Michael C. Jakob Gründer von AlleAktien. Studium von Informatik und Management am KIT/ ETH Zurich/ Massachusetts Institute of Technology. Danach in der Strategie bei UBS und McKinsey&Company.

AlleAktien Geschäftsführer und Chief Technology Officer. Michael analysiert vorrangig globale Software- und Finanzunternehmen mit einer Vorliebe für US- und China-Aktien. Er war zuvor bei McKinsey&Company, UBS, und studierte an KIT, ETH Zurich, und MIT Informatik und Management. Er verfolgt die AlleAktien Cluster-Nummer-1-Strategie: Nur die besten Aktien jeder Branche kommen in das Portfolio.

Top Börsengänge 2020 analysiert: 5 vielversprechende Börsengänge 2020 aus der AlleAktien-Watchlist

Airbnb ist einer der vielversprechendsten Börsengänge 2020 und könnte einer der besten werden: Hohes Wachstum, solider Burggraben, fantastische Margen und das Beste: Airbnb ist bereits hoch profitabel mit einer operativen Gewinnmarge von fast 20% und mehreren 100 Mio. USD Gewinn im Jahr. So eine Perle sieht man selten an die Börse gehen, denn auf frisches Kapital sind sie keinesfalls angewiesen. Nach den vielen Börsengängen unprofitabler Firmen (Uber, Lyft, WeWork, Beyond Meat, Slack) im Jahr 2019 ist die Nachfrage jetzt besonders hoch. Doch neben Airbnb gibt es auch einige andere hoch-spannende Börsengänge 2020, auf die wir uns dieses Jahr außerordentlich freuen dürfen. Wir haben die 5 vielversprechendsten Aktien analysiert.

Das sind die vielversprechendsten Börsengänge 2020

  1. Airbnb
  2. Robinhood
  3. Siemens Energy
  4. Wish
  5. Stripe

 

 

Alle Abschnitte aus-/einklappen

1. Airbnb Börsengang 2020

Airbnb Börsengang: Gewinn, Cashflow, Wachstum und eigentlich kein Bedarf an Kapital

Airbnb Aktie
Airbnb Börsengang 2020
Land San Francisco, Kalifornien, USA 🇺🇸
CEO / Gründer Brian Chesky
Gründungsjahr 2008
Umsatz 2019
[Schätzung]
4,3 Mrd. USD
Bereits profitabel?
[Schätzung]
✅Ja

EBIT: 450 Mio. USD (2017), entspricht ca. 17% EBIT-Marge

Gewinn: 100 Mio. USD (2017), entspricht ca. 4% Gewinnmarge

Marktkapitalisierung
[Schätzung]
38 Mrd. USD (letzte priv. Finanzierungsrunde 2018)
Burggraben
  1. Als Aggregator kontrolliert Airbnb sowohl Angebot (die meisten Übernachtungsmöglichkeiten) und Nachfrage (Besucher navigieren direkt zu Airbnb ohne Umwege)
  2. Weltweit bekannte und vertrauensvolle Marke
  3. Erfolgreiche Regulierung und weltweit akzeptierte Präsenz in 220+ Ländern und 100.000+ Städten
Börsengang-Zeitraum 2020 Ende 2020
Börsengang-Wahrscheinlichkeit 2020 ✅Sehr wahrscheinlich

Airbnb Aktie: Geschichte

Wer die Zukunft verstehen möchte, der muss auch die Vergangenheit kennen.
Dem arbeitslosen Gründer Brian Chesky kam die Idee in San Francisco, als er dringend und schnell Geld benötigte, um seine eigene Miete bezahlen zu können. Ein Einkommen hatte er nicht, da er gerade erst nach Kalifornien umgezogen ist und sich eigentlich an einem Cornflakes-Startup versuchen wollte. Gleichzeitig war in San Francisco aktuell eine Konferenz und es waren kaum mehr freie Hotelzimmer zu finden (übrigens eine Situation, die ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann: Zu dieser Situation kommt es in SF immer noch alle paar Wochen). Also kam Brian die zündende Idee: Ich werfe ein paar Luftmatratzen (Airbeds) auf den Boden und serviere kostenloses Frühstück (Breakfast) für 80 USD (72 Euro). Nur wenige Stunden nachdem er seine Website live geschalten hatte, fanden sich drei zahlende Gäste. Das Unternehmen trägt noch immer den Titel des ehemaligen Geschäftsmodells: Airbnb von Airbed and breakfast (Deutsch: Luftmatratze und Frühstück).

Für mich ist Airbnb eine klassische Startup-Geschichte aus San Francisco: Eine Idee aus der Not, die ein echtes Problem auf eine sehr kreative Art und Weise löst (Airbnb war 2008 – 2010 extrem kontrovers und umstritten, wildfremde und möglicherweise sogar aggressive/stehlende/psychisch kranke Menschen bei sich übernachten zu lassen), Gründer mit einem enormen Kundenfokus und Mut (Brian hat sein Cornflakes-Startup komplett aufgegeben und auch Luftmatratzen haben sie komplett aufgegeben) und eine Geschichte über unnachgiebigen Hustle in unzählbaren Konflikten mit der Hotel-Lobby und komplexer lokaler Regulatorik. Ich sehe daher auch die Zukunft sehr positiv.

 

 

Airbnb Aktie: Geschäftsmodell und Burggraben

Airbnb.com ist ein Online-Marktplatz für Übernachtungen (hauptsächlich bei anderen Privatpersonen) und Erlebnisse. Airbnb ist in über 220 Ländern und über 100.000 Städten mit 7 Mio. Listungen auf der ganzen Welt präsent und weitgehend bekannt sowie akzeptiert. Der Großteil des Umsatzes und Gewinnes entfällt aktuell jedoch auf die zahlungskräftigeren Kunden in den USA und Europa.

Airbnb besitzt keine Immobilien oder Erlebnis-Veranstalter, sondern dient lediglich als Marktplatz (“Broker”) und vermittelt zwischen Angebot und Nachfrage. Für jede erfolgreich vermittelte Übernachtung oder Erlebnis erhält Airbnb eine umsatzabhängige Vergütung. Man kann einzelne Übernachtungen (wie bei einem Hotel) oder auch ganze Monate und Jahre (normale Mietverträge) auf Airbnb buchen.

Auch für die Gastgeber ist es genial: Ohne Kapitalkosten und teure Hotellerie-Registrierung kann sofort ein Reingewinn in der eigenen Wohnung erwirtschaftet werden. Für viele Gastgeber ist es so profitabel, dass sie sich eigens Mietwohnungen beschaffen, die sie dann per Airbnb untervermieten – ohne alle Einschränkungen, Anforderungen, komplexe Bürokratie und Gebühren, die normalerweise bei einem Hotel anfallen.

Burggraben Listungen: Gast und Gastgeber bewerten und kommentieren sich (wie bei UBER oder Lyft) bei jeder Buchung gegenseitig, um “schlechte Gäste” oder “schlechte Gastgeber” auszufiltern und letztendlich aus der Plattform auszuschließen. Auch das stellt über die Zeit einen enormen Burggraben dar.

Burggraben “Marke Airbnb”: Airbnb gilt als führender Anbieter von privaten Übernachtungen und als die vertrauensvollste Marke. Wenn man “wildfremde Menschen” bei sich zu Hause übernachten lässt, spielt das eine große Rolle. Airbnb hat einen wichtigen Ruf als “sichere, seriöse, vertrauenswürdige” Plattform zu verlieren. Deshalb sammeln sich wie bei einem sozialen Netzwerk sowohl Gäste als auch Gastgeber um den Platzhirschen herum magnetisch an.

Burggraben Regulation: Die Übernachtungs- und Hotellerie-Regulation obliegt in fast allen Ländern der Welt den lokalen Behörden (Städten): Tourismus-Gebühren, minimaler und maximaler Übernachtungszeitraum, Reisepasskontrolle, Mindestpreise/Maximalpreise, maximale Anzahl an vermieteten Tagen/Jahr. Entsprechend komplex ist die globale Hotel-Industrie. Airbnb ist mittlerweile aber in über 100.000 Städten zugelassen und hat die eigene Regulatorik jeder Stadt im System abgespeichert, hat eigene Verträge mit den Städten geschlossen und arbeitet damit “rechtssicher”. Eine unglaubliche Aufgabe, die auch viel Kapital erfordert. Die Regulatorik ist jetzt ein Burggraben: Dieses System zu kopieren, ist zeitaufwändig, anfällig für Rechtsklagen/Rufschaden und kapitalintensiv.

Airbnb Aktie: Konkurrenz

Als Hauptkonkurrenz sehe ich vor allem vier Kategorien, die man in einer Vollanalyse näher betrachten sollte. Ich fokussiere mich dabei auf das Kerngeschäft: persönliche Übernachtungen (also explizit nicht: Erlebnisse, sowie andere Immobilien-Nutzungen, die nicht primär der Übernachtung dienen (z.B. Lagerhaltung, Inventarplätze, Verkaufsflächen, Büroräumlichkeiten wie bei WeWork))

  1. Globale Vermittler: Booking Holdings/Expedia/TripAdvisor/Hotels.com, Marriott International (Lizenzfirma), Google Travel/Apple Siri/Amazon Alexa
  2. Platzhirsche (Hotelbetreiber): Betreiber von Marriott Hotel-Marken (W, Ritz Carlton, Marriott, Westin, Sheraton, FourPoints, …), sowie alle anderen Hotel-Betreiber und die Hotel-Lobby
  3. Echte Alternativen: Zu Hause, bei Freunden, am Flughafen, am Arbeitsplatz, im Krankenhaus übernachten sowie Medikamente oder andere disruptive Erfindungen und Technologien, die Schlaf/Müdigkeit überflüssig machen
  4. Lokale Vermittler (und Airbnb-Klone): USA (Sonder, HomeAway, Outdoorsy), China (xiaozhu.com “kleines Schweinchen” und tujia.com “dein Zuhause” mit je ca. 600.000 Listungen) sowie hunderte kleinere nationale Nischenanbieter (meistens auf das Luxus-Segment fokussiert)

Die Gefahr der Globalen Vermittler sehe ich dabei am deutlichsten, weil diese aktuell sehr aggressiv in den Markt der privaten Übernachtungen vordringen — allen voran Booking Holdings (zur AlleAktien Analyse >>) und Marriott International (zur AlleAktien Analyse >>). Ebenso dringt aber auch Airbnb aggressiv in den Markt der “Business Übernachtungen” für Geschäftskunden ein und versucht ein standardisiertes Angebot auf die Beine zu stellen, welches als B2B-Produkt für Angestellte verkauft wird.

Insgesamt werden die Unternehmen am erfolgreichsten sein, die sich mit einem Burggraben am stärksten von der Konkurrenz abheben können. Netzwerk-Effekte gibt es wie bei jedem Marktplatz definitiv. Booking Holdings ist mit ca. 28 Mio. Listungen ganz vorne, Airbnb folgt mit 7 Mio. Listungen. Das erhebliche ist jedoch: Die Listungen überschneiden sich kaum (Hotels vs. Private peer-to-peer Uebernachtungen). Sieht man sich nur die privaten peer-to-peer Übernachtungen, so liegt Airbnb als ganz klarer Sieger weit vor dem zweitplatzierten (xiaozhu.com in China mit ca. 600,000 Listungen)

 

Airbnb Aktie: Bewertung bei 38 Mrd. USD+

Zur Bewertung ist bisher leider kaum etwas bekannt. Die letzte private Finanzierungsrunde war im September 2018 und liegt knapp 16 Monate zurück, damals zu einer Bewertung von 38 Mrd. USD. Ich gehe unter der Annahme von kontinuierlich starkem Wachstum davon aus, dass Airbnb zwischen 40 Mrd. und 50 Mrd. bei einer ca. 8-10X KUV-Bewertung (Umsatz-Vielfaches) dieses Jahr an die Börse gehen wird.

Das war auch das Vielfache, das in den letzten 3 Jahren in den privaten Finanzierungen von VCs bezahlt wurde. Bleiben die Wachstumsaussichten gleich stark und die Gewinnmargen stabil, so müsste sich am KUV nichts ändern. Abhängig vom “Hype” und der Irrationalität der Investoren um Airbnb könnte die Bewertung auch einiges höher ausfallen. Ich erwarte einen ziemlichen Hype im 3. und 4. Quartal 2020 vor allem deshalb, weil Airbnb bereits hoch profitabel arbeitet und trotzdem ein starkes Wachstum aufweisen kann. Gleichzeitig ist der Börsengang auch sehr wahrscheinlich, weil Airbnb diesen für “Ende 2020” bereits fest angekündigt hat. Für mich deshalb “DER Börsengang 2020”.

Direct Listing: Airbnb ist dank der hohen Profitabilität nicht auf frisches Kapital angewiesen und wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein “Direct Listing” anstreben, bei dem Aktien direkt an Endkunden verkauft werden (statt über mehrere Investmentbanken als Broker dazwischen). Beim Börsengang verkaufen existierende Aktionäre (Airbnb Manager und Angestellte, Airbnb Investoren) ihre existierenden Aktien. Neue Aktien werden nicht ausgegeben. Airbnb hat in den letzten 10 Jahren insgesamt bereits 4,4 Mrd. USD eingesammelt, von denen laut CEO “noch mehr als genug Geld übrig ist und der Bank Account stolz gefüllt” sei. Es ist daher sogar wahrscheinlich, dass Airbnb ab dem ersten Tag Aktien zurückkaufen wird.

Jonathan Neuscheler und ich (Michael Jakob) werden eine detaillierte Airbnb Analyse auf AlleAktien.de veröffentlichen, sobald die Geschäftszahlen offiziell im verbindlichen Börsenprospekt vorliegen. Melde dich jetzt bei unserem Newsletter an, um nichts zu verpassen (100% kostenlos, kein Spam).

 

 

 

 

2. Robinhood Börsengang 2020

Robinhood revolutioniert Aktienhandel mit 0 USD pro Kauf


Robinhood Börsengang 2020
Land Menlo Park, Kalifornien, USA 🇺🇸
CEO / Gründer Vladimir Tenev, Baiju Bhatt
Gründungsjahr 2013
Umsatz 2019
[Schätzung]
ca. 90 Mio. USD
Bereits profitabel?
[Schätzung]
❌Sehr unwahrscheinlich
Marktkapitalisierung
[Schätzung]
7 Mrd. USD (letzte priv. Finanzierungsrunde im Juli, 2019)
Burggraben
  1. 3 Millionen extrem treue und aktive Kunden (90% nutzen die App wöchentlich, 50% täglich)
  2. Durchweg positive Wahrnehmung und positive Marke als “Neues Banking”
Börsengang-Zeitraum 2020 Ende 2020
Börsengang-Wahrscheinlichkeit 2020 ✅Wahrscheinlich

Robinhood Aktie: Geschichte

Die beiden Gründer Vladimir Tenev und Baiju Bhatt haben gemeinsam in Stanford studiert und kennen sich seit über 10 Jahren. Als die beiden in New York für Banken und Hedgefonds gearbeitet haben, haben sie gemerkt: Aktienhandel kostet die Banken kaum einen einzigen Cent. Die Kunden kostet jeder einzige Kauf zwischen 10 und mehreren 1.000 Euro. So war die Welt noch 2013 in Amerika – nicht einmal vor 7 Jahren. Die Situation in Deutschland war sehr ähnlich: Aktienkäufe kosteten mindestens 10 Euro und Sparplan-Aktien gab es kaum.

Die revolutionäre Idee: Aktienhandel 100% kostenlos machen und dann einen anderen Weg finden, um Geld zu verdienen (z.B., mit hochwertigen Aktienanalysen, damit Investoren die besten Investment-Entscheidungen treffen können).

7 Jahre später in den USA: Kostenloser Aktienhandel ist die Industrienorm. Alle großen Online-Broker bieten 100% kostenlosen Aktien-, ETF- und Optionshandel an.

 

Robinhood Aktie: Geschäftsmodell und Burggraben

Mission: Das Finanzsystem demokratisieren. Demokratisieren bedeutet: für jeden zugänglich und nutzbar machen. Vor 50 Jahren kostete das Kaufen von Aktien mehrere 100 Euro. Mit Online-Brokern Mitte der 1990er Jahre dann einige 10 Euro. Mittlerweile ist es kostenlos. Jeder kann sich weltweit ab einem einzigen Cent (kein Witz!) und ohne Gebühren bei Robinhood anteilig an den globalen Qualitätsunternehmen beteiligen und mitprofitieren.

Robinhood.com ist ein 100% kostenloser und Handy-optimierter Online-Broker für Aktien, ETFs und Optionen. Dabei fallen weder Transaktionskosten, Börsengebühren, Fremdkosten noch Kontogebühren an. Der Broker ist — anders als etwa DeGiro und Trade Republic in Europa mit erheblichen versteckten Gebühren — also wirklich 100% kostenlos und hat damit in den letzten 4 Jahren eine ganze Industrie revolutioniert. In den USA zogen alle 5 großen Online-Broker (E-Trade, Charles Schwab, TD Ameritrade, Interactive Broker und J.P. Morgan Chase) nach und bieten ab jetzt 100% kostenlosen Aktienhandel an.

Startup Randnotiz über den Erfolg disruptiver Firmen: Den Erfolg der Disruption merkt man nicht an einem erfolgreichen Börsengang, sondern an der folgenden, plötzlichen Verhaltensänderung der bedrohten Platzhirsche: Sie alle legen ihr gegenseitiges Konkurrenzgehabe und Rechtsstreitigkeiten beiseite und kooperieren, um den Disruptor (Robinhood) zu stoppen. Ich bin überzeugt, dass wir etwas Ähnliches auch bei den deutschen Autobauern bzgl. Tesla/BYD noch intensiver beobachten werden. So oder so, Robinhood hat den Online-Aktienhandel bereits um 180 Grad gedreht.

Bisher ist Robinhood nur in den USA und UK verfügbar. Auf meine Anfrage bzgl. Deutschland-Expansion vor ca. 12 Monaten wurde mir geantwortet, dass sie 2020 – 2022 nach Deutschland expandieren wollen und bereits Banklizenz und Regulierungen einholen oder eingeholt haben.

Kryptowährungen. Mittlerweile kann man auch Kryptowährungen 100% kostenlos handeln.

Fractional Shares. Auch Investments in sogenannte “Fractional Shares” (deutsch: Bruchteilige Aktienanteile) sind möglich. Ich kann beispielsweise für 1 USD Amazon Aktien kaufen (beim aktuellen Kurs von 1880 USD wären das 0,05% einer Amazon-Aktie). Der Handel ist in Echtzeit, also zum Echtzeit-Aktienkurs. Dividenden werden anteilig ausbezahlt.

Automated Dividend Reinvesting (ADR). Per Haken werden alle erhaltenen Dividenden sofort reinvestiert (in die gleiche Aktie oder eine beliebige andere Aktie)

 

 

Robinhood Aktie: Umsatzquellen

Wie verdient man Geld, wenn man alles kostenlos macht?

  1. Zinserträge (Interest Income): Robinhood hinterlegt das Bargeld der Kunden wie eine reguläre Bank auch bei der Zentralbank FED und erhält dafür Zinserträge. Je mehr Bargeld die Kunden auf ihren Konten haben und je höher die FED-Leitzinsen sind, desto profitabler ist dieses Segment. In den USA bringen die Zinsen der Zentralbank 1,50 – 1,75% Rendite pro Jahr, also deutlich über Null.
  2. Payment from Order Flow: Jede Börse (wie z.B. auch NYSE, XETRA, Lang&Schwarz) hat ein Interesse daran, dass dort so viele Aktien wie möglich gehandelt werden (erhöht Liquidität und Relevanz der Börse). Aus diesem Grund vergüten die Börsen den Online-Brokern den sogenannten “Order Flow”, ähnlich wie eine Cashbank. Je mehr Ordervolumen in USD entsteht (egal ob viele kleine oder wenige große Trades), um so mehr Geld verdient Robinhood. Laut Bloomberg macht diese umstrittene (weil intransparente) Umsatzquelle mehr als 50% von Robinhoods Umsatz aus. Die fehlende Transparenz ist hier (wie auch bei TradeRepublic) beunruhigend. Die Transaktionen werden nicht – wie bei anderen Onlinebrokern – an einer öffentlichen Börse durchgeführt, sondern hinter verschlossenen Türen in einem “Dark Pool”. Die vermittelten Kauf- und Verkaufskurse sind für den Kunden intransparent. Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht Robinhood aktuell. Wie viel Geld wo, wann und warum fließt, ist sehr unklar. Ebenfalls ist unklar, wie “fair oder unfair” die Kauf- und Verkaufskurse sind. Oft zahlen die Anleger so das Doppelte oder Dreifache. Die Methodik ist zu Recht kontrovers und meiner Einschätzung nach bewusst intransparent.
  3. Robinhood Gold:  Seit 2017 bietet Robinhood – wie AlleAktien Premium – auch Aktienanalysen in einem Abo an. Die Analysen stammen jedoch nicht von Robinhood selbst, sondern von professionellen externen Analysten.

(1) und (2) sind die traditionellen Wege, wie auch fast alle anderen “traditionellen” Online-Broker Geld verdienen (auch Charles Schwab, E*Trade, TD Ameritrade oder in Deutschland: comdirect, consorsbank, DKB, … eingeschlossen). Ein entscheidender Unterschied ist jedoch, dass die Account-Größe mit einem durchschnittlichen angelegten Vermögen pro Kunde von 1.000 – 5.000 USD bei Robinhood deutlich geringer ausfällt. Bei Charles Schwab, E*Trade oder TD Ameritrade liegt das durchschnittliche angelegte Kundenvermögen bei mehreren 100.000 USD (Quelle: UBS Investment Bank, Minute 3:10).

Obwohl ich Robinhood für ihre Mission und Disruption feiere, so bin ich doch zögerlich bei der Beurteilung des Geschäftsmodells. Mit den intransparenten Aktienkursen (als getarnte Gebühren) geht die Industrie in meinen Augen in die komplett falsche Richtung. Sie schafft mehr Intransparenz statt weniger. Das ist nicht die Art und Weise, wie ich selbst eine Bank oder ein Finanzunternehmen (wie auch AlleAktien.de) führen würde. In diesem Fall ist es offen, ob die Aktienkurse wirklich im besten Interesse der Anleger sind — oder im besten Interesse von Robinhood. Das wäre ein klarer Interessenkonflikt, der totgeschwiegen wird. Ich kann natürlich sehr gut verstehen, dass Robinhood Geld verdienen möchte und befürworte das auch. Ich erhoffe mir aber, dass dieses Geldverdienen mit Integrität (im zweifelsfrei besten Interesse der Anleger) und Transparenz (wer zahlt wem wie viel und warum?) einhergeht — gerade in der Finanzindustrie, in der Vertrauen alles bedeutet.

Dann habe ich lieber komplett faire Kurse und zahle meine 5 oder 10 Euro. Dann weiß ich genau, wo ich dran bin und wie viel ich bezahle, anstatt “hintenrum” mehrere hundert oder tausend Euro zu bezahlen (ein Betrag, der sehr schnell entsteht, wenn man ein paar 10.000 oder 100.000 Euro investiert).

Wie seht ihr das? Sehe ich das zu eng oder vermisst ihr etwas Wesentliches? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

 

Robinhood Bewertung

Robinhood hat in 5 Jahren von 2015 – 2020 über 3 Millionen hoch aktive Kunden erreicht. 90% nutzen die App wöchentlich, 50% täglich. Leider ist kaum bekannt, wie groß die Konten sind. Durch die hohe Aktivität der Kunden kann man aber davon ausgehen, dass es sich um ein “Hauptkonto” handeln könnte.

 

Bisher hat Robinhood knapp 900 Mio. USD von Investoren auf dem privaten Markt eingesammelt (von Risikokapitalgebern, Venture Capitalists). Zur Expansion braucht Robinhood neues Kapital und wird neue Aktien an der Börse emittieren.

Ein Investment in Robinhood enthält – unabhängig vom Bewertungsrisiko – noch ein weiteres, signifikantes Risiko: Den Weg zur Profitabilität. Robinhood fährt die klassische Silicon Valley Startup-Strategie: Erst ein tolles Produkt veröffentlichen, das von Millionen begeisterten Fans aktiv und wiederkehrend täglich oder wöchentlich genutzt wird. Erst im zweiten Schritt der Strategie geht es dann um die Monetarisierung. Robinhood steckt aktuell noch vor der Monetarisierungs-Phase: 100 Mio. USD Umsatz bei einer 7 Mrd. USD Marktkapitalisierung entspräche einem KUV von 70. Einen bedeutsamen Gewinn gibt es vermutlich noch nicht.

Bisher war “Der Weg zur Profitabilität” vielen Investoren egal. Die eher mageren ausgefallenen Börsengänge von UBER, Lyft, Slack und (dem vorzeitig abgebrochenen Börsengang) WeWork haben viele Anleger zum nachdenken angeregt.

Manchmal entstehen so aber auch phänomenale Tenbagger, wie beim Börsengang von Facebook, Amazon oder salesforce.com zuletzt. Manchmal stellt sich jedoch auch heraus, dass sich die tatsächliche Monetarisierung wie bei UBER, Twitter, Slack oder WeWork als unerwartete Herausforderung deutlich komplexer gestaltet — und kann die börsliche Bewertung deutlich “verzögern”, in Form eines langwährenden Seitwärtstrends  — mitunter um 5 bis 10 Jahre.

 

 

 

 

3. Siemens Energy Börsengang 2020

Siemens spaltet Siemens Energy ab


Siemens Energy Börsengang 2020
Land Deutschland 🇩🇪
Umsatz 2019
[Schätzung]
ca. 29 Mrd. EUR
Bereits profitabel?
[Schätzung]
Marktkapitalisierung
[Schätzung]
Nicht bekannt
Burggraben
  1. Größenvorteile: 20% der weltweiten Energieversorgung basieren auf Produkten von Siemens Energy
  2. Auftragsbestand: Aufträge im Wert von 70 Mrd. EUR stehen in den Büchern
  3. Führende Technologie: Made in Germany ist auf der ganzen Welt gefragt. Siemens Energy verfügt über eine Vielzahl von Patenten und exzellenten Mitarbeitern
Börsengang-Zeitraum 2020 September 2020
Börsengang-Wahrscheinlichkeit 2020 ✅Sehr wahrscheinlich (offiziell angekündigt)

Siemens Energy Aktie, Geschichte

Siemens = Made in Germany: Siemens ist eines der wertvollsten DAX-Unternehmen und ein breit diversifizierter Technologie-Konzern. Kein anderes europäisches Unternehmen meldete 2018 mehr Patente an als Siemens. Das Unternehmen verfügt über eine Vielzahl von Sparten und Geschäftsmodellen. Siemens ist ein Konglomerat, entsprechend schwer fällt der Überblick. Konglomerate gelten als schwerfällig, bürokratisch und wirken wie aus einer anderen Zeit.

Vom Tanker zum Schnellboot: Das Management von Siemens unter der Führung von Joe Kaeser geht daher einen mutigen Schritt und hat einen radikalen Wandel beschlossen. Das Unternehmen möchte sich von einem “schwerfälligen Tanker” zu einem Flottenverbund von Schnellbooten wandeln. Wie gelingt das? Ein Geschäftsbereich nach dem anderen wird aus dem Konzern herausgelöst und an der Börse abgespalten.

Im März 2018 erfolgte bereits der Börsengang der Medizintechniksparte Siemens Healthineers. Wir hatten damals über die günstige Bewertung der Aktie berichtet. In nicht einmal zwei Jahren hat die Aktie 50% zugelegt, Dividenden kommen noch obendrauf.

Aktienkurs der Siemens-Abspaltung “Siemens Healthineers”. 2020 ist mit Siemens Energy die Energie-Sparte des Unternehmens zur Abspaltung dran. Wird sich die Geschichte wiederholen und werden Anleger erneut eine ordentliche Rendite erwirtschaften können? Wir werden darüber berichten, sobald weitere Details öffentlich werden.

Vorteile der Aufspaltung in Schnellboote: Siemens selbst befindet sich also in einer Art “Auflösungsprozess” bzw. in einem Prozess, in dem die ganzen Bereiche wieder verselbstständigt werden. Dieser Prozess kostet zwar zuerst einmal Geld, bringt mittel- und langfristig aber viele Vorteile mit sich:

  • Bürokratie reduzieren
  • Verwaltungskosten absenken
  • Unternehmerische Freiheit
  • Verantwortlichkeit der Mitarbeiter
  • Schnelle und dezentrale Entscheidungen

–> Größeres Umsatzwachstum, höhere Gewinnmarge, überdurchschnittliche Entwicklung des Aktienkurses

Wenn man die Performance von Siemens mit der Performance von GE vergleicht, so kann man dem Management nur gratulieren. Die Strategie “Vision 2020+” zeigt bereits ihre Wirkung, der Aktienkurs entwickelt sich positiv. Doch langfristig dürfte noch deutlich mehr drin sein (Details dazu in unserer Siemens-Aktienanalyse).

 

Siemens Energy Aktie, Geschäftsmodell

Eine Investition in Siemens sehe ich persönlich stets als Möglichkeit, um von der deutschen Ingenieurskunst und von “Made in Germany” profitieren zu können. Mit Siemens Energy wird Siemens die Energie-Sparte des Unternehmens abspalten. Diese ist ganz schön groß: Mit einem Jahresumsatz von fast 30 Mrd. EUR ist die Siemens Energy-Aktie mittelfristig ein klarer DAX-Kandidat.

Das Energie-Unternehmen wird aus 4 Geschäftsbereichen bestehen:

Die 4 Geschäftsbereiche von Siemens Energy. Bildquelle: Siemens

  • Oil & Gas: Siemens Energy beliefert die Öl- und Gasindustrie mit Gaskraftwerken, Kompressoren und weiteren Produkten zur Förderung, Weiterleitung und zur Verarbeitung von Öl & Gas.
  • Generation: In diesem Bereich geht es um die Herstellung von modernsten Gaskraftwerken aller Größen, vom lokalen und kleinen Kraftwerk bis hin zum Mega-Kraftwerk.
  • Transmission: Siemens bietet außerdem Produkte an, die bei der Übertragung und Weiterleitung von Strom benötigt werden. Ein Geschäft mit Zukunftspotential.
  • Renewables: Weiterhin wird die Siemens Energy-Gesellschaft das 59%-Aktienpaket an Siemens Gamesa erhalten. Siemens Gamesa ist einer der weltgrößten Hersteller von Windkraftanlagen.

Alles in allem ist Siemens Energy ein klar fokussierter Energie-Konzern. Der Energie-Hunger der Welt nimmt immer weiter zu, die E-Mobilität wird ebenfalls zu einer steigenden Strom-Nachfrage führen. Siemens Energy ist bestens dafür gerüstet.

 

Bewertung der Siemens Energy-Aktie

Derzeit verdient das Unternehmen nur 4% des Umsatzes als Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA). Netto bzw. unterm Strich dürfte derzeit bestenfalls eine schwarze Null stehen. Immerhin: Bis 2021 möchte Siemens Energy die Gewinnmarge um vier Prozentpunkte steigern.

Der Grund für die schwache Gewinnmarge: Nach Jahren stabiler Nachfrage ist der Markt für neue Gaskraftwerke derzeit gesättigt. Die Nachfrage ist deutlich zurückgegangen. Darunter leidet auch GE. Doch klar ist auch: Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, dann muss der Strom trotzdem aus der Steckdose kommen. Moderne Gaskraftwerke können innerhalb kurzer Zeit anspringen und unabhängig von den klimatischen Bedingungen zuverlässig Strom erzeugen. Daher traue ich der Technologie noch viel zu. Die Nachfrage dürfte wieder anziehen. Die Gewinnmarge anspringen. Wenn die Aktie mit geringer Gewinnmarge an die Börse geht, könnte die Bewertung sehr günstig sein.

Für geduldige Investoren könnte das die Gelegenheit sein. Einfach ein paar Aktien ins Depot legen, dann abwarten. Übrigens wird der Börsengang wie folgt ablaufen: Siemens wird an seine Aktionäre einen Anteil von 50-75% der neuen Gesellschaft abspalten. Diese neuen Aktien werden dann über Nacht eingebucht. Alle Siemens-Aktionäre haben plötzlich nicht mehr eine Aktie, sondern zwei Aktien im Depot.

Konkret bedeutet das, wir bekommen Siemens Energy Aktien “aus dem Nichts” in unserem Depot gutgeschrieben. Der Börsenwert von der Muttergesellschaft wird sich – rein theoretisch – um den gleichen Betrag verringern. Insgesamt ändert sich an der Vermögenssituation daher – rein theoretisch – nichts. Doch das gilt nur für die “alten” Siemens-Aktionäre.

Die Erfahrung zeigt: Viele Investoren wissen mit den neuen Aktien erst einmal nichts anzufangen. Sie verkaufen. Andere Investoren wie DAX-ETFs müssen gar verkaufen, denn die neue Aktie ist ja nicht von Beginn an Teil des DAX-Index. Daher ist die Bewertung solcher Abspaltungen kurz nach dem Börsengang oftmals sehr günstig. Ob das auch im Fall von Siemens Energy so sein wird – wir werden es für dich prüfen, sobald weitere Details bekannt sind.

 

 

4. Wish Börsengang 2020

Wish Börsengang 2020: eCommerce trotzt Amazon


Wish Börsengang 2020
Land San Francisco, Kalifornien, USA 🇺🇸
CEO / Gründer Piotr Szulczewski
Gründungsjahr 2010
Umsatz 2019
[Schätzung]
3+ Mrd. USD (Owler Schätzung)
Bereits profitabel?
[Schätzung]
❌Nein
Marktkapitalisierung
[Schätzung]
11 Mrd. USD (August 2019, letzte priv. Finanzierungsrunde)
Burggraben
  1. Drittgrößte eCommerce-Webseite in den USA (nach Amazon und eBay) und bekannt für die günstigsten Preise und größten Rabatte
  2. Netzwerkeffekt: Kunden navigieren direkt zu Wish.com. Hersteller und Großhändler inserieren direkt bei Wish.com
Börsengang-Zeitraum 2020 Ende 2020
Börsengang-Wahrscheinlichkeit 2020 ✅Wahrscheinlich

Wish Aktie, Geschäftsmodell

Wish ist nach Amazon und eBay die drittgrößte Webseite für Onlinehandel in den USA. Und in den Top5 in über 100 Ländern. Wish hat über 1 Million registrierte Händler und verkauft jeden Tag mehr als 3 Millionen Produkte an 500 Millionen registrierte Kunden (100 Millionen monatlich aktive Kunden).

Wish ist dabei wie eBay ein reiner Marktplatz zwischen Händlern und Kunden. Wish übernimmt dabei nur den Suchprozess und wickelt die Zahlung ab. Jeder kann sich bei Wish als Händler registrieren und ist dann selbst für den Versand und Rücksendungen verantwortlich (Wish lagert keine Produkte selbst).

Die Idee hinter Wish ist einfach: Den Kunden die niedrigsten Preise der Welt bieten. Vom Großhandel direkt zum Konsumenten lautet das Konzept.
Wish erreicht das Ziel vor allem durch 2 Wege:

  1. Alle Zwischenhändler umgehen: Hersteller und Großhändler inserieren direkt bei Wish.com
  2. Lieferung innerhalb von 1-3 Wochen: Langsame Auslieferung maximiert Kosteneinsparungen (einerseits kein Zeitdruck bei FedEx/UPS/USPS, andererseits kann der Hersteller/Händler auf Masse produzieren/einkaufen und dann alle Waren auf einmal versenden)

 

So sieht die Wish.com Webseite aus: Im Vordergrund stehen Empfehlungen (nicht das Suchfeld wie bei Amazon.com). Bei Wish.com suche ich nicht gezielt nach Produkten, sondern ich lasse mich inspirieren. Wo bekomme ich aktuell 70% Rabatt und mehr? 🙂

Wish.com ist unglaublich beliebt

2018 war Wish die am meisten heruntergeladene Shopping App (vor Amazon) und hat über 500 Mio. registrierte Kunden. 100 Mio. davon kaufen jeden Monat neue Produkte auf Wish.com. Das sind wirklich unglaubliche Zahlen. Aber das Verrückteste ist: Amazon gibt es seit über 25 Jahren (seit Juli, 1994). Wish.com kam – trotz Amazon – in den letzten 5 Jahren aus dem Nichts.

Das finde ich, als Amazon.com Investor, wirklich erstaunlich. Erstaunlich deshalb, weil Jeff Bezos Amazon als die “most customer-centric firm” anpreist, die am meisten kundenfokussierte Firma der Welt. Es wird aber auch deutlich, wo Amazon.com angreifbar ist: Man kann es nicht allen Kunden recht machen. Die günstigsten Preise und gut bezahlte Arbeitsplätze/ehrliche Geschäftspraktiken und 24-hour-shipping (Paket kommt innerhalb von 24h an) und Werbeanzeigen (nicht das beste Produkt, sondern der Meistbietende wird ganz oben angezeigt) und rücksichtsvoller Umgang mit Händlern: Alles Dinge, die Kunden und Händler lieben, die sich aber teils gravierend widersprechen.

Wish.com ist da viel fokussierter: Günstigste Preise. Sonst nichts. Wish.com verkauft keine Werbeplätze und konkurriert auch nicht mit den eigenen Händlern. 24-hour-shipping ist extrem teuer, vor allem auf dem Land. Deshalb sagt Wish direkt: Die Pakete kommen in 1 – 3 Wochen an und dafür bekommt ihr 30-50% Rabatt (v.a. bei günstigen Produkten fällt das schwer ins Gewicht).

Erstaunt haben mich auch die Bewertungen im Android Play Store und iPhone App Store der beiden Apps: Wish.com erhält insgesamt sehr gute Rezensionen. Die Rezensionen von der Amazon App sind ziemlich schlecht:

Bewertung App Store
(iPhone)
Google Play Store
(Android)
Wish App 4,7 4,4
Amazon App 3,3 4,1

Als ehemaliger App-Entwickler für Android kenne ich die Bewertungsskala sehr gut. Ab 4,5 spricht man von einer guten App. Eine App mit weniger als 4,5 würde von Google oder Apple nie auf der Startseite empfohlen werden. Eine Bewertung von 3,3, wie die Amazon App beim iPhone erreicht, ist wirklich “unterirdisch” schlecht (die Bewertung einer ‘durchschnittlichen App’ liegt bei 4,2 von 5 Sternen). Amazon ist also auch auf Android unterdurchschnittlich. Ich vermute, Kundenbewertungen der Amazon App sind nicht die Quelle, von der Amazon “the most consumer centric company” ableitet ;). Ich möchte nochmal betonen: Ich halte selbst Amazon Aktien und bin ebenfalls verwundert. Insgesamt bin ich nach wie vor von Amazons Strategie (Link zu meiner Amazon Analyse) überzeugt. Eine weniger gute App-Bewertung kann tausende verschiedene Ursachen haben (z.B., Probleme mit Händlern, gestohlene Pakete, Kommunikationsprobleme, Verzögerungen bei Weihnachtsbestellungen, Gewerkschaften, Walmart-Mitarbeiter, verärgerter Händler, …) und man müsste im nächsten Schritt alle Bewertungen auswerten und nach bestimmten Schlagwörtern filtern, um Hinweise auf die darunterliegenden Probleme und Ursachen zu finden.

 

 

Auffallend ist auch, dass der Unterschied bei iPhone Nutzern sehr viel deutlicher ist. Entweder sind diese deutlich kritischer oder die iPhone-Apps unterscheiden sich stark von den Android Apps.

 

Die Wish.com App ist bei iPhone Nutzern erheblich beliebter als die Amazon.com App. Man sieht auch deutlich: Den 83.000 Amazon-Bewertungen stehen unglaubliche 1,4 Millionen Wish.com Bewertungen gegenüber (17,5X so viel). Screenshot von meinem iPhone am 13. Januar 2020.

 

Ich war von Wish.com erst wenig beeindruckt: Die nächste, hunderttausendste eCommerce App. Bis ich mich intensiver mit der Firma und dem Geschäftsmodell beschäftigt habe. Der radikale Fokus auf den geringsten angebotenen Preis ist bemerkenswert. Es wird auch wieder mal ersichtlich, wie wichtig uns Konsumenten der Preis ist. Klar wollen wir auch eine schnelle und sichere Lieferung und das ganze nachhaltig verpackt und nur von zertifizierten Händlern. Wenn wir dann aber den Geldbeutel zücken müssen, wird wieder einmal schnell klar: Der Preis definiert und übertrumpft alle anderen Präferenzen.

Sowohl Amazon eCommerce (als eigene Abteilung) als auch Wish.com arbeiten bisher ohne Gewinn.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten, sobald mehr Informationen zum Wish.com Börsengang öffentlich sind.

 

 

 

5. Stripe Börsengang 2020

Stripe Börsengang 2020: Wachstum und Gewinn


Stripe Börsengang 2020
Land San Francisco, Kalifornien, USA 🇺🇸
CEO / Gründer Brüder Patrick Collison, John Collison
Gründungsjahr 2010
Umsatz 2019
[Schätzung]
ca. 1,5 – 3 Mrd. USD (Bloomberg Schätzung)
Bereits profitabel?
[Schätzung]
✅sehr wahrscheinlich
Marktkapitalisierung
[Schätzung]
35 Mrd. USD (letzte priv. Finanzierungsrunde September, 2019)
Burggraben
  1. Lock-in-Effekt der Käufer, weil Stripe den Kundenkontakt “besitzt” (Zahlungsinformationen und Kundeneinwilligungen, z.B., bei Kreditkarten- oder SEPA-Abbuchungen)
  2. “Unschlagbar” geringe Gebühren für Händler, die nur mit mehreren Mrd. USD Kapital nachgebaut werden können. Händler haben keine Anreize, von Stripe weg zu wechseln
  3. Erstklassiger, schneller, zuvorkommender Händlersupport und Analysen
  4. Transaktionsdaten zur Auswertung und Erkennung von Kreditkartenbetrug u.ä.
  5. Besitzen Kundenbeziehung zu den Unternehmen und Unternehmern und können besser als eine Bank Kredite vergeben
Börsengang-Zeitraum 2020 Ende 2020
Börsengang-Wahrscheinlichkeit 2020 ✅Eher wahrscheinlich

Stripe Aktie, Geschäftsmodell

Die Geburt von Stripe.com: Die Brüder Patrick und John Collison wollten vor über einem Jahrzehnt eigentlich einen Online-Shop bauen und sind auf ein enormes Problem gestoßen: Auch im Jahr 2009 ist es immer noch ein gigantisches Problem, kosteneffizient, zuverlässig und betrugssicher Online-Zahlungen vollautomatisiert zu empfangen. Vor allem Abo-Einnahmen. Die Entwicklungskosten gehen schnell in die 100.000 USD und müssen von einem externen IT-Dienstleister durchgeführt werden, der sich auf Zahlungssysteme spezialisiert. Für Softwareentwickler ist die Thematik als tiefer und komplexer Sumpf bekannt, mit dem sich niemand befassen möchte.

Die Lösung: Online-Zahlungen entwicklerfreundlich machen. Mit nur 7 Zeilen Code kann man Stripe in jede Webseite oder App vollfunktionsfähig einbauen. Die Transaktionsgebühren von Stripe betragen wenige Cent — und sind damit gegenüber PayPal (bis 2010 Gebühren von 7-10% am Umsatz) ein gigantischer Fortschritt. Stripe ist dementsprechend eingeschlagen wie eine Bombe.

Die Mission von Stripe: Das Bruttosozialprodukt des Internets maximieren.

Our mission is to increase the GDP of the internetStripe.com

 

 

Stripe verdient an jeder Transaktion – abhängig vom Zahlungstyp (Kreditkarte, Paypal, SEPA, AliPay, Sofortüberweisung, …) – einen winzigen Teil am Umsatz (0 – 1,5%) plus einen Fixbetrag (wenige Cent) mit.

Stripe verdient mit Extra-Werkzeugen im Abo-Modell – für die Rechnungsstellung, Geschäftsanalyse, Berichterstattung, Unternehmensgründung, Betrugsbekämpfung, oder Kreditkartenverwaltung.

Stripe verdient mit Krediten – Kredite, die an die Unternehmen vergeben werden. Stripe kennt die Unternehmen besser als jeder andere: Der gesamte Cashflow wird über Stripe abgewickelt. Stripe weiß genau, wie es finanziell um den Kreditnehmer steht. Stripe weiß es daher sogar besser Bescheid als jede Bank und kann dementsprechend ein besseres Angebot machen. Ein Angebot, das genau auf die Umsatz- und Gewinnstruktur des Unternehmens eingeht. Außerdem hat Stripe ein viel geringeres Kreditrisiko: Stripe kann einen Teil des generierten Umsatzes zur Rückzahlung abzweigen, bevor das Geld dem Kunden überhaupt erst ausgezahlt wird. Das ist ein entscheidender Vorteil zu einer traditionellen Bank, die dem Unternehmen im Eskalationsfall Monate und Jahre lang hinterherlaufen muss, oft mit massiven Abschreibungen.

 

AlleAktien Premium verwendet ebenfalls Stripe zur Zahlungsabwicklung und Betrugsaufdeckung. Wir sind ein äußerst zufriedener Kunde von Stripe.

 

Zur Bewertung und den fundamentalen Kennzahlen von Stripe ist leider noch kaum etwas bekannt. Die letzte private Finanzierungsrunde im September 2019 bewertete Stripe mit 35 Mrd. USD. Unter VC-Investoren gilt diese Bewertung sogar noch als “sehr fair”. Zur Referenz: PayPal, die wir ebenfalls erst vor kurzem analysiert und als “kaufenswert” eingestuft haben, ist aktuell mit 133 Mrd. USD bewertet.

Wir veröffentlichen eine detaillierte Analyse sowie den AlleAktien Qualitätsscore sobald mehr Details zum Stripe Börsengang öffentlich sind und halten euch als AlleAktien Premium Mitglieder stets aktuell.

 

 

Fazit Börsengänge 2020:
Schöne Balance an profitablen und wachstumsstarken Aktien

Fazit: Die Top Börsengänge 2020 für mich sind Airbnb und Stripe

#1 Airbnb Börsengang 2020… revolutioniert Wohnen und Übernachtungen und ist bereits hoch profitabel. Ein echter Fortschritt der Menschheit: Dank Airbnb werden Immobilien und freistehende Räume effizienter genutzt als jemals zuvor. Dabei besitzt Airbnb keine Immobilien, sondern vermittelt als Marktplatz zwischen Angebot und Nachfrage. Bei jeder erfolgreichen Vermittlung wird ordentlich mitverdient. Netzwerkeffekte und Skalierbarkeit und hohe Profitabilität machen die Aktie so interessant.

#2 Robinhood Börsengang 2020… revolutioniert den Aktienhandel: Erstmals ist es 100% kostenlos, Aktien/ETFs/Optionen zu handeln. Robinhood ist erfolgreich und wird hundertfach kopiert (Webull, TradeRepublic, …). Bereits ab einem einzigen Cent kann man bruchteilhaft in jede beliebige Aktie ohne Gebühren investieren. Jeder von uns kann für 1 Cent Amazon oder Berkshire-Aktien kaufen.

#3 Siemens Energy Börsengang 2020… ist ein fokussiertes Energie-Unternehmen, das dafür sorgt, dass die Energiewende gelingt und Strom zuverlässig, preiswert und nachhaltig produziert werden kann. Das Unternehmen stellt Windräder, moderne Gaskraftwerke und wichtige Teile des Stromnetzes her. Derzeit ist die Gewinnmarge gering, sodass die Aktie möglicherweise sehr günstig an die Börse gehen wird. Mittelfristig dürfte eine deutliche Steigerung der Gewinnmarge möglich sein.

#4 Wish Börsengang 2020… ist der Onlinehändler mit unglaublichem Fokus auf Preis und Rabatte und kam in den letzten 5 Jahren “aus dem Nichts”. Amazon versucht an allen Fronten die Kundenbedürfnisse zu stillen (24-Stunden-Lieferung, niedriger Preis, Prime Mitgliedschaft, guter und schneller Kundensupport), so fokussiert sich Wish auf nur eine einzige Sache: Niedrigster Preis. Und damit sind sie strategisch – ähnlich wie Ryanair – sehr gut aufgestellt. Wish.com ist eine der beliebtesten Apps von iPhone-Nutzern 2018 und 2019 und eine der am meisten heruntergeladenen Apps im App Store mit über 500 Mio. Nutzern.

#5 Stripe Börsengang 2020… vereinfacht Online-Zahlungen. Mit erstmals winzigen Gebühren im Cent-Bereich (statt satten 10-30% vom Umsatz) können Online-Händler einfach Zahlungen entgegennehmen. Kreditkarten, SEPA, WeChat Pay, AliPay, PayPal, … fast alles geht. Auch AlleAktien Premium ist Kunde von Stripe – und wir sind mehr als zufrieden.

Meine persönlichen Favoriten (Michael C. Jakob) sind klar Airbnb und Stripe. Beide Unternehmen wachsen stark und werden von den Kunden heiß geliebt. Beide haben ein starkes, ehrliches und kompetentes Management, dem ich volle Integrität zutraue — zumindest gab es bisher keine anderweitigen Anzeichen. Außerdem arbeiten beide Unternehmen bereits profitabel und generieren jeden Tag Cash für uns. Beide Unternehmen sind nicht auf Kapital angewiesen. Ob ich beim Airbnb oder Stripe Börsengang 2020 letztendlich investieren werde, hängt von der Bewertung ab und davon, ob mich auch die (noch größtenteils unbekannten) Details in den fundamentalen Kennzahlen überzeugen.

Wir werden euch als AlleAktien Premium Mitglieder natürlich als Erstes informieren, sobald uns der IPO-Prospekt eines der fünf Unternehmen vorliegt und wir eine Detailanalyse machen können. Bis dahin müssen wir uns vorerst gedulden. Melde dich beim 100% kostenlosen AlleAktien Newsletter an, um ebenfalls kostenlos vor allen anderen informiert zu werden, sobald es IPO-Neuigkeiten gibt:

 

Liebe Grüße und ein erfolgreiches Börsenjahr 2020 wünschen wir,
Michael C. Jakob (Airbnb, Robinhood, Wish, Stripe) und Jonathan Neuscheler (Siemens Energy)

 

 

Quellen & Links | Börsengänge 2020

Beschreibung
Airbnb | Ankündigung Börsengang 2020 [airbnb.com]
Airbnb | Bewertung und alle VC-Investments [crunchbase.com]
Airbnb | Zusammenfassung und Visualisierung zahlreicher hoch relevanter Geschäftszahlen [alltherooms.com]
Robinhood | Bewertung und alle VC-Investments [crunchbase.com]
Wish | Bewertung [crunchbase.com]
Wish | Der Milliardär, der Amazon trotzt [forbes.com]
Stripe | Umsatz und Bewertung [inc.com]
Siemens Energy | Branche, Märkte und Geschäftsmodell [siemens.com]

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit keine Aktien der Pre-IPO Unternehmen.

3 Antworten

  1. Iwan Vogel sagt:

    Hallo Michael. Was hältst du von ByteDance die haben mehrere Trendapps wie unteranderem TikTok Musical.ly die sind gerade bei den Jugendlichen sehr angesagt. Die bereiten sich ebenfalls auf einen Börsengang vor.
    Mich würde mal interessieren ob du das Unternehmen kennst.

    Beste Grüße aus dem Schwarzwald
    Iwan

  2. Julia sagt:

    Hallo Michael, wollte mal fragen, ob in der Zwischenzeit etwas mehr Transparenz in die Kauf- und Verkaufskurse von Robinhood bzw. auch Trade Republik gekommen ist. Bei TR wird ja bei Lang & Schwarz gehandelt und man wird darauf hingewiesen, wenn man zu XETRA-Handelszeiten kauft bzw. verkauft, richtet sich der Kurs an den XETRA-Kursen aus. Dennoch finde ich Robinhood sehr spannend und wäre gern von Anfang an dabei, eine echte Disruption der Finanzbranche.
    Viele Grüße aus Aschaffenburg
    Julia

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