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Deutschland droht die größte Wirtschaftskrise seit über 20 Jahren

Bundesregierung vs. DIHK: Miniwachstum erwartet, doch Industrie sieht erneuten Rückgang – beunruhigender Trend bei Unternehmen.


Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat in ihrer jährlichen Befragung von mehr als 27.000 Unternehmen ein alarmierendes Ergebnis erzielt: Sie rechnet für dieses Jahr mit einem erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent. Bereits im Jahr 2023 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent geschrumpft. Die schlechte Stimmung der Unternehmen verfeste sich und die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate sind besorgniserregend. 35 Prozent der befragten Betriebe rechnen mit einer Verschlechterung, während nur 14 Prozent eine Verbesserung erwarten.


Besonders beunruhigend ist ein Trend in den Befragungsdaten: 33 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen in Deutschland zu verringern, während nur 24 Prozent eine Ausweitung planen. Laut DIHK setzt sich damit der Negativtrend vom Sommer 2023 fort und könnte langfristige Auswirkungen haben. Der Verband warnt vor einer erneuten Schrumpfung der Wirtschaft in ähnlichem Ausmaß wie in der langanhaltenden Krise von 2002 und 2003.


Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert die DIHK ein entschiedenes Handeln der Bundesregierung. Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer der DIHK, betont, dass es keine bessere Alternative für die amtierenden Parteien SPD, Grüne und FDP gebe, als jetzt voll loszulegen. Die starken Zinserhöhungen zur Bekämpfung der hohen Inflation wirken sich negativ auf die Konjunktur aus. Die internationalen Geschäfte der deutschen Unternehmen laufen dabei weniger schlecht als befürchtet, jedoch liegt das Problem in Deutschland selbst.


Fast drei von fünf Unternehmen sehen mittlerweile in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko. Dies ist ein besorgniserregender Höchstwert in den Befragungen der DIHK. Besonders die allgegenwärtige Bürokratie wird von den Unternehmen als problematisch empfunden. Laut Wansleben ist der von der Regierung angekündigte Bürokratieabbau noch nicht in den Unternehmen spürbar.


Weitere Geschäftsrisiken sind die hohen Energiepreise, der Fachkräftemangel, die schwache Inlandsnachfrage und die hohen Arbeitskosten. Dies führt immer öfter dazu, dass Unternehmen ihre Investitionen verringern. Laut Wansleben müsse alles getan werden, was zu einem größeren Angebot von Unternehmen führe, ohne gleichzeitig die Inflation anzuheizen. Als Beispiel nennt er den dringend notwendigen Bürokratieabbau. Die DIHK fordert sogar die Aussetzung des deutschen Lieferkettengesetzes, das größere Betriebe für Missstände in ihren Lieferketten in die Pflicht nimmt.


Die Bundesregierung plant laut Finanzminister Christian Lindner (FDP) bis zum Frühjahr ein Konzept zur Stärkung des heimischen Wirtschaftsstandorts vorzulegen. Die Vorstellungen der einzelnen Parteien gehen jedoch noch weit auseinander. Während die Grünen für ein über Schulden finanziertes Sondervermögen für Investitionen plädieren, setzt die FDP auf Steuererleichterungen und Bürokratieabbau. Sowohl Lindner als auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) haben Deutschland zuletzt als nicht mehr wettbewerbsfähig bezeichnet, während Kanzler Olaf Scholz (SPD) optimistischer ist.


Die Bundesregierung wird kommende Woche offiziell ihre Wachstumsprognose für 2024 von 1,3 auf nur noch 0,2 Prozent senken. Diese Entwicklung bezeichnet Lindner als "peinlich" und "in sozialer Hinsicht gefährlich". Deutschland werde damit wieder in der Schlussgruppe der Industriestaaten landen. Im Jahr 2023 gab es keine westliche Demokratie, die schlechter abgeschnitten hat. Laut Lindner wird Deutschland ärmer werden, wenn nicht gehandelt wird.