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Aktie Analyse

BioNTech Aktie Analyse

WKN
A2PSR2
Symbol
BNTX
Sektor
Gesundheit
Webseite
BioNTech
Investor Relations
Investor Relations

Kaum ein Unternehmen hat im Rahmen der Corona-Pandemie so schnell an Popularität gewonnen, wie das Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech. Der in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer entwickelte Impfstoff “Comirnaty” war der erste überhaupt zugelassene Impfstoff gegen Covid-19. Stand heute wurde dieser alleine in Deutschland über 90 Millionen mal verspritzt.

BioNTech wurde 2008 von dem Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci in Zusammenarbeit mit dem Onkologen Christoph Huber gegründet. Basierend auf Jahren der Krebsforschung sollten nun kommerzielle Produkte zur individualisierten Krebstherapie marktfähig gemacht werden.
Aktuell hat BioNTech über 20 potenzielle Medikamente in der Entwicklungsphase – ein Großteil davon im Bereich der Onkologie.

Uğur Şahin führt das Unternehmen noch heute als Vorstandsvorsitzender; Seite an Seite mit seiner Frau Özlem Türeci im medizinischen Vorstand.
Beide sind absolute Experten im Bereich der Krebsforschung sowie der Immunologie und haben beeindruckende akademische und unternehmerische Lebensläufe vorzuweisen.

Das Tagesgeschäft von BioNTech

BioNTech arbeitet aktuell an vier Wirkstoffklassen, die unterschiedliche Ansätze zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten haben.

Therapien auf mRNA-Basis

mRNA steht für “messenger-RNA” – zu Deutsch: “Boten-Ribonukleinsäure”. Vereinfacht ist die mRNA im Körper dafür zuständig, genetische Informationen zur Proteinbildung in Zellen zu übertragen.
Diese körpereigene Funktion kann therapeutisch genutzt werden, indem die Produktion gewisser Proteine – zum Beispiel durch Impfstoffe – angeregt wird.
Im Falle des Covid-19-Impfstoffs werden die genetische Informationen zur Produktion der Spike-Proteine des Covid-19-Virus in Muskelzellen gespritzt. Diese Zellen beginnen mit der Produktion der Spike-Proteine, woraufhin der Körper eine Immunreaktion auslöst und Antikörper bildet.
Die Nutzung von mRNA als Therapiemöglichkeit ist noch am Anfang ihrer medizinischen Karriere: Der Covid-19-Impfstoff war der erste jemals zugelassene RNA-Impfstoff.
Die Möglichkeiten der neuen Arzneimittelklasse sind aber beeindruckend: individualisierte Behandlung von Krebs oder seltenen Infektionskrankheiten wie HIV sind in greifbarer Nähe.

Die mRNA-Forschung hat klare Priorität bei BioNTech:
Mit 10 potenziellen Behandlungsmittel gegen Krebs in klinischen Studien sowie 5 weiteren (hauptsächlich in präklinischen Studien) im Bereich der Infektionskrankheiten hat BioNTech eine vielversprechende Pipeline vorzuweisen.
Der Covid-19-Impfstoff ist das erste Produkt von BioNTech, das eine vollständige Zulassung erhalten hat.

Programmierbare Zelltherapien

T-Zellen sind eine Gruppe von weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. BioNTech forscht daran, diese T-Zellen so zu verändern, dass sie Tumore erkennen und bekämpfen können. Diese Umprogrammierung soll durch die Einführung tumorspezifischer Rezeptoren erreicht werden. Diese individuelle Neuprogrammierung von T-Zellen ist ein wichtiger Durchbruch in der Onkologie.
BioNTech hat hier aktuell zwei Produktkandidaten – jeweils basierend auf zwei unterschiedlichen Therapieplattformen – in Phase 1-Studien.

Antikörper

Im Bereich der Antikörper forscht BioNTech an synthetischen Antikörpern, die zur Bekämpfung von Tumoren eingesetzt werden können.
Die Arbeit des Immunsystems unterliegt einer strengen Steuerung. Essenziell sind dabei sogenannte “Checkpoints” – Proteine auf der Oberfläche von Immunzellen. Über diese Checkpoints kann die Immunreaktion reguliert werden: “gesunde” Zellen sollen nicht angegriffen werden (nutzen die Checkpoints also, um einen Angriff zu verhindern), Krebszellen hingegen sollen angegriffen werden. In der Regel funktioniert dieses System gut. Doch einige Krebszellen schaffen es, diese Checkpoints zu umgehen und als sich als gesunde Zellen zu tarnen. Sie vermehren sich ungestört und ein Tumor entsteht.
Checkpoint-Inhibitoren sind künstliche Antikörper, die genau diesem Problem entgegenwirken sollen. Sie schalten die hemmenden Checkpoints ab, sodass die Immunzellen Tumore weiterhin erkennen und vernichten können.
BioNTech hat in diesem Bereich drei Produktkandidaten in Phase 1 Studien, sowie einen Wirkstoff gegen Covid-19 auf Antikörper-Basis in einer präklinischen Studie.

Small Molecule-Immunmodulatoren

Zudem forscht BioNTech an sogenannten niedermolekularen Immunmodulatoren. Diese zeichnen sich im Vergleich zu Krebstherapeutika auf Antikörperbasis dadurch aus, dass sie wesentlich kleiner und leichter sind. So können sie leichter in das Innere von Krebszellen gelangen und dort zur Therapie eingesetzt werden.
Mögliche Anwendungsgebiete sind beispielsweise das Abgeben von Toxinen an Krebszellen oder das Markieren der Krebszellen, um sie für das Immunsystem erkennbar zu machen.
In diesem Bereich hat BioNTech aktuell einen Produktkandidaten in der 1. Phase der klinischen Studie.

BioNTech weist also ein breites Portfolio an Krebstherapien auf und möchte diese zudem zielführend kombinieren. Im Geschäftsbericht heißt es dazu:

“Um Krebs wirksamer und bei einer größeren Anzahl von Krebspatienten zu handeln als es mit derzeitigen Therapien gelingt, kombinieren wir unsere Produktkandidaten in einer koordinierten, potenziell synergistischen Weise über verschiedene Wirkstoffklassen hinweg”.

Geschäftsmodell und Kennzahlen von BioNTech

Das Kerngeschäft von BioNTech bestand vor der Corona-Pandemie aus Lizenzeinnahmen sowie dem Verkauf von medizinischen Produkten (z. B. Peptiden) an Kunden weltweit. Da keine eigenen Therapiemöglichkeiten kommerziell zugelassen waren, erzielte BioNTech hier auch keine Umsätze.

Durch die Pandemie wurde das Tagesgeschäft von BioNTech komplett auf den Kopf gestellt.

Şahin erkannte früh die weltweite Gefahr, die von dem neuartigen, hochansteckenden Virus ausging und traf eine riskante Entscheidung: Die Forschung an Krebsimmuntherapien auf ein Minimum heruntergefahren, um im Rahmen des Projekts “Lightspeed” schnellstmöglich einen mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Dieser Schritt zahlte sich aus. Der BioNTech-Impfstoff wurde als erstes flächendeckend zugelassen und riesige Bestellungen von Regierungen weltweit getätigt.

Während im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2020 noch ein Umsatz von 67.5 Mio. € ausgewiesen wurde, konnte in Q3 2021 ein Umsatz von 6,09
Mrd. € erwirtschaftet werden – eine Umsatzsteigerung von 9000 %. Zudem werden trotz anhaltender Forschungsausgaben bereits schwarze Zahlen geschrieben: 3,2 Mrd. € Nettogewinn in Q3 2021. Dieser Erfolg ist einzig und allein auf den Verkauf des Impfstoffs zurückzuführen. Aber: auch vorher ist BioNTech schnell und stetig gewachsen!

Auch bilanziell sieht es für BioNTech aktuell rosig aus. Die Gesamtverbindlichkeiten 5,5 Mrd. € wirken im Vergleich zu einem erwarteten Netto-Gewinn für das Geschäftsjahr 2021 von über 9 Mrd. € verschwindend gering. Eine Eigenkapitalquote von über 60 % mit Cash-Reserven von über 2 Mrd. € untermauern die finanzielle Stabilität.

Die Corona-Pandemie war für BioNTech eine Art Zeitmaschine: finanziell wurde das Unternehmen mindestens ein Jahrzehnt in die Zukunft katapultiert. Mehr Kapital, mehr Erfahrung, Zugang zu den besten Talenten der Industrie. Jetzt gilt es, die gewonnen Ressourcen auf die restlichen Therapieansätze zu übertragen.

Fazit

Das Unternehmen wurde durch die Corona-Pandemie vor enorme Herausforderungen in der Forschung und Skalierung gestellt.
Diese Zerreißprobe hat BioNTech bestanden: innerhalb von wenigen Monaten wurde nicht nur der Impfstoff entwickelt, sondern ein funktionsfähiges Produktions- und Vertriebsnetzwerk aufgebaut.
Die unternehmerische Kompetenz der Führungsebene ist damit außer Frage.

mRNA-Therapien stecken noch in Kinderschuhen. BioNTech ist in der einzigartigen Lage dieses Wachstum von Grund auf mitzugestalten und davon zu profitieren.
Entscheidend für den zukünftigen Erfolg wird sein, ob es dem Unternehmen gelingt, den Aufschwung durch den Corona-Impfstoff sinnvoll und effizient auf die anderen Therapielösungen zu übertragen.
Der Corona-Impfstoff wird – dank Auffrischungen – in Zukunft weiterhin stabile und berechenbare Cashflows erwirtschaften. Für nachhaltiges Wachstum muss es BioNTech jetzt aber gelingen, Zulassungen für andere Therapeutika zu erhalten und diese gewinnbringend zu vermarkten.
Dank der kompetenten Führung sowie der gesunden finanziellen Lage scheint BioNTech dafür optimal aufgestellt zu sein.


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