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Start-up 1komma5° greift nach Meyer Burger: Modulproduktion soll übernommen werden

Meyer Burger gegen China: Deutscher Rivale überrascht mit Angebot, als Europas Solarbranche um Wettbewerbsfähigkeit ringt.


Europas Solarindustrie befindet sich im Kampf gegen die günstige Konkurrenz aus China. Dies hat auch Hersteller Meyer Burger dazu bewegt, eine Verlagerung ihrer Produktion in Erwägung zu ziehen. Jedoch gibt es nun nach Informationen des SPIEGEL ein unerwartetes Angebot von einem deutschen Konkurrenten.


Nach der Bekanntgabe von Meyer Burger, die Produktion von Solarmodulen in Deutschland im März einzustellen, gibt es nun eine überraschende Lösung in Aussicht. Das Hamburger Energie-Start-up 1Komma5° zeigt Interesse an der Übernahme der Modulproduktion des Schweizer Herstellers.


"Falls Meyer Burger die Produktion in Sachsen vollständig aufgeben sollte, sind wir bereit, zumindest die Modulproduktion zu retten und so viele Arbeitsplätze am Standort zu sichern wie möglich", so der CEO von 1Komma5°, Phillip Schröder, gegenüber dem SPIEGEL. Sein Unternehmen ist weiterhin daran interessiert, die Wertschöpfung in Europa zu stärken und die Modulproduktion in Deutschland zu fokussieren, neben der bereits vorhandenen Produktion von Polysilizium für die eigene Nutzung.


Das Schweizer Unternehmen hatte zuvor angekündigt, die Schließung seines Werks in Freiberg, Sachsen, vorzubereiten. Die Produktion soll zunächst in der ersten Märzhälfte gestoppt werden, um ab April Kosten einzusparen. Die endgültige Schließung ist für Ende April geplant.


Dieser Schritt wurde damit begründet, dass es "noch keine Entscheidung über politische Unterstützungsmaßnahmen zur Behebung der aktuellen Marktverzerrungen durch Überangebot und Dumpingpreise bei Solarmodulen gibt". Meyer Burger betreibt mit seiner Fabrik in Freiberg die größte Solarmodulproduktion in Europa und beschäftigt 500 Mitarbeiter vor Ort.


Auch andere Hersteller in der Solarindustrie haben in letzter Zeit mit der Schließung von Produktionsstätten in Deutschland gedroht. Das Problem liegt hierbei in der Überflutung des Marktes durch chinesisches Preisdumping. Es wird dringend finanzielle Unterstützung seitens des Staates benötigt, um die Branche in Deutschland aufrechtzuerhalten.


Ursprünglich hatte die Bundesregierung eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Doch das Bundesverfassungsgericht erklärte den Haushalt für verfassungswidrig, und das Geld war nicht mehr verfügbar. Nun sieht der Plan vor, sogenannte "Resilienzboni" einzuführen. Solarkomponenten aus deutscher Produktion sollen vom Staat subventioniert werden, um wettbewerbsfähiger gegenüber der chinesischen Ware zu sein.


Der Branchenverband BSW-Solar schätzt die jährlichen Förderkosten bis zum Jahr 2029 auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Diese Kosten würden bis Mitte des Jahrhunderts anfallen, da die Förderung auf eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt ist. Die Regierungskoalition aus Grünen, FDP und SPD diskutiert seit Monaten über ein Resilienzkonzept, bisher jedoch ohne Erfolg.