Kurstreiber

Ein Kurstreiber sorgt dafür, dass der Kurs eines Unternehmens ansteigt. Kurstreiber ist also die Bezeichnung für alle Faktoren und Umstände, die zu steigenden Aktienkursen führen.

Der Aktienkurs kommt immer durch ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage zustande. Soll ein Kurs steigen, so muss sich entweder das Angebot reduzieren und/oder die Nachfrage nach den Anteilsscheinen des jeweiligen Unternehmens ansteigen.

 

Warum steigen Aktienkurse?

Ganz langfristig betrachtet ist der wesentliche und größte Kurstreiber überhaupt natürlich ein möglichst hoher Gewinnanstieg. Je stärker und je länger die Gewinne eines Unternehmens steigen, desto stärker und länger „muss“ auch der Aktienkurs des Unternehmens steigen. Würde der Aktienkurs trotz anhaltenden Gewinnanstiegen nicht ansteigen, so würde die Bewertung des Unternehmens anhand von Bewertungskennziffern wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, der Dividendenrendite oder anderen Kennziffern immer günstiger und attraktiver werden.

Mal angenommen, ein Unternehmen steigert seine Gewinne und Dividenden von Jahr zu Jahr. Der Kurs aber reagiert überhaupt nicht. Spätestens bei einer anliegenden Dividendenrendite von 100% müsste der Kurs in die Gänge kommen, da Investoren nun mehr Dividenden pro Jahr bekommen würden, als sie für eine Aktie zahlen.

Typischerweise fällt den Marktteilnehmern aber schon viel viel früher auf, dass die Aktie aufgrund steigender Gewinne und Dividenden im Vergleich zu anderen Aktien nun viel günstiger zu haben ist. Daher werden die Investoren verstärkt diese Aktie nachfragen, was dann zu einem steigenden Aktienkurs führt und eine normale Bewertung wiederherstellt.

 

Kurstreiber Gewinnwachstum nach Kostolany

Kostolany hat den Effekt zwischen Aktienkursen und der Unternehmensentwicklung einmal wie folgt beschrieben:AlleAktien-Lexikon-Kurstreiber-Kostolany-Hunde

„Das Verhältnis von Wirtschaft zur Börse ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund“.

Wenn die Umsätze und Gewinne eines Unternehmens im zeitlichen Verlauf immer weiter ansteigen, dann kann man sich das wie ein stetig nach vorne laufendes Herrchen vorstellen, welches mit seinem Hund spazieren geht. Das Herrchen bzw. die Gewinnentwicklung einer Aktie gibt die Richtung vor.

Der Hund bzw. der Aktienkurs aber hat kurzfristig nicht immer Lust, dem Herrchen zu folgen. Es gibt viele Reize, die auf den Hund bzw. den Aktienkurs einwirken. Mal muss das Revier markiert werden und der Hund bleibt stehen, obwohl das Herrchen stetig voran marschiert.

Irgendwann spannt die Hundeleine derart stark, dass der Hund einen gewaltigen Satz nach vorne macht und wieder zum Herrchen aufschließt. Ein anderes Mal rennt vor dem Herrchen eine Katze vorbei, folglich wird der Hund bzw. der Aktienkurs Fahrt aufnehmen und auch vorne schießen. Spätestens bei Vollspannung der Hundeleine merkt der Hund aber, dass er hier nicht weiter kommt. Er wird stehen bleiben und sich ausruhen, bis das Herrchen wieder zu ihm aufgeschlossen hat.

Am Aktienmarkt sind die Reize natürlich keine Pinkelpausen und keine Katzen, dafür aber die Psychologie der Marktteilnehmer, das Zinsniveau, Quartalszahlen oder einfach die pure Willkür.

 

Kurstreiber Gewinnwachstum am Beispiel Henkel

Diesen theoretisch erklärten Faktor Gewinnwachstum möchte ich nun anhand der im DAX notierten Henkel-Aktie beispielhaft aufzeigen.

AlleAktien-Lexikon-Aktienfinder-Henkel-Gewinne

Quelle: Aktienfinder.net

Diese vom Aktienfinder.net stammende Grafik zeigt die Gewinnentwicklung einer Henkel-Aktie (grüne Linie) seit 2003 auf. Seit 2003 konnte der Gewinn je Aktie von unter 2 EUR auf deutlich über 5 EUR um mehr als 150 % gesteigert werden.

 AlleAktien-Lexikon-Kurstreiber-Henkel-Chart-seit-2003

Quelle: boerse.ard.de

Der Aktienkurs von Henkel hat sich in dieser langfristigen Betrachtung, also im Zeitraum von 2003 bis 2018 relativ konstant zu den Gewinnen je Aktie nach oben entwickelt. Der Hund ist dem Herrchen also gefolgt.

AlleAktien-Lexikon-Kurstreiber-Henkel-Chart-seit-2015

Quelle: boerse.ard.de

Betrachten wir hingegen ausschließlich den Zeitraum ab 2015, so erkennen wir, dass der „Henkel Hund“ stehen geblieben ist, obwohl das Herrchen Gewinnwachstum weiter voranschreitet. Die Leine dürfte sich also gerade zu spannen beginnen. Obwohl die Gewinne von Henkel stetig ansteigen, kommt der Aktienkurs kurzfristig betrachtet nicht in die Gänge.

Diese Tatsache habe ich zum Anlass genommen, um Henkel in einer ausführlichen Aktienanalyse zu untersuchen. Dabei ist mir tatsächlich eine Unterbewertung von Henkel aufgefallen. Wie viel Euro die Henkel-Aktie meiner Meinung nach derzeit wert ist, erfährst du in der Analyse.

 

Kurzfristige Kurstreiber

Wie wir nun gelernt haben, scheinen kurz- und mittelfristig weitere Faktoren bei der Aktienkursentwicklung eine Rolle zu spielen. Denn nur so können wir uns die viel stärkeren Aktienkursschwankungen als die Gewinnschwankungen erklären. Würde der Aktienkurs stets zu 100 % der Gewinnentwicklung folgen, so würde sich der Aktienkurs im Falle von Henkel ja auf einer Schiene von links unten nach rechts oben bewegen. Folglich muss es weitere Kurstreiber geben.

Investoren haben Erwartungen an die künftige Entwicklung eines jeden Unternehmen. Bei der Bekanntgabe von Zahlen (und seien es nur Quartalszahlen, die Aufschluss über den Geschäftsverlauf von drei Monaten geben) gleichen Investoren die Ergebnisse mit ihren Erwartungen ab. Werden die Erwartungen eines durchschnittlichen Investoren (der Konsensmeinung) übertroffen, so wird die Nachfrage nach der Aktie und damit auch der Kurs ansteigen.

Entscheidend ist aber nicht nur, wie die letzte Periode verlaufen ist, sondern auch und gerade welche Prognose das Management über die künftige Entwicklung abgibt. Denn die Beteiligung an einem Unternehmen ist nicht nur die Beteiligung am aktuellen Gewinn, sondern an allen zukünftigen Gewinnen bis in die Unendlichkeit hinein.

Natürlich hängt die Entwicklung eines Aktienkurses kurz- und mittelfristig auch an der Entwicklung der Aktienmärkte allgemein. Fällt der Leitindex DAX, in dem die Henkel-Aktie ja enthalten ist, dann kann das z.B. auf einen Gerölle geringeren Risikoappetit von Investoren zurückzuführen sein. Steigen die Renditen auf Anleihen an, so stellen Anleihen für einige Investoren wieder eine passable Alternative dar, folglich werden Aktien verkauft und das lässt wiederum die Kurse absinken.

Kauft sich ein Aktionär immer mehr Aktien eines Unternehmens, dann ist er in Deutschland ab einem Anteil von 30 % der ausstehenden Aktien verpflichtet, den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot ihrer Aktien zu machen. Bereits eine aufkommende bzw. steigende Wahrscheinlichkeit eines Übernahme-Szenarios führt üblicherweise zu einem Anstieg des Aktienkurses.

Und dann gibt es noch „In-Aktien“. Das sind die Aktien von Unternehmen, deren Produkte einfach „cool“ sind, die einen wohlklingenden Namen haben, die in einer Nische arbeiten, von der sich der Markt viel Potential verspricht oder die einfach nur „aggressiv kommunizieren“. Solche und weitere Faktoren können sich ebenfalls als Kurstreiber entpuppen.

 

Fazit

  • Für langfristig agierende Investoren ist das nachhaltig zu erreichende Gewinnwachstum von entscheidender Bedeutung. Neben dem Gewinnwachstum dürfen die Dividendenrenditen nicht vergessen werden. In diesem Artikel bin ich zwecks leichterer Erklärung nicht gesondert darauf eingegangen, aber die Gesamtrendite einer Aktieninvestition setzt sich immer aus Kursgewinnen UND Dividenden zusammen.
  • Kurzfristige Kurstreiber können nicht seriös erfasst werden und es ist pure Zeitverschwendung, sich allzu sehe darauf zu konzentrieren.
  • Wenn eine Aktie fällt, weil der gesamte Aktienmarkt fällt, sich an der fundamentalen Gewinnsituation und den Perspektiven aber nichts getan hat, stellt dies eine hervorragende Kaufchance mit Rabatt dar.
  • Wir von AlleAktien haben uns zum Ziel gesetzt, dich zum erfolgreichen Aktionär zu machen. In unserem Newsletter informieren wir dich über solche Kaufchancen mit Rabatt und stellen dir regelmäßig hochwertige Unternehmensanalysen und langfristige Investment-Ideen vor.