Michael C. Jakob Gründer von AlleAktien. Studium von Informatik und Management am KIT/ ETH Zurich/ Massachusetts Institute of Technology. Danach in der Strategie bei UBS und McKinsey&Company.

AlleAktien Geschäftsführer und Chief Technology Officer. Michael analysiert vorrangig globale Software- und Finanzunternehmen mit einer Vorliebe für US- und China-Aktien. Er war zuvor bei McKinsey&Company, UBS, und studierte an KIT, ETH Zurich, und MIT Informatik und Management. Er verfolgt die AlleAktien Cluster-Nummer-1-Strategie: Nur die besten Aktien jeder Branche kommen in das Portfolio.

Erfolgreiches Investieren in Emerging Markets. Ein Leitfaden für langfristige Anleger

▲ Investieren in Schwellenländer hat gleich zwei gravierende Vorteile für uns langfristige Investoren: Wir ermöglichen eine „echte“ Diversifikation durch neue Aktienmärkte, die kaum mit dem S&P500 und DAX korrelieren. Gleichzeitig erschließen wir zehntausende von neuen Unternehmen, die sich gerade in einer Wachstumsphase befinden und oft noch unentdeckt sind. Die meisten Investoren schauen nur auf die USA und Europa — und übersehen damit reihenweise Vervielfacher wie Alibaba, Tencent oder Infosys. Das Gesetz der Emerging Markets bleibt: Die Gewinner gewinnen stärker, die Verlierer verlieren stärker (gehen in die Insolvenz). Mit einer tiefgehenden Aktienanalyse, wie es unsere Mission bei AlleAktien ist, gelingt es uns für euch die Spreu vom Weizen zu trennen. In diesem erstmaligen Leitfaden für Entwicklungsländer und Schwellenländer in Deutschland stelle ich euch die wichtigsten Prinzipien, Länder und Aktien übersichtlich vor.

 

 

Erfolgreiches Investieren in Emerging Markets
Entwicklungsländer und Schwellenländer

  • Gewinner gewinnen stärker, Verlierer verlieren stärker. Die erfolgreichsten Unternehmen eines Emerging Marktes verzehnfachen sich vielfach, die Verlierer gehen Bankrott. In Schwellenländern ändert sich das Marktumfeld viel schneller als in Industriestaaten, daher werden flexible und profitabel wirtschaftende Firmen besonders belohnt. Sie können sich an das sich rapide ändernde Umfeld am besten anpassen.
  • Hohes Wachstum, hohe Risiken. Aktienanalysen sortieren aus: In Schwellenländern existiert eine gut funktionierende Infrastruktur (Straßen, Eisenbahn, Flughäfen, Seehäfen, Internet, …) als Basis, auf der mutige Unternehmen eigene Ideen und Firmen aufbauen können. Die Risiken sind mit Bilanzfälschung, fehlendem Investorenschutz, Hyperinflation und einer möglicherweise willkürlichen Regierung aber auch zahlreich. Nur mit einer detaillierten Analyse filtert man aus, wo es sich lohnt zu investieren.
  • Lukrative Länder für Investoren im Detail: China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland. Die Besonderheiten und Investorenmerkmale jeder Marktwirtschaft stellen wir euch im Detail vor. Dazu gibt es wie immer die aussichtsreichsten und qualitativ hochwertigsten Aktien aus jeder Region.

 

Erfolgreiches Investieren in Emerging Markets
Leitfaden Entwicklungsländer und Schwellenländer

  1. Was sind Entwicklungsländer und Schwellenländer?
    1. Entwicklungsländer, Schwellenländer und Industrienationen
    2. Entwicklungsländer heute werden zu Marktführern von morgen
    3. BRICS Länder
    4. Übersicht: Die wichtigsten Schwellenländer für Investoren
  2. Entwicklungsländer aus Investorensicht
    1. Rendite und Korrelation
    2. Substanzielle Risiken bei Schwellenländern
    3. Investieren in Einzelaktien
    4. Wachstum, Stabilität und Renditen
  3. Die wichtigsten Schwellenländer im Detail
    1. Investieren in China
    2. Investieren in Indien
    3. Investieren in Russland
    4. Investieren in Osteuropa
  4. Fazit: Investieren in Schwellenländer

 

 

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Was sind Entwicklungsländer und Schwellenländer?

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Entwicklungsländer, Schwellenländer und Industrienationen

Gleich vorneweg: Eine offizielle Definition gibt es nicht. Die Weltbank, die OECD, MSCI und Bloomberg arbeiten alle mit eigenen Definitionen. Ich halte mich größtenteils an die gängigen Definitionen und hebe vor allem das hervor, was für uns langfristige Investoren und Privatanleger relevant ist.

Grob lassen sich alle 195 Länder der Welt dennoch in drei vereinfachte Kategorien einteilen:

  1. Entwicklungsländer (Frontier Markets)
  2. Schwellenländer (Emerging Markets)
  3. Industrieländer (Developed Markets)

 

▲ Entwicklungsländer durchlaufen oft ein starkes Bevölkerungswachstum bei gleichzeitig sehr geringem Einkommen pro Person. Eine flächendeckende, gut ausgebaute Infrastruktur (Flughäfen, Internet, Autobahnen, Eisenbahn, Renten-, Gesundheits- und Sozialsysteme, …) und ein neutrales Rechtssystem fehlen hier. In Schwellenländern existiert bereits eine sehr gute Infrastruktur, auf welcher nun zahlreiche weitere Unternehmer eigene Firmen aufbauen können. In der Regel existieren hier auch bereits ein Kapitalmarkt und öffentliche Börsenplätze. Erst hier wird es meiner Meinung nach interessant, für uns Investoren, Geld anzulegen. In Industrienationen sind die ethischen-rechtlichen Standards und der Investorenschutz am höchsten. Die Bevölkerung erzielt ein sehr hohes Einkommen und genießt die höchsten Lebensstandards.

 

 

Frontier Markets (Entwicklungsländer). Kleinere, riskantere, illiquidere (Kapital-)Märkte. In einem Vorstadium zum Emerging Market. Kenia, Nigeria, Bangladesch, und Vietnam. Sehr hohes Risiko, vielleicht eine der riskantesten Anlageklassen, die es gibt. Hier muss man jederzeit mit einem Totalverlust rechnen können, schon aufgrund der geringen Börsenplatzstandards, Investorentransparenz und der Klageschwierigkeit. Viele dieser Länder sind auch politisch instabil, was das Investment noch unvorhersehbarer macht. Enormes Potential, Enorme Risiken. Oft fehlt hier auch einfach das Wachstum oder die Länder sind nicht bereit, sich international zu öffnen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei unter 1.000 Euro pro Jahr.

 

Emerging Markets (Schwellenländer). China und Indien sind die mit Abstand größten Emerging Markets. Keine international einheitlich standardisierte Definition. Eine funktionierende Infrastruktur (Straßen, Strom, Wasser, Müllentsorgung, flächendeckendes Internet) liegen hier bereits vor — das ist meistens die Hürde, die am schwierigsten zu überwinden ist. Darauf aufbauend können nun viele Generationen von Unternehmern ihre Kreativität entfalten. Diese Länder sind an der „Schwelle“ zum Industriestaat und wachsen schnell. In wenigen Jahrzehnten werden diese Länder ähnlich entwickelt sein wie die aktuellen Industriestaaten. Die Einkommen pro Person liegen zwischen 1.500 und 15.000 Euro pro Jahr.

 

Developed Markets (Entwickelte Länder). USA, Kanada, Japan, Australien und Westeuropa inklusive Deutschland gehören zu den Industrieländern. Dort ist der Lebensstandard am höchsten, gemessen am Gesundheits- und Sozialsystem, mit einem verlässlichen und fairen Rechtssystem und freier Mitentscheidung der Bürger (meist Demokratie), sowie am hohen frei verfügbaren Einkommen. In den entwickelten Ländern liegen die Einkommen i.d.R. deutlich über 30.000 EUR pro Jahr.

 

 

▲ Zu den Industriestaaten gehören nur die USA, Europa, Japan und Australien. Schwellenländer machen mehr als 80% der Fläche unseres Planeten aus. Entwicklungsländer befinden sich vor allem in Zentralafrika, wo eine grundlegende Infrastruktur fehlt.

 

Entwicklungsländer heute werden zu den Marktführern von morgen

Entwicklungsländer heute werden zu den Marktführern von morgen

Die heutigen Entwicklungsländer werden unsere Zukunft definieren. Davon bin ich überzeugt. Sie haben die Möglichkeit, viele Systeme von neu zu denken und zu entwickeln. Es gibt weniger festgefahrene Regulierungen, Vorschriften und oft einen viel geringeren „Wasserkopf“ an politischer und wirtschaftlicher Bürokratie. Alles neu.

Die USA haben Europa in weniger als 100 Jahren technologisch und wirtschaftlich komplett überholt und als dominante Wirtschaftsmacht (die zuvor Deutschland, Frankreich und England waren) abgelöst. Man hatte dort den Freiraum, vieles neu zu denken und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Die aufstrebende Generation konnte die Welt dort nach den eigenen Vorstellungen gestalten.

Das Gleiche haben wir ab 1945 in Deutschland erlebt: der Wiederaufbau unserer Nation. Wirtschaft, Politik, Immobilien, Infrastruktur, alles wurde neu gedacht. Damit überholte Deutschland in weniger als 50 Jahren „von Null auf 100“ alle anderen Länder Europas und ist nun wieder die mit Abstand größte Volkswirtschaft Europas (Deutschlands BIP von 3.950 Mrd. USD vs. Englands BIP von 2.850 Mrd. USD).

 

Schwellenländer überspringen Entwicklungsstufen und werden zu Tech-Leadern

Singapur, China und auch Brasilien überspringen Entwicklungsstufen, die Europa und die USA viele Jahrzehnte gekostet haben: Kreditkarten, Telefonnetz, Lineares TV, Radio, Plakatwerbung. Diese Produkte gibt es dort natürlich auch, aber in sehr geringem Umfang mit vergleichsweise geringer Bedeutung. Die Länder werden wie ein Millennial oder die Generation Z in die Digitalisierung hineingeboren. „Internet First“ durchzieht alle Branchen von Anfang an. Altlasten gibt es nicht. Man kann existierende Probleme ganz neu denken.

Das führt zu stärkerem Wachstum und profitableren Unternehmen als bei der westlichen Äquivalente.

 

In dieser Marktstudie fokussieren wir uns auf die Emerging Markets (Schwellenländer). Die bekanntesten Schwellenländer sind dabei sicher die sogenannten BRICS-Länder, die wir uns zuerst ansehen.

 

BRICS Länder

Sind BRICS-Länder noch relevant?

Die sogenannten BRICS Länder sind Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika.

 

Von einem Goldman Sachs Analysten 2001 entwickelt und ins Leben gerufen. Südafrika kam erst einige Jahre später dazu — so wurde aus BRIC dann ein BRICS.

Laut Goldman Sachs waren sich die Länder im Jahr 2000 alle sehr ähnlich. Sie haben viele Jahre ein hohes Wachstum hingelegt. In Europa und den USA gab es Befürchtungen, dass man bald abgelöst wird. Was quantitativ auch gestimmt hat. Nur wurden qualitative Faktoren komplett vernachlässigt. Kulturelle Unterschiede, Korruptionsmentalität und die „Aufbruchstimmung“ einer Nation wurden nicht einbezogen. Die einzige Gemeinsamkeit war ein „starkes Wachstum von 1995 bis 2000“. Nach heutigen Maßstäben, zwanzig Jahre später, eine relativ flache, oberflächliche Schlussfolgerung. Zur damaligen Zeit aber sehr nachvollziehbar, da auch erheblich weniger Daten sowie Technologie- und Finanz-Software zur Auswertung zur Verfügung standen.

 

Meine Meinung: BRICS ist ein veraltetes System. Die fünf Länder haben mittlerweile wenig gemeinsam

Stand heute, 2020, haben die Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sehr wenig gemeinsam. Als Analysten wollen wir immer alles in einen Topf werfen, Systeme vereinfachen und Generalisierungen ableiten. Das gilt für Einzelaktien, Branchen, Sektoren und auch Länder. „China ist das Gleiche wie Brasilien“. Sowas würde man heute bestenfalls belächeln und die Person aus dem Haus schmeißen, die so etwas behauptet. Jede Aktie ist einzigartig, genauso wie jedes Land. Mit einer einzigartigen Kultur (einer der größten Treiber einer erfolgreichen Nation), Infrastruktur, Ausgangslage und Ziele.

Eine der wichtigsten Determinanten für den Erfolg eines Unternehmens ist der Erfolg des Marktes, in dem es sich befindet. Mir ist es daher wichtig, dass auch das Land von Jahr zu Jahr erfolgreicher wird, Korruption bekämpft und echter Mehrwert für die Bevölkerung geschaffen wird. In einer schrumpfenden oder stagnierenden Gesamtwirtschaft ist es für alle Unternehmen um einen Faktor 10 schwieriger, selbst ein nachhaltiges Umsatzwachstum zu erzielen. Unternehmen und Unternehmer werden dann erfolgreich, wenn auch die Geschäftspartner und Kunden immer erfolgreicher werden. Man wächst gemeinsam.

China und Indien haben ein beispielloses Wirtschaftswachstum (Bruttoinlandsprodukt) von je 9,4% und 5,5% pro Jahr seit 2010 hingelegt. Brasilien, Russland und Südafrika schrumpften oder stagnierten hingegen. Sogar in Deutschland (1,7%) und den USA (3,5%) gab es ein deutlich höheres Wachstum.

 

Land Bruttoinlandsprodukt (BIP) Wirtschaftswachstum
2010-2020, Durchschnitt pro Jahr
Brasilien 1.870 Mrd. USD -4% pro Jahr
Russland 1.660 Mrd. USD +0,9% pro Jahr
Indien 2.720 Mrd. USD +5,5% pro Jahr
China 13.600 Mrd. USD +9,4% pro Jahr
Südafrika 370  Mrd. USD 0% pro Jahr

BRICS Kurzvideo

CNBC hat das Thema vor etwa einem Jahr ebenfalls aufgegriffen und in einem Kurzvideo schön zusammengefasst: BRICS Länder sind mit scheinbar (!) ähnlichen Voraussetzungen gestartet, haben sich aber in völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Mittlerweile sind die Länder so unterschiedlich, dass eine Zusammenfassung der sogenannten „BRICS“ Länder in meinen Augen nicht mehr als ein Marketing-Gag ist.

 

Übersicht: Die wichtigsten Schwellenländer für Investoren

Die relevantesten Schwellenländer nach BIP

Schwellenländer befinden sich in einer Phase der schnellen Industrialisierung. Sie beginnen gerade, sich dem globalen Handel zu öffnen. Internationales Kapital fließt in diese Länder. Auf der erbauten Infrastruktur (Autobahnen, Flughäfen, Seehäfen, Eisenbahn, Versicherungs- und Finanzsysteme) ist es möglich, hoch profitable und schnell wachsende Unternehmen aufzubauen. Der Staat zieht sich aus der Wirtschaft zurück, um Platz für den privaten Sektor zu schaffen. Globale Marken beginnen, hier zu expandieren und schnell Marktanteile zu gewinnen.

Agrarwirtschaft wird von der Industrie und dem Dienstleistungssektor Jahr für Jahr  immer weiter abgelöst. In den letzten 20 Jahren haben viele den Zwischenschritt übersprungen und sind direkt zum Dienstleistungssektor übergegangen, wie z.B. Singapur, Hong Kong, die Kaimaninseln oder Estland.

 

▲ China und Indien sind mit Abstand die größten Schwellenländer: Die meisten Einwohner, die größten Wirtschaften. Was mich bei dieser Grafik erstaunt hat: In allen Schwellenländern wird fast durchgängig mehr als 50% der Wirtschaft vom Dienstleistungssektor getragen. China, Indien, Indonesien und die Philippinen haben ein starkes Wachstum. Andere Länder wie Mexiko und Südafrika stagnieren eher. Die einzige wirkliche Gemeinsamkeit: Das BIP pro Kopf liegt zwischen 2.000 USD und 12.000 USD pro Jahr. In Deutschland und den USA liegt es bei je etwa 50.000 und 60.000 USD.

 

 

 

 

 

 

Entwicklungsländer aus Investorensicht

Rendite und Korrelation

▲ In der indonesischen Hauptstadt Jakarta leben 9,6 Mio. Menschen. In Indonesien gibt es insgesamt 270 Mio. Menschen. Als Europäer unterschätzt man so einfach, wie viele Menschen in wenig bekannten Volkswirtschaften leben.

 

Rendite und Korrelation

Ich habe mir vor allem China und Indien angesehen, da ich in diesen Märkten am meisten Potential sehe. Was mir sofort aufgefallen ist: Die Korrelation zwischen China und dem Rest der Welt (S&P500, NASDAQ, MSCI World) ist überraschend gering. Durch Investments in China ist eine echte Diversifikation möglich. Das deckt sich auch mit unseren qualitativen Beobachtungen: Eine Tech-Blase 1999 oder eine Immobilienblase 2008 war in China nicht relevant. Der rapide Abverkauf in China im Jahr 2015 — davon haben wir in den USA und Deutschland auch kaum etwas mitbekommen.

Index Rendite seit 2010 Rendite seit 2015 Korrelation mit S&P500
China, CSI300 2,7% 3,4% 11%
Indien, Nifty50 8,8% 6,6% 94%
MSCI World 11,1% 8,5% 89%
S&P500 11,3% 10,4% 100%

Der S&P500 liefert uns trotzdem die beste Rendite. Zur Methodik: Ich habe hier jeweils mit dem 15. Januar 2010/2015/2020 gerechnet. Die Corona-Situation ist damit größtenteils herausgerechnet. Auch der China Index CSI300 ist die Monate zuvor nicht gefallen. Der NASDAQ korreliert übrigens zu 93% mit dem S&P500. Ich führe diese Gesamtmarkt-Unterrendite auf meine Beobachtung zurück:

In Schwellenländern gilt: Gewinner gewinnen mehr. Verlierer verlieren mehr. Eine tiefgehende Aktienanalyse zahlt sich hier vielfach aus.

 

Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Wer die Gewinner korrekt identifiziert, der kann hier ohne Probleme viele Tenbagger entdecken. Wer jedoch „blind“ in den Markt oder Einzelaktien ohne Analyse Geld anlegt, der wird Geld verlieren. Hier ist dann ein S&P500-ETF besser gelegen. Eine Analyse zahlt sich doppelt aus. Auf welche substantiellen Risiken ich hier achte und die ich vermeide, das kommt im kommenden Kapitel.

 

Substanzielle Risiken bei Schwellenländern

Substanzielle Risiken bei Schwellenländern

Das Risiko Nummer 1 ist der Totalverlust. Zum Bankrott einer Aktie können viele Faktoren führen, die in Entwicklungsländern erwiesenermaßen erheblich höher liegen:

  1. Bilanzfälschung: Entwicklungsländer haben oft noch junge Kapitalmärkte und eine geringe Regulierung. Das geht oft auch mit Korruption und der Intransparenz der Geschäftsberichte einher. Nicht überall haben wir eine so sorgfältige SEC (USA) oder BaFin (Deutschland).
  2. Investorenschutz: Investoren und Privatanleger genießen in Europa und den USA einen besonderen Schutz. In fernen Entwicklungsländern mit einer anderen Sprache (und limitiertem Englisch-Wissen) ist es oft schwierig, hier sein Problem überhaupt adäquat darlegen zu können und ernst genommen zu werden. Selbst wenn man nach dem eigenen Rechtsverständnis klar im Recht liegt, bedeutet das noch nicht, dass es im Zielland jemanden interessiert.
  3. Regierungswillkür: Diktatorische Regierungen und Systeme mit geringen Grundrechten können Firmen oder Märkte komplett verbieten, wie das China beispielsweise 2018 mit Bitcoin gemacht hat.
  4. Hyperinflation: Die Inflation kann auch bei 10 bis 30% pro Jahr liegen, und vernichtet dann jegliche nominalen Kursgewinne. In Venezuela hat man das die letzten Jahre erlebt (300%, 900% und 130.000% in 2017, 2018 und 2019). In der Türkei erst 2017 (Inflation bei 12% pro Jahr). Auch das kann zu einem Totalverlust führen.

 

Risiko ist als Ungewissheit definiert: positiv wie negativ
Risiko bedeutet Ungewissheit, positiv als auch negativ. Als Investor ist es sehr schwierig, abzuschätzen, was in den kommenden Monaten und Jahren kommen wird. Risiko ist aber nicht gleichzusetzen mit Verlust. Ungewissheit (Risiko) kann auch positiv sein und enorme Chancen bieten.

 

Beim Investieren in Entwicklungsländer und deren Aktien muss man genau hinschauen. Viel akribischer und genauer analysieren, als das bei etwa einer S&P500-Aktie oder einer DAX-Aktie der Fall ist. Genau so wichtig ist es aber, dass man die Mentalität und das Land wirklich gut kennt, vielleicht sogar einmal vor Ort war, wie ich in den letzten Jahren mehrmals in China und Singapur. Wenn man einfach „blind etwas im S&P500“ kauft, wird man wohl besser fahren, als wenn man „blind etwas in Indonesien“ kauft. Die Chancen sind größer, aber die Risiken eines Totalausfalls sind bei vielen Aktien ebenfalls erheblich größer. Hier zahlt sich eine tiefgehende Aktienanalyse daher gleich vielfach aus.

 

▲ Ich war selbst fast zwei Jahre vor Ort in China und habe mich unter anderem vom Elektroautohersteller NIO 蔚来汽车 überzeugt. Für mich gehört das als professioneller, seriöser Aktienanalyst dazu: Mit dem Management sprechen, die Produkte testen. Tiefgründig recherchieren und dadurch eine Überrendite erzielen. In Schwellenländern sind besonders hohe Renditen möglich, weil wenige Investoren sich so intensiv mit diesen Aktien befassen wollen oder die Märkte und Kultur nicht wirklich begreifen — wenn man sich die Zeit nimmt und die besten Qualitätsaktien ausfindig macht. © AlleAktien

 

Investieren in Einzelaktien

Investieren in Einzelaktien

Die direkte Beteiligung am Eigenkapital ist die schönste Form der Beteiligung. Man profitiert direkt vom Unternehmenserfolg. Ohne Arbeit. Mit geringem Risiko, weil man als direkter Mit-Eigentümer des Unternehmens hinterlegt ist.

Direkte Aktieninvestments sind in Schwellenländern wie China politisch allerdings oft unerwünscht. Die eigene Bevölkerung soll vom eigenen Aufschwung profitieren, und kann an den beiden Börsenplätzen Shenzhen und Shanghai profitieren. Gleichzeitig soll ein vorzeitiger Abverkauf der eigenen Wirtschaft ins Ausland unterbunden werden. Manche Regierungen fürchten auch den westlichen, freiheitlichen Einfluss einer Auslandsbeteiligung.

In der Regel ist es daher — wie beispielsweise in China und Indien — nur institutionellen Investoren gestattet, sich direkt bei Aktien zu beteiligen. Die institutionellen Investoren legen dann ETFs und Fonds in den USA und der EU auf, an denen wir Privatanleger uns beteiligen können.

 

Chip-, Mode- und Luxusunternehmen verdienen am meisten in Schwellenländern

Es gibt aber doch eine geschickte Idee, wie man mit direkten Aktienbeteiligungen am Aufschwung profitieren kann. Man holt sich USA- oder EU-Unternehmen in das Portfolio, die einen großen Teil der Umsätze oder Gewinne in Schwellenländern generieren.

Die Chip-Hersteller und Designer wie Nvidia, Intel, Infineon, Broadcom, Xilinx erzielen alle 50% bis 80% der Umsätze aus Emerging Markets. Damit lassen diese Unternehmen alle anderen weit hinter sich. Der Grund: In China und Taiwan werden die Chips eingekauft und damit Elektrogeräte wie PCs, iPads und iPhones produziert.

Luxusmarken (LVMH, Hermes) und Modemarken (Nike und Adidas) verkaufen immer mehr Produkte in Schwellenländern und sind bei über 30% Umsatzanteil angelangt. Es wird durchgängig bei allen erwartet, dass der Anteil in den kommenden Jahren auf 50% ansteigen wird. Wer dort aus eigener Kraft aus der Armut etwas aufbaut, der will das auch zeigen. Die größten Abnehmer von Luxusmarken sind Selfmade-Vermögende, erfolgreiche Selbständige und Unternehmer.

▲ Chip-Designer und -hersteller verkaufen ihre Chips nach China, Indien und Taiwan. Dort werden sie (z.B. von Apple oder DELL) eingekauft und zu Laptops und iPhones zusammengebaut. Konsumenten aus China lieben westliche Luxus- und Modemarken wie Swatch Armbanduhren, Adidas Laufschuhe und Louis Vuitton Taschen. Mit diesen westlichen Firmen kann man hervorragend vom Aufschwung der Schwellenländer profitieren.

 

Investieren in ADRs und Zweitlistings

ADRs sind Zertifikate, die den Besitz einer Aktie verbriefen. In der Regel entspricht ein ADR genau einer Aktie. So ist es beispielsweise bei dem „chinesischen Amazon“ namens Alibaba. Alibaba hat sich an der New York Stock Exchange (NYSE) einfach als ADR eingetragen und ist damit direkt investierbar. Alibaba erzielt 85% der Umsätze in China, 5% in Indien.

ADRs (American Depository Receipt), zu deutsch etwa ein „Amerikanischer Einlagen-Beleg“, ist ein etabliertes Verfahren, um internationale Unternehmen an US-Börsen handelbar zu machen. Auch Adidas und Nestle werden so an den US-Börsen handelbar gemacht.

Das einzige Dilemma bleibt: Nur relativ wenige Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern gehen diesen Weg. Einerseits entstehen dadurch enorme Kosten und andererseits wird ihnen meist nicht das nötige Vertrauen zugesprochen, um überhaupt Geld zu einer angemessenen Bewertung einsammeln zu können.

Alibaba Group ADR und Tencent Holdings ADR sind vermutlich die zwei bekanntesten ADRs in den USA.

 

Wachstum, Stabilität und Renditen nach Land

Wachstum und Stabilität der Schwellenländer

Mein wichtigstes Kriterium bei der Auswahl eines Landes ist: Wie verlässlich und stabil ist diese Volkswirtschaft? Mein „Worst Case“-Investment wäre ein gravierender Bürgerkrieg oder ein Regierungsputsch. Hier ist dann alles möglich und man muss davon ausgehen, dass man nie wieder an sein Geld kommt.

Deshalb halte ich mich an die Länder, die kontinuierlich Jahr für Jahr Wachstum geliefert haben, über mindestens 20 Jahre hinweg. Entwicklungs- und Schwellenländer sind bereits ohnehin riskant. Hier halte ich mich an mein Grundprinzip:

 

Innerhalb der Schwellenländer nur in die besten Regionen und Aktien investieren, die in zehn Jahren (2030) deutlich besser positioniert sind als heute.

 

Mein ehemaliger Arbeitgeber McKinsey&Company hat dazu eine hervorragende Studie aufgesetzt. Es werden alle Schwellenländer nach langfristiger Stabilität und Wachstum sortiert.

▲ Die Volkswirtschaften auf der linken Seite (blau) outperformen mit 3,5% Wirtschaftswachstum jährlich seit über 50 Jahren. Das nenne ich Stabilität und Verlässlichkeit. In der Liga darunter spielen 11 Unternehmen, die seit 20 Jahren mit 5% noch mehr kontinuierliches Wachstum erzeugen.

 

 

Rendite der Schwellenländer 2010 bis 2020

Der ETF-Anbieter MSCI hat 2010 für zahlreiche Schwellenländer erstmals eigene Länder-ETFs aufgelegt, die sich an den nationalen Indizes orientieren. Jetzt, zehn Jahre später, können wir eine Bilanz ziehen

▲ In den blauen Ländern lag die Rendite bei über 2% pro Jahr: USA, Nord- und Mittel-Europa und Südostasien.

 

 

 

Die wichtigsten Schwellenländer im Detail

Investieren in China

Abgeschlossenheit Chinas: China ist einzigartig: Sie können es sich erlauben, Google/Facebook/Amazon komplett auszuschließen, und trotzdem am längeren Hebel zu sitzen. Der Grund: 1,4 Mrd. Menschen, die einer “winzigen” Mannschaft von nur 400 Mio. (USA) gegenüberstehen. Alles, woran Google und Facebook gerade arbeiten, hat weniger Einfluss, als wenn sie endlich in den chinesischen Markt eindringen könnten. Aber auch dieser ist mittlerweile gesättigt: WeChat/Tencent, Alibaba, Baidu, JD.com, etc. haben ihre Monopole bereits installiert. Fast alle chinesischen Plattformen wie z.B. Wechat können im Gegensatz zu Facebook/WhatsApp/Instagram weltweit genutzt werden, während Facebook per-se 20% der Weltbevölkerung nicht erreichen wird. Meine komplette Analyse zu Tencent ist übrigens auch auf AlleAktien.de.

Chinesische Firmen in Staatshand: In China sind die meisten großen Firmen im Komplett- oder Teilbesitz der Regierung. Dort, wo sie nicht am Eigenkapital beteiligt sind, dort müssen Lizenzen erworben werden. Jeder Autobauer braucht zahlreiche Lizenzen von der Regierung, bevor er produzieren kann. Gerade der Banken-, Energie- und Rohstoffsektor sind fest im Besitz des Staates. In China sehe ich im Gegensatz zu Deutschland und Amerika eine enge Beziehung zum Staat als sehr positiv. Auch Alibaba und Tencent wären ohne großzügige Unterstützung vom Staat nicht da, wo sie jetzt sind.

Der Staat in China besitzt alles: 100% aller “Dinge” in China gehören zumindest rein theoretisch dem Staat: Alle Unternehmen, alle Immobilien, das ganze Kapital und alle Arbeitskraft. Dies wurde in den letzten Jahrzehnten immer weiter aufgelockert, und die meisten Firmen/Immobilien/Arbeitskräfte werden genau so am freien Markt gehandelt wie auch in Amerika. Wenn der Staat “enteignet”, bekommt man immer einen relativ fairen Marktpreis (PS: Ja, er ist wirklich ziemlich fair. Oft auch mehrere Mio. EUR, wenn man eine Immobilie an einem guten Standort hat, den der Staat braucht). Die Bürger haben 100%ig das Gefühl, dass sie die eigenen Immobilien/Firmen/… alleinig besitzen. Das halte ich für sehr gut. Es entsteht in keiner Weise ein Gefühl von “mir ist sowieso alles egal, was mit dem Haus/Firmen/Wertgegenständen/… passiert, weil es ja nicht meines ist, sondern uns allen gehört.”
Der Staat allokiert zu einem gewissen Grad, wohin das Kapital fließt. Es ist eine Mischung aus Planwirtschaft und Marktwirtschaft, die jedoch in den letzten 45 Jahren sehr, sehr gut funktioniert hat. In China wurde um Mao Zedong 100% Planwirtschaft betrieben, was fast 50 Mio. Menschenleben gekostet hat, die verhungert sind. Dieses Ereignis ist noch so klar in den Köpfen der Bevölkerung, dass die Marktwirtschaft klar mit Vorteilen erkannt und immer mehr gelebt wurde.

Der Staat in China überwacht alles. In China hat im Gegensatz zu Deutschland und Amerika niemand ein Problem mit der Überwachung. Kameras, Routine Ausweiskontrollen an Hotels/U-Bahn/Bussen sind ganz normal. Mittlerweile bekommen Chinesen auch einen “Score”, wie gut sie sich verhalten haben. Manchen sehr vereinzelten Chinesen wurde bereits der Flug verboten, weil die Bewertung zu schlecht war. Insgesamt sehe ich zwar auch Chinesen immer wieder überrascht, was der Staat alles von ihnen weiß. Jedoch führt das eher zu einem “wow, cool” und einem Lacher, als dass es als ein Problem gesehen wird. Bewunderung für den Staat.

 

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neben youku.cn
YouTube
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Investieren in Indien

Indien ist in 3 Jahren mit 1,5 Mrd. Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt und von den westlichen Medien bisher beinahe komplett unbeachtet. Dabei sprechen das rasante Bevölkerungswachstum und ein Wirtschaftswachstum von über 6% pro Jahr – höher als das von China – für sich. Indien wurde ab 1991 komplett liberalisiert, viele Staatsbetriebe privatisiert, der freie Handel gefördert und die Regulierungen massiv eingedämmt. Seitdem entwickelt sich Indien rasant und wird nach aktuellen Annahmen in 20-30 Jahren eine der größten Volkswirtschaften der Welt sein. Wie wir als langfristige Investoren davon profitieren können und welche Firmen und Sektoren besonders profitabel, ehrlich und langfristig-denkend handeln, analysieren wir in diesem AlleAktien Indien Report.

China hat sich bereits in den 1960ern liberalisiert und von einem enormen Wachstumsvorsprung profitiert. Auch in Indien hat das Wachstum ab der Liberalisierung 1991 stark angezogen, wenn auch insgesamt geringer und mit leichten Stockungen. Gemeinsam sind China und Indien die einzigen großen Weltwirtschaften, die ein solides BIP-Wachstum von >5% pro Jahr aufweisen können.

 

In Indien gibt es aktuell vor allem drei Branchen, die ich für besonders spannend halte:

  1. Banken- und Finanzindustrie
  2. Telekommunikation
  3. Auto- und Maschinenbau

 

Banken- und Finanzindustrie

Insgesamt ist die Banken- und Finanzindustrie in Indien im internationalen Vergleich relativ gut entwickelt und ausgereift. Lediglich in den sehr ländlichen und abgelegenen Gegenden des Landes ist dies noch nicht so sehr der Fall. Die Regierung hat einen erfolgreichen Bankensektor in den letzten Jahrzehnten wiederholt befürwortet und gefördert und den Sektor „entstaatlicht“, sprich privatisiert.

Die indische Wirtschaft ist sehr abhängig vom Bankensystem: Die sechs größten Banken machen einen Großteil der Marktkapitalisierung des indischen SENSEX-Indexes aus.

# Logo Unternehmen Marktkapitalisierung Alleinstellungsmerkmale Unternehmensform
1 HDFC Bank 76 Mrd. EUR #1 Bank Indiens, sehr breit aufgestellte Universalbank. Mehr als 50% der Aktien im Besitz ausländischer Investoren (z.B. via ADRs, GDRs) privat
2 Kotak Mahindra Bank 36 Mrd. EUR Sehr breit aufgestellte Universalbank, Fokus auf das inländische Retail-Banking privat
3 ICICI Bank 34 Mrd. EUR Neben Banking auch ein großer Versicherer. Spezialisierung auf Investment-Banking, Venture Capital und Asset Management. International sehr gut aufgestellte Bank privat
4 SBI State Bank of India 31 Mrd. EUR Universalbank, viele internationale Zweigstellen. Indiens Regierung hält 60% der Aktien (Tendenz sinkend) staatlich
5 Axis Bank 21 Mrd. EUR Starke Spezialisierung auf B2B-Banking: Großunternehmen und KMUs privat
6 Yes Bank 2,4 Mrd. EUR Spezialisierung auf Kredite für KMUs. Gründung war erst 2004 — relativ junges Unternehmen privat

 

Telekommunikationsunternehmen

Internet und Telefonie schaffen die grundlegende digitale Infrastruktur. Mit steigender Digitalisierung, Bevölkerung und Wohlstand werden immer mehr Online-Inhalte konsumiert. Diese Unternehmen profitieren direkt davon.

# Logo Unternehmen Aktive Nutzer Marktanteil Wesentlicher Anteilseigner (Besitzer) Unternehmensform
1 Jio 330 Mio. ca. 33 % Reliance Industries
(Indien)
privat
2 Vodafone Idea Limited 320 Mio. ca. 32 % Vodafone Group
(UK)
privat
3 Airtel 280 Mio. ca. 28% SingTel Singapore Telecommunications
(Singapur)
Zur AlleAktien Premium Analyse von SingTel »
privat
4 BSNL & MTNL 120 Mio. ca. 12% Regierung Indiens staatlich

 

Auto- und Maschinenbau

Indiens Auto-Industrie ist (nach China) die am zweitschnellsten wachsende Auto-Industrie weltweit. Um durchschnittlich 20% wuchs die Auto-Industrie in den letzten Jahren jedes Jahr. In diesem Markt liegt ein starker Fokus v.a. auf Motorräder und Scooter.

# Logo Unternehmen Marktkapitalisierung Beschreibung und Differenzierung
1 Maruti Suzuki 22,5 Mrd. EUR Einer der größten Auto-Hersteller in Indien.
Suzuki Motors (Japan) gehören ca. 56% der Firma
2 Bajaj Auto 10,1 Mrd. EUR #2 Motorrad-, Scooter- und Rikscha-Hersteller in Indien (#3 weltweit)
3 Mahindra & Mahindra 8,5 Mrd. EUR #1 Traktoren-Hersteller weltweit, großer Auto-Hersteller in Indien
4 Hero MotoCorp 6,5 Mrd. EUR #1 Motorrad- und Scooter-Hersteller der Welt. In Indien ein Marktanteil von 46%
5 Tata Motors 4,75 Mrd. EUR Einer der größten Auto-Hersteller in Indien.
Teil der Tata Group

 

Investieren in Russland

Russland ist das flächenmäßig größte Land der Welt und liegt sowohl in Europa als auch in Asien. Es leben rund 147 Mio. Menschen in Russland.

Durch die enorme Fläche des Landes gibt es dort viele Rohstoffe, die für Russland sehr wichtig sind—vor allem Erdöl und Erdgas, die rund 60% der Exporte ausmachen. Das ist gewissermaßen auch ein Burggraben: Durch die hohe Produktion wird das Angebot und damit auch der Preis bestimmt. Wer den Preis ohne Verhandlungen vor diktieren kann, der arbeitet besonders profitabel. Es gibt aber auch viele Metalle in der Erde und viel Fläche für Landwirtschaft. Insgesamt ist Russland deshalb sehr auf den Industrie- und Landwirtschaftsbereich fokussiert. Hier gibt es einige sehr große und wichtige börsennotierte Unternehmen, die ich gleich auch noch etwas vorstellen werde.

Für Investoren ist besonders wichtig, dass in Russland hohe Korruption und politische Anspannung herrschen. Russland wird schon sehr lange von dem Präsidenten Wladimir Putin bzw. seiner Partei regiert. Daher findet man hier immer wieder besonders günstige Unternehmen, die zu KGVs zwischen 2 und 5 gehandelt werden. Die Regierung gilt als relativ unterdrückend. Verschiedene Freiheitsrechte der Menschen und Unternehmen dort werden spontan weggenommen. Politische Gegner werden beseitigt. Wer hier investiert, sollte immer auf dieses politische Risiko achten und nicht zu viel Geld in diesem Land riskieren.

Russland war genau daher bisher eines der Länder, von denen ich mich ziemlich fern gehalten habe. Die politischen Risiken sind hier meiner Meinung nach deutlich unberechenbarer als beispielsweise in China oder Indien. Die Regierungen von China und Indien haben eine konsistente Wachstumsstrategie vorgelegt und diese seit Jahrzehnten eingehalten und erfolgreich umgesetzt. Russland hingegen erscheint mir „unberechenbar“.

 

Unternehmen Gazprom Norilsk Nickel Yandex
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Marktkapitalisierung in USD 56,6 Mrd. 41,8 Mrd. 22,4 Mrd.
KGV 2019 1,4 14,6 14,8
Kurzbeschreibung Größtes Erdgasunternehmen in Russland. Gazprom ist zu einem großen Teil in Staatsbesitz. Das Unternehmen beliefert einen großen Teil Europas mit Gas und ist im politischen Fokus. Größter Produzent von Nickel und Palladium der Welt. Norilsk fördert verschiedene recht wertvolle Materialien, die z.B. in der Automobilindustrie sehr wichtig sind (Palladium, Platin, Kobalt) Russisch-niederländisches Internetunternehmen. Die Nummer 1 Suchmaschine in Russland.

 

Investieren in Osteuropa

Zu Zentral- und Osteuropa zählen Länder wie Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Estland und Litauen. Polen ist das bevölkerungsreichste Land davon mit fast 40 Mio. Einwohnern.

Ein großer Teil dieser Länder gehört zur EU. Deshalb sind die Länder für Investoren eigentlich interessant, weil sie eine höhere Rechtssicherheit als viele andere Emerging Markets bieten. In den meisten Ländern gibt es die Euro-Währung noch nicht, aber einige Währungen (zum Beispiel PLN) sind an den Euro gekoppelt, sodass man eine hohe Währungsstabilität hat.

Die Länder haben auch kaum Rohstoffe, deshalb wird dort eher verarbeitet. Ausländische Unternehmen lassen dort zum Beispiel fertigen, um Kosten zu sparen. Deshalb ist der Industriesektor dort wichtig. Technologie ist in Ländern wie Polen oder Tschechien aber mittlerweile auch etwas vorhanden. In Polen gibt es direkt zwei wichtige Unternehmen der Gaming-Branche: CD Projekt und 11 Bit Studios.

Leider sind viele Unternehmen aus den osteuropäischen Ländern sehr klein oder nicht an der Börse notiert. Das ist sehr schade für Investoren und auch die Anleger dort.

Unternehmen Wizz Air CD Project Avast
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Marktkapitalisierung in USD 3,8 Mrd. 10,4 Mrd. 5,5 Mrd.
KGV 2019 14,4 317 25,3
Kurzbeschreibung Größte Airline aus Osteuropa mit Sitz in Ungarn und Börsennotierung in London. Wizz Air kann man als „osteuropäisches Ryanair“ bezeichnen. Sie setzen auf noch günstigere Flüge und verkaufen lieber mehr Services. Praktisch schuldenfreies Unternehmen und musste trotz Corona keine Staatshilfe beantragen. Größtes Unternehmen in Polen nach Marktkapitalisierung. CPR ist aus dem Gaming-Bereich und bekannt für die Erfolgsspielreihe „The Witcher“ und die Webseite GOG.com. Die Aktie ist recht hoch bewertet. CD Projekt ist das wertvollste, europäische Unternehmen aus dem Gaming-Bereich. Tschechisches Unternehmen für IT-Security. Zweitgrößtes Unternehmen nach Kundenzahl mit über 400 Mio. aktiven Kunden auf der Welt. Die Aktie wird auch in London gehandelt.

 

 

 

Fazit: Mit „Rohdiamanten“ sind Überrenditen in Schwellenländern möglich

Vervielfacher und Qualitätsführer finden

Ich könnte mir auch gut vorstellen, in den kommenden Monaten einige Unternehmen vor Ort in Osteuropa oder Asien zu besuchen, wie ich das für euch bereits 2019 und 2020 in China und Singapur gemacht habe.

In Schwellenländern gibt es bereits eine grundlegende Infrastruktur: Autobahn, Eisenbahn, Flug- und Seehäfen. Breiten Zugang zu Strom, sauberem Wasser und Internet. Ein Bankensystem sowie vereinfachte Gesundheits- und Sozialsysteme sind meistens auch vorhanden. Das unterscheidet Schwellenländer von Entwicklungsländern: Die grundlegende Infrastruktur existiert. Danach ist der Weg frei für private Unternehmen, die auf dieser Basis ihre eigenen Unternehmen aufbauen.

Als Rohdiamanten bezeichne ich Unternehmen, die alle Qualitätsmerkmale aufweisen: Hohes Wachstum, starker Burggraben, geringe Verschuldung und ein Management, dem man vertrauen kann. Diese Unternehmen werden vom Aufschwung einer Volkswirtschaft besonders profitieren. Um diese zu finden, muss man einige Wochen suchen.

Denn in Schwellenländern gibt es substantielle Risiken. Sobald sich eines dieser Risiken andeutet, meide ich das Land komplett: reihenweise Bilanzfälschung, fehlender Investorenschutz, starke Regierungswillkür oder aufkommende Hyperinflation.

Alibaba und Tencent sehe ich hier aktuell am vielversprechendsten, denn Chinas Wachstum ist in Takt und öffnet sich immer mehr nach außen. Chinas Unternehmen beginnen mittels der „Road and Belt“-Initiative gerade erst, in die umliegenden Länder zu expandieren — und profitieren dann auch von dem Wachstum dieser.

Zu China und Indien haben wir bereits relativ detaillierte Marktstudien veröffentlicht. Gerade in Russland, Osteuropa oder auch Indonesien gibt es viele zusätzliche Unternehmen, die eine Kurzanalyse wert sein könnten.

 

 

 

Liebe Grüße,
Michael C. Jakob
Gründer und Geschäftsführer von AlleAktien

 

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5 Antworten

  1. Cornelia Harigel sagt:

    Guten Abend,
    es wäre schön, wenn der Podcast gleichzeitig fertig ist. Ich freu mich schon seit heute morgen darauf, aber er ist noch nicht bereit.
    Eure Arbeit ist klasse liebe Grüße CH

  2. Jan Schütze sagt:

    JD dürfte auch mit auf der Watchlist für China sein oder? Die Chinesen nutzen JD intensiv, sicher auch einen Kauf wert?

  3. Ruth Hefti sagt:

    Hallo Michael
    bin erst seit kurzem Mitglied bei eurer Webseite und bin echt beindruckt von der Qualität eurer Recherchen. Was ich allerdings etwas vermisse sind Tipps zu guten ETF-Anlagen. Gerade im Emerging Markets Bereich ist ein Stock picking schwierig und es macht Sinn auf ETFs zu setzen. Was ist hier euer Ansatz?
    Beste Grüsse

  4. Ngoc Pham sagt:

    erstmals vielen Dank für deine Arbeit, war top!
    ein paar Fazit muss ich korrigieren. Von der Freundeskreis in Vietnam verdienen die meisten nun 1000€ und mehr pro Monat, nicht pro Jahr wie Du geschrieben hast.

    Und ich finde selbst Vietnam Markt ist auf dem Marsch. Viele Unicorn Firma und die Regierung macht auch gute Arbeit in Handeln mit Amerika, China, Russland,… ist Freund mit allen. Wäre cool wenn Du noch ein tiefe Analyse über Vietnam macht 😉
    Grüße,
    Ngoc.

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