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Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, engl. P/E Ratio) ist eine Kennziffer zur Bewertung einer Aktie. Der Aktienkurs wird ins Verhältnis zum Gewinn einer Aktie gesetzt. Die Kennziffer drückt also die Zahl der Jahre aus, die ein Unternehmen benötigt, um mit den aktuellen Gewinnen den Aktienkurs zu erwirtschafteten. 

 

Berechnung

Kurs-Gewinn-Verhältnis=Kurs einer Aktie/Gewinn einer Aktie

Der Gewinn je Aktie ist der Gesamtgewinn der Aktiengesellschaft geteilt durch die Zahl der ausgegebenen Aktien.

Beispiel: Eine Aktiengesellschaft hat 100 Mio. Aktien ausgegeben. Der Gewinn liegt bei 100 Mio. EUR. Folglich liegt der Gewinn je Aktie bei 1 EUR. Der Kurs einer Aktie liegt bei 20 EUR.  Es ergibt sich folgendes Kurs-Gewinn-Verhältnis:

20/1=20

Das Unternehmen wird also mit dem zwanzigfachen des aktuellen Gewinns bewertet. Würde das Unternehmen 20 Jahre lang den aktuellen Gewinn erwirtschaften und vollständig ausschütten, hätte es den aktuellen Börsenwert einmal zurückgezahlt.

 

Details zum Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen unterscheiden sich sehr stark. Generell haben Unternehmen, die ein höheres Gewinnwachstum erzielen, auch ein höheres aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis verdient. Denn durch das starke Gewinnwachstum über die nächsten Jahre wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis aufgrund der steigenden Gewinne schnell absinken.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist aufgrund der einfachen Berechnung sehr weit verbreitet. Investoren sollten aber nicht vergessen, dass mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis lediglich eine Aussage über das Verhältnis zwischen dem Kurs und den AKTUELL erwirtschafteten Gewinnen getroffen wird.

Den Aktionären bzw. Eigentümern eines Unternehmens stehen aber ALLE ZUKÜNFTIGEN GEWINNE zu. Der Wert einer Aktie besteht aus allen zukünftig an die Aktionäre zufließenden Cashflows, abgezinst auf den heutigen Tag.

Wenn ein Unternehmen seine Gewinne mit einer Rate von 20% pro Jahr steigern kann, dann wird in 10 Jahren bereits der sechsfache Gewinn erwirtschaftet. Ein aktuell „hohes“ Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 reduziert sich durch den enormen Gewinnanstieg dann auf ein extrem günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal 5. Und wenn in 10 Jahren die Wachstumsaussichten immer noch gleich gut sind, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieses Unternehmen dann mit einem KGV von 5 bewertet wird. Folglich müsste in diesem Beispiel der Kurs um das sechsfache ansteigen, damit wieder ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 anliegt.

Im langfristigen Durchschnitt über alle Zeiten und Unternehmen hinweg wird ein durchschnittlich wachsendes Unternehmen mit einem KGV von etwa 15 bewertet.

Neben den unterschiedlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen der verschiedenen Unternehmen ist es typischerweise auch so, dass ein und dasselbe Unternehmen im Verlauf der Zeit mit unterschiedlichen Kurs-Gewinn-Verhältnissen bewertet wird. Generell ist es so, dass ein Vergleich mit dem unternehmenseigenen historischen Kurs-Gewinn-Verhältnis viel sinnvoller ist, als das KGV eines Unternehmens mit dem eines anderen Unternehmens zu vergleichen.

Denn obwohl zwei verschiedene Unternehmen aus der gleichen Branche kommen, unterscheiden sie sich meist gewaltig. So kann es sein, dass ein Unternehmen mehr Geld in die Vermarktung seiner Produkte steckt, was die aktuellen Gewinne nach unten drückt. Dadurch kann das Kurs-Gewinn-Verhältnis höher sein als das der Konkurrenz. Doch wenn diese Marketingmaßnahmen wirken, kann dieses Unternehmen in den nächsten Jahren dafür seinen Umsatz und seine Gewinn deutlich stärker steigern.

Weitere Einflussfaktoren auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis sind die Inflationsrate und die wirtschaftliche Lage.

 

Die Gewinnrendite

Das KGV des Aktienmarkts wird auch vom herrschenden Zinssatz beeinflusst. Der Kehrwert des KGV, also der Gewinn je Aktie geteilt durch den Aktienkurs, stellt eine Art Verzinsung der Aktie – eine Art Gewinnrendite – dar. Diese liegt im oberen Beispiel bei einem Kurs von 20 EUR und einem Gewinn je Aktie von 1 EUR bei:

1/20 = 0,05 = 5%

Da Kapitalanleger Anlagemöglichkeiten mit der höchsten Renditeerwartung suchen, ist ein Unternehmen mit einer Gewinnrendite von 5% nicht mehr besonders attraktiv, wenn kalkulierbare Staatsanleihen 10% Rendite abwerfen.

 

Kritik am Kurs-Gewinn-Verhältnis

Wie bereits beschrieben, trifft das KKurs-Gewinn-Verhältnis lediglich eine Aussage über das Verhältnis zwischen dem Kurs und den aktuell erwirtschafteten Gewinnen. Aktionäre erhalten aber alle in der Zukunft erwirtschafteten Gewinne eines Unternehmens, und daher spielt das langfristige Gewinnwachstum eine sehr wichtige Rolle.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis berücksichtigt nicht die Verschuldung des Unternehmens und kann damit verzerrt verzerrt sein. Ein Unternehmen kann sein KGV jederzeit senken, indem es Kredite aufnimmt und damit Konkurrenten übernimmt (wodurch dann die Gewinne steigen). Es steigen in diesem Fall aber nicht nur die Gewinne, sondern auch die Verschuldung an. Den Eigentümern eines Unternehmens gehört nicht einfach das Unternehmen, sie haften auch für aufgenommenes Fremdkapital.

Oftmals verzerren einmalig auftretende Effekte den Gewinn. Durch den Verkauf von Unternehmensteilen oder steuerliche Effekte kann ein Sondereffekt (sowohl positiv, als auch negativ) entstehen. Dieser wiederholt sich aber nicht. Daher sollte bei Betrachtung des KGVs immer auf etwaige Sondereffekte geachtet werden.

Gewinne sind in gewissen Grenzen durch Bildung und Auflösung stiller Reserven sowie durch Veränderung von Zahlungsbedingungen manipulierbar. Eine zusätzliche Analyse des Cashflow kann hierüber Aufschluss geben.

 

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