braucht. Neben den zahlreichen Desinfektionslösungen der Tochter Bode Chemie stellen die Hartmänner vor allem Pflaster und Wundverbände, Inkontinenzversorgung, Kompressionsstrümpfe und OP-Bedarf her. Als kleines „Glamour“ Stück hat man vor einigen Jahren die Marke „Kneipp“ gekauft und somit auch für den Massenkonsum ein Produkt am Start. Bei den Kneipp Produkten geht es nur in zweiter Reihe ums Waschen. Wer sich die Badesalze, Duftduschgels und Sprudelbäder von Kneipp kauft, dem geht es Vordergründig ums „Wellbeing“. Der Kneipp Kunde ist also klar Ü30 und braucht eine Auszeit vom gestressten Leben. Genau wie der potentielle Investor des zugehörigen Wertpapiers.

Denn die Aktie von Paul Hartmann ist nichts für starke Nerven: Ein Investment in dieses Familienunternehmen ist in etwa so spannend, als wie wenn man einem Eimer Farbe beim Trocknen zuschaut. Der Kundenstamm steht fest, der Umsatz wächst mit der Überalterung der Gesellschaft leise mit. Zwei große Ankerinvestoren halten 80% der Anteile, die Börsenumsätze liegen meist nur im fünfstelligen Bereich.

Fundamentales zur Paul Hartmann-Aktie: Die Aktie springt gerne mal an einem Tag um viele Prozent nach oben oder nach unten. Das liegt an der geringen Zahl der frei verfügbaren Stücke. Denn die Hartmänner gelten tatsächlich ein wenig als heimlicher „Zock“ auf eine mögliche Corona Epidemie. Das ist natürlich heillos übertrieben. Fakt ist, die Verbindlichkeiten der Hartmänner liegen bei lediglich einem Viertel des Umsatzes. Das ist sehr, sehr vorbildlich. Das Ergebnis der Gruppe war in den letzten Jahren zwar leicht rückläufig, dennoch pendelt das KGV auch nach dem jüngsten Ausbruch noch um die 11.

Die Dividendenrendite liegt derzeit bei 2,4 % und wird in kleinen Schritten alle paar Jahre erhöht. Reich wird mit der Aktie also nur, wer das ohnehin schon ist.

 

Mein Fazit zur Paul Hartmann Aktie:

Früher nannte man so einen Titel wohl Witwen und Waisen Papier. Kaum Risiko, kaum Wachstum, kaum Stress. Solide ausschüttend. Das richtige Papier für jemanden, der mit seinem Geld gerade nichts Besseres anzufangen weiß und auch keine Lust hat, sich darum zu kümmern. Den Dividendenjägern ist die Ausschüttung zu gering, den Langzeitinvestoren dürfte das lahmende Wachstum sauer aufstoßen.

Ich halte diese Aktie, weil ich der Meinung bin, dass nach dem Corona Ausbruch viele Länder gerade in ihren Kliniken ihren Hygienestandard dramatisch anheben werden. Wohl auch Deutschland. Ein globaler Player wie Paul Hartmann wird ein großes Stück des Kuchens abbekommen. Ein momentaner Einstieg drängt sich jedoch nach dem jüngsten Kurssprung nicht auf. Sollte das Virus durch den einsetzenden Frühling langsam zurückgedrängt werden, dann kehrt auch der Hartmann Kurs wieder zurück. Wer will, kann dann einen Einstieg wagen. Falsch macht man mit diesem Titel langfristig sicher nichts.

 

Nicht nur sauber, sondern porentief rein: Reckitt Benckiser

Auch Hygiene dämmt das Virus ein: Desinfektion ist die lokale Maßnahme des Einzelnen. Hygiene ist die beste Methode, um den Bereich, in dem wir uns aufhalten, von Viren freizuhalten. Ein beliebter Weg für ein cleveres Virus, um sich auszubreiten, ist die sog. „Schmierinfektion“. Der Erreger haftet sich an Flächen, Griffen, Händen an. Wir greifen hin und tragen ihn immer weiter. Das Coronavirus scheint diese Taktik hervorragend zu beherrschen. Beweis ist die Diamond Princess. Hier hat ein einziger Passagier hunderte Mitmenschen angesteckt, die mit ihm das gleiche Schiff teilten. Copy and Paste funktioniert für Viren überall da gut, wo die Hygiene schleifen gelassen wird.

Reckitt greift das Virus an: Reiniger mit bakteriostatischer Wirkformel zerstören auch die Schutzhülle von Viren und eliminieren diese zuverlässig. Und so reagierten die „Hamster“ in den letzten Tagen prompt. In zahllosen Geschäften waren die Produkte der Marke „Sagrotan“ spontan vergriffen. Scheinbar setzen viele unserer Mitbürger darauf, diese bei Ausbruch der Krankheit zu Wucherpreisen an bedürftige Mitmenschen weiter verhökern zu können. Das ist natürlich schändliches Verhalten und ich hoffe von tiefster Seele, dass diese „Kriegsgewinner“ auf ihren Bergen von Haushaltsreinigern sitzen bleiben – bis nach dem Ablaufdatum. Aber es zeigt einmal mehr, wie sich unsere Wahrnehmung der eigenen 4 Wände durch das Virus verschiebt. Plötzlich beginnen Menschen, Kühlschränke zu säubern, Handläufe abzuwischen und ihre Hände gründlich und oft zu waschen.

Hygiene rückt in den Fokus: Hygiene zieht an vielen Stellen ein, an denen sie jahrelang vernachlässigt wurde. Und diese Maßnahmen kommen nicht zu spät. Egal wann der Ausbruch kommt – und ob. Wie ich schon erwähnte, das neue Virus ist nun in der Welt und es wird, wie bei Pocken und Masern auch – Jahre dauern, bis wir ihn ausrotten. Zahlreiche Impfgegner werden uns den Kampf zusätzlich erschweren. Die Hygiene-Keule wird auch in den kommenden Jahren wild geschwungen werden müssen. Saubere Oberflächen im öffentlichen wie im privaten Raum, werden alljährlich zur Grippesaison das erfolgreichste Mittel sein, einen weiteren Ausbruch zu verhindern. Ich habe es eingangs erwähnt, erfolgreichster Reiniger im Kampf gegen Bakterien und Viren ist die Marke Sagrotan aus dem Hause Reckitt-Benckiser.

Weitere Produkte aus dem Hause von RB: Neben Reinigungsmitteln haben die Briten auch sog. OTC-Medikamente („Over the Counter“, also freiverkäufliche Arznei) im Programm, die im Falle einer grippalen Erkrankung gerne konsumiert werden. Nurofen ist gerade bei jungen Patienten ein beliebter Fiebersenker, gegen Halsschmerzen helfen die fürchterlichen, grünen „Dolo-Dobendan“ Bonbons. Und wer die Hygiene auch ins Bett bringen will – vielleicht schützen die Kondome von „Durex“ ja auch gegen Corona. So ein kleines bisschen vielleicht ? Kleiner Scherz. Die britische Firma Reckitt-Benckiser, obwohl erst 1999 durch Fusion entstanden, hat ihre Wurzeln in Deutschland.

Familie Reimann: Dahinter steckt – wie so oft, wenn es um die großen, deutschen Deals geht – die Milliardärsfamilie Reimann. Deren Vorfahre, Johannes Benckiser gründete 1823 eine Salmiakmühle, die sukzessive zu einem Werk für Haushaltschemie wuchs. Im Jahr 1999 wurde man mit der Firma Reckitt (gegründet 1840) zu R&B fusioniert. Seither hat man sich ein weites Portfolio aus Haushalts- und Gesundheitsmarken zusammengekauft. Hierzulande kennt man aus dem Werbefernsehen auch noch den Gebissreiniger „Kukident“, die Fußpflege von „Scholl“ oder die Waschmaschinenreiniger von Calgonit.

Fundamentales zur Reckitt Benckiser-Aktie: In den letzten 5 Jahren hat sich die Aktie kaum bewegt. Da es sich um eine britische Marke handelt, stecken auch eine Menge Brexit-Sorgen und Währungsrisiken in der Marke. Und so ist ein Investment in R&B auch immer eine Wette auf die Entwicklung des britischen Pfunds und den Auswirkungen des Brexits. Das KGV liegt stets zwischen 18 und 20. Somit ist der Wert solide und kein Schnäppchen. Die Verschuldung liegt bei 80% des Umsatzes bzw. dem 2,5-fachen EBITDA. Damit können Aktionäre sehr gut leben. Die Dividende beträgt 2% und wird jährlich sanft angehoben. Auch hier liegt der Wert im soliden Mittelfeld. Wenn man mal den Standort GB aus der Betrachtung ausschließt, dann haben wir hier einen soliden Wert mit hoher Spezialisierung, tüchtigen Burggräben und einer ziemlich krisensicheren Produktpalette. Ein Investment für die nächsten Jahre, für Hamsterkäufe nicht geeignet.

 

Mein Fazit zur Reckitt Benckiser-Aktie

Ich bin ganz klar ein R&B Fan. Die „Briten“ sind in 60 Ländern durch ihre Produkte vertreten und der CEO Laxman Narasimhan führt den Markencontainer mit Augenmaß. Der Brexit ist aus meiner Sicht längst eingepreist und ich stehe auf die hohe Verlässlichkeit des Wertes.

Ich habe die Titel auch für die Depots meiner Kinder gekauft, weil ich von der Langfristigkeit des Wertes überzeugt bin. Ich denke, durch den Einzug verstärkter Hygienemaßnahmen werden Titel wie R&B und Church & Dwight zu den Gewinnern der Corona Krise gehören. Wenn man bei einer Pandemie überhaupt von Gewinnern sprechen kann.

 

Fazit: Vom Coronavirus nicht verrückt machen lassen

Letzte Worte: Wie steht es auf dem Einband des „Anhalters durch die Galaxis“ ? Don’t panic. Packt die Gesichtsmasken weg, denn das schaut albern aus. Wascht eure Hände regelmäßig, wenn ihr an öffentlichen Orten unterwegs seid und vermeidet unnötige Kontakte wie Umarmungen mit Fremden in den nächsten Wochen.

Und ansonsten? Viren wie Corona verachten warme, trockene Temperaturen. Sobald die Frühlingssonne durch die Wolken bricht und unser Immunsystem wieder in die Höhe schießt, geht es den Grippeviren traditionell an den Kragen. Die Grippesaison endet hierzulande meist im April. Hoffen wir einfach gemeinsam, dass wir es in den Griff bekommen. Und was eventuelle Hamsterkäufe betrifft: Es empfiehlt sich immer, etwas Nahrungsmittel und Getränke für 10-14 Tage im Haus zu haben, das hat nichts mit Hamstern zu tun.

Aber bitte, bereitet euch nicht auf die Zombie Apokalypse vor. Sie wird mit Sicherheit nicht kommen. Die meisten Leser hier sind jung und ohne schwere Vorerkrankungen. Sie haben nach momentanem Wissensstand, von diesem Virus derzeit nicht viel zu befürchten. Und die von uns, die von Corona gestreift werden: Guten Mut, viel Erfolg und vor allem: Gute Besserung !

In eigener Sache: Sollten die Aktienkurse an den Börsen weiter abstürzen, dann werden wir einen Sonder-Artikel zu stark gesunkenen Aktien veröffentlichen. Darin werden wir unsere Favoriten mit besonders hohem Rabatt vorstellen. Möchtest du informiert werden, sobald dieser Artikel live geht? Dann abonniere jetzt unseren Newsletter.

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Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit Aktien von AbbVie, Gerresheimer, Paul Hartmann und Reckitt Benckiser.

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