Zykliker (Aktien)

Zykliker ist ein von Peter Lynch geprägter Begriff und bezeichnet die Unternehmen am Aktienmarkt, die eine wellenförmige Nachfrage ihre Produkte erleben. Die Nachfrage nach den Produkten eines Unternehmens kann dabei entweder mit der konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft zusammenhängen oder aber von einem anderen Faktor abhängen.

  • Die Nachfrage nach neu hergestellten Automobilen hängt von der Konjunktur ab. In Wirtschaftskrisen fahren viele Menschen ihr altes Auto weiter und schieben die Neuanschaffung nach hinten.
  • Die Ertragslage von Ölkonzernen hängt maßgeblich an der Preisentwicklung des Erölpreises.

Neben Zyklikern gibt es laut Peter Lynch auch Nicht-zyklische Unternehmen. Das sind die Unternehmen, die ihre Umsätze und Gewinne stetig und nicht besonders abhängig von äußeren Faktoren steigern können.

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Diese Grafik veranschaulicht die Einteilung von Aktien in Kategorien nach Peter Lynch.

 

Einteilung von Aktien in Aktienkategorien nach Peter Lynch

Nun steigen wir tiefer in die Materie ein. Schau dir dazu meine beigefügte Grafik an. Am sinnvollsten ist es wohl, wenn du diese vorab kurz ausdruckst. Gemäß Peter Lynch lassen sich alle Aktien in drei Kategorien einteilen: In Nicht-Zykliker, Zykliker und Asset Plays. Je nach Kategorie muss eine Aktie unterschiedlich bewertet werden.

Zykliker

Zykliker zeichnen sich dadurch aus, dass die Gewinne eben nicht wie auf Schienen nach oben fahren, sondern einem stetigen Auf und Ab gleichen. Denn die Unternehmen dieser Kategorie sind abhängig von unterschiedlichsten äußeren Faktoren: Konjunktur, Rohstoffpreise usw. Daher kommt es zu starken Gewinnschwankungen. Wenn ein Unternehmen wie Shell mit teuren Ölplattformen und Mitarbeitern Öl fördert und dieses dann verkauft, hängt der Gewinn total am Ölpreis. Steigt dieser, steigen nicht mal die Förderkosten. Der Gewinn explodiert. Sinkt der Ölpreis, muss das Unternehmen fast ums überleben kämpfen. Daher sollten diese Unternehmen immer mit ordentlich Eigenkapital arbeiten, um schlechte Jahre puffern zu können. Investoren sollten sich nicht zu viele Unternehmen mit dem gleichen Risiko ins Depot holen, um nicht von einzelnen Faktoren zu abhängig zu werden. Es gibt zwei Unterkategorien:

 

1) Typische Zykliker

Die Umsätze und Gewinne schwanken mit dem Zyklus Auf und Ab. Die Gewinnmarge schwankt langfristig in einem Band hin und her. Daher sollten diese Unternehmen dann gekauft werden, wenn das Tief erreicht ist. Wenn es besonders geringe Erträge abwirft. Oft ist das KGV dann sehr hoch oder gar negativ, weil das Unternehmen Verluste schreibt. Das ist aber ein gutes Signal. Es zeigt, dass sich der Zyklus dem Tief nähert. Viele kurzfristig denkende Kapitalanleger verstehen gar nicht, dass dieses Unternehmen ein Zykliker ist, verlieren angesichts der geringen Erträge oder Verluste das Vertrauen und verkaufen das jeweilige Unternehmen. Der Kurs sinkt rapide ab. Es ist Zeit, einzusteigen!

Sobald die Gewinne wieder massiv anziehen und die Gewinnmarge sich dem langfristigen Höchstwert annähert, sollten die Aktien mit deutlichen Gewinnen wieder verkauft werden. Denn der nächste Schweinezyklus kommt bestimmt. Das Eigenartige an Zyklikern ist also, dass sie dann teuer sind, wenn sie auf Basis des KGV gerade günstig wirken und vice versa.

Beispielsunternehmen sind Daimler und die Deutsche Lufthansa. In einer Konjunkturkrise verdienen beide kaum noch Geld und die Aktien sinken ab. Dann ist es Zeit zu kaufen. Laufen die Geschäfte prächtig, und der Aktienkurs ist stark gestiegen, ist die Zeit gekommen auszusteigen, obwohl das aktuelle KGV niedrig sein mag. Denn im nächsten Downzyklus sinken die Gewinne derart heftig, dass das KGV explodiert.

 

2) Turnaround-Spekulationen

Eine noch heftigere Kategorie dieser Aktien sind Turnaround-Spekulationen. Diese Unternehmen haben ein derart heftiges zyklisches Tief erlebt, sodass sie massive Verluste schreiben mussten. Das Eigenkapital ist oft fast vollständig aufgezehrt. Der Markt glaubt nicht mehr richtig an ein Fortbestehen des Unternehmens. Es finden Panikverkäufe statt, die den Kurs auf das Extremste nach unten treiben. Die Folge: Im Vergleich zu den historischen Gewinnen ist die aktuelle Marktkapitalisierung lächerlich niedrig. ArcelorMittal, der weltgrößte Stahlhersteller, hatte Anfang 2016 eine Marktkapitalisierung von ca. 5.000 Mio. EUR, konnte 2007 aber einen Jahresgewinn von 10.000 Mio. EUR erwirtschaften. Das ganze Unternehmen war also gerade noch den halben Jahresgewinn von 2007 wert. Daher sollte man als Investor einen ganzen Korb dieser Art von Aktien zum Ausverkaufspreis kaufen, und dann auf eine zyklische Erholung setzen. Zwar werden einige der Unternehmen tatsächlich pleite gehen, aber die anderen vervielfachen sich in der Erholungsbewegung derart heftig, dass sie die Verluste bei Weitem übersteigen!

Investoren, die in 2009 alle Aktien der DAX-Familie mit einem temporären Kurs unter 1 EUR gekauft haben, können diese Rechnung breit grinsend bestätigen. Denn es waren damals ProSiebenSat1, Infineon, Drillisch und die Hypo Real Estate. In jeder der vier Positionen 1.000 EUR gesteckt, hätte das Depot heute im Herbst 2017 und damit rund 9 Jahre später einen Wert von ca. 110.000 EUR und damit das 27-fache des eingesetzten Kapitals, obwohl Hypo Real Estate pleite gegangen ist. Eine Streuung ist deshalb wichtig, weil erst im Nachhinein klar ist, welche der Unternehmen tatsächlich überleben und ihre Investoren reichlich dafür belohnen. Diese Aktien ermöglichen also wie auch die Fast-Growers die höchsten Renditemöglichkeiten. Mit dieser Kategorie von Aktien hat Peter Lynch ebenfalls eine Menge Geld verdient.

Ich selbst verfolge mit einem kleinen Teil meines Kapitals ebenfalls die Strategie, Turnaround-Aktien zu kaufen. Derzeit gibt es kaum welche. Daher parke ich jeden Monat rund 100 EUR auf einem Konto und warte auf die nächste (Konjunktur-)Krise. Dann schlage ich zu.

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