Jens Will | Maschinenbau Ingenieur in der Pharmaindustrie. Das erklärt mein Faible für diese Aktien. Kunden sind sehr Auskunftsfreudig und wer mit offenen Ohren durch die Werke wandert, bekommt die neuesten Innovationen oft schon mit, bevor die Analysten die Pressekonferenz besuchen.

Ich fahre die Strategie der maximalen Diversifizierung. Die Anzahl meiner Positionen liegt im dreistelligen Bereich. Meine Schwerpunkte sind die Pharmaindustrie, Commodities und Maschinenbauindustrie. Ich strecke meine Fühler aber auch in andere Bereiche aus.

CSL Ltd – Die Vampire aus Marburg

Aktienanalyse CSL
WKN 890952
Symbol CSJ
Preis 115 EUR/180 AUD*
Ausstehende Aktien 453 Mio.
Marktkapitalisierung 81.540 Mio. AUD
KGV (2018e) 32
Dividendenrendite (2018) 1,5%
Datum 05.12.2018

*AUD= Australische Dollar

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Grundlegendes: „Blut ist ein ganz besonderer Saft“

Viele Menschen sind auf Blutspenden angewiesen. Unabhängig von der Konjunkturlage. Entsprechend stabil ist das Geschäft.

„Blut ist ein ganz besonderer Saft“, das wusste schon Graf von Krolock im Tanz der Vampire zu berichten. Nachts flog er durch die verschneiten Karpaten und zwang üppige Jungfrauen zur unfreiwilligen Blutspende. Die Vampire von CSL Behring haben ihr Schloss unter anderem im malerischen Marburg gebaut. Das Blut, genau genommen lediglich das Blutplasma, wird hier jedoch nicht getrunken, sondern wie in einer Erdölraffinerie in seine Bestandteile zerlegt.

Verschiedene Fraktionen des Blutes werden zu knapp 20 unterschiedlichen Arzneien auf Plasmabasis weiter verarbeitet, die u.a. für Intensivmedizin und seltene Erkrankungen wie Gerinnungsstörungen (sog. „Bluter“) verwendet werden.

Diese Arzneien sind für die Patienten überlebenswichtig und für CSL natürlich lukrativ. Die Medikamente sind relativ aufwändig herzustellen und somit ziemlich teuer. Der Markt ist eng, aber auch nur mit sehr wenigen Wettbewerbern besetzt. In dieser Nische liefert man sich keinen Preiskrieg.

 

Bisher ist die Herstellung der Medikamente äußerst aufwendig

Das Wachstum ist nicht besonders gut skalierbar. Der Rohstoff „Blutplasma“ wird von freiwilligen Spendern gewonnen. So eine Plasmaspende dauert etwa eine Stunde und wird dem Spender mit einem symbolischen Geldbetrag vergütet. Die Spender dürfen jedoch nur alle drei Tage spenden und die Anzahl dieser „Freiwilligen“ ist erfahrungsgemäß ziemlich begrenzt. So verarbeitet CSL derzeit etwa zwei Mio. Liter Blutplasma pro Jahr. Das Blut sammelt CSL übrigens selber, man betreibt weltweit knapp 200 Blutsammelzentren. Hier werden die freiwilligen Spender betreut und nach der Spende mit Snacks und Getränken versorgt.

Um sich ein wenig zu Diversifizieren hat CSL von der Novartis/GSK Übernahme aus dem Jahr 2015 den Bereich Grippeimpfung abgekauft und als Tochter „Sequirus“ ins Portfolio übernommen. Dieses Impfgeschäft ist saisonal bedingt im Herbst sehr renditestark, im Rest des Jahres ein eher ruhiges Geschäft.

 

Ein Blick auf die Zahlen

CSL hat seinen Sitz in Australien. Die Verschuldung ist mit knapp 5 Mrd. AUD etwa 1,5 Mal so hoch wie das EBIT. Das ist für ein forschendes Pharma-Unternehmen ein konservativer Ansatz. Das KGV liegt derzeit knapp über 30 und die Gewinnausschüttung liegt bezogen auf den Gewinn bei knapp 35%. Allerdings hat die Dividende mit gerade mal 1,4% auch eher symbolischen Charakter. Die Dividende wurde seit 1994 jedes Jahr gesteigert. Ähnlich wie bei unseren deutschen Pharma „Dickschiffen“ Fresenius und FMC muß man auch bei CSL ein paar Jahre abwarten, um sich über üppigere Erträge freuen zu dürfen.

 

Wie stehen die Wachstumsaussichten ?

Wer eine Krankheit wie Hämophilie oder dem „von-Willebrand-Syndrom“ leidet, ist oft sein Leben lang auf Behandlungen angewiesen und hat ein hohes Risiko, frühzeitig zu sterben. Um diese Krankheit besser zu therapieren und das Leben der Patienten erträglicher zu machen, betreibt CSL intensive Forschung im Bereich Genimunologie und Plasmatherapie.

Besonders entscheidend ist für mich jedoch die Entwicklung bei CSL, sich mittelfristig von Blutspenden komplett unabhängig zu machen. So ist man derzeit dabei, Blut und Blutbestandteile synthetisch herzustellen. Wir reden hier von nicht mehr und nicht weniger als künstlich hergestelltem Blut. Für CSL hieße das viel mehr als nur die Unabhängigkeit von Blutspendern.

Wer Blut selber herstellen kann, wird vielen Menschen das Leben retten. Krankheiten wie Blutkrebs könnte man mit dieser Technik quasi im Handumdrehen aushebeln. Und für die Aktionäre würde man die Türen zu einem Milliardenmarkt aufsprengen. Wer es schafft, Blut zu synthetisieren, sammelt unterwegs auch wertvolle Erfahrungen in der Herstellung von künstlichen Organen. Hier gibt es eine Menge zu lernen in Bezug auf Immunsuppression – Die Unterdrückung der Immunabwehr gegen körperfremde Substanzen.

Zugegeben, bis dahin ist es noch ein weiter weg für CSL. Die Fortschritte, die dieses Unternehmen auf dem Weg dorthin macht, sind jedoch beachtenswert. „Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich“ hat Christian W. Röhl so treffend formuliert. Aus meiner Sicht wäre eine „Brauerei“ für Blut aber das „autonome Fahren“ der Pharma-Branche.

Graf von Krolock jedenfalls wäre von dieser Entwicklung begeistert gewesen. „Blut ist ein ganz besonderer Saft – Und was trinken Sie privat am liebsten ?“

 

Fazit: CSL Aktie mit tollem Potential

Mich hat das Unternehmen überzeugt. Ich bin gerade Stück für Stück dabei, mir eine Position aufzubauen. Die Perspektiven stimmen.

 

Quellen & Links zum Artikel 

Beschreibung Link
Investor Relations Website von CSL Ltd. zur Website
Deutsche Website von CSL Behring (Tochterunternehmen von CSL) zur Website
Analystenschätzungen zur künftigen Unternehmensentwicklung auf finanzen.net zu den Schätzungen

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1 Antwort

  1. michael sagt:

    Sehr spannendes Unternehmen.

    1) Wo ist CSL besser aufgestellt als die Konkurrenz: octapharma, Shire, PrIME Biologics, Haemonetics, Biogen?

    2) Ich kenne viele Kollegen, die behaupten, dass man die „Krankheiten“, die man momentan nur mit den Proteinen beheben kann, die sich nur in natürlichem Blutplasma befinden. Diese Proteinen kann man laut einigen Experten in den kommenden 2-5 Jahren aber im Labor herstellen. Wie stehst du dazu?

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