Skip to content

Boeing 737 Max-Lieferprobleme treffen Ryanair hart: Sommerflugplan in Gefahr

  • Boeings 737 Max-Lieferprobleme treffen auch "geschätzten Kunden Ryanair" hart.
  • Airlinechef O'Leary droht mit Sommerflugplan-Kürzungen und schießt scharf zurück.

Ryanair warnt als erste europäische Fluggesellschaft vor den Auswirkungen von Boeings Lieferproblemen mit der 737 Max auf ihr Tagesgeschäft. Luftfahrtchef Michael O’Leary geht davon aus, dass die Billigfluggesellschaft bis Ende Juni weniger Boeing-Flugzeuge erhalten wird als erwartet. Dies könnte dazu führen, dass Ryanair gezwungen ist, in der verkehrsreichsten Zeit des Jahres ihren Sommerflugplan zu kürzen. Vielleicht stehen dann auch höhere Ticketpreise für die Passagiere an.

Die Probleme bei Boeing begannen, als am 5. Januar eine Alaska Airlines Boeing 737 Max 9 während des Flugs ein Rumpfteil über dem Bundesstaat Oregon verlor. Als Konsequenz hat die US-Luftfahrtbehörde FAA die Inspektion aller Flugzeuge dieses Typs angeordnet und ein Flugverbot verhängt. Ursprünglich sollte Ryanair bis Ende April 57 Flugzeuge dieses Typs erhalten, doch vergangene Woche teilte Boeing mit, dass dies erst bis Ende Juni geschehen wird. Und sogar diese Aussage scheint nicht sicher zu sein, wie O'Leary vor Journalisten erklärte: "Wir sind ziemlich sicher, dass wir 30 bis 40 bekommen werden. Wir sind einigermaßen zuversichtlich, dass wir zwischen 40 und 45 bekommen. Und jetzt sind wir weit weniger zuversichtlich, dass wir zwischen 45 und 50 bekommen werden".

Für Ryanair bedeutet diese Verzögerung der Auslieferungen möglicherweise Einschränkungen im Sommerflugplan und damit auch Beeinträchtigungen für die Passagiere. "Wenn wir nur 40 Flugzeuge bekommen, werden wir bis Ende März einige kleinere Kürzungen im Flugplan ankündigen müssen", so O'Leary. Dies würde bedeuten, dass Ryanair in diesem Geschäftsjahr, das im April beginnt, wahrscheinlich nur 200 Millionen Passagiere befördern wird, anstatt der zuvor prognostizierten 205 Millionen. Diese Kapazitätsbeschränkungen könnten die Fluggesellschaft im Vergleich zu anderen Billigfluglinien wie Easyjet weniger wettbewerbsfähig machen, besonders auf beliebten Sommerstrecken wie Málaga oder Sizilien.

Boeing bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass es Probleme bei der Auslieferung der 737 Max-Flugzeuge gibt und die Behördenstandards gewissenhaft erfüllt werden müssen. Bedauerlicherweise, so Boeing, haben diese Verzögerungen Auswirkungen auf Ryanair als geschätzten Kunden. Das Unternehmen arbeite an einem umfassenden Plan zur Verbesserung der Qualität und Lieferleistung der 737.

O'Leary war jedoch weit weniger diplomatisch in seinen Äußerungen. Er bezeichnete das Geschehen bei dem Unternehmen in Seattle als "Shitshow" und wiederholte seine Forderung nach einem Managementwechsel. Bei Boeing gebe es immer wieder optimistische Versprechen, die kurz darauf gekippt würden. Als Konsequenz wurde Ed Clark, der Leiter des Boeing-737-Max-Programms, zu dem auch die Max 9 gehört, gekündigt. Seine Position wurde von Katie Ringgold übernommen, die zuvor für die Auslieferungen zuständig war.

Um Verluste auszugleichen, diskutiert Ryanair mit Boeing über mögliche Entschädigungen. Die Verzögerungen seien unentschuldbar, betonte O'Leary. Allerdings habe die Fluggesellschaft keine Zeit zu verlieren und müsse sich auf das Ziel konzentrieren, die "verdammten Flugzeuge" endlich zu erhalten. Sollten United Airlines oder andere Fluggesellschaften ihre Bestellungen für die 737 Max 10 stornieren, wäre Ryanair bereit, diese zu übernehmen, sofern der Preis stimmt. Dies würde dem Unternehmen in den Jahren 2027 oder 2028 ein Wachstum ermöglichen.

In der Zwischenzeit will O'Leary jedoch einen Teil der Kosten für die Auslieferungsverzögerungen an die Kunden weitergeben. Die Ticketpreise werden daher in diesem Sommer voraussichtlich um fünf bis zehn Prozent steigen und im Durchschnitt innerhalb der nächsten fünf Jahre um 10 bis 15 Euro ansteigen. Trotz allem bleibt O'Leary zuversichtlich und sieht keinen Grund zur Panik, obwohl die Situation bei Boeing alles andere als optimal ist. "Im Moment liegt unser Fokus darauf, die verdammten Flugzeuge zu bekommen", resümiert der Airlinechef.