Michael C. Jakob | Gründer von AlleAktien. Studium von Informatik und Management am KIT/ ETH Zurich/ Massachusetts Institute of Technology. Danach in der Strategie bei UBS und McKinsey&Company.

Gründer bei AlleAktien, Management-Berater, Unternehmer, Software-Entwickler. Ich unterstütze Unternehmen und Influencer als verlässlicher, technischer Partner dabei, eigene digitale Produkte und Plattformen von 0 auf >100'000 monatlich aktive Nutzer zu skalieren. / michael@alleaktien.de

Xiaomi: Die #1 in China oder riskante Spekulation? Chancen, Risiken und eure Fragen beantwortet

Aktienanalyse Xiaomi
WKN 1810
Symbol MI 
Preis 11,7 HKD (1,32 EUR)
Marktkapitalisierung 31 Mrd. EUR 
Umsatz 15 Mrd. EUR 
Datum 5. März, 2019

Zusammenfassung Xiaomi

  • Xiaomis Geschäftsmodell ist es, hochwertige Hardware zu Materialkosten zu verkaufen. Mit Software und Werbung verdient Xiaomi erst im zweiten Schritt Geld. Das ist „Die Amazon Strategie“ (Kindle Hardware kostenlos, Geld verdienen mit eBooks/Hörbüchern)
  • Xiaomi ist neben Huawei aktuell der einzige Smartphone-Hersteller, der globale Zuwächse bei den Verkaufszahlen verzeichnen kann. Samsung und Apple verkaufen seit Jahren die gleiche Anzahl an Geräte – Stagnation.
  • Xiaomi ist eine klare Wachstumsaktie. Der Umsatz vervielfachte sich in den letzten Jahren deutlich, die Erwartungen für die kommenden Jahre sind ebenfalls entsprechend hoch
  • Xiaomi ist aus zwei Gründen für risikofreundliche Investoren besonders spannend. Erstens, Xiaomi ist einer der zwei einzigen Smartphone-Hersteller, die weltweit wachsen (Anzahl der verkauften Geräte). Xiaomi wächst mit 20%, Huawei mit 30% pro Jahr. Zweitens, Xiaomi hat eine echte Marktlücke für sich entdeckt und ist deshalb extrem rasant gewachsen, um ein Vielfaches schneller als Huawei. Die Xiaomi Nutzer sind regelrechte Fans, sogenannte MiFans. Sie lieben es, weltbeste Hardware zu Materialkosten zu ergattern. Ehrliche Preise
  • Trotzdem ist Xiaomi für mich kein Investment-Fall, weil mir die Risiken viel zu hoch und unvorhersehbar sind. Ich kann kaum abschätzen, wie schwer der USA-China Handelskrieg die Smartphone-Verkäufe dämmt und wie er vor sich geht. Ich bin kein Investor in politische Ereignisse. Außerdem sind zu Xiaomi wegen des kürzlichen Börsengangs generell sehr wenige Informationen öffentlich verfügbar. Alle Zahlen von 2018 sind „nur“ vorläufig

 

Im März 2019 habe ich Xiaomi (小米, xiaomi.com) in China besucht. Hier war ich in Shenzhen bei einem Xiaomi-Store und Xiaomi-Reparatur. Alle meine Eindrücke zur Firma habe ich in dieser Analyse zusammengefasst.

 

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Mit freundlichen Grüßen,
Jonathan Neuscheler und Michael C. Jakob
(AlleAktien Gründer)

 


Aufbau der Xiaomi Analyse

  1. Geschäftsmodell von Xiaomi
    1. Wie verdient das Unternehmen Geld?
    2. Wie konnte das Unternehmen so schnell so groß werden?
    3. Wie ist Xiaomi im Vergleich zu Apple, Samsung und Huawei aufgestellt?
    4. Handelt es sich bei den Produkten um austauschbare Standardprodukte? Gibt es überhaupt einen Burggraben?
    5. Was macht das Unternehmen besser als Apple, Samsung und andere Hersteller?
    6. Warum ist der Kurs seit Börsengang so stark eingebrochen?
  2. Einschätzung: Typisches Wachstumsunternehmen
  3. Risiken: Marktanteil und Wachstum müssen aufrecht erhalten werden
  4. Fazit: Wachstumswert mit hohen Chancen und hohen Risiken

 

 

1. Geschäftsmodell von Xiaomi

Erst knapp über 1.200 Xiaomi Stores gibt es, in denen die MiFans (so werden die Xiaomi Fans genannt) einkaufen können. Huawei hat bereits mehr als 40.000 offizielle Stores und viele Franchise-Ableger. Für Xiaomi aber auch wiederum gut: Online-Verkäufe sind sowieso profitabler. Wie viele Stores die „perfekte Anzahl“ sind, ist gar keine so einfache Fragestellung.

Xiaomi (Aussprache: Schiao-Mi; X wie „SCH“ bei „Skifahren“)  ist einer der größten chinesischen Hersteller von Smartphones, Laptops und Konsumenten-Elektronik (Internet of Things, Lautsprecher, Smartwatches, Smart TVs, Smart Armbänder, Klima-Anlagen, …). Der Sitz befindet sich in Beijing.

Xiaomi hat sein erstes Smartphone im Jahr 2011 veröffentlicht und ist seither rasant gewachsen, ist der #1 Smartphone-Hersteller in China (2014) und aktuell die #4 (2019) weltweit gemessen an der verkauften Stückzahl.

Amazon Strategie: Hardware fast geschenkt, mit Software Geld verdient

Xiaomis Strategie: High-End Hardware ohne Gewinn zu Materialkosten verkaufen und dann Geld mit Software, Apps und Abos verdienen. Ähnlich macht es Amazon mit dem Kindle. Die Konkurrenten VIVO, Huawei und Oppo in Asien verfolgen hingegen die Apple-Strategie: High-End Hardware zu exorbitanten Preisen mit hohen Gewinnmargen direkt bei der Hardware verkaufen.

Xiaomis Ziel ist daher, eine Internet- und Softwarefirma zu sein. Keine Hardwarefirma, denn damit verdient man langfristig kein Geld. Aus Sicht von Xiaomi wird die Hardware langfristig genau wie bei den Desktop-PCs zu einer „Commodity“, also zu einem sehr einfach kopierbarem Gegenstand, das an sich sehr wenig Mehrwert liefert. Die Hardware (Kamera, CPU, Arbeitsspeicher, Netzwerkgeschwindigkeit) von Xiaomi’s besten Smartphones ist messbar deutlich besser (!) als die von Apple’s und Samsung’s aktuellen Spitzengeräten, und dabei für unter 400 Euro (statt 1300 Euro) erhältlich. Xiaomi fokussiert sich daher enorm auf Software, Werbung und das IoT (Internet der Dinge) inklusive Smarthome. Das Ziel ist, Smartphone-Hardware „wertlos“ werden zu lassen, so wie es bei Desktop-Computern und Laptops bereits geschehen ist, damals hauptsächlich getrieben durch DELL und HP. Neben DELL und HP selbst war der größte Profiteur davon Microsoft, der Softwarehersteller.

Commoditize your complement

Ein Xiaomi-Store in China, Shenzhen, HuaQiangBei (华强北). Auf knapp 20 Quadratmeter sind die beliebtesten Modelle ausgestellt.

Diese Strategie nenne ich persönlich auch „Commoditize your Complement“, also „mache dein Komplementärprodukt wertlos“. Linker und rechter Sportschuh sind Komplementärprodukte. Der linke Schuh ist ohne den rechten Schuh ziemlich wertlos. Genau so ist ein Smartphone ohne Apps wertlos, oder die Apps ohne Smartphone. Nun folgender Gedanke: Der Kunde hat einen Betrag X, beispielsweise 500 Euro, zur Verfügung, um sich ein Smartphone MIT Apps zu kaufen. Dem Kunden ist egal, ob er 250 Euro für das Smartphone und 250 Euro für Apps ausgibt, oder 10 Euro für Hardware und 490 Euro für Apps. Das Ergebnis und der Mehrwert ist für den Kunden identisch. Eine „winning Strategy“ ist es nun, sein Komplementärprodukt wertlos zu machen, um selbst den Großteil der 500 Euro selbst einzustreichen. Microsoft ist dies mit dem Computer-Hardwaremarkt sehr gut gelungen. DELL, HP, IBM, und hunderte weiterer PC-Hersteller haben um die Kunden gekämpft, die Preise und Margen dieser Firmen sanken schnell gegen 0. Aber: Ein PC war jetzt für jeden erschwinglich und leicht zugänglich. Und jeder brauchte ein Betriebssystem, Microsoft Windows. Ohne Microsoft Windows ist die Hardware wertlos. Deshalb konnte Microsoft bei einem 500 Euro PC nun 300-400 Euro an Windows-Lizenzen einstreichen. Xiaomi versucht gleich beides: Sie bringen als erster Hersteller hochqualitative Hardware billig auf den Markt, versuchen einen hohen Marktanteil zu gewinnen. Um dann mit Software und Werbung Geld zu verdienen.

 

Hinweis zu Risiken

Zu Xiaomi gibt es öffentlich überraschend wenige Informationen und die Geschäftszahlen zum Jahr 2018 sind nur vorläufig, einen AlleAktien Qualitätsscore aufgrund fehlender Zahlen kann man nicht machen. Ich möchte in diesem Artikel daher lediglich eine Übersicht und Einordnung zu Xiaomi geben, sowie meine Erfahrungen vor Ort in China, jedoch keine abschließende Analyse von Xiaomi oder eine Empfehlung abgeben. Aus meiner Sicht gibt es dazu noch zu wenig Informationen. Mehr dazu auch im Fazit. Die vollständige Analyse folgt, sofern bestätigte Zahlen vorliegen.

Heute gehe ich ganz konkret auf eure klaren Top 8 Fragen aus der AlleAktien Dividendenstrategie Facebook-Gruppe ein (auch wenn Xiaomi keine Dividendenaktie ist :)).

 

 

1) Womit verdient das Unternehmen genau sein Geld?

Es gibt zwei große Einnahmequellen für Xiaomi:

  1. Software: App-Store Verkäufe und Abo-Produkte
  2. Werbung

Xiaomi hat 220 Mio. monatlich aktive Nutzer, an die regelmäßig Werbung ausgespielt wird. Xiaomi kann besser Werbung schalten, als viele andere Unternehmen (Facebook und Google eingeschlossen), da Xiaomi alle Daten des Nutzers beliebig abgreifen kann. Google und Facebook haben Nutzerdaten nur, wenn der Nutzer gerade die jeweiligen Apps benutzt. Xiaomi weiß darüber hinaus jedoch auch genau, wo sich die Nutzer gerne aufhalten, und welche Apps er gerne nutzt. Google könnte dank dem Android-Ökosystem theoretisch auf die gleichen Daten Zugriff haben, sie „besitzen“ jedoch nicht Android, sondern nur eine Gruppe an ca. 30 Google-Apps (Gmail, Youtube, Google Search, …), die auf vielen Android-Smartphones vorinstalliert sind. Damit hat Google jedoch noch keinen Systemweiten Zugriff auf das Betriebssystem. Android ist ein Open-Source Projekt, das von Google getrieben wurde, aber nicht „im Besitz“ ist.

 

Der Großteil des Umsatzes entstammt dem Hardwareverkauf, auch wenn die Margen hier besonders gering sind. Die profitableren Segmente IoT und Internet Services (Apps und Werbung) wachsen jedoch erheblich schneller

 

Xiaomi wurde erst Marktführer in China und expandiert jetzt in über 30 Ländern. In allen diesen Ländern ist ein Xiaomi Smartphone eines der 5 meistverkauften Smartphones.

 

Xiaomi war im dritten Quartal 2018 operativ profitabel, im Quartal davor jedoch nicht. Xiaomi investiert stark in Forschung und Entwicklung und erhöht stark das Marketing-Budget, nachdem dieses in den vergangenen Monaten immer sehr gering gehalten wurde. Ich vermute, dass dies mit der Eröffnung der neuen Xiaomi Stores zusammenhängt. Ich möchte nochmal betonen, dass diese Zahlen vorläufig sind, und das Geschäftsjahr 2018 bei Xiaomi noch nicht abgeschlossen ist.

 

2) Wie konnte das Unternehmen so schnell so groß werden?

Mund-zu-Mund Propaganda. Das Motto des Unternehmens lautet:

„Relentlessly build amazing products with honest prices“

Großartige Produkte zu ehrlichen (also niedrigen) Preisen anbieten. Apple-Hardware (CPU, Kamera, Bildschirm, …) für Herstellungskosten zu ein paar 100 EUR, statt 1300 EUR anbieten. Xiaomis selbstauferlegte maximale Hardware-Marge beträgt 5%. Das spricht sich sehr schnell herum. Visuell sind Xiaomi Smartphones und iPhones kaum mehr auf den ersten Blick zu unterscheiden, auch der Vorderbildschirm des neuen iPhone X wurde in wenigen Wochen kopiert.

Das aktuelle Xiaomi Mi 9 hat eine bessere CPU, mehr Arbeitsspeicher und eine bessere Kamera als Googles und Apples Flagschiffprodukte. Dabei kostet es nur 430 EUR.

Xiaomi Smartphones wurden so schnell zu den meistverkauften Produkten auf zahlreichen Online-Versandseiten, wie z.B. tmall.com, JD.com, alibaba.com. Xiaomi ist in über 30 Ländern eines der meistverkauften Smartphones. In Indien sogar #1 seit mehreren Jahren. Diese kontinuierlichen Top-Platzierungen in den eCommerce-Stores treibt die Verkäufe.

Wichtig ist jedoch auch: Die Kunden von Xiaomi sind sehr wenig loyal und wechseln schnell wieder zu Huawei, Samsung oder Oppo.

Xiaomi ist in den Top 5 der meistverkauften Smartphones in mehr als 30 Ländern

 

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Mit freundlichen Grüßen,
Jonathan Neuscheler und Michael C. Jakob
(AlleAktien Gründer)

 

3) Wie ist Xiaomi im Vergleich zu Apple, Samsung und Huawei aufgestellt?

Der weltweite Smartphone-Markt ist seit 5 Jahren stagnierend, wie Jonathan bereits in seiner Apple-Analyse vor wenigen Wochen sehr gut erklärt hat. Es gibt nur zwei Hersteller, die signifikant wachsen und jedes Jahr mehr Smartphones verkaufen, beide aus China: Huawei (33% pro Jahr) und Xiaomi (21% pro Jahr).

Bei Samsung und Apple findet eine Umsatzerhöhung seit Jahren nur durch eine Preiserhöhung statt, bei seit Jahren rückläufigen Verkaufszahlen. Nur so sind wir deshalb beim iPhone mittlerweile auch bei einem Preis von ca. 1300 EUR angelangt, obwohl die Herstellungskosten bei 300-400 EUR liegen.

Hier geht es zu unserer ausführlichen APPLE Aktienanalyse »

Ich erwarte, dass Huawei und Xiaomi weiterhin auf Kosten von Samsung und anderen (unbekannten) Herstellern wachsen wird. Der Marktanteil von Apple wird relativ stabil bei 12% bleiben.

Xiaomis aktueller globaler Marktanteil liegt bei 9,7%. Xiaomi ist neben Huawei die einzige Smartphone-Marke, die schnell wächst, in einem insgesamt stagnierenden Smartphone-Markt.

 

 

4) Handelt es sich bei den Produkten um austauschbare Standardprodukte? Gibt es überhaupt einen Burggraben?

Der Burggraben von Xiaomi ist einerseits die Marke und die Software. Xiaomi versucht, sich so schnell es geht mit verschiedenen IoT-Geräten bei den Kunden beliebt zu machen. Dadurch entsteht ein Ökosystem von Fitnessarmband/Klimaanlage/Smart TV/…, das nur von Xiaomi kontrolliert werden kann.

Bisher hebt sich Xiaomi dadurch von der Konkurrenz ab, dass die Hardware deutlich besser und die Preise deutlich geringer sind. Es ist aus meiner Sicht theoretisch möglich, dass Xiaomi preislich unterboten wird. Jedoch um maximal 5% Preisunterschied, denn dies ist die maximal bei Xiaomi erlaubte Hardware-Marge. Zieht man nun noch hinzu, dass Xiaomi beim Einkauf besondere Massen-Rabatte erhält, könnte es für mögliche Konkurrenten sehr schwierig werden, in diesen Markt einzudringen. Xiaomi gibt kaum Geld für Marketing aus, sondern baut auf die Mund-zu-Mund-Propaganda und exzellente Bewertungen und Rankings bei zahlreichen Onlinehändlern. Eine weitere Taktik, um viel Geld zu sparen.

Die Preise von Xiaomis Smartphones sind typischerweise 10-20% geringer als die von Huaweis Smartphones, da Huawei ein hohes Marketing-Budget hat.

Die größte Gefahr sehe ich bei diesem Geschäftsmodell darin, dass Xiaomi es nicht schafft, die Nutzer langfristig an sich zu binden und zu monetarisieren. Xiaomi macht mit dem Verkauf der Hardware zwar keinen Verlust, es ist jedoch nur ein Mittel zum Zweck. Eine Milliardenbewertung wäre nicht gerechtfertigt, wenn Xiaomi es nicht schafft, ordentlich Geld mit Software und Werbung zu verdienen.

 

 

Die Bruttomarge der Xiaomi-Hardware liegt bei 7,1%, bei Internetdiensten um das Zehnfache höher: bei fast 70%.

Gesamt Brutto-Marge: 13,9%
Gesamt Netto-Marge: 5,7%

 

Die Bruttomargen von Xiaomi liegen bei 7 und 68% für Hardware und Dienstleistungen.

 

 

Xiaomi ist technisch ganz vorne dabei: Als einer der ersten Hersteller haben sie 1. Vollbildschirm-Smartphones und 2. 5G-Smartphones in Massenproduktion und 6G-Smartphones in China erfolgreich getestet und verbaut

5) Was macht das Unternehmen besser als Apple, Samsung und andere Hersteller?

Technologisch ist Xiaomi ganz vorne dabei. Die Hardware ist teilweise deutlich besser als bei den „Flagschiffprodukten“ der Premium-Hersteller Apple, Samsung und Google. Konkret bedeutet dies: Mehr Arbeitsspeicher, eine hochauflösendere Kamera, eine bessere CPU.

Innovationen wie das „randlose Display“, welches das iPhone X eingeführt hatte, werden in China (und so auch von Xiaomi) in wenigen Wochen 1:1 kopiert. Nach wenigen Monaten sogar erheblich weiterentwickelt und verbessert. Am besten verkauft Xiaomi aktuell Smartphones, die gar keinen Rand mehr haben (auch nicht zentriert oben, so wie beim iPhone X), sondern so wie im Bild rechts.

Im ersten Quartal 2019 wird Xiaomi in Europa auch 5G-fähige Smartphones vorstellen, diese wurden bereits von der EU-Kommission gestattet und kommen nun nach und nach auf den Markt. In China wurden auch bereits erfolgreich 6G Empfänger verbaut (siehe Bild rechts) und intensiv getestet. Smartphones mit 6G Netzempfängern werden in 12 Monaten erwartet. Im 6G-Netz wird man mehrere Terabits pro Sekunde übertragen können, anstatt wie in Deutschland üblich 10-50 Mbits/Sekunde. Also das 100.000-Fache an Übertragungsgeschwindigkeit bei gutem Netzausbau.

 

6) Warum ist der Kurs seit Börsengang so stark eingebrochen?

Im Januar 2018 war der Markt sehr euphorisch: Xiaomi ist gerade ein Turnaround gelungen (vom reinen Hardwaregeschäft zur „Software-Firma“ mit Apps, Werbung und Abo-Dienstleistungen), Kursrückgänge waren nicht in Sicht. Und von einem Handelskrieg zwischen China und USA war keine Spur zu sehen. Der Handelskrieg ist nicht zu unterschätzen, denn es ist Xiaomis klar erklärtes Ziel, nach dem Erfolg in Asien und Europa jetzt auch heftig in Amerika zu expandieren. Wenn Xiaomi das nicht gelingt, ist das Unternehmen deutlich überbewertet.

Xiaomis Kurs ist 45 Tage nach dem Börsengang um 30% eingebrochen, von 1,7 Euro auf 1,1 Euro, und hat sich danach wieder leicht erholt (1,3 Euro, entspricht -24%)

Xiaomi war auch die erste Firma, die neben dem Börsengang in Hong Kong auch via Chinese Depository Receipt (CDR) in der Heimatbörse Shanghai und Shenzhen gelistet werden sollte. Fast alle chinesischen Tech-Firmen sind im Ausland (inkl. Hong Kong) gelistet: Alibaba, Tencent, Baidu, … Mit der Einführung der CDRs sollte sich dieser Trend dämmen und gleichzeitig die Aktiennachfrage vervielfachen. CDRs funktionieren parallel zu American Depository Receipts (ADRs). Dieses Vorhaben ist jedoch gescheitert, weil die chinesische Börsenaufsicht ganz andere und sehr strikte, besonders „anlegerfreundliche“ Regeln veranlassen wollte: maximales Handelsvolumen pro Tag, maximaler Handelspreis in den ersten 6 Monaten. Man hatte Angst, dass der erste CDR der Geschichte „floppt“.

Xiaomi entschied sich zum IPO, weil es der Firma in den letzten 2 Jahren sehr, sehr gut ging. Der gelungene Start in Indien und Indonesien hat das Geschäft befeuert. Und der Turnaround von einer reinen Hardware-Firma zur Software-Firma mit eigenem Appstore, Abo-Produkten und Werbung ist gelungen. Die Marktbedingungen sind sehr positiv, das Bewertungsniveau sehr hoch. Hinter Xiaomi sitzen eine Menge von Venture Capital-Firmen, die auch ihr Geld zurück haben wollten. Die Lösung: Ein Börsengang.

Ich vermute übrigens, dass das auch die treibenden Gründe hinter den Börsengängen von UBER und Lyft sind, die noch dieses Jahr an die Börse gehen wollen: Es ist weniger der Grund, dass das Unternehmen auf das Geld angewiesen ist, denn das könnten sie sich leicht auch auf dem privaten Markt besorgen. Sondern mehr, dass die aktuellen (Venture Capital) Investoren aus dem Investment heraus wollen.

 

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2. Einschätzung von Xiaomi

Xiaomi ist ein Wachstumsunternehmen, und die Bewertung hängt damit maßgeblich vom zukünftigem Wachstum ab. Dies korrekt vorherzusehen ist nicht einfach. Ich verwende in dieser Analyse außerdem auch die vorläufigen Zahlen des Xiaomi Geschäftsberichts 2018.

Laut dem AlleAktien Qualitätsscore ist Xiaomi ein Fast Grower. Das Wachstum von Umsatz und Gewinn ist exorbitant, die Bewertung der Aktie sehr hoch. Solange das Wachstum intakt ist, sollte man die Aktie kaufen und halten. Das #1 Risiko ist das nachlassende Wachstum, z.B. durch einen US-China Handelsstreit.

3. Risiken von Xiaomi

Das Hauptrisiko bei einem Investment in Xiaomi als Wachstumswert ist das nachlassende Wachstum. Werden die Wachstumsziele nicht erreicht, wird die Aktie stark abgestraft, der Kurs kann leicht -50% oder mehr sinken. Diesem Risiko muss man sich deutlich bewusst sein, wenn man in Xiaomi investiert. Der Burggraben ist intakt, aber bisher noch wenig ausgeprägt, und damit noch „wenig sicher“.

  1. Falle der geringen Margen. Huawei und andere chinesische Firmen wie Oppo und Vivo könnten die Xiaomi-Strategie leicht kopieren, gegebenenfalls auch unter einer Zweitmarke. Huawei hat eine deutlich bekanntere Marke und 40x so viele Stores, könnte schnell neue und sehr ähnliche Smartphones auf den Markt bringen. Sollte Xiaomi es nicht schaffen, schnell Marktanteile zu gewinnen, geht das Geschäftsmodell nicht auf. Der Marktanteil liegt aktuell bei knapp 10% und wuchs pro Jahr um 30%. Insgesamt ist der Smartphone-Markt jedoch seit 5 Jahren stagnierend. Daher muss das Wachstum auf Kosten anderer Spieler, wie z.B. Oppo, Apple, unbekannterer Marken oder Samsung geschehen. Da der Markt bereits „besetzt“ ist, werden diese Konkurrenten sich den Marktanteil nicht einfach wegnehmen lassen, sondern alles daran setzen, auch weiterhin zu existieren.
  2. Monetarisierung von Software/Werbung. Mit mehr als 200 Mio. monatlich aktiven Nutzern (sog. MAUs, monthly-active-users) ist Xiaomi hier auf einem sehr guten Weg. Die Werbung wird um so effektiver, je höher die Nutzer-Loyalität ist. Mit mehr Daten kann Xiaomi noch bessere Werbung schalten. Das Risiko für Xiaomi ist, profitable Werbeanbieter, einen für Entwickler lukrativen Appstore anzubieten und selbst digitale Softwareprodukte aufzubauen. All das hängt in erster Linie vom Marktanteil ab. App-Entwickler kommen nur, wenn die Reichweite stimmt. Siehe dazu auch Fallstudie Android vs. Fallstudie Windows Phone. 
  3. Marktanteil wird nicht wie erhofft gesteigert. Die ersten beiden Risiken fußen auf diesem Punkt. Die hohen Wachstumserwartungen werden nur erfüllt, wenn Xiaomi jetzt international in viele Länder gleichzeitig expandiert und schnell signifikant Marktanteil gewinnt. In Asien und Westeuropa ist Xiaomi bereits gut aufgestellt. Die nächsten Wachstumsmärkte für Xiaomi sind USA, Osteuropa und Afrika. In zahlreiche Länder gleichzeitig zu expandieren, wovon einige Handelsbarrieren (USA) ausgesprochen haben, ist nicht unriskant.

 

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Fazit zu Xiaomi: Wachstumswert mit hohen Chancen und hohen Risiken

Durch den erst kürzlich stattgefundenen Börsengang ist es aus meiner Sicht sehr schwierig, jetzt schon klar „Kaufen“ oder „Verkaufen“ festzulegen. Xiaomi ist etwas für Growth-Investoren, die gerne besonders chancenreiche Wachstumsunternehmen als „Boost“ im Portfolio haben. Es ist nichts für Value-Investoren, die auf ein besonders vorhersehbares Geschäftsmodell investieren möchten.

Xiaomi ist aus zwei Gründen für risikofreundliche Investoren besonders spannend. Erstens, Xiaomi ist einer der zwei einzigen Smartphone-Hersteller, die weltweit wachsen (Anzahl der verkauften Geräte). Xiaomi wächst mit 20%, Huawei mit 30% pro Jahr. Zweitens, Xiaomi hat eine echte Marktlücke für sich entdeckt und ist deshalb extrem rasant gewachsen, ein vielfaches schneller als Huawei. Die Xiaomi Nutzer sind regelrechte Fans, sogenannte MiFans. Sie lieben es, weltbeste Hardware zu Materialkosten zu ergattern. Ehrliche Preise. Nur für das zahlen, was sie auch wirklich nutzen (Software, Apps, Werbung). So gelang es Xiaomi mit kaum Marketingbudget und kaum physischen Stores, in weniger als 8 Jahren zu einem der weltweit größten Smartphone-Herstellern zu werden. Zum Vergleich: Huawei gibt es seit 31 Jahren, Apple seit 43 Jahren (bzw. 12 Jahren, wenn man nur das Smartphone ansieht). Übrigens: Hier geht es zu unserer ausführlichen Apple Aktienanalyse auf AlleAktien »

Xiaomi legt für diesen Markt unglaubliche Wachstumszahlen vor: Umsatz und Gewinn steigen 50% bis 400% pro Jahr seit mehreren Jahren und erhöht damit den Marktanteil am Smartphone-Markt um 20-50% pro Jahr. 2017 lag der Marktanteil bei 7,5%, jetzt schon bei fast 10% des gesamten Smartphone-Marktes. Die „Amazon-Strategie“ der hochwertigen Hardware kombiniert mit geringen Preisen geht bisher auf.

Ob Xiaomi ein gutes Investment ist, hängt auch vom zukünftigen Wachstum ab. Kann Xiaomi in viele Länder gleichzeitig expandieren und signifikant Marktanteile erobern, vor allem in den USA? Ich bin der Meinung: Ja, das ist möglich. Die Konkurrenz wird nicht mit Xiaomi mitziehen und die Preise nicht senken.

Trotzdem ist Xiaomi für mich kein Investment-Fall, weil mir die Risiken viel zu hoch und unvorhersehbar sind. Ich kann kaum abschätzen, wie schwer der USA-China Handelskrieg die Smartphone-Verkäufe dämmt und wie er vor sich geht. Ich bin kein Investor in politische Ereignisse. Außerdem sind zu Xiaomi wegen des kürzlichen Börsengangs generell sehr wenige Informationen öffentlich verfügbar. Alle Zahlen von 2018 sind „nur“ vorläufig, noch nicht von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer oder der Börsenaufsicht überprüft. Weil dies die ersten Zahlen von Xiaomi seit IPO sind, würde ich diese gerne alle bestätigt sehen.

Ich werde Xiaomi in den kommenden Monaten und Jahren ganz genau beobachten. Sehen, wie das Wachstum in den USA anläuft und ob alle Zahlen von unabhängigen Dritten bestätigt werden.

 

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Liebe Grüße,
Michael C. Jakob

 

Quellen & Links

Beschreibung
Xiaomi Investor Relations
Xiaomi Geschäftsbericht 2018, vorläufige Version
Xiaomi IPO Sturz
Xiaomi Bärische Analyse
Xiaomi Business Model Analysis

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Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit keine Aktien von Xiaomi.

5 Antworten

  1. Tobias sagt:

    Sehe geile Analyse! Auch wenn ich seit einigen Jahren begeisterter Mi-Nutzer bin, war doch das eine oder andere mit dabei. Bin gespannt ob es Xiaomi gelingt das Ertragsmodell auch in Europa an den Start zu kriegen unter all den lustigen Auflagen, die es hier so gibt 🙂

    Danke euch für die hervorragende Arbeit!

  2. Theo sagt:

    Finde ebenfalls interessant, dass Xiaomi E-Roller herstellt, die gleich bei „E-Roller“-Suche auf Google Shopping als zweites Ergebnis angezeigt werden.
    E-Scooter werden immer mehr genutzt und sind vielleicht bald auch in Deutschland erlaubt.
    Möglicherweise ist nicht nur das Smartphone, sondern der E-Scooter eine Riesen Chance für die Aktie.

    • Christopher Spremberg sagt:

      Xiaomi ist einfach verdammt breit aufgestellt, was diese Lifestyle Produkte angeht. Aber auch in eher notwendigen Segmenten des täglichen Lebens sind sie vertretem. Reisekoffer, Rasierer, Schraubendreher, Staubsaugroboter uvm.

      Das Produktsortiment ist noch riesig und wenn Xiaomi es schafft, sich auch in diesen Segmenten zu etablieren, dann ist das natürlich schon sehr geil.

  3. Christopher Spremberg sagt:

    Ein paar Anregungen meinerseits zu dieser Analyse.

    Zum ersten Punkt der Risiken:
    Natürlich kann ein Huawei auf eine breitere Infrastruktur zurückgreifen und mit Honor als Untermarke günstige Smartphones anbieten. Allerdings können sie nicht mit der Intensität High-End-Hardware rausschleudern, wie es ein Xiaomi kann, da sich sonst das über viele Jahre hart erarbeitete Image der Kernmarke untergraben würden. Ist das Store Modell also wirklich besser, wenn es zu einer Margenschlacht kommt? Die Stores müssen nämlich auch unterhalten werden und dann ist oft weniger mehr.

    Andere Player im chinesischen Markt:
    Ihr trennt Oppo und Vivo, dabei sind sie beides Unternehmen aus dem BBK Konzern. Interessant wäre hier jetzt der Vergleich mit der Strategie des BBK Konzern, da der mit OnePlus und realme auch noch weitere starke und teils stark wachsende Marken im Portfolio hat. Insbesondere mit realme wird der indische Markt gerade intensiv befeuert.

    Eine Frage zum Schluss habe ich auch noch: Auf welche Daten stützt ihr die Aussage, dass Xiaomi Kunden wenig loyal sind?

  1. 8. Mai 2019

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