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Mercedes-Benz nimmt Elektroziele zurück: Kurskorrektur bei E-Mobilität

Autobauer übertrifft Erwartungen, doch Elektroquote hinkt hinterher: Källenius setzt über 2030 hinaus auf Verbrenner.


Der Autobauer hat strenge Pläne zur Etablierung von vollelektrischen Autos in seinem Absatz verfehlt. Laut internen Plänen sollten im Jahr 2023 über 20 Prozent des Absatzes von Mercedes-Benz mit Stromern erzielt werden. Tatsächlich lag der Elektroanteil im vergangenen Jahr bei nur zwölf Prozent der zwei Millionen ausgelieferten Pkw. Dies bedeutet einen Rückstand von mindestens 168.000 Autos unter Plan. Im Aufsichtsrat wurde CEO Ola Källenius deswegen scharf kritisiert.


Um den Fokus wieder auf verbrennungsmotorische Fahrzeuge zu lenken, hat Källenius nun beschlossen, seine "Electric-only"-Strategie zu beenden. Anstelle des bisherigen Ziels, ab 2030 ausschließlich vollelektrische Neuwagen zu verkaufen, geht der Manager nun davon aus, dass die Absätze von Stromern und Plug-in-Hybriden zum Ende des Jahrzehnts maximal die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen werden.


Dieser Schritt geht Hand in Hand mit einer Verlängerung der Laufzeiten wichtiger Verbrenner-Modelle wie der S-Klasse, E-Klasse, GLC oder GLE um zwei bis drei Jahre, sodass sie bis zu zehn statt der üblichen sieben Jahre auf dem Markt bleiben werden.


In seiner Stellungnahme am Donnerstag betonte Källenius weiterhin das Ziel einer vollständigen CO2-Neutralität von Mercedes-Benz in Zukunft. Allerdings zeigt er Verständnis für einen nicht linearen Verlauf dieser Umstellung, wie bei einer Achterbahnfahrt, und die Notwendigkeit von taktischer Flexibilität. Diese Formulierung wird momentan häufig von Källenius benutzt, der zugibt, vor sechs Jahren zu optimistisch bezüglich der Entwicklung der Elektromobilität gewesen zu sein.


Zusätzlich zu den Herausforderungen im Bereich der Elektromobilität, hatte Mercedes-Benz auch im vergangenen Geschäftsjahr Schwierigkeiten zu bewältigen. Lieferprobleme bei wichtigen Modellen und ein schwieriges Marktumfeld haben dazu geführt, dass der Gewinn des Autobauers zurückging. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank um 4 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro, während der Umsatz leicht auf 153,2 Milliarden Euro stieg.


Die Rendite in der Hauptsparte Pkw ging um 2 Prozentpunkte auf 12,6 Prozent zurück, während die Van-Sparte einen Anstieg des Gewinns um knapp zwei Drittel verzeichnete, was zu einer Marge von 15,5 Prozent führte. Trotz dieser Herausforderungen betonte Källenius, dass die Transformation des Unternehmens weiterhin erfolgreich voranschreite.


Ein Grund für den Rückgang des Gewinns war das Lieferproblem des Zulieferers Bosch, der Probleme mit 48-Volt-Systemen für Verbrennungsmotoren hatte. Dies führte dazu, dass wichtige Modelle wie der GLC und die E-Klasse nicht wie geplant ausgeliefert werden konnten, und die Auslieferung von rund 100.000 Autos auf das Jahr 2024 verschoben werden musste.


Es bleibt abzuwarten, wie viele Kunden diese Verschiebung akzeptieren und wie sich dies auf die Verkaufszahlen auswirken wird. Der CEO von Bosch, Volkmar Denner, verspricht Fortschritte bei der Lösung dieses Lieferproblems, doch der Finanzchef von Mercedes, Harald Wilhelm, bestätigte, dass es auch im ersten Halbjahr 2024 noch Auswirkungen haben wird. Die beiden Unternehmen führen Gespräche auf Vorstandsebene über die Problematik und es ist noch unklar, ob Bosch für den entstandenen Schaden zur Verantwortung gezogen werden wird.


Trotz dieser Herausforderungen übertraf Mercedes-Benz insgesamt die Erwartungen der Analysten. Laut Daten von LSEG hatten sie im Durchschnitt ein Ebit von 18,8 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von 13,7 Milliarden Euro erwartet. Der Nettogewinn des Konzerns lag bei 14,5 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 2 Prozent im Vergleich zu 2022 entspricht.


Die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr wird voraussichtlich 5,30 Euro je Aktie betragen, verglichen mit 5,20 Euro im Vorjahr. Auch die Beschäftigten werden eine Ergebnisbeteiligung von bis zu 7300 Euro erhalten. Für das laufende Geschäftsjahr gibt Källenius eine vorsichtige Prognose ab, mit einem erwarteten Fahrzeugabsatz auf Vorjahresniveau und einer Ebit-Rendite, die leicht unter der von 2023 liegen wird. Eine Umsatzprognose wurde noch nicht abgegeben.


Nach einem Kurseinbruch im Oktober des vergangenen Jahres hat sich der Aktienkurs von Mercedes-Benz zwar etwas erholt, liegt aber immer noch deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 76,10 Euro im Juni 2023. Die Märkte sind angesichts des schwierigen Marktumfelds verunsichert. Um den Aktienkurs zu stärken, setzt Mercedes-Benz sein Aktienrückkaufprogramm fort und plant, für drei Milliarden Euro eigene Aktien zurückzukaufen.


Dies schließt sich an ein vor einem Jahr gestartetes Rückkaufprogramm über vier Milliarden Euro an und soll bis spätestens im Juli 2025 abgeschlossen sein. Damit würde das gesetzlich auf zehn Prozent beschränkte Volumen ausgeschöpft sein. Eventuelle weitere Aktienrückkäufe müssten von der Hauptversammlung im Jahr 2025 genehmigt werden. Insgesamt will Mercedes-Benz für sieben Milliarden Euro Aktien zurückerwerben. Am Donnerstag reagierte der Aktienkurs positiv auf diese Ankündigung mit einem Anstieg von mehr als 5 Prozent auf knapp 72 Euro.


Ein zentraler Bestandteil der Strategie von CEO Källenius ist die Verbesserung der Marge des Unternehmens. Als er Mitte 2019 vom Entwicklungsvorstand zum Konzernchef aufstieg, wurde er vom Aufsichtsrat beauftragt, den stagnierenden Börsenwert zu erhöhen. Gemeinsam mit Finanzvorstand Harald Wilhelm hat er den Konzern daher radikal umgebaut, mit der Abspaltung der Lkw-Sparte unter dem Namen Daimler Truck, dem Verkauf des verlustreichen Geschäfts mit Mobilitätsdiensten und dem Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen.


Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf eine Strategie der Marge statt der Menge und strebt an, ein Luxusautokonzern zu werden, indem es seine hochmotorisierten Fahrzeuge auf "electric-only" umstellt. Dies ist jedoch im Zeitalter der Elektromobilität eine Herausforderung: Fast neun von zehn Mercedes-Neuwagen haben immer noch einen Benziner oder Diesel unter der Haube. Das erste elektrische SUV, der EQC, wurde aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt. Die folgenden batterieelektrischen Modelle EQA und EQB unterscheiden sich technisch nicht ausreichend von der Konkurrenz.


Und bei Spitzenlimousinen wie dem EQE und EQS stößt das glatt geschliffene Design und ein engerer Platz auf der Rücksitzbank potenzielle Käufer ab. Insbesondere in China, wo viele Fahrzeugbesitzer einen Fahrer haben und auf der Rücksitzbank sitzen.