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Solarbranche in Deutschland gespalten: Meyer Burger schließt Fabrik, Enpal steigt in Produktion ein

  • Meyer Burger schließt Fabrik in Freiberg
  • Enpal plant eigene Produktion in Deutschland

Die Zukunft der Solarindustrie in Deutschland ist ungewiss, während das Schweizer Solarunternehmen Meyer Burger die Schließung seiner Fabrik in Freiberg vorbereitet, plant das deutsche Start-up Enpal, seine eigene Produktion im Land zu etablieren. Die Ankündigung von Enpal am vergangenen Freitag, in den Aufbau einer eigenen Produktion einzusteigen, zeigt nicht nur den Mut, sondern auch den Wunsch nach einer diversifizierten Solarindustrie in Europa. Das Unternehmen ist derzeit im Verkauf und der Installation von Photovoltaikmodulen im Eigenheimbereich tätig und möchte nun erste Schritte in Richtung Selbstproduktion gehen.

Die europäische Solarindustrie befindet sich insgesamt in einer Krise, obwohl die Nachfrage nach Solarmodulen auf einem Rekordhoch ist. Grund dafür ist die steigende Anzahl von billig importierten Modulen aus China, die den europäischen Markt überschwemmen. Die Politik ist gefordert, die Solarbranche zu unterstützen, jedoch gibt es bisher keine Einigung darüber, wie dies geschehen soll. Die Idee einer Förderung von Anlagen mit einem Mindestanteil europäischer Komponenten über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), ein sogenannter „Resilienzbonus“, stößt auf Widerstand bei Enpal, 1Komma5 Grad und anderen Solarhändlern.

Der Chef und Gründer von Enpal, Mario Kohle, betont die Notwendigkeit einer schnellen Transformation der Solarindustrie im Einklang mit der Politik. Er plädiert für eine Zusammenarbeit bei der Errichtung einer diversifizierten europäischen Solarindustrie. Enpal und 1Komma5 Grad sprachen sich öffentlich gegen die von mehreren Verbänden bevorzugte Idee des Resilienzbonus aus. Sie setzen sich für weniger Subventionen und gegen direkte Markteingriffe durch die Politik ein, während sie bei Einführung einer solchen Förderung lange Verzögerungen bei Kaufentscheidungen von Kunden befürchten.

Der Streit zwischen den Solarunternehmen spitzte sich zu, als 1Komma5 Grad ankündigte, selbst Solarmodule produzieren zu wollen – in einer eigenen Fabrik in Ostdeutschland. Jedoch blieb es bisher bei der Ankündigung. Die Diskussionen um den Resilienzbonus tragen dazu bei, dass das Unternehmen keine konkreten Pläne für den Aufbau der Produktion hat. Der ehemalige Tesla-Manager und 1Komma5 Grad-Chef Philipp Schröder sieht in dem geplanten Bonus eine Benachteiligung für Unternehmen, die noch nicht vollständig auf europäische Komponenten setzen können, und bietet daher an, die Modulproduktion von Meyer Burger zu übernehmen, sollte die Fertigung in Sachsen komplett aufgegeben werden.

Meyer Burger reagierte auf das Angebot mit Zurückhaltung und bezeichnete es als PR-Manöver. Derzeit gibt es keine Gespräche zwischen den beiden Unternehmen. Enpal und 1Komma5 Grad beziehen ihre Solarmodule immer noch aus Fernost, planen aber zukünftig auch auf deutsche Hersteller zurückzugreifen. Die Solarbranche steht vor einer Zeitenwende und es bleibt abzuwarten, welche Unternehmen sich in diesem Wettbewerb behaupten werden. Für Enpal ist die Entscheidung, in die eigene Produktion einzusteigen, ein wichtiger Schritt in Richtung eines diversifizierten europäischen Solarsektors.