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Aktie Analyse

Air Products & Chemicals Aktie Analyse

WKN
854912
Symbol
APD
Sektor
Grundstoffe
Investor Relations
Investor Relations

Air Products & Chemicals ist ein US-amerikanisches Unternehmen aus dem Bereich der Grundstoffe. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von atmosphärischen Gasen. Industriegase werden in vielen Industriebereichen, aber auch in der Gesundheits- oder Lebensmittelbranche, benötigt. Gegründet wurde Air Products & Chemicals 1940 und hat seinen Hauptsitz in Allentown, Pennsylvania.

Air Products & Chemicals ist ein weltweit tätiger Anbieter von atmosphärischen Gasen, Prozess- und Spezialgasen sowie chemischen Wirkstoffen und Ausrüstungen. Durch sein breites Produktspektrum an Gasen ist das Unternehmen einer der größten Industriegasanbieter der Welt. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus fast allen Wirtschaftszweigen.

Gegründet wurde das Unternehmen 1940 von Leonard Parker Pool. Da Aufträge für industriellen Sauerstoff zunächst Mangelware waren, verkaufte das Unternehmen während des 2. Weltkrieges Sauerstoffgeneratoren an das US-Militär. Nach dem Krieg konzentrierte sich das Unternehmen wieder auf kommerzielle Märkte. So konnte man 1945 einen Vertrag mit einem Unternehmen aus der Stahlindustrie abschließen, der die Vermietung von drei Generatoren einschloss, die sechs Tonnen Sauerstoff pro Tag produzieren konnten. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung in den 1950er Jahren war die Nachfrage an Industriegasen so hoch wie nie. Davon profitierte natürlich auch Air Products & Chemicals. Im Zuge des kalten Krieges nahm außerdem die Bedeutung der Raketen- und Weltraumprogramme zu. Hierfür baute das Unternehmen mehrere Sauerstoffgeneratoren, die 75 Tonnen Sauerstoff am Tag produzieren und auch Flüssiggas bereitstellen konnten.

1957 weitete man seinen Geschäftsbereich nach Europa aus und ging 1960 in den USA an die Börse. Wurden die Umsätze fast ausschließlich durch die Bereitstellung von Sauerstoff erzielt, gewann die Lieferung von Stickstoffen in den 70er Jahren an Bedeutung. So wurde der amerikanische Restaurantmarkt revolutioniert, da man durch die Verwendung von Stickstoff nun in der Lage war, Lebensmittel länger haltbar zu machen. In den folgenden Jahren expandierte das Unternehmen neben Europa auch in den asiatischen Markt und konnte durch Übernahmen die Anwendungsbereiche seiner Gase erweitern. So war Air Products & Chemicals nun auch im Elektronikbereich tätig und wurde zum weltweiten Marktführer für die Herstellung von Stickstofftrifluorid, einer chemischen Verbindung, die im Halbleitermarkt benötigt wird.

Heute ist Air Products & Chemicals weltweit in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen tätig und gehört zu den Marktführern im Bereich der Industriegase. Geleitet wird das Unternehmen mit weltweit über 20.000 Mitarbeitern seit 2014 von Seifi Ghasemi.

Branchenanalyse

Air Products & Chemicals ist im Bereich der Industriegase tätig. Im Alltag nehmen wir sie nicht wahr, doch sie stecken in fast allen Produkten. In vielen Wirtschaftsbereichen werden Gase benötigt, die in der Natur vorkommen. In der Medizin braucht man auf Intensivstationen Sauerstoff, um Menschen zu beatmen. Beim Schweißen benötigt man Gase, die unter Hitze nicht mit Sauerstoff reagieren wie zum Beispiel Argon. In der Lebensmittelbranche ist Kohlendioxid ein beliebtes Gas, um Getränken Geschmack zu geben oder sie zu konservieren. Die Wirtschaftsbereiche brauchen die Gase in reiner Form, jedoch treten Gase praktisch immer als Gemisch auf. So besteht unsere Luft zum Atmen hauptsächlich aus Stickstoff (78 % Anteil) und Sauerstoff (21 % Anteil). Als Spurenelemente sind andere Gase wie CO2, Wasserstoff oder Edelgase wie Helium, Argon, Krypton, Xenon und Neon enthalten.

In dieser Branche geht es darum, die Luft in ihre einzelnen Gase zu trennen, damit diese von den verschiedenen Wirtschaftsbereichen genutzt werden können. Um dies zu schaffen, wird Energie benötigt. Durch den Einsatz von Energie wird die Luft runtergekühlt. Die einzelnen Bestandteile Stickstoff, Sauerstoff und Argon haben unterschiedliche Siedepunkte. Kühlt man Sauerstoff auf weniger als -183 Grad Celsius herab, wird das Element flüssig. So kann die Luft aufgeteilt werden. Die getrennten Gasen können anschließend per Pipeline oder LKW zu den Kunden transportiert werden.

Da der Transport von Industriegasen unwirtschaftlich ist, entscheiden sich viele Großkunden für den Bau einer Luftzerlegungsanlage auf dem eigenen Gelände durch die Industriegasanbieter. Da dieser Bau sehr kapitalintensiv ist, werden Verträge mit langfristiger Laufzeit geschlossen (ca. 15 Jahre). Diese sorgen für Planungssicherheit auf beiden Seiten. Für den Großkunden hat es den Vorteil, dass er nicht in die Anlage investieren muss und sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann. Für Unternehmen wie Air Products & Chemicals bedeuten die langen Verträge regionale Monopole und eine besonders stabile Gewinnentwicklung auch in Krisen. Denn die Kunden werden vertraglich zu einer Mindestabnahmemenge verpflichtet.

Innerhalb der Branche ist der Wettbewerbsdruck in den letzten Jahren gesunken. Die größten vier Anbieter nehmen einen Marktanteil von 80 % ein. Air Products & Chemicals liegt weltweit nach Linde und Air Liquide auf dem dritten Platz der Anbieter für Industriegase. Der Markt für Industriegase ist 89 Mrd. USD groß und wächst seit Jahren sehr gleichmäßig um rund 5 % pro Jahr. Dieses Wachstum ist einerseits durch Preissteigerungen von rund 2 % pro Jahr und andererseits durch die steigende Nachfrage nach mehr Industriegasen in Höhe von 2 bis 3 % getrieben. Der Bereich Wasserstoff sorgt zudem für Wachstumsfantasie.

Geschäftsmodell

Air Products & Chemicals verdient sein Geld mit der Produktion und dem Vertrieb von Industriegasen und den dazugehörigen Anlagen. Dabei ist das Unternehmen international breit diversifiziert. Ihr Gase finden in vielen Wirtschaftszweigen Anwendung. Dazu gehören die Bereiche: Raffination, Chemie, Gasgewinnung, Metallverarbeitung, Fertigung, Elektronik und Lebensmittel. Verkauft wird das Gas bei Air Products & Chemicals auf drei verschiedenen Wegen. Für Großkunden bietet man den Bau der Luftzerlegungsanlage auf dem eigenen Gelände an (On-site production). Dies kommt zum Beispiel für Unternehmen aus der Stahlindustrie in Frage, die einen sehr hohen Bedarf an Industriegasen haben. So können die Kunden Kosten sparen und machen sich von Transportwegen unabhängig. Für kleinere Kunden bietet Air Products die regionale Lieferung per LKW oder Gaszylinder an.

Geographisch teilt das Unternehmen seine Umsätze folgendermaßen auf. 41 % der Umsätze werden in den USA und Kanada erzielt. In Europa, dem mittleren Osten und Afrika erwirtschaftet das Unternehmen 26 % seiner Umsätze. Der asiatische Raum ohne China macht 11 % des Gesamtumsatzes aus. China alleine ist für 18 % der Umsätze verantwortlich. Der lateinamerikanische Markt macht mit 4 % den kleinsten Umsatzanteil aus. Somit ist Air Products & Chemicals nicht nur branchenspezifisch breit diversifiziert, sondern auch geographisch. Was die Lieferwege der Gase angeht, machen die Bauanlagen 49 %, die Transporte 43 % und die technische Ausrüstung 8 % der Umsätze aus.

Obwohl die Abnehmerbranchen oft zyklisch sind, schafft es Air Products & Chemicals durch die langen Verträge mit Abnahmegarantien, dass die eigenen Umsätze unzyklisch sind. Die Kunden zahlen auch dann, wenn die Mindestmenge in konjunkturellen Krisen gar nicht benötigt wird. Inflation (aktuell steigende Energiekosten) wird in vielen Verträgen einfach auf den Kunden umgelegt. Das macht das Geschäftsmodell so stabil und inflationssicher. Außerdem sorgt die Branchenverteilung dafür, dass Branchen mit schlechteren Marktphasen von Branchen mit guten Phasen ausgeglichen werden können. Ein weiterer Pluspunkt des Geschäftmodells ist, dass der Ausgangsstoff (unsere Luft) gratis ist.

Als Marktführer für Flüssiggase (LNG, Liquefied Natural Gas) könnte das Unternehmen davon profitieren, dass sich Europa von Russlands Gaslieferungen unabhängiger machen möchte. So soll auch in Deutschland zeitnah mit dem Bau für LNG-Aufnahmestellen in der Nordsee begonnen werden. LNG-Tan­ker brin­gen das flüs­si­ge Erd­gas über den Seeweg nach Europa. Durch seine jahrelange Erfahrung in der Produktion und Lieferung von Flüssiggasen ist Air Products hier entsprechend positioniert. Eine weitere Chance sieht das Unternehmen in der Möglichkeit, vom Wasserstofftrend zu profitieren. Der Wasserstoffmarkt könnte langfristig zum Erdölersatz werden und sich als Wachstumstreiber für Air Products & Chemicals etablieren.