Jonathan Neuscheler | AlleAktien-Gründer, Value-Investor, Aktienanalyst, Betriebswirt

Mein Ziel ist es, jährlich steigende Dividendeneinnahmen zu erreichen. Dabei denke und agiere ich langfristig. Suche mir in Aktienanalysen systematisch unterbewertete Aktien mit einer hohen Renditeerwartung und gleichzeitig geringen Risiken aus. Dann bleibe ich meist viele Jahre investiert. Profitiere von der Wertsteigerung der Unternehmen. Ich schwimme gerne gegen den Strom. Schlage zu, wenn Aktien besonders preiswert sind.

LIVE: Das sind Buffetts Erfolgsgeheimnisse – Berkshire Hathaway Hauptversammlung 2019

Zusammenfassung Berkshire Hathaway Hauptversammlung 2019 Interview

  • Berkshire Hathaway Hauptversammlung 2019: Am Samstag, den 4. Mai 2019 ist es endlich wieder soweit: Die legendäre Berkshire Hathaway-Hauptversammlung wird abgehalten
  • Wir sind dabei: Michael C. Jakob und Jonathan Neuscheler sind für dich vor Ort – und berichten dir regelmäßig – so erhältst auch du  tiefe Einblicke
  • Eine ausgewiesene Expertin: Wir haben Gisela Baur getroffen. Frau Baur kennt Warren Buffett so gut wie kein anderer Europäer
  • Die Top 5 Erfolgsgeheimnisse: Herausgekommen ist ein einzigartiges Interview mit tiefen Einblicken in die Erfolgsgeheimnisse des erfolgreichsten Investors der Welt – von denen auch du profitieren kannst

 

Über Gisela Baur — Warren Buffett-Kennerin

Gisela Baur ist Journalistin. Sie kennt Warren Buffett seit 1997 persönlich, ist die einzige europäische Journalistin, die in regelmäßigem Kontakt zu ihm steht. 2008 begleitete Frau Baur Warren Buffett auf seiner Europareise.

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Gisela Baur (mitte) wird von Michael C. Jakob (links) und Jonathan Neuscheler (rechts) interviewt. Anschließend gab es köstliche amerikanische Pizza.

Jonathan Neuscheler: Liebe Gisela, vielen Dank für die Gelegenheit dieses einzigartigen Interviews. Wir scharren schon mit den Hufen, denn morgen ist es endlich soweit: Das größte Investorenevent des Jahres findet wieder statt. Bis zur Hauptversammlung sind es noch ein paar Stunden, die möchten wir gerne nutzen, um unseren Lesern ein paar tiefe Einblicke in Warren Buffetts Leben zu gewähren.

Buffett gilt unumstritten als erfolgreichster Investor der Welt. Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Erfolgsgeheimnisse für diesen Erfolg?

 

Gisela Baur: Buffett ist einfach eine beeindruckende Persönlichkeit. Er unterscheidet sich sehr stark von anderen Investoren.

  1. Mathematische Begabung und fotografisches Gedächtnis: Er war ein Computer in einer Welt, in der es keine Computer gab. Er kann sich alles merken. Denkt analytisch.
  2. Unabhängiges Denken: Buffett denkt gerne gegen den Trend. Dabei hilft ihm auch sein räumlicher Abstand. In Omaha, inmitten der USA, lebt er fernab der Finanzmetropolen der USA. Er verfolgt nicht allzu sehr das kurzfristige Geschehen. Fokussiert sich auf die langfristigen Perspektiven.
  3. Enormer Optimismus: Die Ursache für sein antizyklisches Einsteigen. Vor allem in Krisen, wie bei der Finanzkrise 2008, kauft er kräftig zu. Er glaubt zutiefst an den langfristigen Erfolg der USA. Immer dann, wenn sich alle anderen auf kurzfristig enttäuschende Wirtschaftsdaten fokussieren, schlägt er zu Schnäppchenpreisen zu. Im Jahr 2008 kaufte er bei Goldman Sachs, Bank of America, GE, Münchener Rück nach.
  4. Unglaubliche Menschenkenntnis: Buffett schätzt Leute innerhalb von Sekunden ein. Wenn er einer Person vertraut, macht er sofort einen Deal. Auf eine übliche „Due-Diligence-Prüfung“ verzichtet er bei seinen Akquisitionen. Damit spart er bei jeder Transaktion viele Mio. USD.

 

Michael C. Jakob: Der Erfolg ist wirklich beeindruckend. Mittlerweile ist Berkshire an der Börse bereits rund 500 Mrd. USD wert, damit eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Ca. 400.000 Mitarbeiter werden von Berkshire beschäftigt. Wie kann es einem einzigen Mann im Alter von 88 Jahren gelingen, die Kontrolle über dieses enorme Unternehmen/Vermögen zu behalten?

Gisela Baur: Darauf gibt es eine einfache Antwort: Vertrauen. Das operative Geschäft der mehr als 80 vollständig zu Berkshire gehörenden Unternehmen wird von Managern geleitet, die liebend gerne gute Zahlen abliefern wollen. Sie sind Buffett für sein enormes Vertrauen dankbar. Sie sind froh, Teil der „Familie“ zu sein.

Natürlich kommt es auch bei Berkshire immer wieder zu Fehlschlägen und Skandalen. Doch Warren Buffett will den Wald, nicht die Bäume sehen. Auch in einem wunderschönen und ertragreichen Wald gibt es einzelne kranke Bäume.

Übrigens mussten vor einigen Jahren alle Berkshire-Manager einen verschlossenen Umschlag an Buffett schicken. Darin: Der Name des Nachfolgers, wenn der Manager unerwartet ausfällt. Lustigerweise startete der Brief an die Manager wie folgt: „Es geht um die Nachfolge. Eure, nicht meine…“

 

Jonathan Neuscheler: Stichwort Nachfolge: Wie lange wird Buffett deiner Einschätzung nach noch weitermachen?

Gisela Baur: Er denkt nicht mal ans Aufhören. Er ist und bleibt die Autorität bei Berkshire, arbeitet wohl bis in seinen Tod hinein.

Die Nachfolge dürfte er mittlerweile aber bereits geregelt haben. Aus den operativen Tätigkeiten zieht er sich mehr und mehr zurück. Er hat ein Team von exzellenten Managern aufgebaut. Todd Combs und Ted Weschler werden künftig wohl das Kapital verwalten. Ajit Jain die Versicherungsgeschäfte. Greg Abel wird die zu Berkshire gehörenden Unternehmen leiten.

Der Aufsichtsrat bzw. das Board ist mit besonders kompetenten Menschen besetzt, u.a. mit Bill Gates und Buffetts Sohn, Howard Buffett.

Das Unternehmen wird also auch im Falle des Todes weiter existieren und stabil dastehen.

 

Michael C. Jakob: Das heißt, das Erfolgsmodell Berkshire wird endlos funktionieren?

Gisela Baur: Das glaube ich jetzt auch nicht. Nichts ist für die Ewigkeit. Das Unternehmen wird immer größer. Daher wird es immer schwieriger, den gewaltigen Cashflow in neue und rentable Projekte zu investieren. Mittlerweile haben sich schon 120 Mrd. USD „aufgestaut“. Die wird Buffett schon noch unterbringen können. Noch ein paar Mal wird das funktionieren. Aber eben nicht endlos.

Eine Aufspaltung würde zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn ergeben, damit ist absolut nicht zu rechnen. Buffett will sie nicht. Denn das Erfolgsmodell Berkshire beruht ja auch auf dem Hebeleffekt, der durch das Versicherungsgeschäft zustande kommt. Durch das Versicherungsgeschäft verfügt Berkshire über Gratis-Liquidität. Diese kann für weitere Übernahmen und Investitionen verwendet werden. So wirkt der Zinseszinseffekt noch schneller, da neben dem Kapital der Aktionäre weiteres Kapital investiert werden kann.

Der Aufsichtsrat bzw. das Board wird auch nach dem Tode Buffetts noch über Jahre hinweg hinter dieser Strategie stehen, sie ist einer der Hauptgründe für die beeindruckende Überrendite der letzten 50 Jahre (ca. 20% pro Jahr statt 10% pro Jahr im S&P 500).

 

Jonathan Neuscheler: Wenn es so kommt, dann würde das Erfolgsmodell ja noch viele Jahre weiter funktionieren. Und mit ihm würde sich die Möglichkeit auf eine erneute Überrendite ergeben. Ist die Aktie für dich persönlich aktuell kaufenswert?

Gisela Baur: Ja. Die Gesellschaft wird weiterhin massiv Werte für die Aktionäre schaffen. Eine aus meiner Sicht (keine Empfehlung, meine persönliche Meinung) deutlich bessere Alternative zum S&P 500 ETF. Es gibt keine laufenden Kosten. Kein Ausgabeaufschlag. Top diversifiziert. Sehr breit gestreut. Sehr guter Track-Record von 20% Rendite pro Jahr, und das über 50 Jahre hinweg.

Übrigens hält Warren Buffett selbst das Unternehmen derzeit für kaufenswert: Seine Ankündigung, bis zu 100 Mrd. (!) USD in den Aktienrückkauf von eigenen Aktien stecken zu wollen, kann als klares Zeichen für eine Unterbewertung gedeutet werden.

 

Michael C. Jakob: Auch im Falle eines Ausscheidens von Buffett?

Gisela Baur: Dann wird es wohl einen (kurzen) Dip geben. Der Kurs dürfte vorübergehend abtauchen. Viele Investoren halten die Berkshire-Aktien, weil sie Buffett regelrecht vergöttern. Sie dürften auf den Verkaufs-Knopf drücken. Das dürfte den Kurs kurzfristig belasten.

 

Jonathan Neuscheler: Eine zugespitzte Frage: Was ist Berkshire Hathaway – in aller Kürze?

Gisela Baur: Eine Sammlung von Cash-Maschinen. Egal, über welches Geschäftsmodell. Es geht darum, dass die Unternehmen dauerhaft Geld verdienen. Es gibt keinen Master-Plan. Alles kommt infrage, solange es stetig Cash abwirft. So wird eine Cash-Maschine nach der anderen hinzugekauft.

 

AlleAktien-Cigar-But-Investing-Berkshire-Hathaway-Warren-Buffett

Jonathan Neuscheler vor einem „Cigar But“ in Omaha. Kostenfrei, aber nur ein Zug. Komisch, dass Buffett ihn nicht aufgehoben hat.

Michael C. Jakob: Buffett startete ja mit den sogenannten Cigar But-Investments. Er kaufte Anteile von Unternehmen, die günstiger waren als das fungible Vermögen, also all das, was schnell zu Cash gemacht werden kann. Nach dem Einstieg wurde das Vermögen schnell aufgelöst und ausgeschüttet, es kam zu einer hohen, aber nur einmaligen, Rendite.

Vergleichbar mit einem letzten Zug an einem gefundenen Zigarrenstummel. Der kostet auch nichts, ist aber schnell voll aufgeraucht. Daher war das Geschäftsmodell nicht skalierbar.

Buffett hat den Investment-Stil im Laufe der Zeit angepasst. Er kaufte mehr und mehr Wachstumsunternehmen. Neu ist aber der Einstieg in Tech-Unternehmen. Wie erklärst du dir das?

Gisela Baur: In der Tat. Noch vor wenigen Jahren erzählte Buffett regelmäßig, er würde die neue „Tech-Welt“ einfach nicht verstehen. Dann folgte der große Einstieg in Apple, mit über 50 Mrd. (!) USD mittlerweile die größte Aktienposition von Berkshire.

Buffett hat wohl wieder einmal dazugelernt. Seinen Investment-Stil angepasst. Dazu dürften auch Ted und Todd beigetragen haben, seine beiden Investment-Manager. Sie dürften Buffett erklärt haben, warum Apple eben kein Hardware-Business ist, sondern ein „Quasi-Abo“, mit sehr treuen Kunden und wiederkehrenden Umsätzen.

Dazu passt auch die jüngste Meldung: Berkshire ist nun wohl auch noch in Amazon eingestiegen.

 

 

AlleAktien-Gisela-Baur-Warren-Buffett-BuchJonathan Neuscheler & Michael C. Jakob: Liebe Gisela, herzlichen Dank für das Interview. Deine Erfahrungen und Einschätzungen sind ein wahrer Schatz. Mehr davon gibt es auch in deinem neuen Buch:

Gisela Baur hat ein Buch über Buffetts Weg zum Erfolg geschrieben. Es ist kürzlich erschienen. Wir konnten einen Blick in das Buch werfen. Es wirkt sehr spannend. Wir werden es bald selbst durchlesen. Buffett selbst hat es bereits gelesen.

Sein Fazit: „Eine fundierte, umfassende und wirklich gut geschriebene Geschichte meines Lebens“. Wer mehr über Buffett und seine Erfolgsgeheimnisse lernen möchte, kann sich das Buch hier direkt bestellen.

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4 Antworten

  1. Andreas Herbst sagt:

    Hi Jonathan, welche Aktien kaufst du neben Berkshire monatlich im Sparplan zu? Ich freue mich über dein Feedback!

  2. Markus Schattschneider sagt:

    Sehr schönes Interview. Allerdings glaube ich, dass es der Nachfolger von Buffet bei Berkshire Hathaway sehr schwer haben wird. Er kämpft quasi von seinem ersten Arbeitstag an gegen fallende Kurse. Dieses Genie und diese Aura von Warren Buffet sind nicht zu ersetzen. Ich wünschte mir ich wäre vor 20 Jahren in diese Aktie eingestiegen, neue Aktien würde ich nicht mehr kaufen.

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