Starbucks Dividende ist hoch! Schnäppchen für Dividenden-Investoren?

 

Starbucks Schulden

Zusammenfassung

  • Historisch hohe Dividendenrenditen weisen sowohl auf erhöhte Chancen als auch Risiken hin.
  • Eine Fundamentalanalyse ist notwendig, um das Verhältnis von Chancen und Risiken auszuloten.
  • Die Starbucks Dividende ist so hoch wie nie zuvor. Die Dividendenrendite von L Brands beträgt fast 7%.
  • Am Beispiel von Starbucks und L Brands wird gezeigt, wie ein solches Vorgehen aussehen kann.

 

Schnäppchen gibt es in jeder Marktlage. Doch man muss sie nicht nur erkennen, sondern zudem unterscheiden, ob es sich wirklich um ein Schnäppchen handelt, oder ob man gerade dabei ist, in ein fallendes Messer zu greifen.

In diesem Artikel geht es um zwei Aktien, die eine historisch hohe Dividende gemeinsam haben: Starbucks und L Brands. Doch sind beide Aktien tatsächlich das erhoffte Schnäppchen? Oder sollte man doch besser die Finger davon lassen?

Hinweis: Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Grafiken von Aktienfinder.Net – dem Aktienscreener für Wachstumswerte

 

Übersicht: Starbucks und L Brands mit überzeugender Dividendenhistorie

Beide Unternehmen konnten in den letzten 5 Jahren die Dividende im Schnitt um jährlich 17% bzw. 24% steigern, bestechen durch eine historisch betrachtet hohe Dividendenrendite und eine günstige Bewertung. L Brands glänzt Stand heute mit einer Dividendenrendite von satten 6,6%.

Dividenden Starbucks L Brands

Die L Brands und Starbucks Dividende locken. Zwei Aktien, die mit einer historisch sehr hohen Dividendenrendite locken. Sollte man jetzt zugreifen?

 

L Brands verdient an knappen Hosen

L Brands erzielt den meisten Umsatz mit dem Verkauf körperbetonter Unterwäsche über die Marke Victorias Secret, die derzeit rund 60 % des Gesamtumsatzes ausmacht. Das zweite Standbein ist der Verkauf von Pflege- und Wohlfühlprodukten über die Marke Bath & Body Works, die für rund 30 % des Unternehmensumsatzes verantwortlich ist. Der Rest verteilt sich auf kleinere Marken, die für die Zukunft des Unternehmens eine untergeordnete Rolle spielen. Während es bei Bath & Body zufriedenstellend läuft, kämpft Victorias Secret mit stark rückläufigen Margen.

 

Starbucks ist ein „Feel-Good-Place“ mit teurem Kaffee

In den mittlerweile fast 30.000 Filialen von Starbucks werden in 76 Ländern unterschiedliche Kaffeederivate inklusive Wohlfühlatmosphäre an den Kunden gebracht. Während im Heimatmarkt USA weiteres Wachstum immer schwerer machbar ist, ruhen große Hoffnungen auf China, wo Starbucks als Marktführer bereits über 3.000 Filialen unterhält.

 

Wann Dividendenaktien günstig scheinen

Es gibt unterschiedliche Methoden, um zu beurteilen, ob eine Aktie günstig ist. Bei Dividendenaktien bietet sich der Vergleich zwischen aktueller und historischer Dividendenrendite an. Ganz ohne Mathematik lässt sich mit bloßem Auge erkennen, ob die aktuelle Dividendenrendite im historischen Kontext hoch oder niedrig ausfällt.

Aktuelle Dividendenrendite von Starbucks ist weit überdurchschnittlich

Starbucks Dividendenrendite

Die historische Dividendenrendite von Starbucks ist auf einem Allzeithoch. In den letzten Jahren lag die Dividendenrendite meist bei Werten um 1,5%. Aktuell liegt die Starbucks Dividende mit 2,3% weit darüber.

Nie zuvor wurden Starbucks-Aktionäre mit einer Einstiegsdividende in Höhe von 2,3 % belohnt. Ein attraktives Einstiegsargument, zumal die Dividende den Prognosen entsprechend weiter steigen soll. Zum Ende des Geschäftsjahres 2020 läge die persönliche Dividendenrendite dann bei 3,3 %.

 

L Brands Dividendenrendite bei über 6%

Was die aktuelle Dividendenrendite angeht, legt L Brands mit 6,6 % nicht zwei, sondern gleich drei Schippen drauf.

L Brands Dividendenrendite

Die historische Dividendenrendite von L Brands. Zweite Chance zum Einstieg?

Anhand des Charts ist zu erkennen, dass während der Finanzkrise L Brands sogar mit einer Dividende in Höhe von 9,6 % zu haben war. Wer damals zugriff, wurde nicht nur mit weiter steigenden Dividenden, sondern einer Kursvervielfachung von rund 7 auf Spitze 100 USD fürstlich entlohnt. Besteht heute nun die zweite große Chance?

 

Weitere Bewertungsmethoden

Unabhängig davon, ob ein Unternehmen Dividenden ausschüttet oder nicht, kann das aktuelle Preisniveau einer Aktie über andere Verfahren ermittelt werden, die auf Gewinn oder Cash-Flow basieren. Auch auf Basis dieser Verfahren werden beide Aktien derzeit als unterbewertet eingestuft.

Die negativen Prozentwerte in den beiden Spalten rechts zeigen den Abschlag zum fairen Wert der Aktie an:

Bewertung Starbucks L Brands

Die Suche nach dem Haken

Vermeintlichen Sonderangeboten an der Börse ist stets mit Misstrauen zu begegnen. Da die langfristige Gewinnentwicklung über Wohl und Wehe eines Unternehmens entscheidet, fängt man bei der Suche nach dem Haken am Besten hier an.

 

Die langfristige Gewinnentwicklung von L Brands

L Brands Gewinne

Der Haken an L Brands ist leicht zu erkennen. Gewinne und Cash-Flow sind seit zwei Jahren rückläufig, und der aktuelle Free-Cash-Flow von 2,17 USD reicht nicht aus, um die Dividende von 2,40 USD vollständig zu decken.

 

Allgemein kommt der Gewinn durch Umsatz und Margen zustande. Entsprechend verrät ein Blick auf den Verlauf von Umsatz und Margen mehr über das eigentliche Problem:

L Brands Umsatz und Margen

L Brands: Weiterhin steigende Umsätze, aber sinkende Margen

Um die Laufkundschaft im darbenden Einzelhandel weiterhin in die Filialen zu locken, wirbt L Brands mit Rabatten, die an den Margen zehren. Zudem stellen sich die Sortimentsbereinigung bei Victorias Secret sowie das Einstellen des Katalogs zunehmend als strategische Fehler heraus.

Der Gewinn von L Brands zog in den Jahren 2010 bis 2016 insbesondere dank steigender Margen an. Eine solche, wenn auch positive, Entwicklung, die jedoch mit Vorsicht zu genießen ist. Denn Margen sind auf Dauer schwerer zu steigern, und auch zu halten, als der Umsatz. Man könnte die sinkenden Margen bei L Brands sogar als Rückkehr zur Normalität betrachten. Denn heute sind die Margen wieder dort angelangt, wo sie zuvor in 2011 und 2012 gewesen sind – und liegen damit noch deutlich über denen aus den Jahren zuvor.

Bei L Brands ruht die Hoffnung auf weiterhin steigenden Umsätzen, ohne dass die Margen noch weiter sinken, wobei die Frage im Raum steht, ob dies für üppige Dividenden reicht. Dabei hängt die Sicherheit der Dividende nicht nur von den aktuellen Gewinnen und Cash-Flows ab, sondern auch von der Bilanz des Unternehmens. Bei vorhandener Liquidität ist es möglich, auch magere Zeiten ohne Dividendensenkung zu überstehen.

Leider ist es um die finanzielle Stabilität bei L Brands nicht gut bestellt:

L Brands Schulden

L Brands: abnehmende Liquidität und Schulden übersteigen das Gesamtvermögen

Nicht nur sind die Schulden höher als das Gesamtvermögen, sondern schmolzen mit sinkenden Margen auch die liquiden Mittel (siehe Cash + Wertpapiere) in der Bilanz dahin- von 2,5 Mrd. USD im Jahr 2016 auf rund 1 Mrd. USD aktuell.

 

Steht es um Starbucks besser?

Nach dem ernüchternden Fazit bei L Brands wird es Zeit, bei Starbucks nach dem Rechten zu sehen:

Starbucks Gewinnentwicklung

Im Gegensatz zu L Brands reichen hier sowohl Gewinn als auch Free-Cash-Flow aus, um die laufende Starbucks Dividende zu finanzieren. Auch stellt sich der Gewinnrückgang bei weitem weniger dramatisch als bei L Brands dar.

Zwar kämpft auch Starbucks mit schwächeren operativen Margen, doch ist der Rückgang von rund 18% auf leicht unter 17 % deutlich geringer als bei L Brands. Zudem wird weiterhin mit deutlich steigenden Umsätzen gerechnet. Der Gewinneinbruch von Gewinn und Nettomarge im Jahr 2013 ist übrigens das Ergebnis einer Strafzahlung gegen Kraft Foods in Höhe von über 2 Mrd. USD.

 

Starbucks Umsatz und Margen

Umsätze und Margen bei Starbucks. Eine Krise sieht anders aus. Die Umsätze klettern vorbildlich von Jahr zu Jahr. Die operative Marge bleibt stabil bei knapp unter 20%.

Auch um das finanzielle Polster ist es bei Starbucks weniger dramatisch als bei L Brands bestellt:

Starbucks Schulden

Entwicklung von Vermögen und Schulden bei Starbucks

Man sieht dem steigenden Bilanzvolumen das rasante Wachstum des Unternehmens an. Zwar stieg  in den letzten Jahren auch bei Starbucks die Schuldenquote von 38 % im Jahr 2012 auf aktuell 73 % deutlich, doch handelt es sich – von der erwähnten Strafzahlung in 2013 abgesehen – vor allem um Kosten der Expansion mit dem Ziel, die künftigen Gewinne und Cash-Flows weiter zu erhöhen.

Die hohe Tilgungskraft ist zudem ein beruhigendes Signal. Derzeit steht einer Gesamtverschuldung von knapp 13 Mrd. USD eine Tilgungskraft von 1,1 Mrd. USD jährlich gegenüber. Trotz Ausschüttung der Dividende könnte Starbucks also innerhalb von weniger als 13 Jahren all seine Schulden aus eigener Kraft zurück bezahlen.

Starbucks Tilgungskraft

Die Tilgungskraft von Starbucks im Vergleich zu den Gesamtschulden

Die aktuelle Tilgungskraft von L Brands ist mit mit -64 Mio. USD übrigens eine rote Null.

Fazit: Zwei unterschiedliche Aktien, zwei unterschiedliche Situationen

Die hohe Traumdividende bei L Brands steht auf der Kippe und zeigt, dass einer außergewöhnlich hohen Ausschüttung mit gesundem Misstrauen zu begegnen ist. L Brands ist derzeit eher als spekulatives Investment anzusehen – mit kurzfristig hohem Potential in beide Richtungen. Bei Starbucks hingegen scheint die Dividende sicher, so dass man hier von einem Sonderangebot für den langfristig orientierten Anleger sprechen kann.

Starbucks scheint in diesem Sinne ein attraktives Investment zu sein. Nicht nur bezüglich der Dividende, sondern auch was die langfristige Wachstumsperspektive angeht. Starbucks hat außerhalb des gesättigten US-Marktes vor allem in China großes Wachstumspotential. L Brands hingegen ist als klassischer Einzelhändler trotz wachsendem Online-Verkauf in der Defensive, was sich durch Rabatte und sinkende Margen bemerkbar macht.

 

Der nächste Schritt: Starbucks Dividende im historischen Vergleich checken

Falls Sie sich auf die Suche nach weiteren Aktien mit einer historisch hohen Dividende begeben möchten, empfehle ich Ihnen die relative Dividendenrendite. Mittels einer Skala von 0 bis 100 wird die aktuelle Dividende normiert, so dass unterschiedliche Aktien unabhängig von der Höhe der Dividende miteinander vergleichbar werden. Die zugehörige Fundamentalanalyse sollte dann mit einem spezialisierten Tool wie dem Aktienfinder und/oder einem Blick in den Jahres- oder Quartalsabschluss der betroffenen Unternehmen stattfinden.

Starbucks relative Dividendenrendite

Die relative Dividendenrendite von Starbucks beträgt 100 von 100 Punkten. Mehr geht nicht!

Quellen & Links

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1 Antwort

  1. 8. Juli 2018

    […] zur Analyse […]

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