JD.com Aktien-Analyse: Mit führendem Online-Händler von der Konsumlust der Chinesen profitieren?

Aktienanalyse JD.com
Hauptsitz China, Peking
ISIN US47215P1066
WKN A112ST
Preis 210 RMB/30 USD
Ausstehende Aktien 2.877 Mio.
Marktkapitalisierung 604.000 Mio. RMB/86.000 Mio. USD
Nettoliquidität 32.000 Mio. RMB/4.500 Mio. USD
Enterprise Value 572.000 Mio. RMB/83.500 Mio. USD
Dividendenrendite 0%
Datum 19.08.2019

JD.com Aktien-Analyse: 京东 Große Risiken und noch größere Chancen?

  • JD.com ist eines der beiden großen Online-Handelsunternehmen (Amazon-Pendant) in China und das #3 Internet-Unternehmen der Welt.
  • Westliche Unternehmen wie L’Oréal, Nestle, Unilever & Co. können über die Plattform von JD.com ihre Produkte kinderleicht an die fast 1,5 Milliarden chinesischen Konsumenten verkaufen.
  • JD.com ist gut positioniert, um vom wachsenden Konsumhunger der Chinesen zu profitieren. Wiederholt sich gerade die Erfolgsgeschichte von Amazon in China mit JD.com?
  • Doch es gibt auch Risiken: Das politische Risiko China, starke Gegenspieler wie Alibaba (Tmall), messerscharfe Gewinnmargen.

Lieber Leser, ich habe mich in der letzten Zeit intensiv mit JD.com auseinandergesetzt, das Geschäftsmodell analysiert, die Risiken und Chancen zusammengetragen, mit Mitarbeitern gesprochen und Kunden befragt. Ich heiße Hannes Steinle und habe für ein Jahr in Peking studiert. Dort habe ich Speak Intelligent gegründet, das im Bereich der Künstlichen Intelligenz tätig ist. Zusätzlich habe ich während meines Aufenthaltes einen tiefen Einblick in unterschiedliche Branchen der chinesischen Wirtschaft erhalten. Dies ist meine erste Aktienanalyse für AlleAktien. Viel Spaß bei der Lektüre!

Ich bin 20 Jahre alt und habe ein Jahr lang in China studiert, die Sprache und Kultur kennengelernt und bin unternehmerisch tätig gewesen. Hier ein Foto von mir aus Peking!


Die Analyse ist in 4 Teile strukturiert:

AUFBAU DER ANALYSE

  1. Geschäftsmodell
  2. Bewertung
  3. Risiken
  4. Fazit

 

 

Live-Aktienkurs der JD.com-Aktie

 

1. Geschäftsmodell von JD.com: Marktzugang nach China, die All-Inclusive Lösung für große westliche Marken

Alle Abschnitte aus-/einklappen

Unternehmensgeschichte, Mission, Management und Aktionärsstruktur

Website von JD.com – das chinesische Amazon?

Kurze Unternehmensgeschichte: JD.com geht den „Amazon-Weg“ in China

JD.com (chin. 京东 JingDong) wurde 1998 von Liu Qiangdong, (Richard Liu) in Peking gegründet. Im Jahr 2004 geht die Webseite online, auf der zuerst lediglich Speichermedien, Bücher, CDs und E-Books verkauft wurden. Irgendwie erinnert das total an die Erfolgsgeschichte von Amazon…

2011 wird eine Plattform für Unternehmen zur Verfügung gestellt, die ihre Ware auf JD verkaufen wollen. Diese stellt für ausländische Unternehmen ohne Sitz in China einen Marktzugang dar. 2014 wird das #1 soziale Netzwerk Chinas,  Tencent, als Partner gewonnen und gibt JD Zugriff auf WeChat (1 Milliarde Nutzer) als Marketingplattform. Dazu kommen weitere Partnerschaften mit Walmart und Google.

Mittlerweile verkauft das Online-Handelsunternehmen so gut wie alles. Z.B. das neueste Smartphone, Nahrungsmittel und Möbel. Der Fokus liegt auf Unterhaltungselektronik. In den letzten Jahren hat sich JD immer mehr an andere Geschäftsfelder und Technologien gewagt, dazu gehören Finanzdienstleistungen, Big-Data, KI und selbstfliegende Drohnen.

Für große europäische Marken wie L’Oréal, Nestle oder Unilever ist es in der Vergangenheit immer schwer gewesen, in China Fuß zu fassen und Produkte zu verkaufen. Dabei hilft JD mit einem All-Inclusive-Service weiter, kauft das Produkt, kümmert sich um das Marketing, den Verkauf und die Lieferung. So stellt JD für lokale und internationale Unternehmen den Zugang zum rasant wachsenden E-Commerce in China dar. Das Ziel von JD ist, skalierbare Prozesse aufzubauen und Online und Offline zu verbinden, mehr dazu später.

JD.com hilft großen westlichen Marken dabei, ihre Produkte an die chinesischen Konsumenten zu verkaufen. So eröffnet das Unternehmen den westlichen Marken einen riesigen Markt – und kann selbst enorm stark wachsen.

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Mit freundlichen Grüßen,
Jonathan Neuscheler und Michael C. Jakob
(AlleAktien Gründer)

 

Das chinesische Amazon – oder gibt es doch Unterschiede?

JD.com investiert kräftig in eigene Warenhäuser & Versandzentren, sowie einen eigenen Lieferdienst. So können die Geschwindigkeit und die Qualität der Lieferung optimiert werden.

JD wird häufig mit Amazon verglichen, aufgrund ähnlicher Geschäftsmodelle. Ebenso wird der CEO Liu Qiangdong häufig mit Jeff Bezos verglichen, da beide Self-Made Milliardäre sind und die Unternehmen ohne große Eigenressourcen von Grund auf aufgebaut haben. „Chinas Jeff Bezos“ investiert ebenso wie Amazon Milliarden in eine eigene Infrastruktur, bestehend aus automatisierten Warenhäusern und einem eigenen Lieferservice zu den chinesischen Konsumenten.

Ebenso investieren beide stark in intelligente und effiziente Auslieferungsstrukturen für die berühmte „letzte Meile“ (Lieferung bis hin zum Endkonsumenten), wie Drohnen und Paketroboter.

Doch es gibt auch Unterschiede: Ein großer Unterschied ist, dass Amazon zusätzlich zu dem Kerngeschäft noch Amazon Web Services (AWS), Amazon Prime, Kindle, Media & Videos, Alexa und Amazon Go anbietet, zu denen JD (noch) keine Pendants hat.

Es wird zwar eine Premium Mitgliedschaft angeboten, deren Vorteile für den Kunden ausgebaut werden sollen, mit Rabattprogrammen und Partnerschaften. Dort steht das Unternehmen aber noch am Anfang. Auf der anderen Seite ist JD auch schon in einigen Bereichen Amazon voraus, zum Beispiel was Drohnen angeht. Bereits 2016 wurden diese in ländlichen Pilotprojekten von JD eingesetzt. Ebenso ist JD einen Schritt voraus im Bereich automatisierte Prozesse und KI, durch Paketroboter und vollautomatisierte Warenhäuser, wie im folgenden Video gezeigt wird.

 

Mission: Der Kunde ist König

Egal welches Interview man sich vom Gründer und CEO Liu Qiangdong anschaut; in jedem betont er die Wichtigkeit der „customer experience“, des Kundenerlebnisses. Konkret bedeutet dies, dass der Kunde in so vielen Bereichen zufriedengestellt werden soll und das Alleinstellungsmerkmal von JD der Fokus auf die Kundenbedürfnisse ist.

Das Ziel ist, die aufstrebende Mittelschicht mit steigenden Ansprüchen zu versorgen, ebenso wie die Oberschicht mit einer neuen Luxussparte. Dies sind die vier wichtigsten Adjektive und Werte der Firma:

  • Viel 多: Auf JD.com kann so gut wie alles eingekauft werden. Es gibt eine riesige Auswahl an lokalen und internationalen Größen, was auch den anspruchsvollsten chinesischen Kunden kaum Wünsche offen lässt.
  • Schnell 快: JD Logistics gehört zu JD und unterhält ein Netzwerk von mehr als 550 Warenhäusern in China. Diese gehören zu den effizientesten und automatisiertesten der Welt. Mittlerweile werden mehr als 90% der gesamten Bestellungen am selben Tag oder am Tag darauf ausgeliefert. Mit dieser Geschwindigkeit kann kein E-Commerce Unternehmen weltweit mithalten. Dies ist unangefochtene Spitze. JD liefert nach eigenen Angaben an 99% der kompletten chinesischen Bevölkerung, also so gut wie flächendeckend.
  • Gut 好: In China steht JD für hochwertige, authentische und qualitative Ware. Die Produkt-Standards sind hoch und JD passt auf, welche Firmen Partner werden und welche nicht. Ebenso ist der Kundenservice schnell und zuverlässig. Weitere Meinungen von Kunden von JD folgen.
  • Günstig 省: Das Ziel von JD.com ist, den Offline-Handel langfristig zu unterbieten. Noch sind die Preise auf dem gleichen Level, jedoch hat JD sehr gute Chancen, die Preise zu drücken, da das Geschäftsmodell auf die Skalierbarkeit der Lieferung ausgelegt ist. Sprich, je mehr Produkte verkauft werden, desto geringer werden die Kosten pro ausgeliefertem Produkt.

 

Gespräche mit drei Kunden: Gute Kundenbindung & Weiterempfehlung

Tatsächlich haben die drei Kunden ein übereinstimmendes Bild von JD. Es wird die authentische und qualitative Ware gelobt und die schnelle und zuverlässige Lieferung, die meist am nächsten Tag erfolgt. Sie kaufen daher hauptsächlich bei JD, die Kundenbindung ist also hoch. Auch würden sie eine Premium Mitgliedschaft erwägen, durch die sie auch bei vielen anderen Unternehmen Rabatte und Coupons erhalten. Alle drei würden JD weiterempfehlen und haben vor, weiterhin Kunde zu bleiben. Es werden sich günstigere Preise gewünscht, die bisher Konkurrenten wie Taobao vorbehalten sind. Dies möchte JD in den nächsten Jahren durch den Skaleneffekt erreichen, mehr dazu später.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass JDs Versprechen also sehr gut beim Kunden ankommen und das Unternehmen daher über eine solide, stetig wachsende Kundenbasis verfügt, auf die aufgebaut werden kann.

 

Liu Qiangdong: Gründer, CEO und Visionär

Liu Qiangdong beim World Economic Forum

Der Gründer Liu Qiangdong ist seit 1998 CEO der Firma. Seine Persönlichkeit lässt sich nicht mit einem Jack Ma von Alibaba vergleichen. Er äußert sich deutlich weniger in der Öffentlichkeit, jedoch hat er in den letzten Jahren einige Interviews gegeben, von denen einige auf YouTube einsehbar sind.

Insgesamt tritt er äußerst selbstsicher und zielstrebig auf. Er hat eine Vision für das Unternehmen. Und wichtig für Investoren, er denkt und handelt langfristig. Liu Qiangdong ist in einer abgelegenen Gegend Chinas aufgewachsen, der es wirtschaftlich schlecht ging. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Wirtschaft durch E-Commerce anzuschieben.

Er will mit seinem Unternehmen die Armut in ländlichen Gegenden bekämpfen, aus denen er kommt. JD hat daher ein Programm zur Armutsbekämpfung gestartet, dass die Händler bei Produktion und Verkauf unterstützt. Also verfolgt er als CEO auch seine persönliche Mission. Liu Qiangdong besitzt 15,4% der JD Aktien und ein Nettovermögen von 7 Milliarden USD.

 

 

Aktueller Skandal: unehrliches Management

Ende letzten Jahres wurde Liu Qiangdong in den USA festgenommen, aufgrund Verdachts auf sexuellen Missbrauch. Er wurde schnell wieder freigelassen. Da es zu wenige Beweise gegen ihn gab, wurde keine Anklage erhoben. Jedoch hat JD auf der eigenen Webseite mit falschen Informationen versucht, die Anschuldigungen zu vertuschen und eine falsche Version der Tatsachen darzustellen. Daraufhin wurde das Unternehmen durch mehrere Anwaltskanzleien in den USA von Aktionären angeklagt. U.a. aufgrund des Skandals sowie dem Handelskrieg mit den USA ist der Kurs von JD seitdem zeitweise um mehr als 20% gefallen. 

 

Management: Overpromise & Underdeliver?

2016 versprach JD, dass täglich 1.000 Shops von JD eröffnet werden sollen, davon hat man aber noch nicht all zu viel gesehen. 2017 versprach das Unternehmen, im gleichen Jahr noch profitabel zu werden. Dies ist bis jetzt jedoch noch nicht eingetreten. Auch wurde versprochen, 1 Millionen Shops zu eröffnen und JD Logistics würde von Beginn an profitabel sein. Die Firma setzt sich sehr ehrgeizige Ziele, die nicht alle eingehalten werden können. In dieser Hinsicht erinnert die Firma ein wenig an Elon Musk (Tesla) in einem deutlich kleineren Rahmen.

JD verspricht öffentlich meist etwas zu viel, jedoch werden die Ziele und Einzelschritte bisher auf kurz oder lang eingehalten. Dazu kommt, dass das Management langfristig denkt und handelt und kurzfristige Gewinne hintenanstellt. Weiteres dazu bei der Bewertung.

 

Arbeitsklima und Firmenkultur: Einblicke von Mitarbeitern

Meine chinesische Freundin Chen Yingge hat exklusiv für diese Analyse mit zwei Mitarbeitern gesprochen, um einen tieferen Einblick in die Firma zu erhalten. Einer arbeitete als Ingenieur im Bereich Innovation und Management als Führungskraft. Hier eine Zusammenfassung:

Vorteile: JD schafft es, Manager aus Top-Unternehmen wie IBM oder Microsoft anzuwerben, die das Unternehmen nach vorne bringen. Insgesamt werden die Arbeitsabläufe als schnell und effizient beschrieben, da es eine sehr flache Struktur gibt. Die Bezahlung ist gut, der Leistungsdruck vergleichsweise hoch. Dies ist jedoch ein allgemeines Merkmal in chinesischen Unternehmen im Vergleich zu anderen Ländern. Die Zukunft der Firma wird als positiv eingeschätzt aufgrund eines besseren Wachstums auf dem Markt verglichen mit Alibaba. Die Expansion in neue Geschäftsbereiche minimiert das Risiko der Firma und die Fulfilment Struktur ist unangefochten in China.

Nachteile: Wichtige Entscheidungen werden alleine vom CEO und eventuell Topmanagement getroffen. Es wird zu wenig auf den Rat anderer Manager und Partner gehört. Dies wird als Grund für Fehlentscheidungen von JD genannt. Außerdem fühlen sich Führungskräfte und Mitarbeiter nicht wertgeschätzt für ihre Leistungen, daher wandern viele von ihnen zu Alibaba oder Tencent ab, da diese oft besser zahlen. Bei der internationalen Expansion wird JD noch nicht mit Amazon mithalten können. Amazon hat viele erfolgreiche Geschäftsfelder, wohingegen JDs Fokus klar der E-Commerce ist.

 

Aktionärsstruktur: Strategische Partner eingekauft

Größter Aktionär und Partner von JD: Tencent. Bildquelle: China Daily.

Zu den Zeitpunkten als JD strategische Partnerschaften eingegangen ist, hat der Partner häufig Aktien von JD akquiriert. Genaueres zu den  Kooperationen weiter unten. Tencent besitzt Anteile in Höhe von 18%, Walmart 12% und Google 1%. Zu den institutionellen Aktionären gehören u.a. BlackRock, Fidelity und Tiger Global Management. 

Branchenanalyse: JD.com ist im chinesischen Online-Handel tätig

E-Commerce in China: Wachstum und Konkurrenz

Chinesischer Online-Handel: Steigender Umsatz und starkes Wachstum. Bildquelle: China Internet Watch.

Der chinesische Online-Handel ist der größte der Welt, mit einem Umsatz von 1,4 Billionen USD in 2018. Es wird erwartet, dass dieser 2019 um 30% auf 1,99 Billionen USD in 2019 wachsen wird. 56% davon fallen auf den B2C Markt, der von den beiden Giganten Tmall (Alibaba) und JD dominiert wird. Die beiden hatten im Q4 2018 zusammen einen Marktanteil von 85%. Der Markt ist stark umkämpft, immer wieder kommen neue aufstrebende Unternehmen mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen hinzu. Die Konkurrenz ist groß, die Ertragsmargen sind klein und umkämpft. Das Wachstum flacht langsam ab. JD hat auf diesem Markt große Herausforderungen zu bewältigen, muss sich gegen Tmall durchsetzen und seine Versprechen an die Kunden einhalten.

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(AlleAktien Gründer)

Das Wachstum des E-Commerce spiegelt den steigenden Wohlstand der chinesischen Bevölkerung wider, besonders der wachsenden Mittelschicht. Dazu kommt die steigende Nutzung von Online-Händlern, die mit der wachsenden Internetpenetration einhergeht. Insgesamt wächst der gesamte Handelsumsatz stark an und soll den US-Retail Markt gemessen am Umsatz 2019 überholen. Trotz abflachendem Wachstum wächst der E-Commerce Markt in China also munter weiter an, ist jedoch abhängig von der wirtschaftlichen und politischen Gesamtsituation in China und dem Handelskrieg mit den USA. Dies sollte man bei China immer im Blick behalten, zu der ausführlichen China-Analyse gelangt ihr hier.

 

Konkurrenzanalyse: JD.com vs Tmall (Alibaba)

Unternehmen JD.com Tmall (Alibaba)
Logo
Marktanteil am Online-Handel 24,2% 61,5%
Marktanteil 2018 Q4 in % 24,2 61,5
Geschäftsmodell All-Inclusive Plattform; Verkauf direkt an Endkunden; Kauf, Verkauf, Logistik Nur die Online-Plattform bereitstellen, möglichst viel an externe Dienstleister auslagern (z.B. Zustellung der Pakete…)
Kernmarkt Mittel-/Oberschicht

„1st Tier Städte“ – Peking, Shanghai, Shenzen

Mittelschicht

„1st – 3th Tier Städte“ – Xiamen, Harbin, Kunming

Aktive Kunden 310 Millionen 636 Millionen
Vorteile
  • Fulfilment Infrastruktur
  • Hohe Qualität
  • Hohe Kundenbindung durch Service
  • Mehr als doppelt so viele aktive Kunden
  • Akquiriert Kunden durch Taobao
  • Günstigere Preise
  • Hohe Margen
Strategie
  • Fokus auf Infrastruktur -Aufbau, massive Investitionen nötig,
  • Skaleneffekt, höhere Margen
  • Offline+Online
  • Kein Infrastrukturaufbau nötig
  • Fokus Marketing, Kunden-/Partnergewinnung
  • Margen weiterhin erhöhen
Angestellte 178.000 101.000

(Alibaba insgesamt)

Das durchschnittliche Bestellvolumen liegt bei JD deutlich höher als bei der Konkurrenz. Bildquelle: Walkthechat.

Geschäftsmodell von JD.com in der Detailanalyse

Geschäftsmodell verständlich erklärt: JD.com verdient Geld mit dem Handel von Unterhaltungselektronik

91,6% der Umsatzerlöse verdient JD.com durch den Verkauf von Produkten durch die Internet-Verkaufsplattform JD Mall. 

Durch diese Produkte verdient JD sein Geld:

  • 71,2%: Unterhaltungselektronik und elektr. Haushaltsgeräte (Computer und Peripheriegeräte, digitale Produkte, Mobiltelefone, Fernseher, Player, Lautsprecher, Kameras, digitale Videokameras, Spielkonsolen usw.)
  • 28,2%: Weiteres (Kleidung und Zubehör, Haushaltswaren, Luxusprodukte, Wohnaccessoires, persönliche Schönheitsprodukte, Kosmetik, Lebensmittel, Medienprodukte, Freizeitartikel, Sportgeräte usw.)

Homepage von JD.com, Fokus Unterhaltungselektronik. Bildquelle: Eigener Screenshot.

Es lässt sich also sagen, dass JD hauptsächlich durch den Verkauf von Unterhaltungselektronik Umsatz generiert. Lediglich 8,4% des Umsatzes gewinnt JD durch weitere Dienstleistungen. Zu diesen weiteren Dienstleistungen gehören folgende Sparten:

  • JD Finance: Fintech von JD, E-Commerce Expertise, Crowdfunding, Zahlungsdienstleister
  • JD Logistics: Größter Kunde JD Mall, operiert 550 Warenhäuser, 20 Logistik Parks
  • Technologie: Lösungen für JD & andere Unternehmen in folgenden Bereichen:
    • Smart Supply Chain/ Smart Logistics: Intelligente Lieferprozesse
    • Künstliche Intelligenz: Workflow, Konsumverhalten, fast alle Aufgabenbereiche
    • VR Technologie: Interaktives Erlebnis im Shop, Produkterlebnis
    • Sicherheit: Bezahlung, Datenschutz, Ökosystem

CEO Liu Qiangdong mit Zulieferern, die durch Roboter ersetzt werden sollen. Bildquelle: SeekingAlpha.

 

Wachstumsstrategie: Online & Offline, Skalierbarkeit und Technologie

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass man Alibaba insgesamt nicht mit JD vergleichen kann, aufgrund unterschiedlicher Geschäftsmodelle.

Viel eher lässt sich das Unternehmen mit Amazon vergleichen, da der Lieferapparat dort auch hohe Investitionen in den Strukturaufbau erfordert. JD hat 2017 angekündigt, Online und Offline verbinden zu wollen, indem sie viele physische Stores eröffnen, genauer 1 Million Ladengeschäfte (!) bis 2022. Die Gewinnmargen im Offline Retail sind nicht so hoch wie online, jedoch zielt JD wieder auf die Menge des Umsatzes ab. Das bedeutet, dass ein großer Marktanteil enorm wichtig ist.

CEO Liu Qiangdong sagte Ende 2017 in einem Interview mit der Financial Times, dass er sich zu 100% sicher sei, dass JD.com innerhalb der nächsten 5 Jahre die größte B2C Plattform in China wird, nicht nur gemessen am Umsatz. Auch wenn das Versprechen zu ehrgeizig ist, macht er klar, worum es JD geht: Die Marktführung.

Denn laut dem Skaleneffekt werden, wenn JDs Fulfilment Struktur schnell, zuverlässig und effizient ist, die Kosten sinken, je mehr verkauft wird. Die Wachstumsfaktoren bei JD sind Technologie wie KI, höhere durchschnittliche Kaufvolumen und die weiteren schon beschriebenen Sparten. Durch das Geschäftsmodell lassen sich die enormen Investitionen in automatisierte Warenhäuser und Prozesse, Drohnenprojekte, künstliche Intelligenz beim Kundenservice und Big Data rechtfertigen.

So sieht ein „Offline-Store“ von JD.com von innen aus. Bildquelle: Caixin Global.

Internationaler Markt: Funktioniert das Modell auch außerhalb Chinas?

Auf der internationalen Webseite: joybuy.com verkauft JD seine Produkte weltweit in mehr als 200 Ländern. Dazu gehört eine 30-Tage-zurück Garantie und ein 24/7 Kundenservice. Jedoch macht dieser Markt bisher nur einen sehr kleinen Anteil aus. Jedoch birgt dieser langfristig ein großes Potential für JD. Dort wird das Unternehmen dann direkt mit dem Giganten Amazon konkurrieren, was durchaus Herausforderungen mit sich bringen wird.

Amazon hat erfolglos versucht, in den chinesischen Markt einzudringen und konnte nicht einmal 1% des chinesischen E-Commerce Markts ausmachen. In diesem Interview mit dem Handelsblatt erklärt der CEO Liu Qiangdong, wie er den europäischen Markt erobern möchte. Dazu gehört unbedingt die Expansion in andere Geschäftsbereiche, damit JD mit Amazon, das in vielen Bereichen bereits aktiv und erfolgreich ist, mithalten kann.

 

Strategische Partnerschaften

Tencent: Der Techgigant aus China (am ehesten wohl: Das Facebook Chinas, hier zur Tencent-Analyse) ist der größte Aktionär von JD mit insgesamt 18% der ausstehenden Aktien. Die Partnerschaft mit JD hat für beide Unternehmen Vorteile:

  • JD hat Zugriff auf das größte Soziale Netzwerk in China als Marketingmaschine. WeChat hat über 1 Millionen aktive Nutzer, die alle direkt aus der App auf JD.com zugreifen können. 2018 wurden mindestens 25% aller aktiven Neukunden aus WeChat akquiriert. Faktisch kann über WeChat so gut wie jeder Internetnutzer in China angeworben werden, da so gut wie jeder über WeChat kommuniziert.
  • Zusätzlich erhält JD durch gemeinsame Datenbanken enorme Mengen an Daten über potentielle Kunden, Kundenverhalten, Standorte etc. Dies verschafft JD einen großen Vorteil was Marketing angeht.
  • Tencent bringt sich so gegen Alibaba in Stellung, da dieses Unternehmen Tencent zu groß und mächtig wird. Tencent shortet Alibaba im großen Stil und kauft sich bei dessen Konkurrenten ein.

In der WeChat App direkt zu JD. Bildquelle: Eigener Screenshot.

Google: JD verspricht sich aus der Partnerschaft mit Google einen starken Partner bei der Expansion außerhalb von China. Gerade in den Bereichen Marketing und Big-Data soll der Konzern weiterhelfen. Google soll dann Tencents Aufgaben innerhalb Chinas auf internationaler Ebene bewältigen. Google hält 1% aller JD Aktien.

Walmart: Walmart hatte eine sehr harte Herausforderung mit dem chinesischen Markt. Dabei sollte JD weiterhelfen. Mit den skalierbaren Lager- und Versandhäusern konnte Walmart so deutlich größere Teile Chinas erobern. Auf der anderen Seite wiederum soll Walmart JD beim US-Markt weiterhelfen. Für beide Partner ist diese Kooperation sehr lukrativ. Walmart unterstützt JD somit ebenfalls beim Rennen gegen Alibaba, mehr Details hier. Walmart hat 12% der JD Aktien akquiriert.

Der Beginn einer strategischen Partnerschaft: JD.com & Walmart. Bildquelle: MarketingToChina.

Darüber hinaus kooperiert JD mit dominierenden Internetgrößen in China wie Baidu oder Qihu.

 

Fazit zum Geschäftsmodell: JD.com verbindet Marken und chinesische Konsumenten 

JD.com erwirtschaftet 90% der Gewinne durch puren Online-Handel, sprich den Ankauf, Vertrieb und Verkauf von Produkten in China. Für dieses Geschäftsmodell müssen, anders als bei Alibaba, die nur die Plattform zur Verfügung stellen, Milliardeninvestitionen in eigene Lager- und Versandhäuser getätigt werden, damit Produkte skalierbar und effizient an Kunden im ganzen Land geliefert werden können. Durch enorme Datenpools mit Partnern, KI und Automatisierung in allen Bereichen wird dieser Zustellungsprozess immer effizienter, schneller und v.a. intelligenter.

 

2. Bewertung der JD.com-Aktie: Enorme Investitionen, Erträge werden reinvestiert und Gewinne verschoben

AAQS: JD.com erzielt 5 von 10 Punkten im AlleAktien Qualitätsscore

Im AlleAktien Qualitätsscore (AAQS) erzielt JD.com 5 von 10 möglichen Punkten.

Die fehlenden Punkte lassen sich durch die Reinvestitionen der Erträge erklären. Dadurch ist JD noch nicht profitabel. Wie beim Geschäftsmodell erklärt wurde, ist gerade die Logistikinfrastruktur ein Schlüsselfaktor für JD. Die Infrastruktur soll Grundlage für die Profitabilität des Unternehmens werden. Daher hat sich das Management dazu entschieden, die Gewinne zu verschieben.

Im Konferenzanruf mit Aktionären im vierten Quartal 2018 machte JD klar, dass sie langfristig arbeiten und daher die kurzfristigen Margen opfern, für langfristig höhere Ertragsmargen durch ein skalierbares Geschäftsmodell. Im ersten Quartal war JD mit einem Gewinn von 183 Millionen USD schon profitabel. Es sieht also bisher gut aus, dass das Ziel erreicht wird.

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Umsatzentwicklung: JD.com mit starkem Wachstum

Warum wächst JD.com so stark?

Parallel zu JD wächst auch die gut situierte Mittelschicht in China rasant an. Dies ist kein Zufall, denn JD zielt genau auf die Kunden ab, die es sich durch eine bessere Lebenssituation nun leisten können und wollen, mehr Geld für die hochwertigen Produkte von JD.com auszugeben. In einem Interview führt der CEO Liu Qiangdong eben diesen Umstand an, von dem JD profitiert.

Auch wenn das Wirtschaftswachstum in China langsam abflacht, ist noch lange kein Ende in Sicht. Dazu kommt, dass in China ca. 40% der Bevölkerung noch nicht ans Internet angebunden sind, also weitere potentielle Kunden darstellen. Auch die Kooperation mit Tencent macht sich hier bezahlt. Mehr als 1/4 aller aktiven Neukunden wird durch WeChat erzeugt, was für mehr Wachstum sorgt.

Das Marktwachstum flacht ab, ebenso JDs Wachstum. Langfristig rechne ich mit einem Umsatzwachstum um die 10-15%, zusätzlich zum Kernmarkt durch Expansion in neue Märkte, Technologieinvestitionen und die Skalierbarkeit der Lieferung. Die Expansion aus China heraus bringt ein großes Potential mit sich, mit Partnern wie Google und Walmart hat JD schon einen großen Schritt gemacht.

Gewinnentwicklung: JD.com ist bisher noch nicht profitabel

Die Entwicklung des EBITs lässt sich mit dem von Amazon vergleichen. Jedoch verdiente Amazon zur Zeit des Investments hohe Gewinne durch die Cloudsparte und ist so immer im positiven Bereich geblieben. JDs Kerngeschäft ist klar der E-Commerce. Das Unternehmen kann nicht durch andere Quellen die Investitionen finanzieren. Auch deshalb investiert das Unternehmen gerade in viele neue Branchen. Ich denke, dass sich diese Investitionen langfristig um ein Vielfaches auszahlen werden, auch wenn bis jetzt der operative Gewinn unter diesen litt. Auch mit kleinen Gewinnmargen kann JD durch den hohen Umsatz ein enormes Wachstum der operativen Gewinne erwirtschaften.

 

Bisher konnte JD noch keine positiven Gewinnmargen erwirtschaften. Die Gewinnmarge vom Konkurrent Tmall ist deutlich höher, aufgrund eines anderen Geschäftsmodells. Hierbei lassen sich die beiden Unternehmen mit Amazon und Ebay vergleichen: Ebays Gewinnmarge ist um ein Vielfaches höher, jedoch bedeutet dies nicht ein überlegenes Geschäftsmodell. Es wird angenommen, dass die operative Gewinnmarge von -0,5% in 2018 auf 1,3% in 2021 sprungartig ansteigt.

 

Wann wird JD.com profitabel werden?

Bereits im Jahr 2017 hatte CEO Liu Qiangdong angekündigt, dass JD im gleichen Jahr profitabel wird. Daraus ist nichts geworden, jedoch wird dies in der Zukunft wahrscheinlich anders aussehen. Quartalsweise gab es in der Vergangenheit bereits positive Gewinnmargen. Tatsächlich soll JD 2019 profitabel werden. Ich rechne damit, dass JD spätestens in den nächsten drei Jahren profitabel wird, aufgrund der bereits aufgebauten Infrastruktur, des starken Marketings und einer loyalen, größer werdenden Kundenbasis.

Dividendenentwicklung: JD.com zahlt (noch) keine Dividende aus

Warum zahlt JD.com keine Dividende aus? Wann könnte sich das ändern?

Da JD bisher nicht profitabel ist, werden keine Gewinne ausgezahlt. Ich gehe davon aus, dass wenn überhaupt, sich dies frühestens in 5-10 Jahren ändern wird, da JD, auch wenn es profitabel ist, weiterhin Gewinne in neue Branchen und Expansionen reinvestieren wird. Hier wieder eine Parallele zu Amazon, das auch seit 20 Jahren Cashflow reinvestiert, da der Wettbewerb im Technologiebereich groß ist. Daher gehe ich nicht von einer verfrühten Kapitalrückgabe aus.

Bilanzanalyse: JD.com ist schuldenfrei und besitzt ein schönes Cash-Polster

JDs Bilanz ist schuldenfrei und hat zwischen 2015 und 2018 den Netto Cashflow von 146 Millionen US-Dollar auf 1,12 Milliarden US-Dollar fast verzehnfacht. Das bedeutet, JD hat ein ordentliches Cash-Polster aufgebaut, mit dem weitere Investitionen getätigt werden können. Hier hat das Management ganze Arbeit geleistet.

Bewertung der JD.com-Aktie: Derzeit unterbewertet?

Bewertung im historischen Vergleich anhand des KUV

Da in den vergangenen Jahren der Umsatz stetig angestiegen ist, jedoch sich die Marktkapitalisierung nicht verändert hat, wird die Aktie immer „günstiger“. Wenn der Umsatz wie erwartet weiter steigt, wird das KUV weiterhin sinken. Im Vergleich dazu: Alibaba hat aktuell ein KUV von 16 (!). Das niedrige KUV von JD lässt sich auch durch JDs niedrige Marktkapitalisierung begründen.

 

Wie stark kann der Umsatz nachhaltig gesteigert werden?

Ich denke, dass der Umsatz langfristig durch eines der neuen Geschäftsfelder gesteigert werden kann. Was meine ich damit? Dass sich eines der neuen Forschungsfelder wie KI oder Drohnen zu einem Top Hit entwickeln und ein rasantes Wachstum hinlegen wird. Dies ist nicht unwahrscheinlich, da JD viele Ressourcen in die Entwicklung von z.B. Big-Data Verarbeitung investiert.

Beachtlich sind auch JDs Erfolge in der Entwicklung von Drohnen, die Reichweiten bis zu 100km (!) erreichen, autonom fliegen und insgesamt mehr als 400.000 Flugstunden absolviert haben, mehr dazu hier. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass JD diese Branchen erfolgreich voran treibt und monetarisieren wird, zusätzlich zum Kerngeschäft. Ich denke, dass das Umsatzwachstum langfristig zwischen 10-15% jährlich liegen wird. Durch neue Technologien und Märkte könnte dieses Level gehalten werden.

Drohnen Pilotenprojekt in unwegbaren Gebieten Chinas. Bildquelle: Asian Correspondent.

 

Wie stark wird die Gewinnmarge ansteigen können?

In der Investorenkonferenz wurde von einer Gewinnmarge von 3-5% gesprochen. Aufgrund der hochkompetitiven Wettbewerbsbedingungen in China geht man jedoch von einer realistischen Marge von 2-4% aus. Dabei wurde JD.com v.a. mit den „Offline-Händlern“, also klassischen Händlern, verglichen. Dabei soll die Nettomarge mindestens genauso hoch liegen, wie bei den besten Retailern. Bisher sind die Ausgaben von JD ca. 5-6% niedriger als die Ausgaben von klassischen Händlern.

Dies ist der Schlüssel für die langfristige Rentabilität, weil JD effizienter, schneller und günstiger liefern soll. JD hat sich zum Ziel gesetzt, die Ertragsmargen langsam und stetig zu erhöhen.

Wichtig ist, dass JD mit einer kleinen Marge sehr viel Geld verdienen kann. Es ist nur essentiell, dass die operative Gewinnmarge so schnell wie möglich in den positiven Bereich kommt, da dann ein hoher operativer Gewinn erwirtschaftet wird. Diese Abhängigkeit ist entscheidend. Das wird klar, wenn man sich die operative Gewinnmarge und den operativen Gewinn miteinander vergleicht. Der hohe Umsatz und der Skaleneffekt von JD sind hier ausschlaggebend.

Quartalsbericht 2019 Q1: Starkes Wachstum. Bildquelle: JD.com

 

Möglicher operativer Gewinn

Der mögliche operative Gewinn lässt sich schwer prognostizieren, da JD in der Vergangenheit noch nicht profitabel war und nicht klar ist, ob sich dies tatsächlich 2019 ändert. Das hängt auch von der Unternehmensstrategie ab, die derzeit auf die Maximierung des Wachstums abzielt.

Die folgende Tabelle zeigt die Erwartungen der professionellen Analysten an die Umsatz- und Gewinnentwicklung von JD.com auf.

Jahr 2018 2023e
Umsatz 69.800 Mio. USD 146.000 Mio. USD
Gewinn -400 Mio. USD 4.000 Mio. USD
Gewinnmarge -0,6% 2,7%
Gewinn/Aktie 1,39 USD

In diesem fünfjährigen Zeitraum wird eine durchschnittliche Wachstumsrate von 16% pro Jahr beim Umsatz erwartet und ein Anstieg der Gewinnmarge auf 2,7%. Sollte es so kommen, dann würde JD in vier Jahren bereits einen Gewinn je Aktie von 1,39 USD erwirtschaften, was zu einem KGV von etwas mehr als 20 führen würde.

An dieser Stelle sei aber nochmals gesagt: Bei einem Wachstumsunternehmen kommt es nicht auf die Maximierung des aktuellen Ertrags an. Sondern auf die Maximierung der langfristigen Ertragskraft in 10 und 20 Jahren. Wer daran glaubt, dass es JD gelingen wird, in eine mächtige und nachhaltig profitable Marktposition vorzudringen, der kann investierten und sich am Wachstum beteiligen. Wer nicht daran glaubt, sollte von vornherein einen weiten Bogen um die Aktie machen.

 

Hidden Value: Wertvolle Grundstücke

Was nicht in der Bilanz von JD auftaucht, ist Folgendes: JD verfügt insgesamt über 12 Millionen Quadratmeter Grundstücke. Der Großteil dieser wurde sehr günstig und früh von der Regierung erworben. Jedoch wird nur ein kleiner Teil davon überhaupt für Grundstücke, Warenhäuser etc. von JD benötigt. Nur 2,5 Millionen Quadratmeter wurden bisher bebaut. Den Großteil dieser Grundstücke kann JD also verkaufen. In der Investorenkonferenz Q4 2018 wurde bereits erwähnt, das kaufwillige Investoren bereit sind, diese Grundstücke zu kaufen. Damit kann JD diesen sehr großen „versteckten Wert“ realisieren und in die Bilanz einfließen lassen.

Laut Peter Lynch ist JD.com ein klarer Fast Grower, durch hohe Investitionen in Wachstum, es wird keine Dividende gezahlt.

Fazit zur Bewertung

Ich denke, dass in diesem Jahr der Zeitpunkt gekommen ist, an dem das Unternehmen profitabel werden wird. Das Wachstum des operativen Gewinns wird aller Voraussicht nach in den nächsten 5 Jahren sehr stark sein, bis die höchstmögliche Gewinnmarge von ca. 3% erreicht wurde. Danach wird dieses Wachstum abflachen und sich regelmäßiger entwickeln. Bereits im ersten Quartal 2019 konnte das Unternehmen einen operativen Gewinn von 185 Millionen USD vorweisen, ist also auf dem Weg zur Profitabilität. Da der innere Wert meiner Meinung nach stark über dem aktuellen Wert der Aktie liegt und JDs Gewinn pro Aktie gestiegen ist, der Kurs jedoch nicht, stehen die Chancen für einen Anstieg der unterbewerteten Aktie aus meiner Sicht langfristig sehr gut.

 

3. Risiken von JD.com: Wird das Unternehmen überhaupt nachhaltig profitabel?

Ewigkeitsfaktor: Wie wahrscheinlich ist es, dass es dem Unternehmen in 10 Jahren besser geht als heute?

Wie wahrscheinlich ist es, dass es dem Unternehmen in 10 Jahren besser geht als heute?

Das Kerngeschäft ist für mich solide und verspricht gute Gewinne. Ich glaube, dass sich die Investitionen auszahlen werden und eine Ertragsmarge von mindestens 3% realisiert werden kann. Dadurch, dass das Unternehmen in immer mehr Branchen aktiv ist, kann es gut sein, dass eine dieser Branchen oder Abteilungen sich zu einem Hit entwickeln und das Wachstum zusätzlich anschieben wird.

Besonders in der Forschung der künstlichen Intelligenz werden jetzt schon Lösungen für effizientere Prozesse an Firmen verkauft. Ich denke, dass langfristig jede große Firma auf solche Lösungen setzen muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das Gleiche gilt auch bezüglich Big-Data-Analysen. Die JD Drohnen entwickeln sich zur größten und leistungsfähigsten Drohnenflotte weltweit. Hier mehr zu den Technologieinvestments von JD.

Da ist meiner Meinung nach noch viel Luft nach oben und das Unternehmen besitzt das Potential, ähnlich wie Amazon, zu einer „Unternehmensmaschine“ zu werden, also immer neue erfolgreiche Geschäftssparten zu gründen und abzuspalten. Deshalb denke ich, dass es dem Unternehmen langfristig besser gehen wird als heute.

JD.com: Innovative und automatisierte Lager-, Versand- und Liefer-Struktur. Bildquelle: JD.com

Risiko 1: Marktrisiko E-Commerce

Risiko: Es besteht eine klare Abhängigkeit zwischen JD und dem Online-Handel in China. Dies hat man in der Vergangenheit gesehen und dies wird auch höchstwahrscheinlich so bleiben.

Einschätzung: Auch wenn sich der Markt nicht mehr so schnell entwickelt, wird JD weiterhin seine Umsätze steigern können. Das liegt daran, dass JD während des starken Wachstums so hohe Strukturinvestitionen getätigt hat, die sich bei einem Konjunkturabschwung auszahlen werden. Durch diese ist JD auch auf schlechtere Zeiten vorbereitet, ebenso wie durch die Expansion in neue Märkte. Durch diese wird das Risiko diversifiziert, auch wenn die neuen Märkte natürlich auch einbrechen können. Jedoch gehe ich davon aus, dass gerade in der Technologiebranche, in die JD massiv investiert, das Wachstum in der nahen Zukunft bestehen bleibt. Jedoch wird auch JD erst einmal beweisen müssen, dass es mit einem weniger starken Wachstum umgehen kann.

 

Risiko 2: Politisches Risiko China

Risiko: JD verkauft sehr viele Produkte von Marken außerhalb Chinas und der Handelskrieg mit den USA hat bisher eine starke Auswirkung auf die Aktie von JD gehabt. Das Problem ist, dass sich sehr schwer Prognosen zu der politischen Entwicklung treffen lassen aufgrund viel zu vieler Faktoren und unvorhersehbaren Ereignissen. Dies sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man die Aktie kaufen möchte.

Einschätzung: Das Geschäftsmodell wird auch bei politischen Konflikten bestehen bleiben und Gewinne erzielen. JD wies bereits auf europäische Partner hin, die bei Problemen in den USA weiterhelfen werden. Ich denke, insgesamt ist China auf einem sehr guten Weg langfristig die größte Volkswirtschaft der Welt zu werden. Die Regierung handelt meist langfristig, denkt marktwirtschaftlicher als viele andere Länder und handelt besonnen und nach einem Plan. Daher würde ich dieses Risiko nicht größer machen, als es ist, jedoch immer ein Auge darauf haben. Weiteres zu China hier.

 

Risiko 3: Starke & wachsende Konkurrenz

Kräfteringen: Wird sich JD gegen den Giganten Alibaba durchsetzen? Bildquelle: The Business of Fashion.

Risiko: Der E-Commerce Markt in China ist extrem umkämpft. Es kommen immer neue Startups hinzu. Gerade hat die „Social-Buying“ Plattform Pinduoduo in weniger als 5 Jahren 410 Millionen Nutzer gewonnen, indem sie sich auf noch nicht so weit entwickelte Standorte fokussiert hat. Gerade der große Konkurrent Alibaba mit Tmall, Taobao und Aliexpress könnte das Wachstum von JD am ehesten abbremsen.

Einschätzung: Angesichts des stabilen Wachstums des E-Commerce Markts in China, der Infrastruktur von JD und der Tatsache, dass das Management langfristig handelt, denke ich, dass JD diese Herausforderungen erfolgreich bestehen kann. Dazu kommen die starken Kooperationspartner wie Tencent, mit denen JD sozusagen eine Wachstumsgarantie hat und das kundenorientierte Vorgehen bezüglich Service und Lieferung, was ein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Daher wird JD auf dem Markt immer eine Daseinsberechtigung haben und sich wahrscheinlich gegen seine Konkurrenten behaupten werden. Solange der Marktanteil weiterhin wächst und v.a. die Ertragsmargen stetig ansteigen, gibt es keinen Grund zur Sorge. Sollten diese beiden Faktoren nicht eintreten, werde ich jedoch definitiv meine Anlageentscheidung überdenken.

4. Fazit zur JD.com-Aktienanalyse: Langfristig gute Aussichten, ich kaufe

JD.com-Aktie erscheint mir kaufenswert

Ich habe mich ausführlich mit JD auseinandergesetzt und denke, eine fundierte Entscheidung abgeben zu können. Mich überzeugt das Geschäftsmodell, Online-Handel mit Fokus auf den Kunden, gerade durch die Skalierbarkeit und durch die Verbindung von Offline und Online.

Neben diesen Punkten sehe ich die Expansion in neue Märkte und Technologien als große Chance. Dort könnte sich ein Bereich zum Top-Hit entwickeln. Dazu kommen die Kundenerfahrungen, die das Geschäftsmodell bestätigen, starke Partnerschaften und ein effizientes Management.

Zu den großen Risiken gehören für mich das pol. Risiko (USA vs. China), das sich schwer einschätzen lässt, v.a. jedoch gerade auch das Marktrisiko (abflachender Markt), bzw. JDs Abhängigkeit von diesem Markt und die Gefahr, nicht schnell profitabel zu werden.

Mit den optimistischen Annahmen von einem sehr starken Wachstum des operativen Gewinns in den nächsten 5 Jahren und einem immer noch stabilen Umsatzwachstum von um die 10-15% langfristig, könnte das Unternehmen deutlich höher bewertet sein.

Aus diesen Gründen werde ich Aktien von JD nachkaufen, da ich am langfristigen Wachstum beteiligt sein möchte. Wer am gesamten E-Commerce Markt in China beteiligt sein möchte, kauft sich zusätzlich noch Alibaba ins Depot, so habe ich es auch gemacht.

Wie denkst du über JD? Wie wird sich das Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Liebe Grüße,
Hannes Steinle

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Mit freundlichen Grüßen,
Jonathan Neuscheler und Michael C. Jakob
(AlleAktien Gründer)
 

 

Quellen & Links zur JD.com Aktien-Analyse

Beschreibung
Alibaba Aktien-Analyse auf AlleAktien.de
JD.com Investorenpräsentation Q1, 2019
Analystenschätzungen zur künftigen Geschäftsentwicklung von JD.com auf finanzen.net
JD.com Geschäftsbericht 2018
JD.com Investor Homepage
JD.com Investorenpräsentation zum Q2 2019, am 13. August Konferenzanruf

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