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AUTO1 nimmt Kurs auf Profitabilität: Operatives Tagesgeschäft soll Gewinnschwelle erreichen

Trotz trüber Aussichten: AUTO1 nimmt Kurs auf Profitabilität – Gewinnschwelle im Visier für das neue Jahr.


Der Online-Gebrauchtwagenhändler AUTO1 hat angekündigt, trotz der insgesamt schlechten Marktlage im kommenden Jahr endlich profitabel zu sein. Dabei sollen vor allem die Geschäfte im Privatkundensegment und ein gesteigerter Absatz dazu beitragen. CEO Christian Bertermann betonte, dass das Unternehmen nun nach einer langfristigen Wachstumsstrategie endlich schneller aus dem Stand gehen möchte. Die Aktie, die seit Monaten unter Druck steht, stieg zunächst deutlich an, fiel aber im Laufe des Vormittags wieder ins Minus. Die langfristigen Investoren haben bereits im vergangenen Jahr Rückschläge einstecken müssen, da der Aktienkurs zunehmend gefallen ist. Im Juli letzten Jahres lag er noch bei 10 Euro und zu Beginn des Börsengangs vor drei Jahren war er teils sogar bei über 50 Euro.


Obwohl die Zahlen für das vierte Quartal etwas schwächer ausfielen als erwartet, lobte die Analystin Wassachon Udomsilpa von der kanadischen Investmentbank RBC das Unternehmen für sein gutes Abschneiden in einem schwierigen Marktumfeld. Sie glaubt, dass die Aktien aufgrund der starken Marktposition von AUTO1 und den vielversprechenden Wachstumschancen günstig bewertet sind. Allerdings könnten die schwierigen Aussichten für Verbraucher auch Auswirkungen auf den Aktienkurs haben.


Bertermann, Mitgründer von AUTO1, beabsichtigt, im neuen Geschäftsjahr keine Verluste mehr zu verbuchen. Das Unternehmen strebt an, vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie vor Sonderposten ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. Analysten prognostizieren derzeit einen leicht positiven Wert von 21 Millionen Euro für 2024. AUTO1 schreibt seit langem Verluste, nur im dritten Quartal des vergangenen Jahres wurde ein kleiner operativer Gewinn erzielt.


Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen einen Rückschlag aufgrund des schwachen Gebrauchtwagenmarktes hinnehmen. Die Anzahl der verkauften Fahrzeuge sank von knapp 650.000 auf gut 586.000. Im neuen Jahr erwartet AUTO1 jedoch wieder ein Wachstum im Absatz auf 610.000 bis 665.000 Fahrzeuge. AUTO1 hat hauptsächlich im Großhandel mit professionellen Händlern Geschäfte gemacht, sich aber auch mit Investitionen ein Standbein im Privatkundenbereich aufgebaut.


AUTO1 plant, seinen Bruttogewinn weiter zu verbessern, insbesondere im Privatkundengeschäft. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres lag der Bruttogewinn pro verkauftem Auto bei 1.970 Euro, was weit über den knapp 800 Euro lag, die im Geschäft mit professionellen Händlern erzielt wurden. Das Unternehmen bereitet Autos in eigenen Werkstätten auf und erschließt sich auf diese Weise einen größeren Teil der Wertschöpfungskette. Das Ziel ist es, auch im Jahr 2024 auf dem Niveau des Jahresendes 2023 von rund 1.900 Euro Bruttogewinn pro Auto im Privatkundengeschäft zu bleiben.


Insgesamt plant AUTO1 den Verkauf von 70.000 Fahrzeugen unter der Marke Autohero, was einem Anstieg von 10% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Allerdings gibt es derzeit Gegenwind bei den Verkaufspreisen aufgrund der Normalisierung der Gebrauchtwagenpreise nach den Rekordständen während oder nach der Pandemie. Im gesamten Geschäftsjahr 2020 erzielte das Unternehmen pro Auto einen Umsatz von 9.321 Euro, was einem Rückgang von 7% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.


AUTO1 ergreift Maßnahmen zur Kostensenkung, unter anderem durch eine Reduzierung der Betriebskosten und geringere Ausgaben für Marketing und Gehälter. Laut vorläufigen Zahlen reduzierte sich der bereinigte operative Verlust von 165,6 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 43,9 Millionen Euro im vergangenen Jahr.


Trotz der positiven Zahlen und Aussichten konnte AUTO1 den Anlegern nur vorübergehend gefallen. Zunächst stieg der volatil gehandelte Aktienkurs beim XETRA-Auftakt um bis zu 10% auf den höchsten Stand seit Mitte Januar, nachdem er sich bereits am Vortag deutlich erholt hatte. Dann fiel er jedoch schnell ins Minus. Die Aktie schloss schließlich bei einem Kurs von 3,76 Euro. Die Aktie befindet sich weiterhin in der Nähe des Rekordtiefs von 3,56 Euro, das am Montag erreicht wurde. Im Vergleich dazu war AUTO1 vor drei Jahren mit einem Ausgabepreis von 38 Euro pro Aktie an die Börse gegangen. Nach einem anfänglichen Anstieg auf fast 57 Euro setzte die Talfahrt ein.