Sind stabile Gewinne ein Zukunftsgarant?

 

3M gelingt es, die Gewinne kontinuierlich zu steigern. Wegen des kontinuierlichen Gewinnwachstums kann auch die Dividende immer weiter angehoben werden. Sie wird ja schließlich aus den Gewinnen bezahlt. Quelle: Aktienfinder.net

Zusammenfassung

  • Stabiles Gewinnwachstum ist der Schlüssel zu steigenden Kursen und Dividenden
  • Stabiles Gewinnwachstum bleibt in der Mehrzahl der Fälle über Jahrzehnte bewahrt
  • Wer auf stabiles Gewinnwachstum achtet, wird langfristig zu den Gewinnern zählen

In „Wie Kennzahlen uns in die Irre führen“ wurde nicht nur gezeigt, dass häufig benutzte Kennzahlen mit Vorsicht zu genießen sind, sondern vor allem auf die Bedeutung langfristig steigender Gewinne hingewiesen.

Langfristiges Gewinnwachstum ist für den Erfolg ihrer Investments entscheidend. Es ist logisch, dass ein Unternehmen mit steigenden Gewinnen an Wert gewinnt und entsprechend der Aktienkurs sowie die ausgeschütteten Dividenden steigen.

Unsicher hingegen scheint, ob stabile Gewinnsteigerungen über Jahrzehnte hinweg durchzuhalten sind. Was macht es für einen Sinn, Unternehmen zu finden, die in den letzten Jahren ihren Gewinn konstant steigern konnten, wenn in naher Zukunft alles ganz anders kommen kann?

Obwohl einiges dafür spricht, dass ein gut geführtes Unternehmen mit einem funktionierenden Geschäftsmodell auch in den Folgejahren gute Geschäfte erzielen kann, ist dies kein empirischer Beleg. Um Klarheit zu schaffen, wurde ein sogenannter Backtest über die letzten 30 Jahre durchgeführt. Es gilt herauszufinden, ob Unternehmen mit konstant steigenden Gewinnen in den Folgejahren ebenfalls ihre Gewinne mit ähnlicher Konstanz erhöhen konnten.

 

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Ein Backtest wird durchgeführt, um Hypothesen zu belegen. Eine Strategie wird auf ihren vergangenen Erfolg getestet.

Allgemeines zum Backtest

Zunächst einige Hinweise, die helfen, die Qualität der folgenden Ergebnisse besser einzuschätzen.

 

Datengrundlage des Backtests

Die Unternehmensdaten stammen auf der gemeinsamen Datenbank von Aktienfinder.Net (Deutsch) und DividendStocks.Cash (Englisch). Enthalten sind derzeit 621 Unternehmen, hauptsächlich aus Nordamerika und Westeuropa, aber auch aus Asien sowie Australien. Obwohl weltweit zehntausende von Aktien handelbar sind, sind für Investoren in der Praxis nur wenige hundert Aktien relevant. Schließlich sind Sie nicht auf der Suche nach dem großen Börsen-Abenteuer, sondern wollen ihr sauer verdientes Geld in solide Unternehmen investieren. Diese Unternehmen deckt der Datenbestand ab.

Eine selbst erfüllende Prophezeiung wird vermieden, weil der Untersuchungszeitraum sich über die letzten 30 Jahre erstreckt. Dieser Zeitraum ist deutlich länger als die Anzahl Jahre, die für die Aufnahme einer Aktie in den Datenbestand berücksichtigt wird.

 

Delisting einzelner Unternehmen

Unternehmen, die in den letzten Jahrzehnten Konkurs anmeldeten oder anderweitig vom Kurszettel verschwanden, werden nicht berücksichtigt. Dies führt möglicherweise zu einem falschen Eindruck bezüglich der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Wende bei Unternehmen mit negativer Gewinnentwicklung. Der gleich folgende Backtest ist also nicht zu 100% exakt, weist uns aber dennoch die Richtung.

 

Verzerrungen des bilanzierten Gewinns

Gewinne unterliegen außerordentlichen Ereignissen und Bilanzierungsfragen. Alternativ können operative Cashflows (OCF) zur Bestimmung der langfristigen Gewinnsteigerung eines Unternehmens herangezogen werden. Aus diesem Grund wird parallel zur Gewinnentwicklung auch die Entwicklung des operativen Cashflows untersucht.

Und nun auf zum interessanten Teil:

 

Ist eine hohe Gewinnstabilität in der Vergangenheit ein Indikator für die Zukunft?

Um diese Frage zu beantworten, wird eine Gruppe von Unternehmen mit hoher Gewinnstabilität in der fernen Vergangenheit gebildet und dann analysiert, wie sich deren Gewinnstabilität in den Folgejahren verhielt.

Gewinnstabilität wird einmal unter Berücksichtigung des Gewinns pro Aktie (EPS) und einmal unter Verwendung des operativen Cash-Flows pro Aktie (OCF) betrachtet. Die EPS-Gruppe besteht aus 142 Unternehmen und die OCF-Gruppe aus 133 Unternehmen. Beide Gruppen bestehen aus Unternehmen mit einer Gewinnstabilität von 0,7 und mehr im Zeitraum vom 01.01.1990 bis 30.04.1998.

Anmerkung: Die Gewinnstabilität ist eine Kennzahl von -1.0 (am Schlechtesten) bis +1.0 (am Besten) und wir in „Wie Kennzahlen uns in die Irre führen“ näher erläutert.

Wie entwickelte sich der Gewinnstabilität dieser beiden Gruppen in den Folgejahren vom 05.01.1998 bis 30.04.2008 und vom 05.01.2008 bis 30.04.2018 (heute)?

Gewinnstabilität (EPS) 1990 – 1998 1998 – 2008 2008 – heute
>= 0.7 142 (100%) 87 (61%) 86 (61%)

Tabelle 1: Hat stabiles Gewinnwachstum (EPS) Bestand?

Das Ergebnis mag überraschen. Nach einem Rückgang auf 61% bleibt die Anzahl der Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum stabil. Beachten Sie, dass die in den letzten beiden Jahrzehnten enthaltenen Unternehmen nicht identisch sind. Einige Unternehmen verloren im zweiten Jahrzehnt ihre hohe Gewinnstabilität und gewannen diese im dritten Jahrzehnt wieder, während andere Unternehmen im dritten Jahrzehnt erstmals ihre Gewinnstabilität verloren.

Im Folgenden sind einige bekannte Unternehmen aufgeführt, die in den frühen 2000er-Jahren eine starke Verschlechterung der Gewinnstabilität (EPS) hinnehmen mussten, einschließlich der Information, ob diese auf den Pfad hoher Gewinnstabilität zurückehrten oder nicht:

Unternehmen Symbol 1990-1998 1998-2008 2008-heute Turn-Around?
Electronic Arts Inc EA 0.91 -0.55 0.94 Yes
General Electric GE 0.96 0.32 -0.83 No
Intel Corp INTC 0.97 0.11 0.73 Yes
Leggett & Platt LEG 0.98 -0.59 0.91 Yes
Oracle ORCL 0.94 0.49 0.93 Yes
AT&T T 0.83 -0.23 0.18 No

Tabelle 2: Bekannte Unternehmen, die im zweiten Jahrzehnt ihre hohe Gewinnstabilität verloren

 

Die folgende Tabelle wiederholt die Analyse von Tabelle 7 basierend auf dem OCF:

Gewinnstabilität (OCF) 1990 – 1998 1998- 2008 2008 – heute
>= 0.7 133 (100%) 91 (68%) 80 (60%)

Tabelle 3: Hat stabiles Gewinnwachstum (OCF) Bestand?

Man erkennt eine lineare Verschlechterung der Gewinnstabilität im Zeitverlauf. Dennoch behalten 60% aller Unternehmen mit stabilen Gewinnen im vorherigen Jahrtausend ihre hohe Gewinnstabilität bei. Dies entspricht in etwa den EPS-basierten Ergebnissen aus Tabelle 1.

Als nächstes wollen wir besser verstehen, was mit den Unternehmen passiert ist, die ihre hohe Gewinnstabilität verloren haben. Hielt der Großteil dieser Unternehmen zumindest eine mittlere Gewinnstabilität bei? Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die 142 Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum (EPS) in den neunziger Jahren von 1998 bis 2008 verhielten.

Gewinnstabilität (EPS) Anzahl Unternehmen Prozent
> 0.7 87 61.3%
> 0.5 – 0.7 20 14.1%
> 0 – 0.5 21 14.8%
– 0.5 – 0 9 6.3%
< -0.5 5 3.5%
Total 142 100.0%

Tabelle 4: Was mit den Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum (EPS) von 1998 – 2008 geschah

 

Die Verschlechterung der Gewinnstabilität ist meist gering. Rund 90% aller Unternehmen mit stabilem Gewinn in den neunziger Jahren behielten eine positive Gewinnstabilität bei. 75% behielten eine Gewinnstabilität von mehr als 0,5. Die folgende Tabelle zeigt die Situation der gleichen Unternehmen ein Jahrzehnt später von 2008 bis heute:

Gewinnstabilität (EPS) Anzahl Unternehmen Prozent
> 0.7 86 60.6%
> 0.5 > 0.7 16 11.3%
> 0 – 0.5 16 11.3%
-0.5 – 0 16 11.3%
< -0.5 8 5.6%
Total 142 100.0%

Tabelle 5: Was mit den Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum (EPS) von 2008 – heute geschah

 

Der Anteil der Unternehmen, die eine negativer Gewinnstabilität erfuhren, steigt von weniger als 10% auf 17% an. Dennoch haben etwas mehr als 70% der Unternehmen eine Gewinnstabilität von über 0,5 beibehalten. Und 60% bleiben sogar über 0,7.

 

Ändert der Wechsel vom Gewinn (EPS) auf den operativen Cash-Flow (OCF) etwas? Die folgende Tabelle zeigt, was zwischen 1998 und 2008 passiert ist:

Gewinnstabilität (OCF) Anzahl Unternehmen Prozent
> 0.7 91 68.4%
> 0.5 – 0.7 20 15.0%
> 0 – 0.5 15 11.3%
-0.5 – 0 4 3.0%
< -0.5 3 2.3%
Total 133 100.0%

Tabelle 6: Was mit den Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum (OCF) von 1998 – 2008 geschah

Die Haltbarkeit der Gewinnstabilität ist basierend auf dem OCF noch etwas höher. Nur etwa 5% der Unternehmen fielen auf das Niveau einer negativen Gewinnstabilität ab.

 

Und wie ging es im nächsten Jahrzehnt weiter?

Gewinnstabilität (OCF) Anzahl Unternehmen Prozent
> 0.7 80 60.2%
> 0.5 – 0.7 13 9.8%
> 0 – 0.5 23 17.3%
-0.5 – 0 10 7.5%
< -0.5 7 5.3%
Total 133 100.0%

Tabelle 7: Was mit den Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum (OCF) von 2008 – heute geschah

Mit 60% bleibt die Anzahl der Unternehmen, die eine hohe Gewinnstabilität aufweisen, im Vergleich zur EPS-basierten Auswertung unverändert. Und erneut halten etwa 70% aller Unternehmen eine Gewinnstabilität von über 0,5 bei.

 

Fazit: Hohe Gewinnstabilität bleibt meist bewahrt

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine hohe Gewinnstabilität in der Mehrzahl der untersuchten Unternehmen nicht nur ein, sondern sogar zwei Jahrzehnte später, erhalten bleibt. Dabei ist zu verschmerzen, dass stabile Gewinne der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft sind und einige Unternehmen zwangsläufig scheitern werden.

Denn die weiter erfolgreichen Unternehmen werden nach 20 Jahren ihren Marktwert vervielfacht haben und so die Verluste einer Minderheit von Unternehmen, die ihre Gewinnstabilität verloren, überkompensieren.

Wer sich als Investor auf die Gewinnstabilität konzentriert, konzentriert sich auf das Wesentliche. Obwohl es weder am Aktienmarkt noch irgendwo sonst eine Gewissheit über die Zukunft gibt, hat ein diversifiziertes Portfolio von Unternehmen mit hoher Gewinnstabilität meiner Meinung nach die besten Aussichten, sich in der Zukunft positiv zu entwickeln.

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