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Adobe: Pixel-perfektes Investment oder muss hier retouchiert werden?

Aktienanalyse Adobe Systems
WKN 871981
Symbol ADBE
Preis 247 USD
Marktkapitalisierung 120 Mrd. USD
Enterprise Value 121 Mrd. USD (13x Umsatz, 38x EBITDA)
KGVe 25
Gewinnmarge 28%
Eigenkapitalrendite 29%
Datum 1.02.2019

Zusammenfassung Adobe Inc. Aktienanalyse

  • Adobe (ADBE) ist ein gutes Investment, weil sie eine ganze Reihe an Burggräben unter sich vereinen können: starke Marke, Abo-Modell, hohe Kundenwechselbarrieren, ein kostengünstiges Angebot für jede Zielgruppe. Dazu befinden sie sich in einem rasant wachsenden Markt, sie schwimmen auf der Social-Media und Sharing-Welle mit
  • Das Abo-Modell macht Adobe für mich zu einem 1A Klasseunternehmen, was sich auch im AlleAktien Qualitätsscore widerspiegelt. Kontinuierliches EBIT und Umsatzwachstum bei geringer Verschuldung machen ein Qualitätsunternehmen aus. Seit dem Wechsel ist allerdings auch die Bewertung der Aktie stark in die Höhe gewandert, die Erwartungen an Umsatz- und Gewinnwachstum sind enorm
  • Das Geschäftsmodell: Professionelle Bild- und Videoerstellungs und -editiersoftware für Experten produzieren. Bastler, Youtuber, Blogger, private Fotographen, Amateure wollen alle die besten Werkzeuge der Welt nutzen und kaufen die Software ebenfalls. Wenn Experten die Software nutzen, dann kann auch der Amateur die Software nutzen und die gleichen, beeindruckenden Ergebnisse erzielen. So weit die erfolgreiche Verkaufsstory
  • Social-Media Trends (Live Streaming, Inhalte-Veröffentlichung von Laien statt Experten) sowie die Rückwärtsintegration von Facebook, Instagram und Youtube sehe ich als große Gefahr. Adobe wird weniger relevant, weil die Social-Media-Giganten wie Facebook und Instagram bereits alle Tools integriert haben, um Bilder/Texte/Videos ausreichend gut zu editieren. Sich in Adobe Produkte einzuarbeiten, sie zu erlernen und umständlich zu bedienen, lohnt sich nicht für die Endnutzer
Mission von Adobe: Leading and defining the future of digital media and digital marketing. Deutsch: In Digitalen Medien und Digitalem Marketing will Adobe führend sein und die Zukunft prägen.

AUFBAU DER ADOBE ANALYSE

  1. Geschäftsmodell Adobe
  2. Bewertung Adobe
  3. Risiken Adobe — nur für ♕ AlleAktien Premium Mitglieder
  4. Fazit Adobe — nur für ♕ AlleAktien Premium Mitglieder

Geschäftsmodell von Adobe

Adobe kennt jeder, der schonmal einen Computer angefasst hat: Photoshop und das Dateiformat PDF hat wohl jeder schon einmal benutzt. Adobe ist eine der wertvollsten Marken der Welt. PDF Dateien sind wie Word und Excel nicht mehr wegzudenken.

Adobe (in der Vergangenheit Adobe Systems) ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen, das sich auf Software zur sogenannten "Medien-Erstellung" fokussiert: Bilder, Videos, Musik sollen mit Adobe's Software erstellt und bearbeitet werden können. Egal ob digital oder in Druck. Das Paradeprodukt von Adobe ist ohne Frage das weltweit bekannte Bildbearbeitungsprogramm Photoshop. Aber auch das Dateiformat PDF (Portable Document Format) haben sie erfunden sowie die dazu passende Software Adobe Acrobat Reader, mit der man PDF-Dateien öffnen und editieren kann. Nach und nach sind immer mehr Software-Pakete produziert worden, die vor allem in der Medienerstellung (Bilder, Texte, Webseiten, Dokumente, Flyer, Videos, ...) helfen. Die Software gilt seit Jahrzehnten als führend in der Industrie, als die beste der Welt unter Grafikern und Fotographen.

Das Geschäftsmodell: Professionelle Bild- und Videoerstellungssoftware für Experten entwickeln. Bastler, Youtuber, Blogger, private Fotographen, Amateure wollen alle die besten Werkzeuge der Welt nutzen, und kaufen die Software ebenfalls. Wenn Experten die Software nutzen, dann kann auch der Amateur die Software nutzen und die gleichen, beeindruckenden Ergebnisse erzielen. So weit die erfolgreiche Verkaufsstory.

Abomodell: Seit 2013 hat das Unternehmen einen radikalen, aber langfristig sehr sinnvollen Schritt gewagt: Die Umstellung von Einmalkäufen zu Abonnements zur Nutzung der Software. Adobe verdient jetzt nicht mehr nur ein einziges Mal (beim einmaligen Verkauf der Software), sondern verdient monatlich und jährlich mit den Abo-Gebühren. Wie bei einem Handyvertrag sprudeln die Einnahmen wiederkehrend und vorhersehbar (siehe auch unsere Analyse zu Singtel, Asiens größter TelCo) in die kalifornische Kasse.

2013 noch viel kritisiert, jetzt von Kunden geliebt: Das 2013 eingeführte Abo-Modell. Kunden haben viele Vorteile: Immer aktuelle Software, kostenloser Cloud-Speicher (nie Daten verlieren), einfache Zusammenarbeit mit Kollegen, Synchronisierung zwischen PC, Laptop, und Handy. Bildquelle: adobe.com

Adobe wurde 1982 von John Warnock und Charles Geschke, den Erfindern der Seitenbeschreibungssprache PostScript, gegründet (eine Art Programmiersprache für Vektor-Grafiken, die noch immer breiten Einsatz findet und Vorreiter von PDF-Dateien war). Der Name Adobe (spanisch und englisch „Lehmziegel“) leitet sich von einem Bach namens Adobe Creek ab, der hinter Warnocks Haus im kalifornischen Los Altos verläuft.

In den Forbes Global 2000 der weltweit größten börsennotierten Unternehmen belegt Adobe Platz 627 (Stand: Geschäftsjahr 2017). Das Unternehmen kommt im Januar 2019 auf einen Börsenwert von ca. 120 Mrd. USD. Die Kursentwicklung der letzten Monate war beeindruckend:

Kursentwicklung der letzten 5 Jahre: Wer Januar 2014 investiert hat, kann sich jetzt über eine fette Rendite von ~318% freuen (blaue Linie). Der Index S&P500 ist in der gleichen Zeit um nur 49% gestiegen (gelbe Linie). Der NASDAQ ist in der gleichen Zeit um ~70% gestiegen (nicht eingezeichnet). Quelle: yahoo finance
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Adobe hat 3 Geschäftsbereiche: Digital Media, Digital Experience, Publishing

1/ Digital Media — Erstellung von Content

Hierzu zählen alle Werkzeuge, Software, Dienstleistungen und Pakete, die einem Benutzer bei der Content-Erstellung helfen. Bilder, Texte, Videos, Webseiten erstellen, editieren, veröffentlichen. Diese Software bildet den Kern des Unternehmens, damit sind sie groß geworden.

Photoshop, Illustrator und InDesign sind einige der Kernprodukte, die aus keiner Firma mehr wegzudenken sind. Jede Firma muss in irgendeiner Form Bilder editieren, zuschneiden, anpassen. Der boomende Trend zu Social Media, Facebook und Instagram (kurz: der Trend hin zum "digitalen Leben") beflügelt Adobe nur noch mehr. Selbst bei AlleAktien benutzen wir Adobe Photoshop, um unsere Bilder zu verschönern. Und unsere Analysen kann man sich als PDF-Datei herunterladen.

Ich sehe Adobe in der Wertschöpfungskette als ein Schritt vor den Medienkonzernen. Wer in Unterhaltung investieren will und sich für kein Unternehmen entscheiden kann, für den sollte Adobe eine ernsthafte Überlegung wert sein:

  • Netflix? Nutzen Premiere Pro zum schneiden der Videos
  • Youtube-Stars und Instagram-Stars? Nutzen Photoshop / Premiere Pro
  • Blizzard Entertainment? Nutzen Photoshop / Illustrator / Fuse für Grafiken, Animationen und 3D Modellierung
  • Zeitungen? Nutzen InDesign / Photoshop / Illustrator zur Gestaltung des Layouts, Bearbeitung der Bilder
  • Spotify-Künstler? Nutzen Adobe Audition für Musikeffekte und zur Nachbearbeitung ("post editing") der Aufnahmen

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Unterhaltung basiert auf Bild, Video, Ton und Text. Und Adobe hat die besten Tools dafür.

Zur Zielgruppe gehören damit u.a. Influencer, Grafikdesigner, Spieleentwickler, Musiker, Videoanimateure, Webdesigner, Programmierer, Medienagenturen, Grafiker, Fotographen, Fotostudios, die Marketingabteilung einer jeden Firma und Zeitungen. Kunden sind sowohl Einzelpersonen, mittelständische Unternehmen und Großkonzerne.

Mit der Creative Cloud ist Adobe der womöglich beste Coup gelungen: Ein Abo-Modell schaffen, welches zuverlässliche und vorhersehbare Gewinne einfährt. Jeden Monat.

Das Kernprodukt hier heißt Adobe Creative Cloud (Adobe CC), ein typisches sogenanntes Abo-Bundle: Man bezahlt monatlich und hat Zugriff auf (fast) die gesamte Adobe Software: Photoshop CC, Illustrator CC, Premiere Pro CC, Lightroom CC, InDesign CC und viele mehr. Jede Software kommt mit vielen Templates und Tutorials, so dass jeder sofort loslegen und lernen kann. Die Software begeistert mit tollen Bildern und Effekten, wenn man sie das erste Mal öffnet. Alle Dateien können direkt online abgespeichert werden (in der "Cloud"), so dass keine Daten verloren gehen, und um sie mit Kollegen zu teilen.

Adobe bleibt aus meiner Sicht hoch innovativ, ruht sich nicht aus. Es kommen ständig neue und relevante Features zu existierender Software hinzu, und es wird auch komplett neue Software regelmäßig veröffentlicht. Zuletzt z.B., Features zur Erstellung von photorealistischen 3D-Bildern, Augmented und Virtual Reality.

Das Adobe PDF Dateiformat kennt mittlerweile jeder. Ob man es mag oder nicht. Und das PDF-Format ist ein unerwarteter Burggraben... Bildquelle: adobe.com

Ein kleiner Einschub zur Technologie: Der unerwartete Burggraben: Die eigenen Dateiformate. Genau wie bei Microsofts (zu unserer Microsoft Analyse) Word, Powerpoint und Excel, hat fast jeder die passende Software installiert, um PDF- und Photoshop-Dateien zu öffnen. Es sind Standarddateiformate, von denen man annimmt, dass jeder sie öffnen kann. Wenn ich irgendeinem Grafiker eine Datei schicken muss, bin ich sicher, dass er die Photoshop PSD-Datei öffnen kann. Jeder kann eine PDF-Datei öffnen. Die Ironie: Es bleibt NUR DANN ein Burggraben, wenn diese Dateiformate (PDF, PSD) ausreichend komplex sind und bleiben, sie sich von Version zu Version einschneidend verändern (ansonsten werden die Formate zum "Standardprodukt", und jede beliebige Software könnte auch immer die neuesten Photoshop-Dateien öffnen. Man braucht dann kein Photoshop mehr. Microsoft hat beispielsweise mit Excel die gleiche Strategie, deshalb auch das Chaos mit den vielen verschiedenen Datei-Versionen). Das macht diese Formate zugegebenermaßen zuweilen auch etwas langsam oder inkonsistent. Insgesamt gibt es aber relativ geringe Probleme.

Die Spezifikation und das "HowTo" zum PDF-Dateiformat fasst knapp 1000 Seiten. Ich frage mich, welche Anwender sich diese Spezifikation durchgelesen haben, bevor sie das erste Mal eine PDF-Datei geöffnet haben. Die Referenz für Entwickler hat übrigens 6000 Seiten.

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2/ Digital Experience — Verbreiten von Content (Marketing-Tools)

Erstellung, Messung und Optimierung von digitalen Werbekampagnen über verschiedene Kanäle hinweg (Facebook, Instagram, Webseiten, ...) stehen hier im Fokus. Kunden sind Marketingagenturen und Marketingabteilungen. Die Adobe Marketing Cloud ist auf Großkonzerne mit Milliardenkapitalisierung fokussiert, kostet im Durchschnitt 2 Mio. USD pro Jahr.

Die Experience Cloud ist dabei erheblich mehr als "nur Facebook Marketing":

  1. Es wird auf vielen Kanälen gleichzeitig geworben: Facebook, Google, Twitter, Instagram, Tinder, Snapchat, Werbeanzeigen in Zeitungen, Affiliate-Portale, Offline-Plakate, Flyer werden verteilt, eigene Partnerschaften mit Webseiten
  2. Auf allen Kanälen werden hunderte von Grafiken, Texten gleichzeitig gegeneinander getestet - mit welchem Text/Bild verkauft sich das Produkt am besten?
  3. Alle Kanäle werden gemeinsam analysiert, insbesondere das Verhalten und die "Funnel" (die Interaktionen der Nutzer) auf Kanäle hinweg. Eine Erkenntnis könnte dann z.B. so aussehen (ich habe als Berater einen ähnlichen Funnel mit einem Konkurrenzprodukt von Adobe aufgesetzt, weiß deshalb genau, wovon ich spreche):

Den Erstkontakt mit potentiellen Käufern sollten wir auf Facebook herstellen, dort ist dies am günstigsten. Dann blenden wir wiederholt Werbung A auf Instagram/Twitter/Snapchat ein. Wenn die Werbung A angeklickt wurde, dann zeigen wir ihm als nächsten Werbung A2. Falls die Werbung nicht angeklickt wurde, zeigen wir ihm Werbung B2. Nach 3 Bildern, zeigen wir ihm ein Video und leiten den potentiellen Käufer dann auf unsere Verkaufsseite Nummer #28, mit dessen Text und Bilder sich der Nutzer genau identifizieren kann, und dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch kaufen wird.

Man sieht also, es ist hoch komplex. Wie in einer Baumstruktur werden verschiedene Unterzielgruppen verschiedene Werbebanner angezeigt und die Kosten innerhalb der optimalen Interaktions-Route optimiert.

Die Adobe Marketing Cloud ist erheblich mehr als nur einfaches Facebook-Marketing. Hunderte Marketing-Kampagnen und Kanäle (Facebook, Offline, Google Ads, Youtube, ...) können gleichzeitig getestet und skaliert werden. Bildquelle: adobe.com

Aus meiner Sicht war es ein cleverer Schachzug, das Segment Digital Experience zu gründen. Der Grund: Es ist bei Werbekampagnen sehr leicht, den von Adobe gelieferten Mehrwert ("wie gut verkauft sich das Produkt des Kunden mit der Grafik X/Y/Z?") zu messen. Wenn Adobe genau messen kann, wie viel Mehrwert sie den Kunden liefern, dann können sie auch für ihre eigene Dienstleistung den besten Preis vorgeben. Der Kunde kann hunderte verschiedene Werbe-Grafiken und Texte bei Werbekampagnen gleichzeitig testen. Funktioniert eine Grafik besonders gut (bedeutet: Grafik spricht Leser an, Leser kauft), dann wird das Werbebudget nur noch auf diese Grafik fokussiert. Der Kunde verdient massenweise Geld. Adobe setzt den Preis für den Kunden so, dass auch Adobe massenweise Geld verdient.

Kurz gesagt in zwei Sätzen:

Das Resultat von Digital Media sind Inhalte: Bilder, Texte, Videos — schwer abschätzbar, und schwer einen sinnvollen Preis zu vergeben, weil unklar ist, wie viel Mehrwert der Kunde wirklich hat.

Das Resultat von Digital Experience ist ein gesteigerter Umsatz und Gewinn für den Kunden — absolut klar und genau einsehbar, wie viel Mehrwert (zusätzlichen Gewinn und Umsatz) der Kunde hat.

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Mit der Einführung des Angebots Creative Cloud migrierte Adobe seine gesamte Palette an Kreativprodukten wie Photoshop, Illustrator, InDesign und Premiere in die Cloud. Dieses neue Paket ermöglichte es den Anwendern nicht nur, auf diese Anwendungen plattformübergreifend zuzugreifen, sondern bot ihnen auch einen erschwinglicheren Preis, der die Durchdringung der Endmärkte von Adobe erhöhte. Die Annahme dieser Anwendungen war so, dass der Begriff "Photoshop" zu einer Referenz für die Bearbeitung von Bildern im sozialen Kollektiv geworden ist.

3/ Publishing — Druckmedien

Dieses Segment wurde 2018 geschaffen und versammelt eine Vielzahl von "Altlasten und Diverses" (wie es Adobe selbst nennt): veraltete Onlinekurse, veraltete Konferenzsysteme und Spezialwerkzeuge (z.B., für technische Dokumentationssoftware oder millimeter genaue Druckerzeugnisse) und Lizenzierungseinkommen (z.B., vom PDF und PostScript Dateiformat) finden hier ihr zuhause.

Die hier auch enthaltenen "veralteten" Produkte sind noch profitabel, aber ohne Wachstumspotential. Weil diese Produkte kaum Kosten verursachen und noch laufend Profite abwerfen, nimmt man diese Gewinne einfach ohne Mehraufwand mit, lässt die Produkte auslaufen.

Hersteller von Druckern, die PDF-Dateien drucken können sollen, brauchen so eine "PDF-Druckerlaubnis"-Lizenz. Weiter jede Software, die eine PDF-Datei exportieren will, braucht diese Lizenz. List du z.B. diese Analyse im Web-Browser Google Chrome (von Alphabet) oder Safari (von Apple) und klickst auf "Webseite drucken", dann kannst du dort auch "Abspeichern als PDF" auswählen. Dafür müssen Alphabet und Apple eine Lizenzgebühr an Adobe bezahlen.

Konkurrenz: aus meiner Sicht v.a. "Inline Produkte"

Konkurrenz im Segment Digital Media

Auf meinem iPhone X kann ich meine Bilder und Videos auf Instagram so editieren, wie ich will. In Sekundenschnelle. Ohne Einarbeitungszeit und Grafikdesign-Studium. Wenn das nicht reicht, lade ich mir eine von hunderten Apps im Appstore herunter. Adobe Photoshop brauche ich dazu nicht.

Es gibt keinen einzelnen Softwarekonzern und kein einzelnes Produkt, das es mit der gesamten Produktpalette von Adobe aufnehmen könnte. Die Produkte Photoshop, Premiere Pro, Illustrator, ... bleiben Industriestandard. Allerdings bieten immer mehr Apps an, die Medien direkt in der eigenen App zu editieren. Das beste Beispiel: Youtube, Snapchat und Instagram. Beide bieten mittlerweile sehr umfangreiche Video- und Bildbearbeitungseditoren, sogenannte "Inline Produkte" ("inline" weil "innerhalb" eines anderen Produktes), innerhalb der Webseite/App an. Man braucht nicht umständlich zur Photoshop-App zu wechseln, um die Datei zu editieren. Es findet kein Medienbruch statt. Resultat: Photoshop verliert Nutzer. Dieses Phänomen kann man zumindest bei Endnutzern beobachten.

Berufliche Nutzer bleiben weitgehend bei der Profi-Version, wo sie alle Features haben und die Bilder exakt so gestalten können, wie sie wollen. Wo sie nicht auf eine Reihe vordefinierter Filter zurückgreifen müssen, die mehr oder weniger "ohne eigene Kreativität" arbeiten.

Konkurrenz im Segment Digital Marketing

Hier ist die Konkurrenz erheblich größer. Adobe ist einer von unzähligen Anbietern, die hier groß werden wollen: SAP, Oracle, Singtel, Alphabet, vwo, ... haben alle eigene und ähnlich umfangreiche Lösungen.

Aus meiner Sicht hat Adobe nichts inhärentes "besseres", um hier als klarer Gewinner oder Monopolist hervorzugehen. Alphabet hat aus meiner Sicht noch die besten Chancen, weil sie Google AdWords, Youtube und Android kontrollieren und gleichzeitig eine sehr intuitive Benutzeroberfläche (Google Optimize heißt das Produkt) haben, die auch kostenlos testbar ist.


Bewertung von Adobe

Disruptive Risiken von Adobe, und mein Fazit

Adobe ist im Markt der Erstellung digitaler Inhalte tätig: Bilder, Texte, Video, Musikproduktion. Besonders gefährlich wird es für Adobe daher, wenn entweder 1) jemand anderes dies besser macht (in welcher Weise auch immer), oder 2) diese Medien an Relevanz verlieren.

AlleAktien-Facebook-Aktien-Analyse-LikeFacebook macht die Benutzeroberfläche immer mächtiger. Nutzer sollen die App am besten nie verlassen, deshalb baut Facebook Werkzeuge zum Fotos und Videos editieren gleich mit ein.

Rückwärtsintegration der Medienkonzerne (disruptiv). Dies sehe ich als die mit Abstand größte Gefahr an, die sich auch schon anbahnt. Adobe wirbt hoch optimistisch, dass sie sich in einem stark wachsendem Markt befinden: Immer mehr Bilder und Videos werden auf Social Media geteilt, immer mehr Musik auf Spotify geladen und immer mehr Serien/Filme auf Netflix veröffentlicht. Bei all dem hat Adobe seine hoch performanten und hoch komplexen Software-Tools im Einsatz, bedient von Experten. Das Problem: 99% der auf Social Media (Facebook, Instagram, Youtube, Snapchat, ...) geteilten Inhalte werden nicht von Grafikdesign-Experten erstellt, die sich wochenlang in eine neue Software einarbeiten wollen, oder auch nur die Zeit haben, ihre Bilder aufwändig 20-30 Minuten vor dem Veröffentlichen in Photoshop editieren können. Stattdessen werden auf dem Handy Bilder und Videos gemacht, mit den vorgegebenen Filtern oder auch einer Editier-App nachbearbeitet und veröffentlicht. Besonders gefährlich: Youtube hat seit 2017 eine vollfunktionsfähige Videobearbeitungssoftware im Browser eingebaut: Effekte, Untertitel, Musik, Tonaufnahmen, Elemente herausschneiden, Bild-in-Bild — all das und noch viel mehr kann die Software im Browser bereits.

Virtual und Augmented Reality (disruptiv). Adobe hat hier zwar bereits einige Experimente gemacht, hat insgesamt jedoch noch ein relativ schwaches Angebot an Software zur Erstellung von Dateien für VR und AR Erlebnisse (Bildmaterial in speziellen VR-Formaten, ...). Ich vermute jedoch, dass VR und AR nicht von einem Tag auf den anderen komplett unsere Welt verändern, sondern auf der aktuellen Welt aufbauen werden. Facebook, Instagram, Netflix, etc. werden weiterhin in der VR/AR aufrufbar sein. Eine Vielzahl der dortigen Inhalte wurde mit der Software von Adobe produziert. Daher glaube ich zwar, dass es eine "disruptive" Gefahr ist, jedoch wird es nicht von einem Jahr auf das andere einen 90%igen Gewinneinbruch geben, so wie dies auch nicht bei Nokia, oder IBM der Fall war.

Live Video (disruptiv). Der Trend auf Social Media geht nach Text, nach Bildern, nach Videos, jetzt in Richtung Live Media, also Live Video Streaming. Adobe hat hier kein Angebot. Influencer, Firmen, und du und ich streamen Videos direkt via Facebook, Snapchat, Instagram. Adobe steht außen vor. Aus meiner persönlichen Sicht ist Live Video einer der größten Social Media Trends der kommenden 5 Jahre. Die am schnellsten wachsenden Startups sind Snapchat und TikTok. Instagram und Facebook haben in den letzten 2 Jahren deren Live Video Features kopiert, um überhaupt mithalten zu können.

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Fazit Adobe: haltenswert oder kaufenswert?

Adobe ist DIE Firma für kreative Höchstleistungen. Das zeigt sich auch auf der Firmenseite Adobe.com: Mit der Creative Cloud ist kein Traum zu groß.

Mein Fazit ist: Adobe ist ein tolles Unternehmen, aber die Bewertung ist sehr hoch (KGV > 45). Für mich ein ganz klarer Fall für meine persönliche Watchlist.

Adobe kann eine ganze Reihe an Burggräben unter sich vereinen: starke Marke, Abo-Modell, hohe Kundenwechselbarrieren, kostengünstiges Angebot für jeden Preis. Dazu befinden sie sich in einem rasant wachsenden Markt, sie schwimmen auf der Social-Media Welle mit, in der jeder immer und überall Bilder und Videos teilt. Noch dazu schwimmen sie auch in der Online-Marketing-Welle mit und kommen durch ihre etablierte Marke in die großen Marketingverträge mit Coca Cola und usw. leicht hinein, kassieren von Firmenkunden Millionenbudgets.

Das Abo-Modell macht Adobe für mich zu einem 1A Klasseunternehmen, was sich auch im AlleAktien Qualitätsscore widerspiegelt. Kontinuierliches EBIT und Umsatzwachstum bei geringer Verschuldung machen ein Qualitätsunternehmen aus.

Die Bewertung von Adobe ist aktuell sehr hoch und sie verschlafen möglicherweise gerade einige der wichtigsten Social-Media Trends. Die Bewertung hat seit der Umstellung auf das Abo-Modell erheblich angezogen. Von einem KGV von ca. 13 vor der Umstellung 2013, über die Umstellungsphase der überhöhten Erwartungen (KGV von 80 bis 150) zwischen 2013 und 2015, hat sich das KGV von Adobe nun bei knapp 45 bis 50 eingependelt. Mir persönlich ist das noch etwas zu hoch, kann aber bei einer konservativen Renditeerwartung von 4-7% pro Jahr durchaus sehr viel Sinn machen.

Social-Media Trends (Live Streaming, Inhalte-Veröffentlichung von Laien statt Experten) sowie die Rückwärtsintegration von Facebook, Instagram und Youtube sehe ich als große Gefahr. Adobe wird weniger relevant, weil die Social-Media-Giganten bereits alle Software-Apps zur Verfügung stellen, um Bilder/Texte/Videos ausreichend gut zu editieren. Sich in Adobe Produkte einzuarbeiten, sie zu erlernen und umständlich zu bedienen lohnt sich nicht für die Endnutzer.

Insgesamt bin ich überzeugt, dass Adobe ein tolles Unternehmen ist, das ich gerne besitzen würde. Die Bewertung ist hoch, man kann jedoch aus meiner Sicht trotzdem eine Rendite von 4-7% erwarten. Und auch die disruptiven Gefahren werden das Unternehmen nicht von einem Jahr auf das andere zerstören. Mir persönlich ist die Bewertung aktuell noch einen Tick zu hoch. Das Unternehmen kommt auf meine Watchlist und ich werde bei einem Kursrückgang definitiv zuschlagen.

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Liebe Grüße,
Alexander Schwarz
Managing Partner bei AlleAktien

Quellen & Links

Beschreibung
Adobe Investor Relations
Geschäftsbericht 2017, SEC K-10
Adobe Creative Cloud
Übersicht aller CC Produkte
Forbes Ranking, größte und wertvollste Firmen der Welt
Adobe bei SeekingAlpha
Adobe nicht zu stoppen (Analyse)
Adobe Creative Cloud für Großfirmen, Funktionsübersicht

Die Bildquellen zu allen Produktbildern (Photoshop, Illustrator, ...) stammen allesamt von adobe.com, als direkter, un-editierte Bildschirmaufnahmen.

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit keine Aktien von Adobe.

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