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Nvidia setzt neue Maßstäbe: Weltweite Börsenrekorde dank Chip-Riese

Rekordjagd bei Nikkei, Dax und S&P 500: US-Chipkonzerns Quartalszahlen treiben Märkte, Risiken ausgeblendet.


Es ist ein Tag der Superlative an den Börsen weltweit: In Japan knackt der Leitindex Nikkei seinen seit 1989 bestehenden Höchststand, in Deutschland steigt der Dax zum ersten Mal über die Marke von 17.400 Punkten und in den USA erreicht der S&P 500 erstmals Stände von über 5050 Punkten. Gleichzeitig stieg der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 auf ein 23-Jahres-Hoch. Der Auslöser für diese Rekordjagd? Die Quartalszahlen von Nvidia, die der US-Chipkonzern am Mittwochabend nachbörslich veröffentlichte.


Künstliche Intelligenz (KI) ist aktuell das beherrschende Thema an den Börsen. Nvidia gilt als einer der größten Profiteure dieser rasanten technologischen Entwicklung und steht damit symbolisch für den KI-Boom. Auch die aktuellen Quartalszahlen des Unternehmens übertrafen die bereits hohen Erwartungen von Analysten um zehn Prozent beim Nettogewinn und um sieben Prozent beim Umsatz.


Die Zahlen von Nvidia werden als wichtiger Gradmesser für die Stimmung an der Börse gesehen und die Veröffentlichung wurde von Anlegern auf der ganzen Welt mit Spannung erwartet. Laut Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden Deutschland bei der Deutschen Bank, war die Veröffentlichung ein wichtiger Faktor für die positive Stimmung an den Börsen. Auch Joachim Schallmayer, Leiter Strategie und Kapitalmärkte bei der Dekabank, bestätigt, dass die Rekordzahlen von Nvidia nicht nur auf den US-Aktienmarkt begrenzt sind, sondern auf internationaler Ebene zu einer generellen Stimmungsverbesserung an den Märkten geführt haben.


Die positive Entwicklung von Nvidia hat auch Auswirkungen auf andere Unternehmen aus der Chip- und KI-Branche. So stiegen beispielsweise die Aktien des Zulieferers Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) in New York um rund vier Prozent und die Titel des niederländischen Konzerns ASML, der unter anderem für TSMC Maschinen herstellt, in Amsterdam um mehr als fünf Prozent. Auch in Deutschland legten die Aktien des Chipherstellers Infineon knapp drei Prozent zu.


Die Aktie von Nvidia selbst stieg am Donnerstag in den USA zu Handelsbeginn sogar um fast 16 Prozent. Auf 52-Wochen-Sicht konnte das Unternehmen seinen Wert um über 270 Prozent steigern und gehört damit zu den fünf größten börsennotierten US-Konzernen. Aufgrund seiner Bedeutung für die KI-Rally an den Börsen wurde Nvidia kürzlich von den Analysten der Goldman Sachs sogar als "wichtigste Aktie auf dem Planeten Erde" bezeichnet.


Die KI-Entwicklung wird nicht nur von der Börse, sondern auch von vielen Unternehmen vorangetrieben. So will beispielsweise der deutsche Softwarekonzern SAP seine Produkte mithilfe von KI verbessern, was sich auch positiv auf den Aktienkurs des Unternehmens auswirkt. Die Aktie von SAP konnte seit Jahresbeginn um knapp 20 Prozent zulegen und sogar seit 52 Wochen um mehr als 50 Prozent steigen. Damit zieht der größte Dax-Unternehmen den gesamten Index nach oben, der im selben Zeitraum um knapp drei beziehungsweise zwölf Prozent gestiegen ist.


Die Stimmung an den Börsen ist entsprechend optimistisch, wie der Angst-und-Gier-Index des Nachrichtensenders CNN zeigt. Mit 74 Punkten bei den US-Anlegern herrscht eine nahezu euphorische Stimmung vor. Selten zuvor hat eine einzelne Aktie den weltweiten Markt derart bewegt. In der Vergangenheit gab es lediglich zwei Ansatzpunkte, die mit der aktuellen Situation vergleichbar sind: Der US-Netzwerkausrüster Cisco zur Jahrtausendwende, als sich das Internet etablierte, und der iPhone-Konzern Apple im Jahr 2007, als er sein erstes Smartphone vorstellte.


Allerdings gibt es auch warnende Stimmen, die Parallelen zu vergangenen Boomphasen und möglichen Crashs sehen. So hat die Bundesregierung am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für Deutschland von 1,3 auf 0,2 Prozent gesenkt. Für das Jahr 2025 wird ebenfalls nur ein Plus von einem Prozent erwartet. Bisher hat dies jedoch keine Auswirkungen auf den Dax, da die hier notierten Unternehmen ihren Umsatz zu knapp 80 Prozent im Ausland erwirtschaften.


Die internationale Ausrichtung der Dax-Unternehmen spiegelt jedoch auch die gute Wirtschaftsverfassung der USA wider, die sich positiv auf die weltweite Wirtschaft auswirkt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat daher kürzlich seine Wachstumsprognose für 2024 von 2,9 auf 3,1 Prozent angehoben. Grund dafür ist vor allem die starke Wirtschaftslage in den USA. Laut Joachim Schallmayer von der Dekabank zeichnet sich diese Internationalität auch in der guten Gewinnentwicklung der Dax-Unternehmen ab und legt die Basis für weitere positive Ergebnisse in diesem Jahr.