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Window Dressing

Unter Window Dressing (Fenster dekorieren) werden alle Maßnahmen verstanden, die im Rahmen einer kurzfristigen optischen Optimierung erfolgen, um Unternehmensbilanzen besser wirken zu lassen (Bilanzpolitik). Durch die gezielte Optimierung der Bilanz vor dem Bilanzstichtag sollen Bilanzleser einen möglichst guten Eindruck von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens erhalten.

Das Bilanzrecht lässt den Unternehmen Spielräume bei der Bilanzierung. Diese Spielräume bestehen einerseits aus Wahlrechten und andererseits aus Ermessensspielräumen. Sie können zwecks Gestaltung der Jahresabschlüsse durch die Unternehmen legal ausgenutzt werden.

Ziel der Bilanzpolitik allgemein und des Window Dressing speziell ist die Präsentation eines Jahresabschlusses, den die interessierte Öffentlichkeit positiv bewertet. Dabei zielt das Window Dressing auf die äußere Aufmachung, also das optische Erscheinungsbild eines Abschlusses ab. Im angelsächsischen Raum kursieren auch Begriffe wie „creative accounting“ (kreative Bilanzierung) oder „earnings management“ (Ertragsgestaltung).

AlleAktien-Lexikon-Begriff-Window-Dressing-Bilanzoptimierung

Ein schön dekoriertes Fenster. Unternehmen und Fondsmanager versuchen im Rahmen der legalen Möglichkeiten ebenfalls, ihre Bilanzen und Fondsprospekte so schön wie möglich ausschauen zu lassen.

 

Gestaltungsmöglichkeiten des Window Dressings

Zum Window Dressing gehören insbesondere:

  • Verkauf von Sachanlagenechter Verkauf oder Sale-Lease-Back von mobilen oder immobilen Vermögensgegenständen.
  • Verkauf von Umlaufvermögen: echter Verkauf von Forderungen oder Factoring
  • Die Auflösung stiller Reserven verbessert durch steigende Gewinne das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote und verringert damit die Fremdkapitalquote.
  • Zeitliche Verlagerung von Geschäftsvorfällen: Diese werden entweder zeitlich vor den Bilanzstichtag vorgezogen (obwohl sie eigentlich danach stattfinden sollten) oder erst nach dem Stichtag bilanzwirksam ausgeführt (obwohl sie eigentlich vorher stattfinden sollten). Das zeitliche Vorziehen zielt auf Transaktionen, die im Jahresabschluss positiv wirken, während die Verzögerung nachteilig wirkende Vorgänge betrifft.

Dazu ein Beispiel: Ein Automobilzulieferer wie die im DAX notierte Continental AG produziert und verkauft Produkte an einen Autohersteller. Dieser zahlt erst 90 Tage nach Lieferung. Folglich sitzt die Continental AG nun auf großen Forderungen aus Lieferung und Leistung und muss das dafür benötigte Kapital vorhalten. Um die Bilanz zu verkürzen, und die Verschuldung zu senken, kann die Continental AG ihre Forderungen im Rahmen eines Factoring-Vorgangs an eine Bank weiterverkaufen und bekommt dafür sofort Geld. Da die Bank das Forderungsausfallrisiko trägt, kann die Continental AG ihre Bilanz um die Forderung auf der Aktivseite und die Verschuldung auf der Passivseite kürzen. Eigenkapitalquote und Return on Capital Employed steigen, die Verschuldung sinkt. Die Bilanz wurde optimiert.

Maßnahmen innerhalb des Window Dressings sind für Bilanzanalysten kaum oder gar nicht erkennbar.

Auch Fondsmanager betreiben gerne Window Dressing: Kurz vor dem Stichtag für den Fondsbericht werden die Aktien in den Fonds gekauft, die in der abgelaufenen Periode den höchsten Wertzuwachs erzielten. Folglich kann der Fondsmanager dann behaupten, in den besten Aktien überhaupt investiert zu sein. Was der Fondsmanager den Anlegern an dieser Stelle gerne verschweigt: Vom großen Wertzuwachs der Aktien haben die Fondsbesitzer nichts mitgenommen, da die Aktien erst vor dem Stichtag gekauft wurden und somit nicht an der Wertsteigerung teilgenommen wurde.

Dieser Effekt führt dazu, dass bereits gut gelaufene Aktien in einem Kalenderjahr zum Jahresende hin typischerweise weiterhin gut laufen, weil einige Fondsmanager die Aktien noch in ihren Fonds kaufen wollen, keinesfalls aber irgendein Manager die besonders gut gelaufenen Aktien vor dem Stichtag verkaufen will. Schwach gelaufene Aktien tendieren zu weiterer Schwäche am Jahresende, da diese von den Fondsmanager vor dem Stichtag des Fondsberichts  verkauft werden. Erst im neuen Jahr kehren sich die Bewegungen dann um.

Daher kann es für Value-Investoren eine sinnvolle Strategie sein, schlecht laufende Aktien erst zum Jahresanfang eines neuen Jahres zu kaufen, um von tendenziell noch günstigeren Kursen zu profitieren.

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