Michael C. Jakob | Gründer von AlleAktien. Studium von Informatik und Management am KIT/ ETH Zurich/ Massachusetts Institute of Technology. Danach in der Strategie bei UBS und Management-Berater.

Gründer bei AlleAktien, Management-Berater, Unternehmer, Software-Entwickler. Ich unterstütze Unternehmen und Influencer als verlässlicher, technischer Partner dabei, eigene digitale Produkte und Plattformen von 0 auf >100'000 monatlich aktive Nutzer zu skalieren. / michael@alleaktien.de

SoftBank als Innovationsmaschine & hochprofitable Investmentgesellschaft?

 

 

Aktienanalyse SoftBank Group / ソフトバンクグループ株式会社 Sofutobanku Gurūpu Kabushiki-gaisha
WKN 891624
Symbol K.K / SFTBY
Preis 60 EUR
Marktkapitalisierung 66 Mrd. EUR
KGVe 5,24
Datum 10.01.2019
Webseite SoftBank Investor Relations

Zusammenfassung Aktienanalyse SoftBank Group

  • SoftBank ist eine international tätige Investmentgesellschaft in Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Tokio, Japan. SoftBank hält große Beteiligungen an Alibaba (~30%), Yahoo Japan (~50%), Uber und Didi Chuxing (je ~18%), Nvidia (~5%), Slack (~5%), Boston Dynamics (100%), ARM (~75%), und vielen weiteren Firmen
  • SoftBanks 18-jährige durchschnittliche Investmentrendite (IRR) liegt bei 44% pro Jahr
  • Gründer und CEO Masayoshi behauptet und rechnet vor: SoftBank ist massiv unterbewertet und der günstigste Weg, sich in Alibaba einzukaufen
  • Mit dem SoftBank Vision Fund investiert das Unternehmen in das eine jeweils beste und fortschrittlichste Unternehmen von jeder Industrie. Das nennen sie die Kategorie No. 1 Strategie

 


AUFBAU DER SoftBank ANALYSE

  1. Geschäftsmodell von SoftBank
    1. Strategie: Cluster No. 1 Strategy
    2. Management: Masayoshi Son
  2. Bewertung und Beteiligungen von SoftBank
    1. Alibaba
    2. Boston Dynamics
    3. UBER
    4. ARM
    5. Weitere
  3. Risiken
  4. Fazit
  5. (Quellen)

 

Geschäftsmodell von SoftBank

Geschäftsmodell

Die Mission von SoftBank ist es, das Leben aller Menschen auf dem Planeten mit Hilfe von Technologie und Daten zu vereinfachen. Die Philosophie: Information Revolution — Happiness for everyone. Das Ziel des Managements ist dabei, den Unternehmenswert (Enterprise Value) von SoftBank, basierend auf dem EBITDA, zu maximieren.

Die Bank wird vom weltweit bekannten Influencer und Gründer Masayoshi Son geführt, der sich gerne in der Öffentlichkeit zeigt. Die Firma hat zu Beginn in Telekommunikationsunternehmen (z.B. Brightstar) investiert und ist dann mehr und mehr in andere Technologie-Bereiche vorgedrungen (Finanzen, Halbleiter, Internet, e-Commerce, …). SoftBank ist die 39. größte öffentlich gelistete Firma der Welt, die 4. größte in Japan.

Das SoftBank Logo entstammt einer alten japanischen Handelsfirma und ist gleichzeitig ein „Ist-Gleich“-Zeichen aus der Mathematik: SoftBank will für Klienten und Investoren eine Antwort auf die wichtigsten Probleme haben, die es gerade zu bewältigen gibt.

Singularity bedeutet: Künstliche Intelligenz ist mächtiger als die Menschliche Intelligenz und kann sich ohne den Menschen im Sekundentakt selbst verbessern

Der Gründer beschreibt Singularität als den Zeitpunkt, an dem Künstliche Intelligenz (KI) die Menschliche Intelligenz (MI) übertrumpft. Die KI kann sich dann immer und immer selbst verbessern, bessere Produkte und Dienstleistungen im Sekundentakt produzieren, braucht den Menschen nicht mehr. Die physische und mentale Arbeitskapazität ist überflüssig. Dafür hat Masayoshi den SoftBank Vision Fund gegründet, um gezielt in Unternehmen und Tech-Startups zu investieren, die die Menschheit einen signifikanten Schritt in diese Richtung der Singularität führen. Der erklärte Anlagehorizont liegt bei 300 Jahren — so langfristig denkt SoftBank.

SoftBank sieht darin eine gewaltige Stärke, gleichzeitig in viele verschiedene Tech-Unternehmen zu investieren, die sich alle gegenseitig und kontinuierlich unterstützen sollen. So will es die Mission von SoftBank, und die von Masayoshi. Alle Firmen sollen gemeinsam erfolgreich werden. Das ist eines der wichtigsten Kriterien, wenn SoftBank in eine Firma investiert.

Gründer und CEO: Masayoshi Son (孫正義)

SoftBank Gründer und CEO: Masayoshi Son (孫正義)

Masayoshi hat bereits mit 19 Jahren seine erste Erfindung entwickelt: Er hat das erste elektronische Wörterbuch veröffentlicht und wenige Jahre später für über eine Millionen USD verkauft. Er ist mit einem Nettovermögen von ~23 Mrd. USD einer der reichsten Unternehmer. Er hält 25,5% an SoftBank als größter Anteilseigner. Alle anderen Beteiligungen sind mehrheitlich von institutionellen Anlegern und kleiner als 5%.

Aber die Erfindung, für die er eigentlich bekannt sein will, ist eine ganz andere: Die Cluster of No. 1 Strategy, wie er selbst es nennt. Die Cluster of No.1 Strategy bedeutet: Über einen Fonds die Mehrheitsbeteiligungen von Firmen mit 20 – 30% des Eigenkapitals erwerben (und damit der größte Einzelaktionär dieser Firma werden). Dabei werden nur Tech-Firmen betrachtet, die die Evolution der Menschheit oder ihrer jeweiligen Industrie maßgeblich vorantreiben. Der betrachtete Anlagehorizont sind 300 Jahre.

Der Fokus liegt dabei darauf, immer in die nächsten disruptiven Firmen zu investieren. Masayoshi weiß ganz genau, dass keine Firma ihr Monopol auf ewig halten kann. Es gibt bei der Cluster of No. 1 Strategy nur zwei wichtige Merkmale:

  1. Best-in-Class: Das wichtigste Kriterium jedoch ist: SoftBank investiert ausschließlich in die beste Firma des jeweiligen Segments (deshalb auch ‚No. 1 Strategy‘): Alibaba ist der #1 e-Commerce der Welt, UBER/Didi die #1 Carsharing-Firmen der Welt, Boston Dynamics die #1 Robotik Firma, …
  2. Unabhängigkeit: Die einzelnen Firmen bleiben 100% unabhängig, werden nicht von SoftBank kontrolliert oder geführt. SoftBank strebt nicht mehr als 50% des Eigenkapitals an, oder dass die Firma etwa „SoftBank“ im Markennamen haben muss. Wenn man nur 20% – 30% einer Firma hält, ist es auch deutlich einfacher, seine Anteile zu verkaufen

Die Investments werden über den SoftBank Vision Fund gemacht, womit Masayoshi die meiste Zeit verbringt. Wie er das macht, erklärt er im folgenden Interview mit Bloomberg (in Englisch, aber sehr leicht verständlich).

Empfehlung: Masayoshi im Interview: So sammelt man 45 Mrd. in 45 Minuten ein (Englisch)

Masayoshi Son erklärt in einem Interview mit Bloomberg, wie er SoftBank aufgebaut hat. Außerdem: Wie man 45 Mrd. USD in 45 Minuten von Investoren bekommt. (Video auf Youtube)

 

Bewertung von SoftBank: extrem unterbewertet laut CEO Masayoshi

Der wichtigste Punkt ist: SoftBank ist eine Investmentgesellschaft. SoftBank ist so viel Wert wie die Summe aller Beteiligungen minus der Summe aller Schulden, die aufgenommen wurden. Deshalb werde ich in Schritt 1/2 die wichtigsten Beteiligungen detailliert beschreiben. Im Schritt 2/2 werde ich auf die Finanzierung eingehen. Zum Schluss werde ich daraus ein Fazit ziehen, ob SoftBank in meinen Augen aktuell unter- oder überbewertet ist.

CEO Masayoshi behauptet und rechnet vor: SoftBank ist „extrem unterbewertet“

Der Gründer Masayoshi Son behauptet selbst und rechnet auf der SoftBank-Webseite sogar vor: SoftBank sei extrem unterbewertet. Die wertvollsten Beteiligungen von SoftBank (Alibaba, Sprint, Yahoo Japan, Arm und der SoftBank Vision Fund) sind seiner Rechnung zufolge 23’153 Mrd. JPY wert (~208 Mrd. USD). Zieht man davon alle kurz- und langfristigen Schulden im Wert von 8’954 Mrd. JPY (~78 Mrd. USD) ab, so verbleibt ein Wert aller Beteiligungen nach Abzahlung aller Schulden von 14’199 Mrd. JPY (~130 Mrd. USD).

Die Marktkapitalisierung von SoftBank liegt aber bei nur 8’070 Mrd. JPY (72 Mrd. USD). Es gibt also eine enorme Lücke zwischen dem Wert aller Beteiligungen und der aktuellen Marktbewertung der SoftBank Aktie. Auf diese Lücke weist Masayoshi auch aktiv auf der SoftBank-Webseite hin. SoftBank ist laut ihm um 80% (130 Mrd. / 80 Mrd.) unterbewertet.

1 JPY (Japanischer Yen) ist knapp 0,009 USD wert. 100 JPY sind 0,90 USD wert. Vereinfacht kann man als Überschlagsrechnung auch festhalten: 100 JPY entsprechen knapp 1 USD.

Masayoshis Rechnung: SoftBank ist extrem unterbewertet, alleine weil die öffentlich gelisteten Beteiligungen minus die Schulden den zweifachen Wert des Enterprise Value haben (Marktkapitalisierung – Schulden). SoftBank sollte mindestens den gleichen Gegenwert der Summe aller Beteiligungen minus Summe aller Schulden wert sein, plus ggfs. ein „alpha“, also einen Goodwill und den Wert der Firma selbst. Quelle: https://group.softbank/en/corp/irinfo/message/son/

 

Die Logik geht auf, die Bewertung der Schulden ist aus meiner Sicht relativ genau. Es ist vertraglich genau spezifiziert, was und wie viel zurück zu zahlen ist. Was jedoch undurchsichtig ist: Wie viel sind SoftBanks Beteiligungen wirklich wert? Neben Alibaba befindet sich ein Großteil der Investments im privaten Markt.

Im folgenden Abschnitt werde ich auf die größten Beteiligungen von SoftBank detailliert eingehen:

  1. Alibaba
  2. SoftBank Vision Fund (u.a. UBER, Didi Chuxing)
  3. Sprint
  4. Yahoo Japan
  5. ARM

 

Beteiligung: 29,5% an Alibaba

Alibaba ist mit 29,5% das größte Investment von SoftBank. Die Anteile wurden im Jahr 2000 für nur 20 Mio. USD direkt von Jack Ma gekauft.

Alibaba ist unter dem Ticker BABA öffentlich in New York gelistet. Meine besonders ausführliche Analyse zu Alibaba habe ich bereits vor ~2 Monaten auf AlleAktien veröffentlicht, die ich dir an dieser Stelle empfehlen möchte. Ich glaube, dass Alibaba aktuell unterbewertet ist. Deshalb halte ich auch eine Bewertung der 29,5% Alibaba zum aktuellen Marktkurs für eine konservative Einschätzung. Der Gegenwert der 29,5% beträgt nach heutigem Kurs (140 USD) insgesamt 120 Mrd. USD.

 

Beteiligung: 100% SoftBank Vision Fund

20% an UBER, Börsengang 2019

UBER ist das US-amerikanische Startup zur Vermittlung von privaten Taxi-Fahrten und Carsharing. Das Unternehmen hat weltweit ~100 Mio. Nutzer und in Amerika einen Marktanteil von 70%. Auf dem privaten Markt wurde UBER zuletzt mit 72 Mrd. USD bewertet (August 2018, nach einem 500 Mio. USD Investment von Toyota).

UBER plant in diesem Jahr, 2019, den Börsengang. Welche Bewertung das Unternehmen an der Börse erreicht, ist noch unklar. Investment-Banken haben UBER bereits eine Bewertung von 120 Mrd. USD angepriesen. Es ist nun aber auch schon mehrfach vorgekommen, dass die Bewertung an der Börse erheblich geringer ist als auf dem privaten Markt. Ich persönlich vermute, dass 72 Mrd. USD bereits eine sehr ordentliche Summe für UBER sind. Der Hauptkonkurrent in den USA, Lyft, wird im Jahr 2019 ebenfalls an die Börse gehen. International gibt es weiterhin starke Blockaden, Lobbying (u.a. auch in Deutschland, wo UBER verboten wird) und mittlerweile zahlreiche Konkurrenten in fast allen Ländern (MyTaxi, Didi, Grab, Ola, …).

UBER ist aber lange nicht die einzige Carsharing-App, in die SoftBank investiert hat. Im Gegenteil: SoftBank hat in zahlreiche erfolgreiche und lokale Carsharing-Apps investiert:

  • UBER (USA, weltweit)
  • Didi Chuxing (China)
  • Grab (Südostasien, u.a. Vietnam, Singapur)
  • Ola (Indien)
Name des Investments Wert
UBER Bewertung 70 Mrd. USD (privater Markt)
SoftBank Anteil 17,5%
SoftBank Bewertung ~12 Mrd. USD

 

WeWork, Co-working Spaces

WeWork spezialisiert sich auf Coworking-Spaces für Gründer, Startups, und Amateure. Man kann weltweit in allen Großstädten einzelne Arbeitsplätze, Meeting-Räume und einzelne oder mehrere Büros mieten. Ich habe WeWork 2017 in China besucht. Der Leiter von WeWork Beijing meinte zu mir, dass WeWork Startups begleitet, welche 1 bis knapp 50 Angestellte haben. Danach ist es für die Startups bisher lukrativer, selbst eigene Büroräume anzumieten. WeWork versucht aber aktiv, auch „erwachsenere“ Startups mit mehr als 50 Angestellten zu behalten, da diese einen sehr vorhersagbaren Cashflow liefern. Leider gibt es zu WeWork keine besonders verlässlichen oder genauen Zahlen zum Umsatz.

Selbst Forbes schätzt nur ganz grob, dass sich die Bewertung irgendwo zwischen 1 und 40 Mrd. USD bewegen könnte.

Ganz aktuell: SoftBank hatte erst den Plan, 15-20 Mrd. USD zusätzlich dieses Jahr in WeWork zu investieren, wird jetzt aber doch „nur“ 2 Mrd. USD investieren. Insgesamt hat SoftBank damit jetzt knapp 10 Mrd. USD in WeWork investiert, einen auch für SoftBank relativ großen Betrag.

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Beteiligung: 85% an Sprint, wird mit T-Mobile US zusammengeführt

Sprint ist ein öffentlich an der NYSE gelisteter US-Mobilfunkkonzern (Ticker: S) mit mehr als 50 Mio. zahlenden Kunden. Im August 2018 hat SoftBank angekündigt, dass Sprint mit T-Mobile US (Ticker: TMUS) verschmelzen wird. SoftBank gibt damit zwar bei Sprint die Kontrolle ab, wird aber im Gegenzug 27% der neuen Firma „Sprint + T-Mobile US“ erhalten. Der Zusammenschluss wird aktuell in den USA von den Behörden geprüft. Die größten Konkurrenten von Sprint und T-Mobile sind in den USA die Mobilfunkkonzerne AT&T und Verizon.

Masayoshi wollte Sprint bereits 2013 mit T-Mobile US mergen (mergen = sich zusammenschließen), jedoch mit einem Mehrheitsanteil >50% an der neuen Firma. Dies ist jedoch gescheitert, weil T-Mobile die Kontrolle nicht abgeben wollte.

Name Bewertung
T-Mobile US 57 Mrd. USD
Sprint 25 Mrd. USD
Merger (T-Mobile US + Sprint) 82 Mrd. USD
27% des Mergers ~22 Mrd. USD

Ob wir bei diesem Merger wirklich einfach die beiden Marktkapitalisierungen addieren können, wird sich zeigen. Auf den ersten Blick verliert SoftBank damit Geld, weil die 22 Mrd. USD des Mergers weniger als die 25 Mrd. an Sprint wert sind. Allerdings hat Sprint auch erheblich mehr Schulden und es wird erwartet, dass Sprint+T-Mobile US gemeinsam eine höhere Marge und Cross-selling einfahren können.

 

Beteiligung: 48% an Yahoo Japan

Internet advertising, e-commerce business, membership services. Nachdem Yahoo vor wenigen Jahren zerschlagen und das US-Geschäft an Verizon verkauft wurde, wurde das boomende Japan-Geschäft an SoftBank verkauft. Yahoo Japan und Yahoo Rest-der-Welt sind in keinster Weise vergleichbar. Yahoo ist in Japan eine der meistbesuchten und erfolgreichsten Webseiten.

Yahoo Japan ist als eigenständige Firma an der Börse handelbar, unter dem Ticker YAHOF, und wird mit 13 Mrd. USD Marktkapitalisierung bewertet. Der SoftBank-Anteil von 48% entspricht damit einem Wert von ~6.2 Mrd. USD.

 

Beteiligung: 100% an Boston Dynamics

Boston Dynamics ist eine 1992 am MIT in Zusammenarbeit mit der DARPA (U.S. Regierungsbehörde) gegründete Robotik-Firma und gilt als der Vorreiter in organischer Robotik: Roboter, die sich wie Tiere und Menschen flüssig bewegen können und das Gleichgewicht auch in komplizierten Situationen nicht verlieren. Boston Dynamics wurde 2013 von Google gekauft und 2017 an SoftBank weiter verkauft. Am bekanntesten ist die Firma für den Roboter BigDog, einem Hund ähnlichem Roboter.

Leider ist nicht bekannt, welche Summe SoftBank für Boston Dynamics an Google bezahlt hat. Experten bewerten das Unternehmen aber mit mindestens 100 Mio. USD. Obwohl Boston Dynamics enorme Fortschritte in der Robotik macht, hatten sie bisher Probleme, ihre Produkte und Dienstleistungen zu kommerzialisieren. Umsatzzahlen sind nicht bekannt. Konservativ muss ich daher Zwecks fehlenden/unbekannten Umsatz/Gewinn-Zahlen schätzen, dass Boston Dynamics ein hochriskantes Spiel ist, und keine Bewertung hat.

Beteiligung: 75% an ARM

ARM stellt energieeffiziente Mikroprozessoren her und hat damit Intel bei der Herstellung von Computerchips im letzten Jahrzehnt abgelöst, als auch Smartphones, Tablets, und das IoT den stationären Desktop-Computer abgelöst haben. Neben den Prozessoren selbst lizenziert ARM auch geistiges Eigentum (Intellectual Property), Patente und Software zur Chipherstellung.

ARM hat laut Forbes eine Marktkapitalisierung von 19 Mrd. USD. SoftBank gehören 75%, das entspricht dann 14,25 Mrd. USD.

Laut Bloomberg sitzen in 85% aller Smartphones der Welt Prozessoren vom britischen Hersteller ARM. Eine Gesamtübersicht aller Märkte, in denen ARM beteiligt ist:

Finanzierung: 30 Mrd. USD kurzzeitige Schulden, 130 Mrd. USD langfristige Schulden

Aus dem Geschäftsbericht entnehme ich, dass SoftBank hauptsächlich mit langfristigen Schulden finanziert ist. Auf die kurzzeitigen Schulden (30 Mrd. USD) muss SoftBank ~1.9 % Zinsen pro Jahr bezahlen. Auf die langfristigen Schulden von 130 Mrd. USD fallen knapp ~3% Zinsen pro Jahr an. Die langfristigen Schulden haben eine Laufzeit von durchschnittlich nur 5 Jahren. Bei einem Börsencrash (der bekanntlich nicht nur abrupt und kurzzeitig andauert), sondern über mehrere Jahre gehen kann, könnte eine Refinanzierung risikoreich sein. Andererseits hat SoftBank aber auch bereits zwei Krisen (2000 und 2008) erfolgreich überstanden.

 

Zusammenfassung: Beteiligungen und Schulden

Name Bewertung USD
29,5% Alibaba 120 Mrd.
27% am Merger Sprint und T-Mobile US 22 Mrd.
48% Yahoo Japan 6,2 Mrd.
100% Boston Dynamics 0 (keine Daten)
75% ARM 14,25 Mrd.
20% UBER (Vision Fund) 12 Mrd.
5% Nvidia 4 Mrd.
Kurzfristige + Langfristige Schulden -160 Mrd.
Shareholder Value #1 ca. 18 Mrd. 

Es fehlen hier bewusst alle Investitionen (außer UBER, welches 2019 an die Börse geht) des SoftBank Vision Funds, welcher hauptsächlich in private Tech-Startups investiert. Diese einzeln und ohne Daten (Umsatz, Gewinn, …) zu bewerten, ist mir leider nicht möglich. Aus diesem Grund, muss ich diese Startups in meiner konservativen Berechnung mit 0 USD bewerten. Dies trifft auch auf Boston Dynamics zu.

Der Großteil der Schulden entfällt auf den US-Telekommunikationskonzern Sprint. T-Mobile US hat dem Merger bereits zugestimmt und auch die Bedingung akzeptiert, alle Schulden von Sprint zu übernehmen. Rechnet man von den 160 Mrd. USD Schulden die Sprint-Schulden heraus und rechnet das zusätzliche Vermögen (Kassenbestand, Receivables, …) mit ein, verbleiben nur Schulden in Höhe von 80 Mrd. USD! Das gilt wohlgemerkt nur unter der Bedingung, dass der Merger von Sprint und T-Mobile US von den US-Behörden abgesegnet wird (von der US „antitrust“ Kartellbehörde), und nicht unerwartet abgebrochen wird. Der Merger wird allgemein als relativ sicher angenommen. Ist dies der Fall, dann beträgt die Summe des Shareholder Value knapp 18 Mrd. USD + 80 Mrd. USD = ~98 Mrd. USD.

Name Bewertung USD
Summe #1 18 Mrd.
+ Sprint Schulden 80 Mrd.
Shareholder Value #2 (Net debt, ohne Sprint Schulden) ca. 98 Mrd.

 

Langfristige Anleihen (10 Jahre) von SoftBank notieren jedoch deutlich unter 100% und werden mit 6% Kupon verzinst. Aus meiner Sicht ist das relativ teuer, aber noch im Rahmen, denn: SoftBank investiert das Geld als Venture Capital in hochriskante Tech Aktien und -Startups, die von Banken idR. überhaupt keine Finanzierung oder zu deutlich >10% pro Jahr erhalten, weil kaum Sicherheiten vorhanden sind.

 

 

 

SoftBank Marktkapitalisierung: 80 Mrd. USD

Man erkennt auf den ersten Blick, dass die SoftBank Marktkapitalisierung von ~80 Mrd. USD (10. Januar 2019) und unsere Shareholder Value von ~98 Mrd. USD relativ nahe zusammen liegen. Man könnte daraus lesen, dass der Merger Sprint und T-Mobile US im Markt mit einer Wahrscheinlichkeit von ~80% angenommen wird. Wichtiger ist jedoch: Wir haben die hochriskanten Investments des SoftBank Vision Funds nicht berücksichtigt, bzw., können diese privaten Firmen kaum bewerten. 

Ich bin überzeugt, dass diese Firmen nicht wertlos sind (Boston Dynamics, Didi Chuxing, WeWork, …). Allerdings kann ich mich auch nur Bloomberg, Forbes, und Fortune anschließen in der Aussage: Die Bewertung jeder dieser Firmen liegt irgendwo zwischen 0 und 40 Mrd. USD. Alle investierten Startups verkaufen momentan eine Investoren-Vision und Hoffnungen. Masayoshi selbst behauptet, die Investitionen (inkl. 20% an UBER mit 12 Mrd. USD, 5% an Nvidia mit ~4 Mrd. USD) sind 33 Mrd. USD wert. Nach UBER und Nvidia verbleiben also ~17 Mrd. USD, die auf alle Startup-Investitionen aufgeteilt werden, darunter

  • 100% Boston Dynamics
  • Didi Chuxing (Chinas UBER)
  • Slack
  • WeWork
  • Flipkart

Zwischenfazit: Selbst sehr konservativ scheint SoftBank unterbewertet, WENN Sprint und T-Mobile US mergen
(Startup-Investments des SoftBank Vision Funds wurden mit 0 USD bewertet)

 

Risiken von SoftBank

  • Fehlende oder teure Finanzierung: Kurzfristiges und langfristiges Fremdkapital sind zur Zeit mit jeweils 1,9% und 3% jährlichen Zinsen geliehen. Steigen die Zinsen für diese Schulden unerwartet, so muss sich SoftBank zusätzliches Kapital leihen oder unprofitabel devestieren (Aktien oder Beteiligungen verkaufen). Selbiges gilt auch für den SoftBank Vision Fonds: Wenn mehrere Investoren schlagartig ihr Geld sofort zurück haben wollen, dann muss der Fonds seine Investitionen schnell los werden. Weil sich die Investitionen aber auch auf viele private Firmen aufteilen, sind diese Werte hoch illiquid und können nicht innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen verkauft werden. SoftBank hat hingegen auch schon 2 Finanzkrisen (2002 und 2008) miterlebt und sogar sehr erfolgreich überstanden. Die Gelegenheit genutzt, sich extrem günstig in unterbewertete Unternehmen (z.B. Alibaba, Nvidia) einzukaufen.
  • Single-Person-Risk: SoftBank ist rund um die Person Masayoshi Son aufgebaut. Er konnte Milliarden an Investorengeldern einsammeln und erhält langfristige Banken-Kredite, weil er mit seinem Namen, Ruf und persönlichem Milliarden-Vermögen dafür einsteht.
  • Merger von Sprint und T-Mobile US: 2018 haben sich die beiden Firmen auf den Merger geeinigt. Die Transaktion muss noch überstehen: 1. Die Aktionärsbefragung, 2. Das Regulatorische O.K. der Antikartellbehörde. Es wird erwartet, dass der Merger in den ersten 6 Monaten des Jahres 2019 erfolgreich verläuft.

 

Aktuelle Einschätzung SoftBank: kaufen

Aus meiner Sicht ist SoftBank eine sehr gute Möglichkeit, sich einerseits breit in Zukunfts-Technologie-Werte aufzustellen, und andererseits eine tolle Möglichkeit, wie man einfach in private Tech-Startups investieren kann (Boston Dynamics, UBER, Didi, WeWork, …). SoftBank ist an der Börse gegenüber der von SoftBank gehaltenen Aktien unterbewertet, selbst wenn man konservativ nur die Investments bewertet, die ebenfalls wiederum an der Börse gelistet sind (Alibaba, Nvidia, Sprint, T-Mobile US, Yahoo Japan, …). Mit einem Investment in SoftBank kann man vergünstigt an Alibaba-Aktien herankommen.

Die Tech-Startups sehe ich als kleinen Bonus, die ein enormes Vervielfachungspotential haben könnten, den ich jedoch trotzdem ganz hart und konservativ mit 0 EUR bewerte. Die privaten Startups lassen sich nicht in die Zahlen schauen und sind schon gar nicht von unabhängigen Wirtschaftsprüfern (PwC, KPMG, …) oder Beratungsfirmen verifiziert. Es wären nicht die ersten Startups, die eine Milliardenbewertung auf dem privaten Markt hätten, aber in Wirklichkeit 0 EUR wert sind (Beispiel: Theranos im Jahr 2018).

Ich sehe die Rechnung zwar ähnlich wie Masayoshi Son, würde aber konservativer an die Bewertungen der Unternehmen herangehen. Vor allem, wenn es um die Bewertung von privaten Unternehmen geht, ist die Bewertung oft hoch ineffizient. Bei einigen Firmen hält SoftBank >50% oder gar 100% der Aktien (z.B. WeWork, 100% bei Boston Dynamics) und legt somit durch ihr Investment selbst die Bewertung fest, von Dritten bestätigte Umsatz- oder Gewinnzahlen gibt es bei diesen Startups oft nicht. Wie viel diese privaten Unternehmen wirklich wert sind, wird erst klar, wenn sich entweder die Gewinne herauskristallisieren oder das Unternehmen komplett weiterverkauft werden kann. Aus diesem Grund habe ich Investments ohne bestätigte Zahlen (WeWork, Boston Dynamics, …) nicht in die Bewertung mit aufgenommen.

 

Liebe Grüße,
Michael C. Jakob

 

Quellen & Links

Beschreibung
SoftBank Pressekonferenz wichtiger Investitionen (PDF)
SoftBank Fund Presentation (PDF) — starke Empfehlung, selbst zu lesen!
SoftBank 2017 Geschäftsbericht (PDF)
SoftBank Strategie und Unterbewertung laut Masayoshi
Übersicht der wichtigsten SoftBank Beteiligungen 2018
SoftBank: Price Is What You Pay, Asset Supported Value And A Free Option Is What You Get
Die Risiken von SoftBank, laut SoftBank
SoftBank — Vision für die nächsten 30 Jahre — starke Empfehlung, selbst zu lesen!

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5 Antworten

  1. Salvatore Meli sagt:

    Top Artikel, sehr gute Arbeit. Was mich interessieren würde falls Softbank ein Investment wird. Welche Aktie macht Mehr Sinn? Die in Japan gehandelte oder die adr aus USA? Über degiro ist die adr attraktiv, aber wie verhält es sich mit den Dividenden?

  2. DOMINIK sagt:

    Gute Frage das würde mich auch interessieren

  3. Hallo Salvatore,
    ein ADR ist von einer Aktie fundamental unterschiedlich, da das ADR nur ein „Recht auf eine Aktie“ verbrieft, aber eben noch keine Aktie ist. In meiner Tencent-Analyse auf AlleAktien habe ich den Unterschied auch nochmal ausführlicher erklärt.

    Bei SoftBank handelt es sich um ein sogenanntes „Unsponsored ADR“. „Unsponsored“ bedeutet, dass eine US-Bank das Zertifikat aufgelegt hat, jedoch ohne die Unterstützung (oder sogar ohne die Einwilligung) von SoftBank. 2 SoftBank ADR entspricht 1 Aktie.

    Die Dividende wird bei beiden ausgezahlt. Der Ticker des SoftBank ADR ist SFTBY.
    Quelle zur Dividendenauszahlung SFTBY: https://www.otcmarkets.com/stock/SFTBY/security

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