Nettofinanzverschuldung

Die Nettofinanzverschuldung (auch Nettofinanzverbindlichkeiten genannt) ist eine Kennziffer, die den Netto-Schuldenstand eines Unternehmens ausdrückt.

AlleAktien-Lexikon-Nettofinanzverschuldung-Geld-Vermögen

Übertragen auf eine Privatperson ist das Vorgehen wie folgt: Man schaut, wie viele Euro Schulden die Privatperson angehäuft hat (Kreditkartenschulden, Dispo, Autokredit…) und addiert diese Schulden auf. Dann zieht man davon liquide Mittel wie Bargeldvermögen, Vermögen auf dem Girokonto usw. wieder ab. Denn mit diesem Vermögen könnte ja jederzeit zumindest ein Teil der Schulden zurückgeführt werden.

 

Berechnung der Nettofinanzverschuldung

zinstragende Verbindlichkeiten (kurzfristige Finanzverbindlichkeiten und langfristige Finanzverbindlichkeiten wie Anleihen, Bankkredite, Schuldscheindarlehen)

+ ggf. Pensionsrückstellungen (wenn diese außergewöhnlich hoch sind, sonst meist zu vernachlässigen)

+ ggf. Rückstellungen (wenn diese außergewöhnlich hoch sind, sonst meist zu vernachlässigen)

-liquide Mittel (Flüssige Mittel bzw. Kassenbestand, flüssige Mittel als Finanzanlagen)

=Nettofinanzverschuldung

 

Anwendung in der Praxis

Die Nettofinanzverschuldung ist eine Verschuldungskennziffer und gibt Aufschluss über die finanzielle Stabilität eines Unternehmens. Ein solides Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es seine Verschulung jederzeit in einem angemessenen Zeitraum zurückführen könnte (wenn es denn wollen würde). Daher ist die Kennziffer Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum operativen Gewinn von besonderer Bedeutung.

Entscheidend ist aber nicht nur die aktuelle Ertragskraft des Unternehmens, sondern auch mit welcher Verlässlichkeit die Gewinne erzielt werden. Daher ist es wichtig, zusätzlich zum aktuellen Verschuldungsverhältnis einen Blick auf die Gewinnstabilität der letzten Jahre zu werfen.

Als Daumenregel gilt: Sofern die Nettofinanzverschuldung kleiner als der vierfache operative Gewinn (EBIT) ist, gilt ein Unternehmen als solide finanziert und erhält in der Regel das begehrte Investment-Grade-Rating. Unternehmen, die im Investment-Grade-Bereich gerated sind, haben typischerweise eine jährliche Ausfallwahrscheinlichkeit von unter einem Prozent.

Außerdem wird die Nettofinanzverschuldung benötigt, um im Rahmen einer Aktienbewertung oder Unternehmensbewertung zu ermitteln, ob eine Aktie bzw. ein Unternehmen unterbewertet oder überbewertet ist. Der Unternehmenswert bzw. Enterprise Value ist der Gesamtwert eines Unternehmens oder einer Aktiengesellschaft. Auf die Marktkapitalisierung wird die Nettofinanzverschuldung des Unternehmens hinzugerechnet.

Der Enterprise Value eliminiert verzerrende Effekte bei der Unternehmensbewertung, indem die Kapitalstruktur eines Unternehmens neutralisiert wird. Egal ob ein Unternehmen stärker mit Eigenkapital oder mit Fremdkapital arbeitet, in den Enterprise Value wird jede Art von eingesetztem Kapital eingerechnet. Dadurch wird eine bessere Vergleichbarkeit von Unternehmen bei der Aktienbewertung erreicht.

 

AlleAktien kontaktieren