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Ich bin 21 Jahre alt und befinde mich derzeit in einem dualen Studium. Bei meinen langfristigen Aktieninvestments ziehe ich sowohl Value- als auch Growth-Unternehmen in Betracht.

CTS Eventim Aktienanalyse: An der zunehmenden Beliebtheit von Konzerten mitverdienen

CTS Eventim ist Europas Marktführer im Bereich Ticketing und Live-Events. Das Unternehmen hat eine Plattform entwickelt, über die Tickets für Konzerte und Live-Veranstaltungen verkauft werden. CTS Eventim verdient so an fast jedem verkauften Ticket mit. Doch damit nicht genug: Das Unternehmen besitzt sogar eigene Event-Locations und tritt auch noch als Veranstalter der Events auf. So wird unter Umständen zweifach bis dreifach an den Veranstaltungen mitverdient und CTS Eventim ist die perfekte Aktie, um von der steigenden Unterhaltungslust der Europäer zu profitieren.

Aktienanalyse CTS Eventim
ISIN DE0005470306
WKN 547030
Hauptsitz Deutschland
Preis 60 EUR
Ausstehende Aktien 96 Mio.
Marktkapitalisierung 5.760 Mio. EUR
Nettoliquidität 440 Mio. EUR
Enterprise Value 5.320 Mio. EUR
Free Cash Flow-Rendite 3,8%(2020)/4,0%(2021)
Dividendenrendite 1,3%(2020)/1,5%(2021)
Datum 09.01.2020

Überblick der CTS Eventim Aktien-Analyse

  • Europas Marktführer im Ticketing und Live-Entertainment (250 Mio. verkaufte Tickets im Jahr)
  • CTS kann bei einem Event auf dreifachem Wege verdienen: Mit dem Ticketvertrieb, als Veranstalter oder als Besitzer der jeweiligen Eventhalle/Immobilie
  • Attraktives Branchenumfeld durch kontinuierlichen Konsumanstieg bei Live-Events
  • In den letzten 5 Jahren ist der Aktienkurs um 155% gestiegen. Was kann man in den nächsten Jahren von einem Investment erwarten?
  • Wachstumstreiber: Anstieg der Online-Ticketmenge sowie von publikums- und umsatzstarken Großtourneen und Veranstaltungen + kontinuierliche Erweiterung des Konsolidierungskreises.
  • Vergleichsweise konjunkturresistentes Geschäftsmodell (siehe Finanzkrise)
  • Mission: Aufbau eines (europäischen) Freizeitnetzwerks (Eventim 2.0?)
  • Öffnung der Plattform für Drittanbieter
  • Wandel von „Umsatz pro Ticket“ zu „Umsatz pro Kunde“
  • Vorstand seit 17 Jahren unverändert und CEO als Ankeraktionär: Shareholder Value im Vordergrund
  • Unangreifbare Netzwerke und Kooperationen: Enorm tiefer Burggraben!
  • Einzigartige Marktstellung: Langfristig kann man CTS als Kunde nicht meiden

Kapitel

  1. Geschäftsmodell
  2. Bewertung
  3. Risiken
  4. Fazit

 

Podcast zur CTS Eventim-Aktienanalyse

 

Live-Aktienkurs der CTS Eventim-Aktie

 

Ein Blick auf die Website Eventim.de verrät: CTS Eventim bietet ein breites Spektrum an Veranstaltungen an.

1. Geschäftsmodell: CTS Eventim gestaltet unsere Freizeit

Kurze Unternehmensgeschichte, Management, Aktionärsstruktur und Mission

Am 04.11.1989 gründeten die Konzertveranstalter Marcel Avram und Matthias Hoffmann in München die CTS Computer Ticket Service GmbH. Im Jahr 1996 wurde CTS vom heutigen CEO Klaus-Peter Schulenberg erworben. Im darauf folgenden Jahr schrieb das Unternehmen erstmals schwarze Zahlen. 1999 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umfirmiert. Nach zweijähriger Entwicklung launchte CTS Eventim im Januar 2000 die weltweit modernste Ticketing-Software. Am 1. Februar 2000 folgte die  Börsennotierung. Die Zeichnungsspanne lag zwar bei 18-21,50 Euro, jedoch hat sich die Aktienanzahl seit dem Börsengang von 2,7 auf 96 Millionen Stück erhöht.

In den darauffolgenden Jahren expandierte CTS Eventim in dem Bereich Live Entertainment. Es wurden Beteiligungen an zahlreichen deutschen Konzertveranstaltungen vorgenommen. Damit war CTS Eventim das erste Unternehmen, welches Ticketing und Live Entertainment unter einem Dach vereint hat. Nun nahm die Expansion ihren Lauf.

2002 wurde die Internetplattform getgo.de übernommen. Zwei Jahre später erhielt CTS Eventim den Zuschlag für die Vermarktung der Tickets der heimischen Fußball-Weltmeisterschaft. Seit 2009 ist CTS Eventim Europas führender Konzertveranstalter. Die darauf folgenden Meilensteine können folgender Tabelle entnommen werden:

In den für CTS nach Umsatz bedeutendsten vier Märkten (DE, Italien, AUT, CH) ist man unangefochtener Marktführer und versucht dies, auch in andere (EU-) Länder zu transferieren. Ende Oktober wurde bekannt, dass CTS das Recht auf eine Mehrheitsbeteiligung am französischen Marktführer erlangt hat.

CTS Eventim nutzt man als Kunde gerne. Man kauft Karten für Live-Musik, Comedy, Fußball etc. bzw. wird mit diesen beschenkt und besucht das jeweilige Event. CTS befriedigt ein unaufhaltbares Bedürfnis: Einfach mal abschalten. Raus aus dem Alltag. Zeit mit Familie, Freunden und/oder dem Partner verbringen. Die eigenen Lieblingsbands, -mannschaften, -künstler live erleben. Das wird sich so schnell nicht ändern.

 

Management: CTS Eventim wird seit über 20 Jahren von Klaus-Peter Schulenberg geführt

Nach dem Unternehmenserwerb im Jahr 1996 begann Klaus-Peter Schulenberg damit, die Stricke im Unternehmen zu leiten. CTS befand sich zu diesem Zeitpunkt mit einem Jahresumsatz von sechs Millionen D-Mark in Schwierigkeiten. Heute liegt dieser bei mehr als einer Milliarde Euro.

Der heute 68-Jährige war in seiner Schulzeit Mitglied einer Band. Laut eigenen Angaben war deren Performance höchstens durchschnittlich, als Musiker wäre Schulenberg keine große Nummer geworden. Dennoch spielte seine Band mehrmals in der Woche an renommierten Veranstaltungsorten – alles eine Sache der eigenen Vermarktung. Als andere Musiker Schulenberg um Unterstützung baten, fing er damit an, einige Schulbands zu managen. Anfang der 1970-er Jahre nahm Schulenberg den Schlagersänger Bernd Clüver unter Vertrag. Seine erste Single verkaufte sich mehr als 2 Millionen Mal. Schulenberg managte immer weitere Stars, sogar die Rolling Stones. In der Vermarktung von (Musik-) Veranstaltungen macht ihm kaum einer was vor.

Klaus-Peter Schulenberg hielt bis 2015 50,2% der Aktien. Diese übertrug er 2015 auf seine KPS Stiftung. Aufgrund von Investitionen reduzierte er den Anteil 2017 auf 43,7 Prozent. Durch die Umfirmierung in eine KGaA wird der Vorstand alleine durch Klaus Peter Schulenberg bestimmt. Die Intention dahinter war, dass man die Ausgabe weiterer Aktien für Expansionszwecke für möglich hielt und der Anteil vom CEO dann unter 50% gerutscht wäre. Ich finde diesen Aspekt überhaupt nicht schlimm. Klaus Peter Schulenberg hat die Expertise, das beste für das Unternehmen zu entscheiden und fokussiert sich so völlig auf seine Kernkompetenz. Den Aufsichtsrat wählt weiterhin die HV.

Folgendes sinngemäße Zitat bringt seine Philosophie auf den Punkt und harmoniert mit dem Investmentansatz der AlleAktien-Community:

Ich wurde gefragt, warum CTS Eventim in all den Jahren so gut auf dem Kapitalmarkt performt hat. Der Grund ist einfach: Das Wohl unseres Unternehmens hat bei uns schon immer einen höheren Stellenwert als die Beurteilung durch den Kapitalmarkt.

Mit seinen 68 Jahren hat Schulenberg nicht vor, im Unternehmen kürzer zu treten. Weil seine Kinder aber keine Führungsrolle im Unternehmen übernehmen möchten, macht sich Schulenberg Gedanken über seine Nachfolge. Er sagt: „Wir bauen ein Team auf, das in der Lage wäre, das Unternehmen auch ohne mein Zutun zu führen.“ Ich empfehle jedem, der sich näher mit dem Unternehmen und Klaus-Peter Schulenberg auseinandersetzen möchte, folgenden 50-minütigen Podcast zu hören: https://soundcloud.com/omrpodcast/omr-159-klaus-peter-schulenberg-cts-eventim

 

Aktionärsstruktur: Langfristige Ausrichtung auf den Shareholder Value

Die Stiftung von Klaus Peter Schulenberg als Ankeraktionär (38,8% der Aktien) gefällt mir sehr gut. So arbeitet das Management garantiert im Sinne der Aktionäre. Kürzlich las ich, dass Marshall Wace LLP am 31.10.2019 eine Netto-Leerverkaufsposition in Höhe von 0,50% der CTS EVENTIM-Aktien eröffnet hat. Der Hedgefonds ist jedoch zum Teil auch noch Long in CTS und sichert seine Position nur ein wenig ab.

 

Mission: Aufbau eines (europäischen) Freizeitnetzwerks

Im März bündelte CTS Eventim alle europäischen Veranstalter (Promoter) in der neuen Einheit EVENTIM LIVE. Die Vorteile eines solchen Netzwerks liegen in potenziellen Synergieeffekten. Die Künstler erhalten mit einem zentralen Ansprechpartner (CTS) Zugang zu allen Veranstaltern.

Jeder Veranstalter kennt sich hinsichtlich Datenanalyse, Marketing und etwaigen regionalen Besonderheiten in dem jeweiligen Land bestens aus. Eine von A bis Z durchgeplante Europatournee ist dadurch möglich, bei der die Tickets selber vertrieben werden. Damit hat sich CTS Eventim einen starken Burggraben geschaufelt. Es stellt sich sogar die Frage, ob dieser überhaupt noch angreifbar ist. Deshalb bekommt das Unternehmen auch zunehmende Probleme mit den Kartellbehörden, die bereits einzelne Vereinbarungen untersagt hat. Dazu in den Risiken jedoch mehr.

Im Geschäftsbericht heißt es:

All diese Fortschritte bringen uns unserem Ziel näher, CTS Eventim von einem Event- hin zu einem Freizeitportal weiterzuentwickeln. Denn wir glauben daran, dass wir in Zukunft nicht einfach “nur” ein Ticket verkaufen können, sondern verschiedene Angebote rundherum. Heute verschaffen wir unseren Kunden damit Zugang zu großartigen Events, die zwei, drei, manchmal vier Stunden dauern. Langfristig wollen wir für Millionen von Menschen das Tor zu einer Erlebniswelt sein, die ihnen noch viel mehr bietet: nämlich ein umfassendes Angebot, wie sie ihre Freizeit gestalten können.

Im Rahmen der Aktienanalyse stand ich auch im telefonischen Kontakt zu Unternehmensvertretern. CTS Eventim wird zukünftig mit Sicherheit kein Reiseveranstalter werden und sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. Dennoch stellt man für viele Nutzer auch ein Informationszentrum dar. Konsumenten, die Tickets kaufen, kennt man durch eine vollumfängliche Datenauswertung und kann entsprechend reagieren: Warum sollte man nicht auch noch die Buchung von Hotelzimmern, Flug- und Zugtickets anbieten? Pluspunkt für CTS: Im reinen E-Commerce muss man Kunden mit Marketingbudgets akquirieren. Hier liefern Kunden und potenzielle Konsumenten ihre Daten kostenlos. Es ist also möglich, die eigene Plattform für Drittanbieter zu öffnen. Die Devise der Zukunft könnte also lauten: „Von Umsatz pro Ticket zu Umsatz pro Kunde.“ Im Zentrum soll und wird dennoch weiterhin das Live-Event stehen.

 

Branchenanalyse

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC prognostiziert der Live-Entertainment- und Ticketing-Branche global bis 2023 ein Wachstum von ca. 4,3% p.a. Das weltweite Geschäftsvolumen mit Live-Konzerten erreicht immer neue Rekorde. Mehr als 80% der Einnahmen werden dabei durch Ticketverkäufe generiert. In Deutschland wird laut Statista bis 2023 beim Umsatz im Segment Veranstaltungstickets ein jährliches Wachstum von 9,3% erwartet! Ich empfehle jedem, der einen ganzheitlichen Einblick in die Branche bekommen möchte, die jährlich erscheinenden Entertainment and Media Outlooks von PwC. Sie sind kostenlos zugänglich und erscheinen sowohl für den globalen als auch spezifisch für den deutschen Markt.

Durch die Umsatzverteilung des Unternehmens gehe ich davon aus, dass die Branche für CTS mit 5% p.a. wächst. Diese Aussage deckt sich auch mit den Aussagen der Unternehmensvertreter.

Da sich die Musik für CTS Eventim gegenwärtig zum Großteil auf dem deutschen Markt abspielt, werde ich auf diesen nun einen genaueren Blick werfen. Bei den beliebtesten Arten von Events und Veranstaltungen liegt die Kategorie „Rock- und Popkonzerte; Auftritte von Bands“ auf Platz 1. Nicht verwunderlich, dass zur Eventim-Gruppe (anteilig) zahlreiche Veranstalter von Konzerten, Tourneen und Festivals wie „Rock am Ring“, „Rock im Park“, „Hurricane“, „Southside“ oder „Lucca Summer“ gehören. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Musicals und Fußballspiele der 1. und 2. Bundesliga. Auch Tickets für diese Art von Events können über CTS erworben werden. Wenn man beispielsweise ein Ticket für ein Spiel des HSV kaufen möchte, erwirbt man dieses zwar auf der vereinseigenen Homepage, die Ticket-Infrastruktur stammt jedoch von CTS.

Prognose der Online-Umsätze für Veranstaltungstickets in Deutschland für die Jahre 2017 bis 2023.

Hier sieht man, wie das Wachstum von knapp 10% in Deutschland zustande kommt. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Wachstumsrate im Zeitverlauf immer weiter abnimmt. Da der größte Wachstumstreiber in Deutschland der Anstieg vom margenstärkeren Online-Ticketing ist, sollte noch folgendes erwähnt werden: Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 16,1 Millionen Online-Nutzer für den Ticketkauf von Musikveranstaltungen. 2023 soll dieser Anteil bereits bei 20,5 Millionen Nutzern liegen. Bei Sportveranstaltungen soll das Volumen von 7,7 auf 9 Millionen steigen. Zudem ist interessant, dass der Umsatz pro Online-Nutzer bei Musikveranstaltungen 2017 bei 89,90 EUR lag und bis 2023 auf 131,60 EUR ansteigen soll. Bei Sportveranstaltung ist ein Anstieg von 87,30 EUR auf 125,70 EUR in dem sechsjährigen Zeitraum zu erwarten. Die Zahlen verdeutlichen, dass in der Ticketing- und Live Entertainment-Branche nicht nur die Anzahl der Konsumenten, sondern auch das durchschnittliche Nachfragevolumen zunimmt.

Folgendes Befragungsergebnis verdeutlicht die einzigartige Stellung von CTS Eventim im heimischen Markt (Quelle: Statista):

Ticketonline.de (Platz 3) ist ein Angebot der Ticket Online Consulting GmbH in Kooperation mit der CTS EVENTIM AG & Co. KGaA. Wie der CEO Klaus Peter Schulenberg im Podcast selbst sagte, ist demnach Ticketmaster (2010 mit Live Nation fusioniert) der größte und faktisch einzige Konkurrent. Doch selbst dieses Unternehmen nutzt teilweise kostenpflichtig die Infrastruktur von CTS Eventim. Auf einen potenziellen Angriff durch Amazon und/oder Gefahr durch Spotify wird in den Risiken gesondert eingegangen.

Live Nation und CTS Eventim haben früher bereits in Nordamerika zusammengearbeitet. Der 2007 geschlossene Vertrag sollte eigentlich 10 Jahre laufen. Als sich für Live Nation aber die Möglichkeit ergab, mit Ticketmaster selbst eine Ticketing-Plattform zu übernehmen, wurde diese Kooperation beendet und die US-Fantasie verflog….. wer weiß wie lange das noch so sein wird…

 

Branchenanalyse nach Porter

An dieser Stelle führen wir nun ein wiederkehrendes Format ein. Die Branchenanalyse nach Porter.

Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sich der US-Professor Michael Porter mit dem Wettbewerbsgedanken. Seine Überzeugung ist: Profitable Unternehmen erfüllen Kundenwünsche, ohne dabei unnötige Ressourcen zu verschwenden.

Porter glaubt: Die Performance eines Unternehmens ist das Resultat aus zwei Faktoren:

  1. Performance der Industrie: Den Five Forces, die alle Unterschiede in der Profitabilität verschiedener Industrien erklären
  2. Performance des Unternehmens: Der Strategie eines Unternehmens, die die relative Profitabilität im Vergleich zur Industrie/Branche erklärt

Doch der Reihe nach: Beginnen wir nun mit seinem Five Forces-Modell: Dieses Modell ermöglicht die systematische Analyse der Profitabilität einer Branche. Der Grundgedanke ist immer derselbe: Die Wettbewerber begrenzen die Profitabilität eines Unternehmens. Je intensiver der Wettbewerb in einer Branche ausgeprägt ist, desto geringer die Profitabilität.

 

Porters Five Forces im Ticketing- und Live Entertainment-Geschäft

Hinweis: Je mehr Punkte wir in der Spalte „Stärke“ vergeben, desto intensiver ist der Wettbewerb ausgeprägt. 1 Punkt bedeutet kein Wettbewerb, 10 Punkte bedeuten maximalen Wettbewerb.

Da der Umsatzanteil am Gesamtumsatz von CTS in den Ländern Deutschland (65,1%), Italien (12,2%), Schweiz (7,1%) und Österreich (5,3%) kumuliert bereits 90% beträgt, wurden insbesondere diese marktspezifischen Gegebenheiten untersucht. Später wird noch die Thematik von potenziellen Zukunftsmärkten behandelt.

 

  1. Existierende Konkurrenz (3/10 Punkten)

Minimal. In den oben dargestellten vier wichtigsten Märkten ist CTS unangefochtener Marktführer. Selbst der stärkste Konkurrent Ticketmaster kommt nicht hinterher und sagt: „CTS Eventim ist extrem schwierig anzugreifen. Die Leute wissen, dass sie dort ihre Eintrittskarte bekommen. Und die Künstler wissen, dass sie ein Stadion füllen können, weil sie bei Eventim die meisten Menschen erreichen.“  CTS arbeitet daran, ähnliche Wettbewerbspositionen in anderen Ländern aufzubauen. Sogar in Brasilien ist man bereits aktiv. Dieser Aspekt ist zwar schlecht für die Konkurrenz, aber gut für uns Anleger.

 

  1. Potenzielle Konkurrenz (2/10 Punkten)

Sehr gering. Ein komplett neuer Wettbewerber ist in den bisherigen Märkten nicht zu erwarten. Dafür sind die aufgebauten Netzwerke und Markteintrittsbarrieren zu stark. Auch Amazon ist in der Branche mit bereits zwei Anläufen in England und den USA gescheitert und hat die Bemühungen (vorerst) aufgegeben.

 

  1. Ersatzprodukte (3/10 Punkten)

Der einzige Ersatz zum Live-Auftritt von Konzerten, Festivals, Sportevents, Comedy etc. liegt darin, sich diese über andere Geräte von zu Hause aus anzuschauen (z.B. TV). Es ist undenkbar, aufgrund irgendeiner Lebenslage komplett auf die Produktpalette von CTS Eventim zu verzichten. Falls die Konjunktur in eine Rezession münden sollte, halte ich es für wahrscheinlich, dass man Ausgaben dieser Art temporär zurückstellt. Andererseits boomte das Geschäft auch in der letzten Wirtschafts- und Finanzkrise und hat sich als äußerst konjunkturresistent herausgestellt.

 

  1. Macht der Lieferanten (5/10 Punkten)

Bei CTS stellen im Bereich Ticketing die Veranstalter und im Bereich Live-Entertainment die Künstler bzw. ihre Agenturen sozusagen die Lieferanten dar. Ich gehe davon aus, dass vorhandene „Lieferanten“ auch zukünftig die Dienstleistungen von CTS beanspruchen, da die Produkt- und Vertriebsstruktur sehr vielfältig ist. In nahezu allen Märkten wird deren „Macht“ durch die Beteiligung an verschiedenen Konzertveranstaltern durch langfristige Vertragsbeziehungen minimiert.

 

  1. Macht der Abnehmer (4/10 Punkten)

An CTS Eventim führt auf Dauer nahezu kein Weg vorbei. Manchmal könnte es den Kunden noch gelingen, für bestimmte Veranstaltungen Eintrittskarten über andere Wege zu ordern. Doch dann tritt das Unternehmen ggf. als Veranstalter dieses Events auf oder es findet in einer der eigenen Betriebsstätten statt. CTS Eventim hat in der Ticketing- und Live-Entertainment Branche eine Marktstellung aufgebaut, die sich kaum umgehen lässt.

 

Fazit zur Branchenanalyse: Die vorhandenen Netzwerke und Burggräben schützen vor neuer Konkurrenz. Die Kunden haben teilweise gar keine Möglichkeit, bei bestimmten Events nicht bei CTS zu konsumieren. Entweder betreibt das Unternehmen das Ticketing, tritt selbst als Veranstalter auf oder/und stellt die Betriebsstätte. Durch eine steigende Kundenbasis sowie die kontinuierliche Erweiterung des Netzwerkes wird CTS Eventim immer mächtiger. Konzertveranstalter und Künstler wissen, welche Reichweite ihnen das Unternehmen zur Verfügung stellt. Für mich ist das Unternehmen in der Branche zu vergleichen mit Aena im spanischen Flugbetrieb. Man kann und möchte es auf Dauer gar nicht umgehen.

 

Geschäftsmodell von CTS Eventim in der Detailanalyse

Über die Plattformen von CTS Eventim werden jährlich bereits rund 250 Millionen Tickets verkauft, doch das Unternehmen hat einiges mehr zu bieten. Das Geschäftsmodell unterteilt sich in zwei Segmente:

  1. Ticketing
  2. Live Entertainment

Die beiden Geschäftsbereiche werden nun nacheinander analysiert. Los geht’s mit dem Ticketing…

 

Geschäftsbereich Ticketing: Langfristige Gelddruckmaschine durch Skalengeschäft?

Das Ticketing umfasst Herstellung, Verkauf, Vermittlung, Vertrieb und Vermarktung von Eintrittskarten. Verschiedene Vertriebskanäle sollen den Veranstaltern hohe Auslastungsquoten und einen schnellen Verkauf der Tickets ermöglichen. Durch eine Vernetzung der einzelnen Systeme können Tickets grenzüberschreitend in einem ganzheitlichen System angeboten werden. Zusammengefasst erbringt CTS eine Agentenleistung (Vermittlung), bei der im Namen eines Veranstalters verbriefte Zugangsrechte an die Veranstaltungsbesucher vertrieben werden. Als Umsatz wird nur die erzielte Provision und nicht der gesamte Ticketpreis registriert.

Beim Ticketing handelt es sich um ein reines Skalengeschäft, für uns Investoren also sehr attraktiv. Die notwendige Infrastruktur ist bereits vorhanden und muss nur noch geringfügig ausgebaut werden. Ob ein Ticket dann in München oder Moskau verkauft wird und wie hoch das Transaktionsvolumen ist, macht für den Aufwand und die Kostenstruktur von CTS nahezu keinen Unterschied. Deshalb sind Übernahmen Gold wert.

Primär findet die Geschäftsaktivität derzeit in den Bereichen Konzerte, Festivals, Theater, Musical & Show, Kinos, Kunst und Sport statt. Für Kinobetreiber steht die Software kinoheld zur Verfügung. Das Portal fanSALE soll als eine der führenden Ticketing-Zweitmarktplattformen integriert werden. Zudem werden bereits Hallen von Hundetrainern und Buchvorlesungen gefüllt. Im Podcast sagte der CEO, dass generell alles (!) im Bereich der Freizeitaktivitäten denkbar ist, sofern die Nachfrage vorhanden ist. E-Sport Veranstaltungen sind meiner Meinung nach eine der naheliegendsten Events. Aber wer weiß, was da noch kommt…

Akquisitionen und M&A Aktivitäten sind demnach ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. In den letzten zwei Jahren avancierte CTS in Italien durch die Akquisitionen von D’Alessandro e Galli, Friends & Partners, Vertigo und Vivo Concerti zum Marktführer. In Spanien wurde die Marktposition durch die Akquisition von Doctor Music gestärkt. Am 31.10.2019 wurde bekannt, dass CTS 48% der Anteile am französischen Marktführer France Billet übernommen hat und über die Option verfügt, vier Jahre nach Vollzug der Transaktion eine Mehrheitsbeteiligung am Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen.

Ein weiterer primärer Wachstumstreiber ist ein Anstieg der margenstärkeren Online-Ticketmenge. 2018 lag der Anstieg mit erstmals 50 Mio. verkauften Online-Eintrittskarten bei ca. 10%.

 

  1. Retail (40% vom Ticketvolumen, B2C-Geschäft)
  • Online durch eigene Webshops (z.B. eventim.de oder fansale.de)
  • Offline durch Outlet Stores (z.B. Ticketkauf bei Karstadt)
  • Ticketing-Fee liegt meist bei 12-15%. Verkauft man also ein 50 EUR-Ticket, zahlt der Endverbraucher 57 EUR und davon gehen (zunächst) 7 EUR an CTS Eventim
  • Beim Verkauf durch die eigenen Shops können die vollen 7 EUR einbehalten werden, ansonsten (z.B. bei Offline Shop Karstadt) geht nur 1 EUR der 7 EUR an CTS Eventim

 

  1. Inhouse Lösungen (60% vom Ticketvolumen, B2B-Geschäft)
  • White Label Softwarelösung
  • Bspw. für Sportteams und kulturelle Venues (Theater, Museen)
  • CTS Eventim erhält eine Lizenzgebühr, der Umsatz ist also von der verkauften Ticketmenge unabhängig
  • Die Marge ist jedoch tendenziell geringer: rund 1,00 EUR – 1,10 EUR pro Ticket

 

Mit Abstand am attraktivsten ist für CTS also der Verkauf über die eigenen Online-Webshops, da hier die Marge bei einem 50 EUR Ticket bereits rund 7 EUR beträgt. Deshalb ist die Verwendung modernster Datenverarbeitungs- und Datenübertragungstechniken unabdingbar. Im Berichtsjahr 2018 wurden rund 15 Millionen EUR in die Weiterentwicklung der Ticketvertriebssysteme investiert. CTS konnte den Ansturm auf 400.000 Ed Sheeran oder 140.000 Luke Mockridge Karten problemlos bewältigen. Das signalisiert den Veranstaltungspartnern und Kunden Verlässlichkeit. Ansonsten fallen keine F&E Kosten an, was die Skalierung des Geschäftsmodells abermals verdeutlicht.

 

Fazit: Der Hauptmotor in diesem Segment ist der kontinuierliche Ausbau des Online-Ticketings und die Einführung und Weiterentwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen. Die Themen Big Data, Suchmaschinenoptimierung und datengetriebene Marketingkampagnen sind von großer Bedeutung. CTS Eventim hat täglich mehr als 1 Mio. Besucher und stellt auch ein Informationsmedium dar. Der angesammelte Datenschatz wird immer größer. Um die zielgruppengerechte Werbung effizienter zu gestalten, beschäftigen sich 30 Wissenschaftler ausschließlich mit der Datenauswertung.

 

Ich empfehle jedem, der die Analyse weiterliest, das gesamte Portfolio dieses Segments unter folgendem Link anzuschauen: https://corporate.eventim.de/portfolio/ticketing/. Es sollte ein Blick auf die Website(n) geworfen werden, um ein Gefühl zu bekommen, um welche Art von Veranstaltungen es sich handelt. Sie an dieser Stelle aufzuzählen, wäre zu langwierig.

 

Geschäftsbereich Live-Entertainment: Enorme Netzwerkstärke und Synergieeffekte

Das Segment Live-Entertainment umfasst die Planung, Vorbereitung und Durchführung von Tourneen, Veranstaltungen und Festivals. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im Musik- und Konzertbereich sowie in der Vermarktung von Musikproduktionen. Das größte Event ist Rock am Ring, für das auch Ticketing betrieben wird (Synergieeffekte). Das gesamte Portfolio findet sich unter folgendem Link: https://corporate.eventim.de/portfolio/live-entertainment/. CTS Eventim profitiert in diesem Segment von einer steigenden Anzahl publikums- und umsatzstarker Großtourneen und Veranstaltungen. Dazu kommt eine kontinuierliche Erweiterung des Konsolidierungskreises.

Der Abschluss von Geschäften folgt nach dem Motto „Don‘t call me, I call you“. Die Musiker melden sich also bei CTS, weil sie wissen, was das Unternehmen ihnen hinsichtlich Reichweite, Zuverlässigkeit und Service bieten kann.

Darüber hinaus betreibt CTS einige der renommiertesten Veranstaltungsstätten Europas, etwa die Kölner LANXESS Arena, die Berliner Waldbühne und das EVENTIM Apollo in London. Die Lanxess Arena in Köln ist mit ca. 781.000 verkauften Tickets im Jahr 2018 mit Abstand die bedeutendste Arena in Deutschland. Die König Pilsener Arena in Oberhausen folgt auf Platz zwei mit nur 369.000 Tickets. Der CEO Klaus Peter Schulenberg nutzte die Möglichkeit eines günstigen Erwerbs und wird Tätigkeiten dieser Art auch zukünftig weiterverfolgen. Es handelt sich hier um einen langfristigen Immobilienbesitz, aus dem CTS nicht mehr zu verdrängen ist.

Der Erfolgsfaktor in diesem Geschäftsbereich ist also das Angebot attraktiver Veranstaltungen kombiniert mit einem Portfolio bedeutender Veranstaltungsstätten. Auch hier wurde durch umfangreiche Beteiligungen und Kooperationen ein enges, nahezu unangreifbares, Netzwerk mit Veranstaltern, Künstlern und ihren Agenturen aufgebaut. CTS sieht sich auch zukünftig nach Akquisitionen und strategischen Partnerschaften um. Zudem stehen der Aufbau und die Weiterentwicklung von neuen Veranstaltungsformaten im Fokus. Generell ist es so, dass der Künstler einen garantierten Ertrag bekommt und der Rest CTS Eventim zusteht.

 

Potenzielle Wachstumsfaktoren: Neue Märkte und neue Geschäftsbereiche = Eventim 2.0?

Weltweit gesehen belegt Deutschland im Markt der Veranstaltungstickets nur Platz 3:

Denkbar wäre ein Markteintritt in den USA. Dort ist das bereits angesprochene Unternehmen Live Nation Entertainment, zu dem Ticketmaster gehört, mit einem Marktanteil von mehr als 50% (50 Mio. Tickets) unangefochtener Marktführer. Auf Platz 2 folgt Anschutz Entertainment Group mit 12 Millionen verkauften Karten. In den Medien wird öfters über einen erneuten Markteintritt in den USA – ggf. mit einer Kooperation mit Anschutz spekuliert.

CTS selbst sagt, dass man natürlich kontinuierlich vorhandene Opportunitäten bewertet, um auch zukünftig wachsen zu können. Zudem herrscht in neuen Märkten natürlich enormes Wachstumspotential und es besteht keine (große) Gefahr durch das Veto von Kartellbehörden. Dennoch bleibt man auch aufgrund der vergleichsweise hohen Bewertungen vorerst an der Seitenlinie. In China ist ein Markteintritt auch wegen der gegenwärtigen Spannungslage wohl eher nicht denkbar.

Eine kleine Anmerkung: Mit der geplanten Beauftragung für die Erhebung der deutschen Pkw-Maut wurde deutlich, dass CTS Eventim dazu in der Lage ist, in komplett neue Geschäftsfelder vorzustoßen. Am 30. Dezember 2018 erhielt das Unternehmen gemeinsam mit dem österreichischen Unternehmen Kapsch TrafficCom den Zuschlag für 12 Jahre, bei dem das Umsatzvolumen rund 2 Milliarden EUR betragen hätte. Netto wären dies 1,68 Mrd. EUR gewesen, von denen 840 Mio. EUR CTS zugestanden hätten. Der Umsatz hätte sich also jedes Jahr um 70 Mio. EUR erhöht. Fraglich wäre zwar die Höhe der Gewinnmarge gewesen, dennoch wäre es der größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte geworden. Die Pkw-Maut wurde jedoch als verfassungswidrig erklärt, wodurch der Vertrag vom Verkehrsministerium gekündigt wurde. CTS fordert eine anteilige Entschädigung von 150 Mio. EUR, das wären 1,56 EUR je Aktie.

 

Fazit zum Geschäftsmodell und Ausblick: Profitabler All-in-One Eventdienstleister

CTS Eventim verkauft keineswegs nur Tickets. Mit zahlreichen Übernahmen wurde ein Konzern aufgebaut, der das Veranstaltungsgeschäft rundum organisiert. Beispielsweise wird an Mieteinnahmen der aufgezählten Hallen verdient. Das Geschäft ist aber noch größer: CTS Eventim ist auch noch selbst Veranstalter. Das Unternehmen bietet von der Planung, Organisation und Abwicklung bis hin zum Vertrieb alle Leistungen an. Bei bestimmten Veranstaltungen wird also auf zwei- bis dreifachem Wege verdient.

Die beiden Geschäftsbereiche sind eine optimale Ergänzung und ihre Synergieeffekte ausschlaggebend für einen langfristigen Unternehmenserfolg. Die europäischen Märkte sollen nämlich zunehmend nicht isoliert, sondern ganzheitlich betrachtet werden. Im Geschäftsbericht heißt es:

Immer mehr Künstler erwarten von uns, dass wir ihnen länderübergreifende Auftrittsmöglichkeiten (und zunehmend auch Ticketing-Lösungen) anbieten. Deshalb werden wir unser Portfolio weiter ausbauen und zusätzliche Services anbieten, die spürbaren Mehrwert für Fans und Künstlern auf der ganzen Welt kreieren. Dazu gehören im Übrigen auch Welttourneen: Eros Ramazzotti tritt 2019 in 30 Ländern auf drei Kontinenten auf, veranstaltet von einem unserer Promotor – nämlich Vertigo.

Folgende Abbildung verdeutlicht die unterschiedliche Profitabilität von den beiden Geschäftssegmenten. Durch den zunehmenden Anteil vom deutlich margenschwächeren Live-Entertainment Segment am Gesamtumsatz, sinkt die operative Gewinnmarge im Gesamtunternehmen. In diesem Segment ist es quasi unmöglich, eine Fixkostendegression zu erzielen.

Die sinkende Marge im Live-Entertainment Segment ist voraussichtlich jedoch nur temporärer Natur. Als Anfang 2017 FKP Scorpio voll konsolidiert wurde, lag die Marge des Veranstaltungsunternehmens bei einem Umsatz von 100 Mio. Euro bei nur 1%. 2017 war es bei dem Kauf von drei italienischen Veranstaltern ähnlich. Die Portfolios werden jedoch bereinigt und dadurch profitabler. Im Neunmonatsbericht für das Berichtsjahr 2019 wird dies deutlich: Die normalisierte EBITDA-Marge erhöhte sich im Live Entertainment Segment zum 30.09. auf 7,4 Prozent (Vorjahr: 5,8 Prozent).

CTS teilte mir mit, dass insbesondere 2 KPIs betrachtet werden:  ROCE + Wachstum vom Free Cashflow. Im Live Entertainment Segment würde man bei einer Marge von 6-8% ein ROI i.H.v. 25% erwirtschaften. Das Segment ist wenig anlagenintensiv, die Künstler werden aus der GuV bezahlt. Gegebenenfalls sind die Renditen sogar höher als im Ticketing (15% ROI), dieses leistet jedoch einen höheren Wachstumsbeitrag.

 

2. Bewertung der CTS Eventim-Aktie

AlleAktien Qualitätsscore/AAQS: 10/10 Punkten für CTS Eventim

Im AlleAktien Qualitätsscore (AAQS) erzielt CTS Eventim 10/10 Punkten und ist damit eine echte Qualitätsaktie.

CTS Eventim ist ein echtes Qualitätsunternehmen und erreicht alle Punkte im AlleAktien Qualitätsscore. Hohes Umsatz- und Gewinnwachstum bei vorhandener Nettoliquidität, hohe erwirtschaftete interne Rendite, tiefe Burggräben und geringe Volatilität in Krisenzeiten machen CTS zu einem wahren Qualitätsunternehmen.

Es ist jedoch auch klar zu erkennen, dass sich Umsatz- und Gewinnwachstum im Zeitverlauf immer weiter abschwächen. Bei einem Fast Grower ist dies das höchste Risiko. Im Folgenden wird geprüft, ob die auf dem ersten Blick hoch erscheinende Bewertung noch zu rechtfertigen ist und ab wann ein Einstieg empfohlen wird.

Wichtig: Da ich kein Freund von „Wenn-Dann-Investments“ bin, werde ich zukünftige M&A-Aktivitäten und die dargestellten potentiell neuen Geschäftsfelder nicht berücksichtigen. Ich werde lediglich prüfen, ob das Unternehmen aus seinem Geschäftsmodell (Stand Anfang 2020) heraus einen organisch kontinuierlich steigenden Unternehmenswert erzielen kann. Dies ist nur attraktiv, wenn die in Kapitel 3 dargestellten operativen Umsetzungsrisiken beherrschbar sind!

Umsatzentwicklung: CTS Eventim überzeugt mit stetigem Wachstum

Das Umsatzwachstum lag in den letzten 10 Jahren bei 11,9% p.a. Für die folgenden 3 Jahre beträgt die durchschnittliche Analystenerwartung auf finanzen.net nur noch 6%. In den bereits etablierten Märkten kann das organische Wachstum nur noch geringfügig ausgebaut werden. Um zukünftig ein Fast-Grower zu bleiben, ist CTS größtenteils auf weitere (erfolgreiche) Akquisitionen und auf einen Eintritt in die potenziell erläuterten neuen Geschäftsfelder angewiesen, die ich wie bereits erläutert, nicht beachten werde.

 

Der Umsatz ist sehr stabil, wächst jedoch mit unterschiedlichen Raten. Einerseits liegt der Grund dafür in durchgeführten M&A Aktivitäten. Wenn eine große Akquisition oder Beteiligung durchgeführt wird, führt dies in dem jeweiligen Berichtsjahr zu einem verhältnismäßig hohen Umsatzwachstum.

Zudem ist die Entwicklung des immer bedeutender werdenden Segments Live-Entertainment unterjährigen Schwankungen unterworfen. Im Jahr 2015 gab es z.B. ein Rekordjahr mit einer außergewöhnlichen Anzahl an Großtourneen. Da dies eher eine Ausnahme darstellte, wurde ein Umsatzrückgang im Bereich Live-Entertainment bereits im nächsten Jahr angekündigt. Der Ticketing-Umsatz ist zwar noch um 14,1% gewachsen, konnte den Rückgang jedoch nicht kompensieren. Auch im Jahr 2011 war eine ähnliche Situation zu beobachten.

 

Gewinnentwicklung: CTS Eventim erwirtschaftet jährlich mehr Gewinn

Das Ticketing-Segment hat derzeit zwar nur einen Umsatzanteil in Höhe von 25%, trägt jedoch aus den bereits genannten Gründen 85% zum operativen Gewinn bei. Da dieser im Ticketing kontinuierlich steigt, gibt es auch im Gesamtunternehmen keinen Rückgang.

 

Die Gewinnmarge liegt konstant im Bereich zwischen 15 und 20% des Umsatzes! Das Live-Entertainment Segment wird durch die voranschreitende Integration der akquirierten Gesellschaften immer profitabler. Langfristig gehe ich von einen Anstieg auf 20% aus.

 

Dividendenentwicklung: CTS Eventim hebt die Dividende meistens an

Die Dividendenpolitik von CTS Eventim gefällt mir außerordentlich gut! In der Regel liegt die Payout-Quote bei rund 50%, wodurch genug Liquidität für Wachstums- und andere strategische Unternehmensaktivitäten einbehalten wird. Seit 14 Jahren wurde sie nicht gesenkt und seit sieben Jahren kontinuierlich erhöht. Zudem gab es 2017 eine Sonderdividende i.H.v. 0,48 EUR/Aktie.

Die Dividendenrendite liegt meist zwischen 1,5 und 2%. Für reine „Income-Investoren“ sind ggf. andere Aktien eine bessere Alternative. Man sollte jedoch beachten, dass CTS derzeit noch viele Expansionsmöglichkeiten offen stehen. Auch künftig sollen Akquisitionen und Beteiligungen das Wachstum ankurbeln. Ich erachte die Dividendenpolitik als sehr verlässlich und positiv.

 

Bilanzanalyse: Solide Bilanz, schuldenfrei

CTS Eventim verfügt über eine Nettoliquidität in Höhe von rund 400 Mio. Euro. Das Unternehmen sagt selbst:

Bei der Anlage überschüssiger Liquidität steht die kurzfristige Verfügbarkeit über dem Ziel der Ertragsmaximierung, um beispielsweise im Fall möglicher Akquisitionen oder großer Projektvorfinanzierungen auf vorhandene liquide Mittel zugreifen zu können.

Als sich 2017 zu viel liquide Mittel angesammelt haben, schüttete man wie bereits gesagt, eine Sonderdividende aus. Auch das restliche Working Capital Management erachte ich als sehr positiv. 

Auffällig ist jedoch die Höhe der Geschäfts- und Firmenwerte (Goodwill). Diese betragen derzeit mit 321 Millionen EUR 70% (!) des Eigenkapitals. Sie haben also eine erhebliche Bedeutung für die Vermögenslage des Unternehmens. Diese Entwicklung ist auf die kontinuierliche Erweiterung des Konsolidierungskreises zurückzuführen. Ab Seite 114 des Geschäftsberichtes können Details über die Kaufpreisallokation von den zuletzt getätigten Akquisitionen eingesehen werden. Der Goodwill-Anteil bei einer Neuakquisition liegt in der Regel bei mehr als 50%.

Der Goodwill ist jedoch nicht nur rein akquisitionsbedingt, sondern auch z.B. auf eigene Software zurückzuführen. Zudem sind die durch die Eingliederung in den CTS Konzern gehobenen Synergien im Kaufpreis nicht enthalten. Bei Übernahmen werden die Kosten meist um 30-40% gesenkt. Der betriebsinterne Rentabilitätsanspruch bei Übernahmen im Ticketing liegt bei 10% + Risikozuschläge. Im Live-Entertainment Segment sogar bei 15% + Risikozuschlag. Nach spätestens zwei Jahren soll eine Value Marge von 5% erzielt werden. Wenn der Zinssatz rapide ansteigen sollte, müsste es natürlich zu hohen Abschreibungen kommen. Damit ist m.M.n jedoch nicht zu rechnen.

 

Einordnung nach Peter Lynch: CTS Eventim ist eine Fast Grower-Aktie

Diese Grafik veranschaulicht die Einteilung von Aktien in Kategorien nach Peter Lynch.

CTS Eventim ist derzeit ein Fast-Grower mit Tendenz zum Average-Grower in den nächsten Jahren, wenn das Produkt- und Marktportfolio nicht weiter ausgebaut werden kann. Fast Grower sollten direkt gekauft werden – und dann solange gehalten werden, wie das Wachstum intakt ist. Im Markt der Ticketing- und Live-Entertainment Branche sind künftige Akquisitionen und Beteiligungen für die Aufrechterhaltung der Umsatz- und Gewinnwachstumsraten erforderlich.

Wenn ihr damit rechnet, sollte sich eine Investition aufgrund der quasi unangreifbaren Marktstellung in den etablierten Märkten kombiniert mit einem rapiden Wachstum in neuen Märkten und Geschäftsfeldern langfristig auszahlen. Ich werde im Folgenden prüfen, ob die derzeitige Bewertung gerechtfertigt ist, wenn das Unternehmen ausschließlich organisch wächst.

Aber auch dann ist die Prognose von vielen Faktoren abhängig: gesellschaftliche Entwicklung, geographische Absatzmärkte, saisonale Schwankungen, Menge (pro Vertriebskanal), Ticketpreis, Genre, Budgetveränderungen bei Kunden und veränderte Gagen.

 

Bewertung der CTS Eventim Aktie: Jetzt kaufen?

Ich betrachte CTS als Average Grower, der bei einer Bewertung unter dem eigenen Schnitt gekauft werden sollen. Ob das bei CTS wirklich Sinn macht, wird sich gleich zeigen. Der Vergleich von historischen und aktuellen Bewertungen und die Anwendung vom IRR-Modell werden mit einer Szenarioanalyse plausibilisiert.

 

1) Vergangenheitsbasiert: Unternehmenswert durch operativer Gewinn (EV/EBIT)

Wie sich erkennen lässt, ist CTS Eventim nach diesem Indikator im historischen Vergleich hoch bewertet. Gefühlt war und ist CTS immer zu hoch bewertet. Im Rückblick ist die als hoch deklarierte Bewertung der letzten Jahre gerechtfertigt. Doch ist die momentane Bewertung zu hoch? Schwer zu sagen. Durch verschiedene Bewertungsmodelle werden wir uns der Antwort auf diese Frage annähern.

 

 

2) Vergangenheitsbasiert: Unternehmenswert im Verhältnis zum Umsatz

Auch hier zeigt sich, dass CTS im historischen Vergleich derzeit nicht gerade günstig ist. Andererseits wird das Unternehmen auch immer profitabler, stärker, unangreifbarer und diversifizierter, wodurch dieser Aspekt ggf. gerechtfertigt ist. Mit dem folgenden IRR-Modell sowie der Szenarioanalyse möchte ich die aktuelle Bewertung noch besser einschätzen können.

 

3) Zukunftsorientiert: Ermittlung der langfristigen Renditeerwartung mit dem IRR-Modell

Langfristig erreichen wir Aktionäre unsere Rendite aus zwei Faktoren: Der Dividendenrendite und dem Kursanstieg. Die langfristige Renditeerwartung der CTS-Aktie prognostiziere ich u.a. anhand des IRR-Modells: Dieses Modell eignet sich, um die zu erwartende Rendite bei einer sehr langen Haltedauer abzuschätzen.

  1. Nachhaltiges, organisches Gewinnwachstum pro Jahr: ca. 6%
  2. Free Cash Flow-Rendite: ca. 4%
  • Summe: ca. 10%

Das nachhaltige Gewinnwachstum wird von anderen Analysten sogar auf rund 10% p.a. geschätzt. Da ich wie bereits erwähnt, zukünftige gewinnsteigernde „Wenn-Dann-Investments“ nicht miteinbeziehe, gehe ich von einer langfristigen organischen Gewinnwachstumsrate in Höhe von 6% aus. Da die Ausschüttungsquote von CTS Eventim bei rund 50% liegt, wird nur die Hälfte des Free Cashflows ausgeschüttet.

 

4) Szenarioanalyse: Unter welchen Annahmen lohnt sich eine Investition in CTS Eventim?

Das Unternehmen selbst schätzt die organische Wachstumsrate der nächsten Jahre auf rund 7,0% p.a. Ich habe folgende drei Szenarien aufgestellt:

Die Plausibilität der Annahmen sollte jeder Leser dieser Analyse nochmal eigenständig prüfen. Es zeigt sich, dass CTS Eventim eine jährliche Rendite in zweistelliger Höhe einbringen kann, WENN das Wachstum aufrechterhalten wird. Im realistischen Szenario ist die Verzinsung zwar deutlich höher als auf dem Sparbuch, auf dem Aktienmarkt hingegen dürfte es nach diesem Bewertungsmodell beim gegenwärtigen Einstandskurs bessere Anlagemöglichkeiten geben.

Erst bei einem Einstandskurs von 40,70 EUR nach Abzug der Margin of Safety liegt die jährliche Rendite im realistischen Szenario bei 10%. Danach sollte man auf einen Kursrücksetzer in Höhe von 26% warten.­

 

5) Vergleich mit Wettbewerbern

Der einzig wahrhafte Konkurrent Live Nation Entertainment ist mit Ticketmaster selbst Kunde bei CTS (teilweise Nutzung der Infrastruktur) – das spricht für sich. Das Unternehmen ist mit einer weltweit verkauften Ticketmenge von 480 Mio. Stück pro Jahr und einer Marktkapitalisierung von knapp 13 Mrd. EUR wesentlich größer als CTS Eventim. Jedoch zahlt es keine Dividende, wirtschaftet in letzter Zeit deutlich defizitärer und ist mit dem zweifachen EBIT verschuldet. Ich könnte jetzt hier einen vollumfänglichen Kennzahlen-, Bilanz- und Cashflow-Vergleich machen. Aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit hinsichtlich der vertretenen Märkte, liefert uns dies jedoch keine weiteren Erkenntnisse.

 

3. Risiken einer Investition in die CTS Eventim-Aktie

Ewigkeitsfaktor: Wie wahrscheinlich ist es, dass es dem Unternehmen in 10 Jahren besser geht als heute?

Ich sehe die Wahrscheinlichkeit bei 90%. CTS Eventim verfügt über einen mächtigen Burggraben und profitiert vom Megatrend Digitalisierung und der steigenden Nachfrage nach etwaigen Events. Dennoch sollte man sich über vorhandene Risiken bewusst sein. Ich erachte insbesondere 8 Stück als äußerst relevant:

 

Risiko 1: Beschränkung der Marktposition durch Behörden/Bundeskartellamt

Risiko: Das Bundeskartellamt hat CTS Eventim die Verwendung von sogenannten Exklusivvereinbarungen untersagt, die das Ticketing-Unternehmen mit Veranstaltern aus dem Bereich „Live Entertainment“ sowie mit Vorverkaufsstellen geschlossen hat. Die betreffenden Klauseln sahen vor, dass die Vertragspartner Tickets ausschließlich oder zu einem erheblichen Anteil nur über das CTS-System „Eventim.net“ vertreiben dürfen. Das Bundeskartellamt sieht in diesen Vereinbarungen einen kartellrechtlich verbotenen Missbrauch von Marktmacht und hat CTS Eventim dazu verpflichtet, die Verträge anzupassen. Zudem wurde im November 2017 die Übernahme der Konzertagentur Four Artists untersagt. Auch dies dürfte ein Grund für die Expansion in andere Märkte sein. Da auch in Frankreich und Italien bereits die Marktführerschaft erlangt wurde, sollte man das Risiko auch in diesen Märkten genau auf dem Radar haben.

Einschätzung: Dieses Risiko erachte ich als sehr bedeutsam. Sollte das Wachstum aus kartellrechtlichen Gründen abrupt sinken, dürfte sich die Bewertung dementsprechend nach unten anpassen und es kommt zu einem Kurssturz. Ich sehe mich nicht in der Lage, einzuschätzen, ob es künftig vermehrt zu solchen Eingriffen kommt. Das Unternehmen selber sagt, dass es sich primär um ein deutsches Problem handelt, da man mit der Übernahme von Ticket-Online in einer kurzfristigen Zeit eine zuvor nie dagewesene Marktmacht erlangt hat. Das rechtskräftige Urteil wurde umgesetzt und mit weiteren Vorschriften rechnet man nicht.

 

Risiko 2:  Kundenunzufriedenheit durch fragwürdige Gebühren

Risiko: CTS Eventim wird in den Medien zeitweise für fragliche Geschäftspraktiken kritisiert. Für das Ausdrucken eines elektronischen Tickets zu Hause am eigenen PC wurde Kunden eine „Servicegebühr“ von 2,50 EUR berechnet. Zudem wurde der Premiumversand für 29,90 EUR teilweise als unversicherter Standardbrief durchgeführt. Praktiken dieser Art hat das BGH untersagt. Daraufhin riefen manche Kunden im Internet dazu auf, CTS Eventim zu boykottieren.

Einschätzung: Ich denke, dass hier Parallelen zu McDonald’s zu erkennen sind. Gefühlt jeder kritisiert das Unternehmen und geht angeblich nicht hin, die Restaurants sind trotzdem gefüllt. An CTS führt einfach dauerhaft kein Weg vorbei. Das Netzwerk ist quasi unangreifbar. Dennoch sollte das Unternehmen darauf achten, zukünftig Praktiken dieser Art zu unterlassen oder die Begründung offen und transparent zu kommunizieren.

 

Risiko 3: Spotify, Youtube und Co.

Risiko: Oft wird gesagt, dass Live-Entertainment sterbe durch Angebote wie Spotify aus. Für unter 10 USD im Monat und zum Teil sogar kostenlos kann man derzeit alle möglichen Musiker und Bands 24/7 hören – online und offline. Warum sollte man für ein einziges Konzert mit Anreise etc. hunderte Euro ausgeben?

Einschätzung: Diese These mag zunächst plausibel klingen, dennoch werden Veranstaltungen dieser Art immer beliebter. Man verbringt eine gewisse Zeit mit seinen Liebsten und kommt aus dem Alltag raus. Zudem eignen sich Tickets hervorragend als Geschenk. Außerdem sprechen die Zahlen für sich: Früher erzielten die Künstler 75% ihrer Einnahmen aus Tonträgern und nur 25% aus Auftritten. Heute hat sich dieses Verhältnis deutlich verschoben. Derzeit sind es rund 10-15% Einnahmen aus Tonträgern und 85-90% aus Live-Auftritten. PwC prognostiziert, dass die Konzertbranche bis 2020 rund 7 Mrd. USD mehr umsetzt als Streamingangebote. Spotify und Co. machen demnach sogar vielmehr Lust darauf, einen Auftritt des Künstlers live zu verfolgen. Ferner ist Eventim sehr gut diversifiziert und nicht ausschließlich auf den Konzertmarkt angewiesen.

 

Risiko 4: Goodwill-Anteil der Bilanz

Risiko: Wie bereits erwähnt, macht der Goodwill-Anteil in der Bilanz 70% des Eigenkapitals aus. Durch zahlreiche M&A Aktivitäten lässt es sich nicht vermeiden, einen Goodwill zu bezahlen. Sollte mal eine größere Abschreibung vorgenommen werden, führt dies zur Aufzehrung des Eigenkapitals. Zudem dürfte das Vertrauen einiger Investoren verloren gehen, wodurch der Kurs sinkt.

Einschätzung: Die für das Umsatz- und Ergebniswachstum notwendigen Finanzmittel werden im Wesentlichen selbst durch das operative Geschäft erwirtschaftet. Der betriebliche Cashflow in Höhe von über 300 Mio. EUR im Jahr 2018 sichert die notwendige Flexibilität und Schnelligkeit für künftige Akquisitionen und steigende Marktanteile. Durch die vorhandene Nettoliquidität hat man zudem etwas Finanzierungsspielraum. 

 

Risiko 5: Digitalsteuer

Risiko: Die Digitalsteuer bezeichnet verschiedene Konzepte zur Besteuerung der digitalen Wirtschaft. „Online-Unternehmen“ können grenzüberschreitend Gewinne erzielen, ohne im betreffenden Land eine klassische Betriebsstätte zu unterhalten. Deshalb werden ihre Erträge im Steuerrecht oft nicht erfasst und sie bleiben unbesteuert. Diese Steuerungerechtigkeit könnte durch eine Digitalsteuer beseitigt werden. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir werden Maßnahmen für eine angemessene Besteuerung der digitalen Wirtschaft ergreifen.“

Einschätzung: Olaf Scholz hat der raschen Einführung einer EU-Digitalsteuer vorerst eine Absage erteilt. Zudem würde CTS zunächst versuchen, diesen Mehraufwand auf den Kunden abzuwälzen. Kommt die Lieblingsband in die Stadt, zahlen sie trotzdem, wenn es das Ticket woanders nicht günstiger gibt. Ferner würde eine Digitalsteuer die Marktstellung ggf. weiter verbessern, da es verstärkt kleinere Wettbewerber trifft. Und warum sollte unser Finanzminister die Wettbewerbsfähigkeit vom Standort Deutschland noch weiter schwächen? Das habe ich mich jedoch schon öfter gefragt…

 

Risiko 6: Spezifische Projektrisiken

Insbesondere im Rahmen größerer Einzelprojekte können Risiken im Bereich Qualität, Kosten, Termine, Politik, Recht und Währungen eintreten. Mit der geplatzten Infrastrukturabgabe (Pkw-Maut) hat sich gezeigt, dass nicht immer alles nach Plan läuft.

Einschätzung: Dieses Risiko geht jedoch jedes Unternehmen ein, da jede betriebliche Entscheidung ein Risiko darstellt. Ich denke nicht, dass CEO Klaus Peter Schulenberg mit seinem Unternehmen für eine Renditemaximierung „All-in“ geht. Auch mit der geplatzten Pkw-Maut hat man letztendlich nichts verloren, sondern nur aussichtsreiche Zusatzgewinne nicht realisieren können.

 

Risiko 7: Steigende Kostenbasis

Risiko: Die Sicherheitskosten für Konzerte und Großveranstaltungen nehmen immer weiter zu. Denkbar ist auch, dass die Musiker und Künstler immer höhere Gagen verlangen, die nicht komplett auf die Kunden abgewälzt werden können. Die Folge wäre, dass die Gewinnmarge sinkt, wenn man die zusätzlichen Kosten selber schultert. Gibt man die Kosten an die Kunden weiter, können und wollen sich zukünftig ggf. einige Leute die Teilnahme an den Veranstaltungen nicht mehr leisten und greifen lieber auf Spotify und Co. Zurück.

Einschätzung: Natürlich wäre diese Entwicklung unerfreulich. Andererseits würden dadurch kleinere Wettbewerber verdrängt werden, die finanziell und wettbewerbstechnisch nicht so gut aufgestellt sind. Ggf. verbessert sich die Marktposition in diesem Szenario für CTS Eventim sogar noch. Ein durchgängiger Komplettverzicht auf Veranstaltungen, wie CTS sie anbietet, erachte ich nicht als möglich.

 

Risiko 8: Amazonisierung

Risiko: Eine Beschreibung braucht dieser Aspekt eigentlich nicht. Denkbar ist, dass Amazon auch in diesem Geschäftsfeld eine Marktführerschaft erlangen möchte.

Einschätzung: Eher nicht. Zwei Markteintritte in den USA und England wurden bereits eingestellt. Zudem muss Amazon bzgl. einer möglichen Zerschlagung des Konzerns bereits selber aufpassen.

 

Überblick über Veranstaltungen und Events, die derzeit auf der Website von CTS gebucht werden können.

4. Fazit zur CTS Eventim- Aktienanalyse: Qualitätsunternehmen mit Premium-Bewertung

Die bestehenden Geschäftsverbindungen sorgen in den bereits vertretenen Märkten für einen nahezu unüberwindbaren Burggraben. Veranstalter, Künstler und Kunden erhalten bei CTS Eventim alle Leistungen rund um das Event aus eigener Hand. Dies führt zu einer immensen Marktmacht. Die finanzielle Flexibilität in den stabilen Geschäftsfeldern Ticketing und Live-Entertainment hat eine unangreifbare Plattform geschaffen. Ich sehe keine große Gefahr, dass das Unternehmen in Zukunft verdrängt wird. Zudem besteht die Aussicht auf die Erschließung weiterer Märkte und Geschäftsbereiche. Mit dem Schritt zur erläuterten Marktplatzplattform (von „Umsatz pro Ticket“ zu „Umsatz pro Kunde“) KÖNNTE ein Eventim 2.0 geschaffen werden.

Das Gesamtbild aller vier angewendeten Bewertungsmodelle offenbart jedoch nach dem enormen Kursanstieg im zurückliegenden Jahr eine zu hohe Bewertung. Wer von einer uneingeschränkten Fortsetzung der zurückliegenden Wachstumsstory ausgeht, kann bereits zum heutigen Kurs einsteigen und wird in diesem Szenario auch weiterhin mit einer attraktiven Rendite rechnen können.

Stimmt man jedoch mit meinen Annahmen überein und lässt zukünftige „WENN-DANN“ Investments außer Acht, sollte man erst bei einem Kurs um die 40,70 EUR einsteigen, um eine Gesamtrendite von 10% p.a. zu erzielen.

Wer die Eröffnung eines Sparplans in Betracht zieht, sollte jedoch kein Market Timing versuchen und einfach loslegen. Die Marktführerschaft von CTS Eventim ist nahezu nicht mehr aufzuhalten und wir Menschen werden auch in den kommenden Jahren Konzerte, Festivals und Co. besuchen. Deshalb denke ich, dass man mit einer langfristigen Investition in CTS vergleichsweise wenig falsch macht. Ordentlich bewertet war das Unternehmen gefühlt immer.

Liebe Grüße,
Sebastian Weidhüner

 

Quellen & Links zur CTS Eventim Aktien-Analyse

Beschreibung
YouTube-Video: Christian W. Röhl und Tobias Kramer von echtgeld.tv besprechen die CTS Eventim-Aktie
CTS Eventim CEO Klaus-Peter Schulenberg zu Gast im OMR-Podcast
Geschäftsbericht 2018 von CTS Eventim
Artikel zum Wachstum der globalen Musik-Industrie
PwC-Ausblick der deutschen Medien- und Entertainment-Branche
Artikel vom Bundeskartellamt zum Marktmissbrauch von CTS Eventim
Artikel von t3n zur mächtigen Marktstellung von CTS Eventim
Artikel: CTS Eventim arbeitet an europäischem Veranstalternetzwerk
Handelsblatt-Artikel über Klaus-Peter Schulenberg, CEO von CTS Eventim

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2 Antworten

  1. Philipp MMag Dür sagt:

    Spotify und Co werden vermutlich selbst bald in den Ticketverkauf einsteigen,

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