Benjamin Franzil Partner bei AlleAktien. Studium von Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Trier und Clemson University. Digitalisierung bei Infineon.

AlleAktien Partner und Aktienanalyst. Benjamins Fokus liegt auf den Branchen Luxusgüter, Restaurants und Halbleiter. Er war vorher bei Infineon in der Digitalisierung und Forschungsstrategie angestellt und hat an der Hochschule Trier Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Seine Strategie ist es die in Aktien mit den tiefsten Burggräben und stärksten Marken zu investieren — vorzugsweise Dividendenaktien.

Henkel Update — Größter deutscher Konsumgüterhersteller richtet sich strategisch neu aus

▲ Henkel ist das größte Unternehmen aus dem nichtzyklischen Konsumsektor in Deutschland und ein echter Hidden Champion der deutschen Wirtschaft. Henkel ist ein Spezialist für Klebstoffe, Waschmittel und Körperpflegeprodukte. Marken wie Pritt, Loctite, Schwarzkopf und Persil sind auf der ganzen Welt bekannt und helfen Henkel dabei, auf dem Weltmarkt erfolgreich zu sein. Henkels Produkte sind aus vielen Haushalten und Unternehmen gar nicht mehr wegzudenken. Ohne Henkels Produkte würden sogar iPhones auseinanderfallen. Seit der letzten Analyse vor drei Jahren ist die Henkel-Aktie jedoch um rund 20% gefallen. In diesem Update beleuchte ich, was sich bei Henkel in der Zwischenzeit getan hat und ob die aktuelle Situation eine günstige Kaufgelegenheit ist.

 

 

 

 

Update Henkel Stammaktie
Hauptsitz Deutschland
ISIN DE0006048408
WKN 604840
Ticker-Symbol HEN.DE
Kurs 79 EUR
Ausstehende Aktien 434,4 Mio.
Marktkapitalisierung 35,7 Mrd. EUR
Enterprise Value 38,3 Mrd. EUR
Nettoverschuldung 2,5 Mrd. EUR
Bruttomarge 45,3%
EBIT-Marge 14,2%
Gewinnmarge 10,5%
Free Cash Flow-Rendite 4,5%
Dividendenrendite 2,3%
Datum 29.11.2020

Henkel Aktie und Update

  • Weltbekannte Konsumgütermarken. Henkel ist ein Hersteller von verschiedenen Konsum- und Industriegütern. Henkel produziert Klebstoffe, Waschmittel und Körperpflegeprodukte. Zu Henkels bekanntesten Marken gehören zum Beispiel Pritt, Loctite, Persil und Schwarzkopf. Marken, die in vielen Haushalten vorhanden sind und regelmäßig gekauft werden. Aber Henkels Klebstoffe werden auch in der Industrie verwendet. Henkel ist Weltmarktführer für Klebstoffe.
  • Alter CEO hat das Unternehmen verlassen. Seit der letzten Analyse hat der CEO von Henkel gewechselt. Während seiner Führung gab es bei Henkel operative Probleme. Das Unternehmen ist aus eigener Kraft kaum noch gewachsen und hat an Profitabilität verloren. Ein Teil davon liegt am zyklischeren Klebstoffgeschäft. Allerdings hat Henkel auch im nichtzyklischen Markt an Stärke verloren. Handelsmarken und junge Konkurrenten erzeugen Druck im sonst eher konservativen Markt. Henkel muss sich strategisch neu aufstellen. Die Marken werden wieder innovativer und sollen Nachhaltigkeit in den Fokus stellen.
  • Aktie jetzt günstig bewertet? Die Henkel-Aktie ist seit der letzten Analyse um rund 20% gefallen. Die Dividende ist bei einem attraktiven Niveau von 2,3% angekommen. Ist Henkel ein günstiges Schnäppchen aus dem nichtzyklischen Konsumsektor? Erfahre jetzt in diesem Update, ob die Henkel-Aktie kaufenswert ist und mit welcher Rendite man realistisch rechnen kann.

 

 

Henkel Update

  1. Henkel Geschäftsmodell im Kurzüberblick
  2. Was hat sich seit der letzten Analyse getan?
  3. Henkel Bewertung
    1. AlleAktien Qualitätsscore (AAQS) von 6/10
    2. Bewertung der Aktie im historischen Vergleich
    3. Peter Lynch Kategorie
    4. AlleAktien Discounted Cashflow-Modell
    5. AlleAktien Future Multiple Valuation
    6. Rendite-Erwartung in Abhängigkeit vom Einstiegskurs
  4. Henkel Risiken
    1. Ewigkeitsfaktor
    2. Konkurrenz bei Waschmitteln
    3. Wirtschaftlicher Einbruch
  5. Henkel Fazit

 

Henkel Podcast

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Aktienkurs von Henkel

 

Podcast von Henkel

 

1. Geschäftsmodell von Henkel

Alle Abschnitte aus-/einklappen

Geschäftsmodell von Henkel im Kurzüberblick

Produkte des täglichen Bedarfs und Klebstoffe gehören zum Geschäft

 

Klebstoffe. Durch Henkels Klebstoffe können Objekte verschiedener Materialien miteinander verbunden werden. Die Hauptabnehmer für Henkels Klebstoffe sind Unternehmenskunden. 38% der Gesamtumsätze werden mit Klebstoffen für Unternehmenskunden erwirtschaftet. Henkel produziert Klebstoffe für die Automobilbranche wie Volkswagen, für die Verpackungsindustrie wie Mayr Melnhof, für Elektronik wie Apple und das Handwerk wie Fliesenleger. Der Markt für Klebstoffe für Unternehmenskunden ist insgesamt ein eher zyklischer Markt. Allerdings stellt Henkel auch Klebstoffe für Konsumenten her wie den beliebten Pritt-Stift. Diese verkaufen sich nichtzyklisch.

 

Waschmittel und Haushaltshygiene. Henkels Waschmittel helfen Konsumenten, ihre Kleidung zu reinigen. Henkels Haushaltshygieneprodukte dienen dazu, Oberflächen wie in der Küche, dem Bad oder den Fußboden sauberzuhalten. Henkel ist in vielen Ländern mit Marken wie Persil, Pril, Somat oder Purex aktiv. In Europa ist Henkel die Nummer 1 im Markt. Der große Konkurrent, der die Nummer 1 auf dem Weltmarkt ist, heißt Procter & Gamble (Ariel, Tide).

 

Pflegeprodukte. In diesem Segment produziert Henkel verschiedene Pflegeprodukte unter den Marken Schwarzkopf, Syoss und Dial. Die Marken sind im mittelpreisigen Segment zu verorten und stellen Produkte für Haar- und Körperpflege her. Henkel hat in verschiedenen Bereichen wie Haarstylingprodukte oder Haarfärbemittel eine marktführende Stellung.

 

Insgesamt muss man Henkel schon fast als eine halbe Chemiefirma betrachten. Alle Produkte basieren auf Chemikalien. Jedoch wird ein Großteil an Konsumenten verkauft. Konsumenten sind nicht sehr kritisch, was die Inhaltsstoffe der Produkte angeht. Sie kaufen nichtzyklisch und gehen eher nach ihren Lieblingsmarken.

Der Klebstoffmarkt ist dagegen etwas komplexer. Die Kunden sind auf die besten oder preiswertesten Klebstoffe angewiesen und haben andere Verbindungsmittel (Schrauben, Verkeilung, Nieten, Schweißen…) zur Auswahl. Dadurch existiert hier ein leichter Wettbewerbsdruck. Außerdem ist der Markt von der Nachfrage der Unternehmenskunden abhängig. Besonders die Industrie ist ein eher zyklischer Sektor. Deshalb verläuft die Nachfrage über den Wirtschaftszyklus in sich wiederholenden Abschwüngen. Sie bringt jedoch zusätzliches Wachstum für Henkel, denn Klebeverbindungen sind leicht, platzsparend und kostengünstig. Langfristig profitiert Henkels Nachfrage von diesen Eigenschaften.

▲ Konsumenten machen einen Großteil der Henkel-Umsätze aus. Allerdings werden fast 40% der Umsätze auch mit Unternehmen erwirtschaftet, die insgesamt zyklischer kaufen.

 

Fazit zum Geschäftsmodell: Henkel profitiert von nichtzyklischem Konsumverhalten und Chancen durch zyklische Industrie

Henkels Kunden ermöglichen Henkel einerseits eine solide Basis zum Wirtschaften. Konsumenten kaufen auch in Schwächephasen Henkels Produkte und liefern so regelmäßige Cash Flows. Andererseits profitiert Henkel von zyklischen Industrien, die Henkels Klebstoffe als Verbindungsmittel nutzen. Hier herrscht mehr Wachstum als im Konsumentenmarkt. Dadurch kann Henkel in wirtschaftlich starken Phasen etwas schneller als der Konsummarkt wachsen.

 

Vergleich mit Konsumgüter- und Klebstoffunternehmen

Im direkten Vergleich mit verschiedenen Unternehmen aus dem Konsumsektor und Klebstoffmarkt platziert sich Henkel vor allem als günstiges Unternehmen. Andere Konsumgüterhersteller wie Procter & Gamble oder Reckitt Benckiser überzeugen mit über 20% EBIT-Margen auf ihre Produkte. Auch der Chemiespezialist Lonza kann höhere Margen aufweisen — u.a. durch Fokus auf andere attraktive Bereiche wie Biotechnologie. Aber diese Unternehmen kommen mit einem stattlichen Preis. Henkel als deutsches Unternehmen ist eher günstiger bewertet.

 

Unternehmen Henkel Procter & Gamble Lonza Reckitt Benckiser
Logo
WKN 604840 852062 928619 A0M1W6
Marktkapitalisierung in EUR 35,7 Mrd. 289,0 Mrd. 37,7 Mrd. 51,6 Mrd.
Umsatz 2019 in EUR 20,1 Mrd. 64,2 Mrd. 5,3 Mrd. 14,6 Mrd.
Umsatzwachstum 3J 2,4% p.a. 2,9% p.a. 11,9% 8,2% p.a.
EBIT 2019 in EUR 2,9 Mrd. 14,8 Mrd. 0,9 Mrd. 3,7 Mrd.
EBIT-Marge 2019 14,2% 23,1% 17,4% 25,3%
KUV (2020) 1,8 4,6 6,6 3,3
KGV (2020) 18,7 25,0 40,9 19,7
Dividendenrendite 2,3% 2,3% 0,5% 2,7%

 

 

2. Was hat sich seit der letzten Analyse geändert?

Henkels Wachstumsziele gehen nicht auf

In unserer Analyse 2017 wurde der ehemalige CEO Hans van Bylen zitiert, der 2016 verkündete:

Bis 2020 wollen wir 2 bis 4% organisches Umsatzwachstum pro Jahr, den Gewinn je Aktie um 7 bis 9% und unsere EBIT-Marge steigen.Hans Van Bylen, ehemaliger Henkel-CEO

Seitdem hat Henkel leider nicht wie erwartet abliefern können. Keines dieser Ziele wurde erreicht. Vor allem das Gewinnziel hat Henkel sehr deutlich verpasst. Die Ära von Hans Van Bylen wurde deshalb Ende 2019 vorzeitig beendet. Sein Nachfolger ist Carsten Knobel, der ehemalige Finanzvorstand. Er ist seit 1995 Teil von Henkel und war in mehreren Positionen in der Pflegeproduktsparte tätig.

 

▲ Henkels Ziele waren hoch angesetzt. Bis zu 9% Wachstum sollten im Jahr erzielt werden. Seitdem hat sich Henkels Wachstum erheblich verlangsamt. Der neue CEO Carsten Knobel möchte Henkels Lage nun stabilisieren.

 

Es gibt zwei hauptsächliche Gründe für das Nichterreichen der Ziele. Diese wurden in der letzten Analyse auch als Risiken aufgeführt:

  1. Der Klebstoffmarkt hat eine zyklische Nachfrage und zum Beispiel im Automobilbereich ist ein Teil der Nachfrage gesunken. Zyklische Tiefs sind im Industriesektor üblich. Langfristig erholt sich die Wirtschaft wieder und das Tief wechselt sich mit einem Hoch ab.
  2. Die Sparte für Pflegeprodukte hat Probleme, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Henkels Marken wie Fa oder Schauma sind im günstigen bis mittelpreisigen Segment, in dem der Wettbewerb intensiver ist. Die günstigeren Eigenmarken der Supermarktketten setzen Henkel zu. Henkel reagiert auf den Trend, indem sie sich mit neuen Marken wie Nature Box nachhaltig und kreativ neu platzieren. So können sie sich dem Preiskampf entziehen und höhere Preise verlangen.

▲ Durch neue, kreative, nachhaltige Produkte und Marken wie Nature Box versucht Henkel, sich neu am Markt zu platzieren. Die Strategie sieht vielversprechend aus, muss sich aber erst noch beweisen.

 

Grundsätzlich sind Henkels Märkte intakt und wachsen langfristig langsam, aber stetig. Henkels Kernmärkte sind demnach nicht in Gefahr. Jedoch gibt es bei vielen Konsumenten einen Wechsel der Bedürfnisse.

 

▲ Henkels Zielmärkte wachsen langsam, aber beständig. Das Wachstum liegt langfristig nur bei 2 bis 3%.

 

Fazit zu den Trends

Auf lange Sicht ist Henkels Lage sehr solide. Das Geschäft wächst immer noch mit rund 2 bis 3% pro Jahr und ist weiterhin profitabel. Das Klebstoffgeschäft erlebt ein zyklisches Tief. Klebstoffe haben allerdings immer noch eine Daseinsberechtigung und werden zunehmend häufiger gebraucht. Hier sehe ich keine langfristigen Probleme.

Die Pflegesparte belastet dagegen Henkel etwas mehr. Die Kunden entscheiden sich häufiger für die günstigen Marken von Lidl, Aldi und Co. statt für die teureren Markenprodukte von Henkel. Glücklicherweise trägt diese Sparte am wenigsten zum Umsatz bei. Langfristig gibt es durch Schwellenländer die Möglichkeit, weiterhin zu wachsen. In den entwickelten Ländern baut Henkel sein Portfolio um. Mehr Nachhaltigkeit, jüngere Marken und kreativere Verpackungen, um wieder an Marktstellung zu gewinnen.

Insgesamt sehe ich das Geschäftsmodell von Henkel als intakt an, jedoch sind die Wachstumsraten der Vergangenheit von 7 bis 9% Gewinnwachstum eher schwierig zu erreichen. Langfristig gehe ich von rund 2 bis 3% organischem Umsatzwachstum aus, das vor allem durch Preiserhöhungen entsteht. Da Henkel einen Großteil der Gewinne reinvestiert, kann dieses Umsatzwachstum durch strategische Übernahmen ergänzt werden, sodass Henkel langfristig 3 bis 4% pro Jahr im Umsatz wachsen sollte.

 

3. Bewertung der Henkel-Aktie: Früher attraktives Wachstum, heute deutlich ausgebremst

AAQS: Henkel erzielt 6 von 10 Punkten im AlleAktien Qualitätsscore

▲ Henkel erreicht im AAQS einen Score von 6 von 10 Punkten. Das große Problem ist das langsame Wachstum von Henkel. Während Henkel in der Vergangenheit den Umsatz über dem Wirtschaftswachstum und die Profitabilität deutlich steigern konnte, gibt es seit längerem eine schwankende Seitwärtsbewegung. Henkel schafft es nicht, seine Produkte wie in der Vergangenheit an die Frau und den Mann zu bringen.

 

Bewertung der Henkel-Aktie: Derzeit unterbewertet?

1. Bewertung im historischen Vergleich: KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis)

je niedriger, desto günstiger

▲ Die Henkel-Aktie war jahrelang ein Liebling an der Börse. Sie kam aus der Finanzkrise mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von gerade mal 0,6 und hat seitdem ein sehr solides Wachstum präsentiert. Das KUV ist bis auf 2,5 gestiegen. Seitdem hat die Henkel-Aktie korrigiert und liegt bei einem fairen Umsatz-Multiple von etwa 1,8.

 

2. Bewertung im historischen Vergleich: Kurs/EBIT

je niedriger, desto günstiger

▲ Auch das Kurs-EBIT-Verhältnis ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. Während die Henkel-Aktie 2009 noch ein echtes Schnäppchen war, hat sie sich in den letzten fünf Jahren bei einem fairen Wert von etwa 13 eingependelt. Damit ist die Aktie historisch fair bewertet.

 

3. Bewertung im historischen Vergleich: KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

je niedriger, desto günstiger

▲ Henkels KGV liegt in etwa im historischen Durchschnitt. Für 2020 gibt es eine kurze Spitze, da der Gewinn je Aktie etwas stärker fallen soll. Für 2021 liegt das KGV bei rund 18 und damit im historischen Durchschnitt.

 

▲ Henkel war in der Vergangenheit ein sehr verlässlicher Dividendenzahler. Seit über 25 Jahren wurde die Dividende kein einziges Mal gekürzt. Durch die Kursverluste der letzten Jahre ist die Dividendenrendite der Stammaktie auf 2,3% gestiegen und liegt damit über dem historischen Durchschnittlich von rund 2%. Mit rund 35% Ausschüttungsquote ist die Dividende darüber hinaus sehr sicher.

 

4. Henkel ist ein Slow Grower nach Peter Lynch

▲ Henkel ist in den letzten Jahren vom Average Grower zum Slow Grower gewechselt bzw. befindet sich noch in der Umwandlung. Das Gewinnwachstum ist auf unter 3% geschrumpft. Die Dividende liegt allerdings noch im mittleren Bereich und Henkel investiert weiterhin viel in das Geschäft. Slow Grower werden dann kaufenswert, wenn die Dividende über dem historischen Schnitt liegt. Dieser Fall liegt bei Henkel vor. Die Aktie ist nach Peter Lynch demnach kaufenswert.

 

5. AlleAktien DCF-Modell (Discounted Cashflow Modell) und FMV (Future Multiple Valuation)

AlleAktien DCF-Modell als Excel-Datei herunterladen »

Im AlleAktien DCF-Modell habe ich angenommen, dass Henkel ab 2022 anfänglich mit 4% wächst. Das Wachstum flacht langfristig auf 3% ab und die operative Marge kann bis 16% gesteigert werden. Mit diesen Annahmen ist die Henkel-Aktie bei einer Renditeerwartung von 9% fair bewertet.

 

Im AlleAktien FMV-Modell habe ich mit den Annahmen aus dem DCF-Modell berechnet, wie der Unternehmenswert von Henkel in 2030 sein wird. Ich habe angenommen, dass die Henkel-Aktie aufgrund ihres nichtzyklischen Geschäfts mit einem historisch durchschnittlichen KGV von 18 bewertet wird und die Ausschüttungsquote bei rund 40% liegt. Somit ergibt sich eine erwartete Rendite von etwa 6% pro Jahr für Henkel. Du findest das FMV-Modell in der DCF-Grafik unten rechts.

 

 

6. Renditeerwartung in Abhängigkeit vom Einstiegskurs

Je niedriger der Einstiegskurs, um so höher die langfristige Renditeerwartung

Einstiegskurs Renditeerwartung pro Jahr
40 EUR 15,8%
50 EUR 13,2%
60 EUR 11,2%
70 EUR 9,5%
80 EUR 8,0%
90 EUR 6,7%
100 EUR 5,6%
110 EUR 4,6%
120 EUR 3,7%
130 EUR 2,9%
140 EUR 2,1%
150 EUR 1,4%
160 EUR 0,8%

 

 

Fazit zur Bewertung

Henkel ist ein gutes Unternehmen aus Deutschland mit einer soliden historischen Entwicklung. Umsatz und Gewinn sind langfristig langsam, aber sehr konstant gestiegen. Der AAQS liegt deshalb bei 6 von 10 Punkten. Henkel ist historisch fair bis leicht unterbewertet. Die Aktie ist ein Slow Grower und kaufenswert, da die aktuelle Dividendenrendite über der historischen Dividendenrendite liegt.

Im AlleAktien DCF- und FMV-Modell gibt es recht unterschiedliche Einschätzungen: Das DCF-Modell sieht Henkel bei 9% Renditeerwartung als fair bewertet an. Das FMV-Modell kommt hingegen auf nur 6% Renditeerwartung. Ich komme unter Berücksichtigung aller Bewertungsmodelle und der Qualität des Unternehmens auf eine Renditeerwartung von 8% pro Jahr.

Die Henkel-Aktie ist vor allem für Investoren geeignet, die sich an der deutschen Wirtschaft beteiligen wollen und ein nichtzyklisches Unternehmen aus der ersten Reihe suchen. Henkel stellt verschiedene Stoffe für Verbraucher und Unternehmen her und ist somit auch eine gute Alternative für Investoren, die eine Alternative zum sehr zyklischen Grundstoffsektor suchen. Außerdem kann Henkel mit einer langfristigen Dividendenpolitik überzeugen. Seit über 25 Jahren profitieren Anleger von einer steigenden Dividende, die in Krisenzeiten nicht gesenkt wird. Mit 2,3% Rendite ist die Dividende aktuell auf einem interessanten Niveau angekommen — besonders, da die Ausschüttungsquote von 30 bis 40% noch Spielraum für die nächsten Jahrzehnte lässt.

 

 

4. Risiken von Henkel

Ewigkeitsfaktor: Wie wahrscheinlich ist es, dass es dem Unternehmen in 10 Jahren besser geht als heute?

Ich schätze die Wahrscheinlichkeit, dass es Henkel in 10 Jahren besser als heute geht, auf 99% ein. Henkels Markt wächst langsam, aber stetig und sorgt dafür, dass Henkel mit ihm wächst. Durch strategische Übernahmen und die Schwellenländer wird Henkel langfristig langsam wachsen. Ich gehe fest davon aus, dass Henkel in 2030 mehr Umsatz und Gewinn als heute erwirtschaften wird. Ich sehe allerdings zwei kleinere Risiken.

 

Substanzielles Risiko 1: Konkurrenz bei Waschmitteln

Substanzielles Risiko 1: Konkurrenzdruck für Waschmittel wird intensiver

Bisher erlebt Henkel nur im Geschäft mit Pflegeprodukten eine intensive Konkurrenzsituation. Es ist vorstellbar, dass Henkel zum Beispiel im Waschmittelsegment mehr Konkurrenzdruck durch Eigenmarken von Discountern und Co. erfährt.

Fundamentale Auswirkung bei Eintritt: gering

Der Druck auf Henkel wäre eher mittelmäßig groß. Henkel hat eine solide operative Marge von 14,6%. Diese würde leicht beeinträchtigt werden und das zukünftige Wachstum leicht sinken. Alles in allem sehe ich nur geringe Auswirkungen auf den Gewinn, da Henkel diversifiziert und somit nicht nur von einer Sparte abhängig ist.

 

Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb von 12 Monaten: gering

Henkel deckt alle Preiskategorien ab. Wenn im Waschmittelmarkt mehr Eigenmarken auftreten, dann betrifft das nur die günstigsten Produkte von Henkel.  Die Marke Persil ist zum Beispiel ein Premium-Waschmittel und auch in Varianten wie den beliebten Waschpads erhältlich. Wer sich den Komfort leisten möchte, mit Waschpads zu waschen, muss zu Henkel oder P&G greifen. Henkel verkauft viele Produkte mit solchen Vorteilen, die sie von der günstigeren Konkurrenz abgrenzen. Ich sehe deshalb eine geringe Gefahr, dass Discounter für Henkels Waschmittel zur Gefahr werden.

 

Fazit: Geringes Risiko. Die Auswirkungen auf Henkels Gewinn wären gering und Henkel hat eine gut diversifizierte Produktpalette, um sich im Waschmittelmarkt durchzusetzen. Ich schätze die Gefahr deshalb als gering ein.

Substanzielles Risiko 2: Wirtschaftlicher Einbruch

Substanzielles Risiko 2: Wirtschaftlicher Einbruch belastet Klebstoffsparte

Henkels Erfolg ist zu einem Großteil von der Klebstoffsparte abhängig, die hauptsächlich an Unternehmen ihre Produkte verkauft. Im Falle einer Wirtschaftskrise müsste Henkel vermutlich mit einer reduzierten Nachfrage der Klebstoffsparte kämpfen.

Fundamentale Auswirkung bei Eintritt: mittel

In einem Konjunktureinbruch wie 2007 bis 2009 würde die Industrienachfrage nach Klebstoffen vermutlich um bis zu 20% einbrechen. Gleichzeitig profitiert Henkel davon, dass sie auch Klebstoffe für Konsumenten produzieren. Das würde bedeuten, dass ein Teil des Nachfrageeinbruchs abgefedert werden kann. In einem wirklich verheerenden Konjunktureinbruch könnten Henkels Gewinne um bis zu 30% fallen.

 

Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb von 12 Monaten: gering

Ich schätze die Wahrscheinlich dieses Szenarios als eher gering ein, da wir uns bereits an einem zyklischen Industrietief befinden. Die Nachfrage nach Autos ist bereits rückläufig gewesen und es ist unwahrscheinlich, dass es weiterhin abwärts geht. Ein weiterer Industrienachfrageeinbruch würde wahrscheinlich deutlich milder aussehen als in der Finanzkrise. Henkel ist darüber hinaus recht gering verschuldet und könnte solch eine Phase sehr gut überstehen.

 

Fazit: Geringes Risiko. Ich schätze das Risiko für Henkel noch als gering ein. Henkel erwirtschaftet 62% der Umsätze im nichtzyklischen Bereich und wird deshalb in Krisenzeiten stabilisiert. Kurzfristig belastet das Industriegeschäft, aber Henkel wäre dennoch deutlich profitabel.

 

5. Fazit zu Henkel

Ich halte die Henkel-Aktie für haltenswert

Henkel ist ein spannendes Unternehmen aus dem nichtzyklischen Konsumsektor. Sie produzieren in drei verschiedenen Sparten Produkte für unser alltägliches Leben: Klebstoffe, Waschmittel, Pflegeprodukte. Besonders im Klebstoffmarkt ist Henkel sehr präsent. Sie sind Weltmarktführer für Klebstoffe und ein wichtiger Industriezulieferer.

Seit der letzten Analyse hat sich bei Henkel vor allem geändert, dass die mittelfristig gesteckten Ziele verfehlt wurden. Die Gründe dafür liegen besonders im zyklischen Klebstoffmarkt, der ein kleines Nachfragetief aus der Industrie erlebt und der Konkurrenz durch günstigere Eigenmarken für Körper- und Haarpflege von Lidl und Co. Henkels Wachstum hat sich dadurch erheblich verlangsamt und die Profitabilität ist leicht zurückgegangen.

Henkel reagiert auf die Änderungen im Markt mit neuen Produkten, die innovativ und nachhaltig sein sollen. Der Strategiewechsel benötigt erstmal etwas Zeit, um zu fruchten. Aber die neue Produktpalette löst viele der alten Probleme: Die Produkte sind kreativ gedacht und ermöglichen es, einen Aufpreis zu verlangen. Der Preisdruck sollte dadurch langfristig wieder abnehmen.

Als größtes Risiko für Henkel sehe ich eine stärkere Konkurrenzsituation im Waschmittelmarkt — ähnlich zu der Situation mit Pflegeprodukten. Das würde den Druck auf Henkels Profite erhöhen. Allerdings sehe ich Henkel im Waschmittelmarkt als sehr gut positioniert. Hier glänzen sie mit vielen Premiumprodukten und entziehen sich damit dem Preiskampf weitestgehend.

Ich sehe die Henkel-Aktie als haltenswert an mit einer Renditeerwartung von 8% beim Kursniveau von 80 Euro (Stammaktie). Das Unternehmen ist besonders interessant für Investoren, die ein sicheres, verlässliches Konsumgüterunternehmen mit Dividende aus Deutschland suchen. Wer verlässliche Umsätze und Gewinne sucht, findet mit Henkel einen tollen Marktführer. Das Wachstum hat etwas nachgelassen, weshalb die Bewertung der Aktie gesunken ist. Mir persönlich ist die Renditeerwartung noch etwas zu gering, aber für Leute, die einen stabilen Baustein für ihr Portfolio suchen, ist das aktuelle Niveau definitiv interessant.

 

Liebe Grüße,
Benjamin Franzil
AlleAktien Partner

 

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit keine Aktien von Henkel.

1 Antwort

  1. Hallo Adrian,

    die Tabelle ist von links nach rechts zu lesen 🙂
    Wir haben als Aktionäre eine Renditeerwartung im Kopf und je nachdem wie viel Rendite wir erzielen wollen, ergibt sich eine andere Unter- oder Überbewertung für ein Unternehmen. Die Tabelle fängt mit der geringsten Renditeerwartung an und steigt bis zur höchsten Renditeerwartung.

    Liebe Grüße
    Benjamin

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