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Jonathan Neuscheler | AlleAktien-Gründer, Value-Investor, Aktienanalyst, Betriebswirt

Mein Ziel ist es, jährlich steigende Dividendeneinnahmen zu erreichen. Dabei denke und agiere ich langfristig. Suche mir in Aktienanalysen systematisch unterbewertete Aktien mit einer hohen Renditeerwartung und gleichzeitig geringen Risiken aus. Dann bleibe ich meist viele Jahre investiert. Profitiere von der Wertsteigerung der Unternehmen. Ich schwimme gerne gegen den Strom. Schlage zu, wenn Aktien besonders preiswert sind.

Rückblick: Diese 10 Aktien sind am meisten gesunken

Überblick: DAX Aktien und DAX Aktienanalysen

  • Transparenz ist uns wichtig: So erhältst du jederzeit den vollen Einblick in unsere Performance
  • Diese 10 Aktien sind am meisten gesunken: Nun gute Einstiegsmöglichkeiten oder berechtigte Kursrückgänge?
  • Aktualisierte Einschätzung zu folgenden 10 Aktien: Vapiano, Bayer, ThyssenKrupp, Continental, Zooplus, BASF, Fresenius, KION, Henkel
  • Community Meinung: Diese Aktien haben das größte Potential

 

AlleAktien: Transparenz ist uns wichtig

In unserem jüngst erschienenen Artikel zu den Top 10-Investitionsideen auf AlleAktien haben wir bereits beschrieben, warum uns Transparenz so wichtig ist. Daher folgt an dieser Stelle nur noch der Direktlink zur AlleAktien-Watchlist. Dort findest du jederzeit alle von uns analysierten Aktien mitsamt aktueller Einschätzung und Performance.

Wir schreiben nun seit knapp mehr als einem Jahr Aktienanalysen für dich. Damit wird es erstmals Zeit, die Performance unserer Analysen kritisch zu überprüfen. In diesem Artikel stellen wir dir die 10 am stärksten gesunkenen Aktien vor. Mitsamt aktueller Einschätzung.

 

Blick auf die 10 Investitionsideen von AlleAktien mit größtem Kursrückgang

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Das sind die 10 Investitionsideen mit größtem Kursrückgang, seitdem es AlleAktien gibt. Bildquelle: AlleAktien Watchlist.

 

#1: Vapiano: -55%

Vapiano ist eine italienische Restaurantkette, die sich auf die frische Zubereitung von hochwertigen Speisen direkt vor den Augen der Kunden spezialisiert hat. Dieses außergewöhnliche Konzept bringt einige Vorteile mit sich: Kunde und Koch können direkt miteinander kommunizieren. Der Koch kann das Gericht auf die Wünsche des Kunden anpassen. Die Kunden können live miterleben, wie ihre Mahlzeit aus frischen Zutaten zusammengestellt wird.

Das Unternehmen wurde 2002 in Hamburg gegründet, es folgte eine rasche Expansion. 2017 folgte der Börsengang, Vapiano betrieb damals bereits knapp 200 Restaurants. Mit den Mitteln aus dem Börsengang wurde die weitere Expansion finanziert.

In meiner Aktienanalyse zu Vapiano habe ich im Mai 2018 darauf verwiesen, dass dieses Unternehmen langfristig die Chance hat, die italienische Küche in nahezu jede größere Stadt der Welt zu bringen. Vor dem Börsengang war das Unternehmen über Jahre hinweg profitabel gewesen, teilweise wurde eine Gewinnmarge von bis zu 15% erreicht. Doch trotz der langfristig großen Chancen galt schon damals: Das Unternehmen ist noch sehr klein – entsprechend hoch sind die Risiken, dass bei der internationalen Expansion etwas schief läuft.

Im September 2018 war es dann soweit: Die veröffentlichten Halbjahreszahlen waren überhaupt nicht gut. Anstelle eines Umsatzwachstums auf bestehender Fläche gingen die Umsätze zurück. Anstelle eines ursprünglich prognostizierten Gewinns wurde nun plötzlich ein erwarteter Verlust in Aussicht gestellt. Ich habe diese Meldung zum Anlass genommen, um die Vapiano-Aktie sofort abzustufen. Die Einschätzung wurde auf Halten geändert.

Im Nachhinein war das eine gute Idee. Seitdem hat die Aktie weitere 55% abgegeben. Jüngst wurden die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlicht. Die sind sehr schlecht ausgefallen. Die Expansionspläne gingen nicht auf. Die Kunden blieben zunehmend aus, die Umsätze konnten auf bereinigter Fläche nicht gesteigert werden. Die Kosten stiegen aufgrund von Lohnerhöhungen, Mieterhöhungen und der Eröffnung weiterer Läden aber weiter an. Der hohe Verlust führt zu einem Anstieg der eh schon hohen Verschuldung. Ich bleibe daher weiter vorsichtig.

Bevor ich die Aktie wieder aufstufe, will ich verbesserte Ergebnisse sehen. Das Unternehmen wird seit Ende 2018 von einem neuen Manager geführt, der davor das Starbucks-Geschäft in Deutschland aufgebaut hat. Die Strategie wurde geändert: Das Expansionstempo zurückgefahren. Das Menü wird zusammengestrichen. Dadurch sollen die Wartezeiten für die Kunden verkürzt werden. Außerdem werden alle Kosten hinterfragt. Mit diesen Maßnahmen plant das Unternehmen nun, ab 2020 wieder in die Gewinnzone zurückkehren zu können. Ob das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Ich bleibe bei der neutralen Einschätzung. Gelingt eine Rückkehr in die nachhaltige Profitabilität, dann steckt viel Potential in der Aktie. Kann der Verlust nicht reduziert werden, drohen weitere Kapitalerhöhungen bzw. im schlimmsten Fall sogar eine Insolvenz. Hohe Chancen für sehr mutige Anleger. Hohe Risiken.

 

#2: Bayer: -33%

Bayer LogoDie im DAX notierte Bayer AG ist ein weltweit führendes Gesundheits- und Agrarunternehmen. Jeweils rund die Hälfte des operativen Gewinns entspringt aus dem Geschäft mit der Herstellung von Medikamenten und dem Geschäft mit der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln sowie Saatgut. Die langfristigen Aussichten sind positiv, eine steigende Lebenserwartung führt zu immer mehr Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen. Eine steigende Weltbevölkerung führt zu einer steigenden Nachfrage nach Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Da die verfügbaren Flächen für die Produktion von Lebensmitteln begrenzt sind, die Nachfrage aber weiter ansteigt, muss zwangsläufig der Ernteertrag pro Fläche gesteigert werden.

Durch den Zukauf von Monsanto ist Bayer zum weltweit führenden Unternehmen in diesem Bereich geworden – und bietet eine Vielzahl von Lösungen an, um den Ertrag pro Fläche zu steigern. Bayer selbst hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2022 einen Gewinn je Aktie von 10 EUR zu erreichen. Multipliziert man diesen Gewinn mit einem branchenüblichen Faktor von 13-18, so ergibt sich ein fairer Wert der Bayer-Aktie von 130-180 EUR in drei Jahren. In der Aktie steckt also nach wie vor ein großes Potential, 4% Dividendenrendite kommen obendrauf. Diesen Chancen steht eine erhöhte Verschuldung gegenüber. Außerdem hat Bayer mit der Übernahme von Monsanto auch die Klagen gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat mit übernommen. Es drohen hohe Strafzahlungen. Würde Bayer zu besonders hohen Strafen verurteilt werden, könnte das die Aktie nochmals belasten. Meiner Meinung nach sind diese Risiken aber bereits mehr als ausreichend im Aktienkurs eingespeist, sodass sich insgesamt ein positives Chance-Risiko-Verhältnis ergibt. Ich bleibe weiter in der Aktie investiert.

 

#3: ThyssenKrupp: -32%

ThyssenKrupp habe ich bisher ausschließlich einer Kurzanalyse unterzogen. Das Unternehmen ist ein diversifiziertes Industrieunternehmen, das den Hauptumsatz und den Großteil des Gewinns mit der Produktion und Weiterverarbeitung von Stahl und dem Bau von Rolltreppen und Aufzügen erzielt.

Von einer weiteren Analyse habe ich damals bereits abgesehen. Zwar ist das Geschäft mit der Herstellung und Wartung von Aufzügen und Rolltreppen klar profitabel, doch kommen die Aktionäre an die Cashflows aus diesem Geschäftsbereich einfach nicht heran. Die anderen Geschäftsbereiche benötigen ständig Geld, arbeiten mit geringen Gewinnmargen. Es besteht dort zudem eine hohe Abhängigkeit von der Konjunktur. Die Einführung von Handelszöllen belastet das Geschäft zusätzlich. Die Bilanz ist schwach, die Eigenkapitalquote niedrig.

Würde es eine Möglichkeit für die Aktionäre geben, direkt an den Erfolgen der Aufzugs- und Rolltreppensparte beteiligt zu werden, dann wäre alleine dieses Geschäft rund 20 EUR/Aktie wert. Zwar hat das Unternehmen zuletzt Aufspaltungspläne bekanntgegeben, doch leider nicht im Interesse der Aktionäre. Die lukrative Sparte erhält eine weitere, kaum profitable Sparte als „Mitgift“.

Ich habe das starke Gefühl, dass dieses Unternehmen nicht im Sinne der Wertsteigerung für die Aktionäre geführt wird. Unterm Strich sehe ich weiterhin ein neutrales Chance-Risiko-Verhältnis und keinen Grund, mich intensiver mit der Aktie und dem Unternehmen zu beschäftigen.

 

#4: Continental: -28%

Continental ist nach Bosch der weltweit zweitgrößte Automobilzulieferer. Das Unternehmen ist damit in einer der am härtesten umkämpften Branchen aktiv. Der Wettbewerbsdruck ist extrem hoch. Autos sind teure Gebrauchsgüter, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weniger nachgefragt werden. Nach 10 Jahren Aufschwung am Stück steigt die Wahrscheinlichkeit an, dass die Wachstumsrate in wichtigen Absatzmärkten in den nächsten Jahren zurückgehen wird.

Dazu kommen radikale Veränderungen: Das elektrische Auto ist auf dem Vormarsch. Hunderte Mrd. USD müssen weltweit in diese neue Technologie investiert werden, weil kein Unternehmen den Anschluss verpassen möchte. Neue Wettbewerber wie Tesla oder chinesische Automobilhersteller treten in den eh schon umkämpften Markt ein. Die Folge: Es wird zunehmend schwieriger, in dieser Branche Geld zu verdienen. Die Aktienkurse von GM, Ford, VW, Daimler, BMW, Leoni, KUKA usw. sind schon länger unter Druck.

Diesen Entwicklungen kann sich auch die Continental AG nicht vollständig entziehen. Dennoch bleibt das Unternehmen eines der allerbesten der Branche: Continental ist breit diversifiziert. Spielt bei vielen Zukunftstrends vorne mit. Ist groß genug, um bei den Automobilherstellern auskömmliche Gewinnmargen durchzusetzen. Allen Problemen zum trotz liegt die Gewinnmarge bei ca. 8%. Die Bilanz ist solide: Die Nettofinanzschulden liegen bei weniger als einem operativen Jahresgewinn. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern wie Leoni, die massiv Geld verbrennen, erwirtschaftet Continental immer noch einen Free Cash Flow von ca. 1,5 Mrd. EUR/Jahr. Damit dürfte die Dividende weiter bezahlt werden können.

Fazit: Grundsätzlich ein top aufgestelltes Unternehmen, allerdings dürfte der Gegenwind aus der Branche weiter zunehmen. Chancen und Risiken in einem ausgeglichenen Verhältnis. Die Bewertung ist bezogen auf den aktuell erwirtschafteten Gewinn bereits sehr preiswert. Im Falle einer nachlassenden Nachfrage nach Neuwägen dürfte der Gewinn vorübergehend aber nochmals absinken. Falls die Aktie in der nächsten Konjunkturkrise unter die Räder kommt, werde ich meine Einschätzung ändern. Dann dürfte sich ein Kauf langfristig klar auszahlen.

 

#5: Zooplus: -20%

Zooplus ist Europas führender Online-Versandhändler von Tierbedarf, v.a. Hunde- und Katzenfutter. Der Marktanteil des Unternehmens liegt europaweit bei über 50%, seit dem Börsengang vor mehr als 10 Jahren wuchs der Umsatz in jedem Jahr um mehr als 20% gegenüber dem Vorjahr an.

Ein Trend, bei dem ich kein Ende erkennen kann: Tierfutter wird regelmäßig benötigt. Es ist umständlich, die großen Mengen jedes Mal durch die Gegend zu tragen. Ein Online-Einkauf ist viel bequemer. Das merken immer mehr Kunden. Erst 10% der Europäer bestellen ihren Tierbedarf online. Die Preise sind meist günstiger als im Laden.

Derzeit hat Zooplus mit einem starken Preisdruck zu kämpfen. Amazon ist ebenfalls aktiv, aber rund fünfmal kleiner als Zooplus. Wachstumsinvestitionen in Marketing, den Ausbau des Lagers und die Verbesserung der IT-Infrastruktur belasten den Gewinn. Doch immerhin: Das Unternehmen kann das Wachstum vollständig aus eigener Kraft finanzieren. Ist schuldenfrei. Wächst in jedem europäischen Land zweistellig.

Ich glaube weiterhin: Langfristig wird Zooplus in eine komfortable Situation steigender Gewinnmargen kommen. Je größer der Umsatz, desto größer wird die Verhandlungsmacht bei den Herstellern. Außerdem können mehr und mehr Eigenmarken abgesetzt werden. Daher sehe ich für einen langfristig orientierten Anleger deutlich mehr Chancen als Risiken.

 

#6: BASF: -20%

BASF ist eines der weltweit größten Chemieunternehmen. Die Dividendenrendite liegt bei attraktiven 5%, die Ausschüttungsquote nur bei etwas mehr als 50%. Das eröffnet den Spielraum für weitere Dividendenerhöhungen – auch dann, wenn die Gewinne nur stagnieren.

Die Bilanz ist solide, die Verschuldung gering. Die Aktie ist 20% günstiger gegenüber dem Zeitpunkt unserer ersten Analyse. Die einzige Sache, die mich von einem sofortigen Einstieg abhält: Die gewisse Konjunkturabhängigkeit des Unternehmens. Nach 10 Jahren Aufschwung ohne Pause könnte die Nachfrage nach Chemieprodukten in den nächsten Jahren vorübergehend etwas nachlassen. Das würde dann nochmals Druck auf den Aktienkurs ausüben. BASF würde wohl trotzdem profitabel bleiben (wie auch 2009, während der größten Wirtschaftskrise seit fast 100 Jahren). Die Dividende würde mit hoher Wahrscheinlichkeit beibehalten werden können. Insgesamt überwiegen die Chancen die Risiken, weshalb die Einschätzung für langfristig orientierte Anleger weiterhin positiv ausfällt.

 

#7: Fresenius: -19%

Fresenius LogoDasselbe gilt für Fresenius. Fresenius ist eines der größten Gesundheitsunternehmen der Welt. Das Unternehmen ist in mehreren zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern aktiv. Die steigende Lebenserwartung führt zu einer steigenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen. Je älter ein Mensch wird , desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass medizinische Behandlungen notwendig werden. Fresenius betreibt ein großes Netz an privaten Kliniken. Stellt medizintechnische Geräte und Medikamente her. Das Unternehmen sollte von der nachhaltig steigenden Nachfrage profitieren können und im Zeitverlauf den Umsatz, Gewinn und die Dividende stetig erhöhen können.

Trotz dieser positiven Aussichten ist die Aktie deutlich zurückgekommen. 2018 wurde nach vielen Jahren erstmals keine große Übernahme mehr durchgeführt. Nach einem Beinahe-Fehlgriff prüft das Management potentielle Übernahmeziele nun genauer. Das Wachstum findet derzeit „nur“ noch aus eigener Kraft statt. Also mit rund 5% pro Jahr. Der CEO, Stefan Sturm, hat aber bereits angekündigt, künftig weiterhin Unternehmen zukaufen zu wollen. Dann dürfte das Wachstumstempo des Unternehmens wieder anziehen.

Die vorübergehende Abschwächung der Wachstumsgeschwindigkeit sollte für einen langfristig orientierten Anleger kein Problem sein. Ich war kurz davor, bei Kursen um 40 EUR eine große Position aufzubauen. Dann ist mir der Kurs vor der Nase davongelaufen, und ich habe attraktivere Alternativen wie Microsoft oder Mastercard gefunden. Langfristig überwiegen bei Fresenius die Chancen. Je tiefer die Aktie fällt, desto attraktiver wird sie für mich. Kaufen.

 

#8: KION: -18%

Die im MDAX notierte KION Group AG ist nach Toyota der weltweit zweitgrößte Anbieter von Gabelstaplern und Logistiksystemen für die Lagerung von Produkten. Dazu zählen beispielsweise hochautomatisierte Warenlager, die dank intelligenter Software ohne den Einsatz von menschlicher Arbeitskraft auskommen.

Der Trend zu mehr und mehr Online-Bestellungen ist ungebrochen. KION ist ein klarer Profiteur davon. Je mehr Waren über Amazon & Co. bestellt werden, desto mehr Lager- und Versandhäuser werden für die Abwicklung der Bestellungen benötigt. Das sorgt für eine langfristig steigende Nachfrage nach den Produkten von KION.

Umsatz- und Gewinn sollen laut neuester Unternehmensprognose in 2019 weiter zulegen, die Dividende wurde um kräftige 20% auf nun 1,20 EUR je Aktie erhöht. Demgegenüber steht aber ebenfalls ein Konjunkturrisiko. Im Falle einer Abschwächung der Wachstumsrate der Weltwirtschaft wird sich die Nachfrage nach den Produkten von KION vorübergehend abschwächen. Langfristig betrachtet überwiegen die Chancen dennoch die Risiken, weshalb ich die Aktie weiterhin als kaufenswert einstufe.

 

#9: GE: -18%

Nun wird es hochspannend: General Electric war einst eines der wertvollsten und innovativsten Unternehmen der Welt. Es folgte ein langer Abstieg, ausgelöst v.a. durch gravierende Fehlentscheidungen früherer Manager. Die Aktie wurde brutal abgestraft.

Ende August habe ich das Unternehmen detailliert analysiert. Bin allen Problemen zum trotz zu einer positiven Einschätzung gelangt. Der Wert der einzelnen Sparten erschien mir deutlich höher als die Marktkapitalisierung des Unternehmens. Zuerst stellte sich der Markt gegen meine Meinung: Die Aktie wurde immer weiter nach unten durchgereicht. Doch seit einigen Monaten scheint sich das Blatt zu wenden: Der Aktienkurs steigt wieder. Und zwar nicht nur durch pure Phantasie, sondern durch positive Meldungen:

GE hat Anfang 2019 bekanntgegeben, einen kleinen Teil der Medizintechniksparte mit rund 3 Mrd. USD Umsatz für sage und schreibe 21 Mrd. USD an Danaher zu verkaufen. Damit fließen GE noch im Jahr 2019 über 20 MRD. USD zu. Diese Mittel ermöglichen einen raschen Abbau der Verschuldung, das Kreditrating wird sich wohl verbessern. Das sorgt dann auch für sinkende Zinskosten, wodurch sich der Gewinn des Unternehmens erhöhen wird. Die Sorgen über eine verwässernde Kapitalerhöhung dürften sich aufgelöst haben. Nachdem klare Schritte zu einer Verbesserung der Bilanzstruktur zu erkennen sind, bleibt „nur“ noch das Problem der geringen Profitabilität.

Bei der Erhöhung der Gewinnmarge ist Geduld gefragt. Unprofitable Produktionsstätten im Kraftwerksgeschäft werden geschlossen. Weiterhin spart GE künftig Verwaltungskosten ein. Es wird also noch einige Quartale dauern, bis der Unternehmensgewinn wieder zulegen kann. Doch an der langfristigen Einschätzung hat sich nichts geändert: Ich bin der Meinung, dass die einzelnen Unternehmenssparten wertvoller als die aktuelle Marktkapitalisierung sind. Das Chance-Risiko-Verhältnis erscheint mir positiv, weshalb ich die Aktie weiterhin als kaufenswert einstufe.

 

#10: Henkel: -16%

Henkel Logo

Henkel ist ein familiengeführtes Traditionsunternehmen. Die Bilanz ist äußerst solide. Das Unternehmen ist nahezu schuldenfrei. Die Dividende steigt von Jahr zu Jahr an.

Im Konsumentengeschäft werden Wasch- und Reinigungsmittel hergestellt. Außerdem produziert das Unternehmen Körperpflegeprodukte und Hygieneprodukte. Bekannte Marken wie Persil, Pril, Schwarzkopf usw. sorgen für wiederkehrende und stabile Umsätze. Um das Umsatzwachstum wieder beschleunigen zu können, muss ab 2019 mehr investiert werden.

Im Segment „Adhesive Technologies“ stellt Henkel alle Arten von Klebstoffen her. Die Produkte werden unter den Marken Pattex und Pritt den Privatkunden angeboten, aber primär sind Industriekunden, das Handwerk und die Baubranche Kunden. In diesem Segment ist die Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung zwar größer, dafür sind aber auch die Wachstumsperspektiven besser.

Insgesamt ist die Henkel-Aktie im Branchenvergleich sehr günstig bewertet. Die Stammaktie ist zu einem KGV von 14-15 zu haben, der Konkurrent Procter & Gamble wird hingegen mit dem 22-fachen KGV bewertet. Somit besteht erhebliches Aufholpotential. Ich sehe bei diesem solide geführten Unternehmen nach wie vor deutlich mehr Chancen als Risiken und behalte die positive Einschätzung bei. Je tiefer der Kurs fällt, desto spannender wird die Aktie für Zukäufe.

 

Fazit: Auch Qualitätsaktien können vorübergehend im Kurs nachgeben

  • Wir können nicht zaubern. Aber hart und clever arbeiten. Bei der LBBW, UBS und McKinsey haben wir gelernt, Unternehmen ausführlich und sorgfältig genau zu analysieren. Genau prüfen, welche Chancen und welche Risiken eine Investition verspricht. Wir können außerdem ermitteln, welche Rendite langfristig möglich ist. Das bedeutet aber nicht, dass wir immer richtig liegen werden. Müssen wir auch gar nicht: Solange sich unsere Anlageideen insgesamt (sprich als Portfolio/Depot betrachtet) besser entwickeln als der breite Aktienmarkt, sind wir zufrieden. In unserem AlleAktien Qualitätsscore (AAQS) Backtest konnten wir bereits beweisen, dass sich Qualitätsaktien erheblich besser entwickeln als der allgemeine Markt
  • Von den mehr als 70 Aktien, die wir bisher auf AlleAktien analysiert haben, habe ich in diesem Artikel meine aktuelle Einschätzung zu den 10 am schlechtesten gelaufenen Aktien wiedergegeben. Bei Vapiano, ThyssenKrupp und Continental bleibe ich weiterhin vorsichtig – die vorsichtige Haltung hat sich bisher klar ausgezahlt. Neben den Chancen sehe ich jeweils erhebliche Risiken. Die anderen sieben Aktien weisen meiner Meinung nach ein klar positives Chance-Risiko-Verhältnis auf
  • Je günstiger wir dasselbe Unternehmen bekommen können, desto höher die langfristige Renditeerwartung und desto besser das Chance-Risiko-Verhältnis. Das Risiko eines permanenten Kapitalverlustes wird umso kleiner, je günstiger die Einstiegsbewertung ist. Gefährlich wird es aber immer dann, wenn der Kurs einer Aktie nicht aufgrund vorübergehender Belastungen fällt, sondern weil sich die Wettbewerbsposition des Unternehmens permanent verschlechtert, oder wenn eine Branche auf dauerhaftem Schrumpfkurs ist. Bei Vapiano könnte solch ein Fall vorliegen, weshalb ich die Aktie damals sofort abgestuft habe. ThyssenKrupp generiert seit Jahrzehnten keinen Shareholder Value mehr. Ein langfristiges Investment wird sich wohl nicht auszahlen
  • Unternehmen wie Fresenius befinden sich hingegen trotz Kursrückgang weiterhin auf einem klaren Wachstumskurs. Es gibt nicht immer einen direkten Zusammenhang zwischen Unternehmens- und Aktienkursentwicklung. Kostolany hat das schön auf den Punkt gebracht: Das Unternehmen gleicht einem Mann, der stets nach vorne spaziert. Der Aktienkursverlauf entspricht einem angeleinten Hund. Mal rennt er dem Herrchen voraus, mal hinterher. Langfristig gleichen sich Unternehmens- und Aktienkursentwicklung an
  • Die Kursentwicklung innerhalb weniger Monate ist für uns persönlich aber völlig irrelevant. Wir beteiligen uns langfristig an Qualitätsunternehmen. Wollen an den Wachstumsperspektiven und der Wertschöpfung dieser Unternehmen als Anteilseigner mitverdienen. Bekommen dafür auch noch Dividenden ausbezahlt. Wenn sich die Unternehmen langfristig betrachtet positiv entwickeln und immer mehr Ertrag abwerfen, dann wird eines Tages auch der Aktienkurs ansteigen

Community-Meinung: Diese Aktien haben das größte Potential

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Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit Aktien von Bayer, Zooplus, BASF, Fresenius, KION, Henkel.

14 Antworten

  1. Dirk sagt:

    wenn Du eine Aktie auf „Halten“ abstufst wie Vapiano und sie danach trotzdem noch signifikant weiter fällt, verstehe ich nicht, warum Du die Abstufung als richtig erachtest. Wenn sie richtig gewesen wäre, hättest Du auf „Sell“ herabgestufst und dem Leser nicht zum Halten und damit zu weiteren Verlusten raten sollen.

    • Lieber Dirk,

      da hast du natürlich recht. Im Nachhinein betrachtet wäre eine Verkaufen-Einstufung am besten gewesen. Immerhin ist es mir gelungen, die Aktie sofort nach schlechten Nachrichten, und noch vor dem weiteren massiven Kursverfall abzustufen.

      Liebe Grüße, Jonathan

  2. Annette Bliem sagt:

    Hallo Jonathan,
    Danke für deine Einschätzung, ich bleibe ruhig in ein paar“ gefallene“ Aktien investiert. GE und Wabtec sind in 2/19 fusioniert. Ich besitze 350 GE Aktien auf ein dänisches Depot. In dem Depot habe ich jetzt 1 Wabtec Aktie erhalten. In meinem Depot bei der Raiffeisenbank i Österreich habe ich 500 GE Aktien und kein Wabtec Aktie erhalten. Weisst du wo ich nähere Informationen zu diese Situation bekommen kann?
    Wo kann ich nachsehen wie viele GE Aktien auf 1 Wabtec Aktie kommt?

  3. Annette Bliem sagt:

    Mir fehlt die Zalando Aktie in der Watchlist. Du hast dich doch ein paar Mal mit ihr beschäftigt. Warum ist sie nicht gelistet?

    • Liebe Annette,

      Zalando wurde noch nie von Michael oder mir, sondern von einem externen Autor ausführlich analysiert. Daher steht sie auch (noch) nicht auf der Liste. Dort sind ausschließlich Aktien vorzufinden, die von Michael oder mir analysiert worden sind.

      Liebe Grüße, Jonathan

  4. Peter Zistler sagt:

    Ariva.de am Montag 18.3.2019 zu Zooplus:

    „Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat Zooplus vor dem nächsten Kapitalmarkttag auf „Sell“ mit einem Kursziel von 78 Euro belassen. Der Onlinehändler für Haustierbedarf sei wegen einer „toxischen Mischung“ aus Preisdruck und zunehmenden Kosten auf dem schnellsten Wege nach unten, schrieb Analyst Christian Salis in einer am Freitag vorliegenden Studie.“

    Natürlich auch nur eine Meinung. Warum sie von zunehmenden Kosten schreiben, wird mir nicht klar. Preisdruck schon eher.

    • Peter Zistler sagt:

      Nun ja, der Markt hat ihnen heute recht gegeben -> nach unten!

    • Hallo Peter,

      ich denke, damit sind v.a. Logistik- und Zustellkosten gemeint. Die können tatsächlich etwas steigen. Allerdings auch bei den Wettbewerbern. Den Preisdruck sehe ich nicht.

      Heute hat Zooplus einen Ausblick auf 2019 gegeben: Erstmals soll der Umsatz unter 20% wachsen. Aber immer noch um etwa 14-18%. Der Free Cash Flow soll positiv bleiben, das EBIT zwischen -15 und + 5 Mio. EUR liegen.

      Heißt für mich: Zooplus wächst weiter. Baut den Marktanteil aus. Wird größer, kann besser verhandeln. Mehr Eigenmarken verkaufen. Der positive Free Cash Flow und die schuldenfreie Bilanz sichern ab.

      Wenn die Aktie weiter fällt und der neue Geschäftsbericht Ende März online ist, schreibe ich wohl ein Update. Denke aber nach wir vor, dass dieses Geschäftsmodell funktioniert und eines Tages steigende Cashflows generieren wird.

      Liebe Grüße, Jonathan

  5. Frank sagt:

    Fresenius hab ich jetzt zweimal blind nachgekauft. Eines der wenigen deutschen Unternehmen bei denen ich mich als Investor langfristig sehr wohl fühle. Bayer und BASF werde ich halten, aber nicht nachkaufen (da sind mir paar schweizer und amerikanische Alternativen irgendwie sympathischer).
    GE ist einer der wenigen US Platzhirsche (neben zB IBM), die mir nicht ins Depot kommen.
    Vapiano und Zooplus haben mir schon immer ein schlechtes Gefühl vermittelt. Bevor ich sowas kaufen würde, riskier ich lieber etwas Spielgeld in Las Vegas und hab da auch noch Spaß dabei. 😉 …und apropos Amiland: wenn man in der Fastfood Branche unbedingt bissl zocken will, gibt’s da echt neben den Platzhirschen paar absolut interessante „Newcomer“. Bin bald wieder zwei Monate in den Staaten, danach investier ich dann in die Ketten, wo mir die Burger am Besten geschmeckt haben. 😉
    Manchmal ist Bauchgefühl auch ganz ok. 🙂

  6. Deniz Ercetin sagt:

    Hallo Jonathan, vielen Dank für deine tollen Analysen!

    Ich habe bezüglich der Watchlist eine Frage. Die Spalte „Einschätzung“ zeigt die aktuelle Einschätzung, oder die Einschätzung zum Analysezeitpunkt? Fresensius steht aktuell bei Kaufen: heisst also kaufen heute?

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