EV/EBIT (Enterprise Value/operativer Gewinn)

EV/EBIT (auch als Unternehmenswert oder Enterprise Value/operativen Gewinn bezeichnet) ist eine Bewertungskennziffer bei der Aktienbewertung und hilft dabei eine Aussage zu treffen, ob ein Unternehmen aktuell günstig oder teuer bewertet ist und wie hoch der Wert einer Aktie ist.

 

Berechnung des EV/EBIT-Verhältnis

Enterprise Value=Marktkapitalisierung (Anzahl der Aktien*Preis je Aktie)+Nettofinanzverschuldung (zinstragende Verbindlichkeiten wie Anleihen oder Bankkredite abzüglich liquider Mittel, da diese ja jederzeit verwendet werden könnten, um Schulden zurückzuführen)

EBIT=Gewinn vor Steuern und Zinsen.

Beim EV/EBIT-Verhältnis wird also der Unternehmenswert ins Verhältnis zum operativen Gewinn gesetzt. Damit gibt das EV/EBIT-Verhältnis an, wie viele Jahre es bei gleichbleibenden Gewinnen dauert, bis der Unternehmenswert durch den operativen Gewinn erwirtschaftet wurde. Je niedriger die EV/EBIT-Bewertung, desto günstiger ist eine Aktie. Je höher die EV/EBIT-Bewertung, desto teurer ist eine Aktie.

Das EV/EBIT-Verhältnis ähnelt dem vielen Aktionären sehr bekannten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Im Gegensatz zum Kurs-Gewinn-Verhältnis berücksichtigt es aber zusätzlich noch die Verschuldung des Unternehmens und ist damit weniger verzerrt und aussagekräftiger als das KGV. Ein Unternehmen kann sein KGV jederzeit senken, indem es Kredite aufnimmt und damit Konkurrenten übernimmt (wodurch dann die Gewinne steigen). Es steigen in diesem Fall aber nicht nur die Gewinne, sondern auch die Verschuldung an. Das EV/EBIT-Verhältnis eliminiert diese verzerrte Darstellung und berücksichtigt zusätzlich alles Finanzschulden, die ein Unternehmen aufgenommen hat. Denn den Eigentümern eines Unternehmens gehört nicht einfach das Unternehmen, sie haften auch für aufgenommenes Fremdkapital.

 

Beispielhafte EV/EBIT-Entwicklung

AlleAktien-Fresenius-Analyse-Bewertung-EV-EBIT

EV/EBIT-Bewertung der Fresenius-Aktie im zeitlichen Verlauf.

Die Abbildung zeigt das EV/EBIT-Verhältnis der letzten 10 Jahre von der im DAX notierten Fresenius SE & Co. KGaA an. Der Mittelwert des EV/EBIT-Verhältnis lag in der letzten 10 Jahren bei etwa 10. Zahlen Aktionäre das 12-fache des EV/EBIT-Verhältnis für diese Aktie, dann zahlen sie im historischen Durchschnitt einen Bewertungsaufschlag von 20% für diese Aktie.

 

Aussagekraft des EV/EBIT-Verhältnis

Bewertungskennziffern sollten nach Möglichkeit immer im Verhältnis zum eigenen, historischen Durchschnitt der letzten Jahre (z.B. der letzten zehn Jahre) betrachtet werden, um die Aussagekraft zu erhöhen. Tankpreise werden ja auch mit denen des Vortages und der Vorwoche verglichen. Ein Apfel-Birnen-Vergleich über Branchen hinweg macht hingegen weniger Sinn. Es macht auch keinen Sinn, einen Audi Q7 mit einem VW Polo zu vergleichen.

Das EV/EBIT-Verhältnis trifft genau wie das KGV nur eine Aussage über das Verhältnis von Unternehmenswert zu den AKTUELLEN Gewinnen. Entscheidend für den langfristigen Wert eines Unternehmens ist aber, wie stark der Gewinn im Laufe der Jahre gesteigert werden kann. Ein aktuell höheres EV/EBIT-Verhälntis als im Durchschnitt der letzten Jahre kann daher durchaus gerechtfertigt sein, wenn in Zukunft ein überdurchschnittlich starker Gewinnschub zu erwarten ist. Dann relativiert sich durch den starken Gewinnanstieg das EV/EBIT-Verhältnis in den kommenden Jahren. Das EV/EBIT-Verhältnis nur als ein Indikator und sollte immer in Kombination mit anderen Indikatoren und Kennziffern betrachtet werden.

Neben Bewertungskennziffern spielen auch Verschuldungskennziffern (geben Aufschluss darüber, wie riskant eine Investition in ein Unternehmen ist) und Rentabilitätskennziffern (geben Aufschluss darüber, wie ertragreich ein Unternehmen für die Aktionäre ist) eine entscheidende Rolle bei der Aktienbewertung.

Mit der Betrachtung von Bewertungskennziffern, Verschuldungskennziffern und Rentabilitätskennziffern kann eine einfache und schnelle Aussage über die Attraktivität einer Aktie getroffen werden. Im Anschluss an diese quantitative Analyse kann dann eine umfangreiche qualitative Analyse erfolgen, um die Erfolgsgründe und Chancen eines Unternehmens zu erforschen.

AlleAktien kontaktieren