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Tesla-Aktionäre rebellieren: Widerstand gegen Gerichtsurteil

Urteil gegen Musk's Vergütungspaket: Tesla-CEO und Aktionäre kämpfen gegen Richterentscheid – Streit geht in nächste Runde.


Kathaleen McCormick, Richterin im US-Bundesstaat Delaware, erklärte Ende Januar das Vergütungspaket des E-Autobauers Tesla für seinen CEO Elon Musk aus dem Jahr 2018 für ungültig. Diese Entscheidung stieß nicht nur bei Musk selbst, sondern auch bei einigen Aktionären des Konzerns auf Widerstand. Sie wollen das Urteil anfechten.


Tesla-CEO Elon Musk erhält kein herkömmliches Gehalt, sondern eine komplexere Form der Kompensation in Form von Aktienoptionen. Diese sind an zwölf Geschäftsziele geknüpft, die Musk als Geschäftsführer erreichen muss, um attraktive Konditionen für den Kauf von Tesla-Aktien zu erhalten. Ein Aktionär des NASDAQ-Konzerns war jedoch der Auffassung, dass Musks Vergütung zu hoch sei und reichte Klage ein.


Richterin McCormick sprach Ende Januar im US-Bundesstaat Delaware das Urteil und erklärte den Kompensationsplan von Tesla für ungültig. Sie argumentierte, dass Musk bei der Vereinbarung des Plans zu viel Einfluss hatte und somit kein faires Verfahren gegeben sei.


Jedoch könne die Vereinbarung nicht automatisch aufgehoben werden, sondern müsse gemeinsam mit Tesla gelöst werden. Sollte keine Einigung erzielt werden, sei jedoch eine Annullierung möglich, so die Deutsche Presse-Agentur. "Der Kläger hat ein Recht auf Annullierung", zitierte die Agentur die Richterin.


Die Entscheidung wurde in Delaware aufgrund des Firmensitzes von Tesla getroffen. Musk selbst reagierte auf dem Kurznachrichtendienst X, den er vor über einem Jahr unter dem Namen Twitter übernahm, auf das Urteil. Er empfahl, keine Gesellschaft im Bundesstaat Delaware zu gründen und schlug stattdessen Nevada oder Texas vor, da hier die Aktionäre über Angelegenheiten entscheiden könnten.


Auf X startete er anschließend eine Abstimmung, ob Tesla seinen Sitz nach Austin verlegen solle, wo sich auch der physische Hauptsitz des Unternehmens befindet. Eine überwältigende Mehrheit von 87 Prozent stimmte für einen Umzug. Musk versprach daraufhin, eine Aktionärsabstimmung zur Verlegung des Firmensitzes zu organisieren.


Jedoch stieß diese Entscheidung nicht nur bei Musk selbst, sondern auch bei einigen Aktionären auf Widerstand, wie "Barron’s" berichtet. Amy Steffens und Alexandra Merz, beides Anteilseigner von Tesla, setzen sich aktiv dafür ein, dass das Urteil von Richterin McCormick angefochten wird.


"Es geht vor allem um die Unantastbarkeit der Aktionärsrechte", bemängelte Steffens gegenüber dem Wirtschaftsblatt. Sie und Merz sehen die Rechte der Aktionäre gefährdet, da sie bei einer Bestätigung des Urteils "mit einem Federstrich" eliminiert würden.


"Der Vorstand war 2018 weniger unabhängig als heute", gab Merz zu bedenken. Sie erinnerte daran, dass Musk zur Zeit der Vereinbarung auch Vorstandsvorsitzender war, ihn jedoch nach einem kontroversen Tweet, in dem er ankündigte, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, seinen Posten räumen musste. "Es gab einiges an Aufräumarbeiten zu erledigen", fügte Merz hinzu.


Trotzdem sind beide Anteilseignerinnen der Meinung, dass die Aktionäre genau wussten, wofür sie im Rahmen des Kompensationsplans abstimmten. "Man muss schon unter einem Stein gelebt haben, um nicht alle Einzelheiten dieses Vergütungsplans zu kennen", ergänzte Steffens laut der Wochenzeitschrift. Dennoch wünschen sie sich, dass der Tesla-Vorstand Musks Vergütung überdenkt und neue Ziele und Aktienzuteilungen festlegt.


Insgesamt zeigen sich die Aktionärinnen jedoch zufrieden mit Musks Führungsrolle im Unternehmen, insbesondere in Hinblick auf die durch den Vorstand kontrollierten Unternehmen. "Eine unserer schlimmsten Befürchtungen als Tesla-Investoren ist, dass wir einen Vorstand bekommen, der sich so verhält wie der Vorstand von Apple, als sie Steve Jobs entlassen haben", zitierte Barron’s Steffens und Merz.


Jedoch vertreten nicht alle Tesla-Aktionäre diese Meinung. "Ich mache mir keine Sorgen... Tesla ist [Musks] Sparschwein und Machtbasis", kommentierte beispielsweise Leo KoGuan, Tesla-Großaktionär und nach Musk und Larry Ellison der drittgrößte Einzelaktionär des Unternehmens. "Ich unterstütze die Entscheidung von Delaware. Es ist die richtige Entscheidung. Das Vergütungspaket ist unverschämt."


Dennoch wollen Steffens und Merz gegen das Urteil von Richterin McCormick vorgehen und haben zu diesem Zweck einen offenen Brief an den Tesla-Vorstand verfasst. Bislang haben bereits über 5.800 Tesla-Aktionäre die Petition unterzeichnet, was insgesamt mehr als 23 Millionen Tesla-Aktien entspricht.


Zum Vergleich: Der Vermögensverwalter Fidelity hält alleine ähnlich viele Anteile. Ob die Petition Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Sollte das Kompensationspaket von Tesla tatsächlich für ungültig erklärt werden, könnte dies weitreichende Konsequenzen für das Unternehmen, aber auch für andere Konzerne in den USA haben.