Feindliche Übernahme (Hostile Takeover)

Von einer feindlichen Übernahme spricht man, wenn das aktuelle Management des Übernahmekandidaten (en.: target company) der Übernahme nicht zustimmt. Die potentielle Übernahme findet also gegen den Willen der Unternehmensführung statt. Kann das Management jedoch nicht verhindern, dass der Übernehmer (auch: Erwerber; en.: acquirer) die Aktien- und Stimmrechtsmehrheit erwirbt, so ist die feindliche Übernahme erfolgreich.

 


Kernpunkte

 

  1. Eine feindliche Übernahme liegt vor, wenn ein Unternehmen versucht, ein anderes gegen den Willen der Unternehmensführung zu übernehmen.
  2. Ein Unternehmen kann eine „feindliche Übernahme“ erreichen, indem es sich direkt an die Aktionäre wendet oder um die Ablösung der Unternehmensführung kämpft.
  3. Ein Übernahmeangebot ist eine Methode um eine „feindliche Übernahme“ zu erreichen.

 

▲ Das Unternehmen wird durch Aufkauf seiner Aktien erworben und dann in der Regel in eine neue Struktur eines bestehenden Unternehmens eingebracht oder zerschlagen.

 

Was ist eine feindliche Übernahme

Das Hauptmerkmal einer feindlichen Übernahme ist, dass das Management des zu übernehmenden Unternehmens nicht damit übereinstimmt. Ein sogenanntes „feindliches Übernahmeangebot“ liegt vor, wenn ein Unternehmen ohne Zustimmung oder Mitwirkung des Zielunternehmens versucht, die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen. Anstelle der Zustimmung des Übernahmekandidaten kann der potenzielle Erwerber dann ein Kaufangebot abgeben, oder versuchen, die erforderlichen Aktien des Unternehmens auf dem freien Markt zu erwerben.

Um eine ungewollte Übernahme zu verhindern, kann das Management des Übernahmekandidaten präventive oder reaktive Abwehrmaßnahmen ergreifen.

 

Abwehr gegen eine feindliche Übernahme

Um einer feindlichen Übernahme präventiv entgegenzuwirken, gibt es mehrere Methoden, die ein Unternehmen einsetzen kann.

Es besteht die Möglichkeit Aktien mit unterschiedlichen Stimmrechten herauszugeben, sodass es für den potenziellen Erwerber schwieriger wird die benötigte Anzahl an Stimmrechten auf dem freien Markt zu erwerben. In gewisser Weise trägt auch das deutsche System der Vorzugs- und Stammaktien zu einem solchen Schutz vor feindlicher Übernahme bei.

 

Darüber hinaus können Unternehmen Mitarbeiteraktien herausgeben, sodass die Mitarbeiter ein größeres Mitbestimmungsrecht am eigenen Unternehmen bekommen. Sofern die Mitarbeiter die Entscheidungen des Managements unterstützen, wird eine feindliche Übernahme erschwert, da die Mitarbeiter die Stimmrechte in ihrem Unternehmen nicht einfach aufgeben.

Eine weitere Methode zur Abwehr besteht darin neue Unternehmensanteile mit einem Rabatt an Altaktionäre auszugeben und so den Unternehmenswert zu erhöhen. Zusätzlich ist es möglich, das so gewonnene Kapital zur Übernahme von anderen Unternehmen oder der Investition in Forschung und Entwicklung zu stecken, die für den potentiellen Erwerber absolut unattraktiv ist. Darüber hinaus können auch die Schulden des Unternehmens massiv erhöht werden, sodass die Eigenkapitalisierung und damit eine Übernahme ebenfalls unattraktiv wird. Man spricht bei diesen Methoden, die dem eigenen Unternehmen durchaus schaden können, auch von einer sogenannten „Giftpille“.

 

Kleine Unternehmen sind eher von einer feindlichen Übernahme betroffen

Besonders Unternehmen, deren Kapital sich mit mehr als 50 % im Streubesitzt unter Kleinanlegern befindet sind gern gesehene Kandidaten für eine feindliche Übernahme. Dabei sind nicht wenige Großaktionäre die Haupteigentümer, sondern eine breite Masse an Aktionären.

 

Beispiele für feindliche Übernahmen in Deutschland

Ein bekanntes Beispiel einer solchen feindlichen Übernahme ist der Versuch von Vodafone, die Firma Mannesmann vollständig zu übernehmen. Diese Übernahme wurde letztendlich erfolgreich durchgeführt und erregte mediale Aufmerksamkeit. Zwischen Thyssen und Krupp gab es ebenfalls einen ähnlichen Vorfall, der sich nach Protest unter der Belegschaft in einer „einvernehmlichen Fusion“ legte.

 

Gründe für eine Übernahme

Die Annahme, dass ein Unternehmen erheblich unterbewertet sein könnte spielt häufig eine wichtige Rolle bei einer geplanten Übernahme. Auch der Wunsch nach Zugang zu einer Marke, dem Betrieb, der Technologie oder gar dem Industriestandort eines Unternehmens sind häufig Treiber einer solchen Aktion.

Übernahmen können auch strategische Schritte von Investoren sein, die eine Veränderung der Geschäftstätigkeit eines Unternehmens bewirken möchten. Der sogenannte „Williams Act“ aus dem Jahre 1968 regelt Kaufangebote und verlangt die Offenlegung von reinen Barangeboten.

 

Tender Offer und Proxy Fight

Die zwei bekanntesten Methoden einer feindlichen Übernahme sind:

  1. Tender Offer: Der Erwerber unterbreitet allen Aktionären den Kauf der Aktien zu einem bestimmten Preis, üblicherweise 20% – 40% über dem aktuellen Börsenkurs. Jeder Aktionär kann selbst entscheiden, ob er das Angebot annehmen oder ablehnen möchte.
  2. Proxy Fight: Der Erwerber verhandelt über das Management hinweg direkt mit dem Aufsichtsrat und versucht über diesen, das negativ eingestellte Management mit einem zur Übernahme positiv eingestellten Management zu ersetzen.

 

Chancen und Risiken für Aktionäre

Aus Sicht eines Privatanlegers kann eine „feindliche Übernahme“ auch positiv gesehen werden. Häufig tritt bereits bei Gerüchten einer potentiellen Übernahme der Effekt eines steigenden Aktienkurses auf. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass die übernehmende Firma ein attraktives Kaufangebot für die Aktien stellt. Ebenso kann eine scheiternde Übernahme auch erhebliche Folgen auf den Kurs der Aktie haben. Je nach medialem Interesse und Größe der potentiell übernommenen Firma kann es zu Imageschäden kommen, da häufig besonders das Management einer Firma für einen solchen Angriff verantwortlich gemacht wird.