Jonathan Neuscheler | AlleAktien Gründer, leidenschaftlicher Value-Investor, 4 Jahre Berufserfahrung in der Aktienanalyse und Abschluss als Bachelor of Arts (B.A.)

Ich bin begeisterter Value-Investor mit Fokus auf Dividendenaktien. Meine Strategie: Ich strebe langfristig die finanzielle Freiheit an. Mein Ziel ist es, von Jahr zu Jahr steigende Dividendeneinnahmen zu erreichen. Dabei bin ich langfristig denkend und agierend. Ich suche mir in Aktienanalysen systematisch Aktien mit einer hohen Renditeerwartung aus. An diesen beteilige ich mich dann und bleibe meist viele Jahre investiert. Ich schwimme gerne gegen den Strom. Eine rationale Vorgehensweise ist mir sehr wichtig. Daher analysiere ich genau, was ich kaufe, bevor ich kaufe. Ich achte darauf, so wenig Risiken wie möglich einzugehen. Dies gelingt durch eine genaue Aktienanalyse und eine sinnvolle Diversifikation.

Vapiano Aktie in der Analyse: Potential zum McDonalds der italienischen Küche?

Aktienanalyse Vapiano SE
WKN A0WMNK
Preis 24 EUR
Ausstehende Aktien 24 Mio.
Marktkapitalisierung 576 Mio. EUR
Nettoverschuldung 118 Mio. EUR
Enterprise Value 694 Mio. EUR
Datum 11.05.2018

 

Überblick-Vapiano Aktienanalyse

  • Vapiano ist eine italienische Fast-Casual-Restaurantkette. Es werden frische und hochwertige Produkte schnell und vor den Augen der Kunden zubereitet.
  • Aktuell werden bereits 205 Restaurants in 33 Ländern betrieben. Das Konzept scheint auf der gesamten Welt zu funktionieren.
  • Mit den Mitteln aus dem Börsengang im Sommer 2017 soll die weitere Expansion finanziert werden.
  • In dieser Analyse wird untersucht, ob Vapiano mit der italienischen Küche langfristig das gelingen kann, was McDonalds mit der amerikanischen Küche geschafft hat.
  • Mit einem aktuellen Börsenwert von 576 Mio. EUR ist Vapiano ein Winzling gegenüber den rund 110 Mrd. EUR von McDonalds. Sollte es Vapiano jemals gelingen, mit McDonalds gleich zu schließen, müsste sich die Aktie fast verzweihundertfachen.
  • Bis dahin ist es ein extrem langer, ungewisser Weg. Es ist unklar, ob das jemals gelingen wird. Klar ist hingegen, dass in der Aktie ein enormes Potential steckt, wenn sich die Wachstumspläne wie gewünscht umsetzen lassen.

 

Aufbau dieser Aktienanalyse

  1. Geschäftsmodell
  2. Bewertung
  3. Risiken
  4. Fazit

 

1. Geschäftsmodell: Vapiano steht für den schnellen, hochwertigen Genuss der italienischen Küche

Mission: „Chi va piano va sano e va lontano“

Der Name Vapiano leitet sich von diesem italienischen Sprichwort ab. „Wer es im Leben locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger.“  Vapiano bringt das italienische Lebensgefühl in seine Restaurants. Diese sind hochwertig und gemütlich gestaltet. Lange Eichenholztische und echte Olivenbäume sind vorzufinden. Die Farben sind warm und die Musik ist angenehm leise und schafft eine schöne Atmosphäre. An jedem Tisch finden sich echte Pflanzen und würzige Kräuter zur Verfeinerung des Essens.

Vapiano ist ein „Feel-Good-Place“.

 

Beschreibung des Geschäftsmodells

Vapiano betreibt zum 31.12.2017 insgesamt 205 „Fast-Casual-Dining-Restaurants“ der italienischen Küche. Die Produkte sind frisch und hochwertig. Sie werden Tag für Tag in jedem einzelnen Restaurant frisch zubereitet. Wenn ein Gast in ein Vapiano-Restaurant kommt, wird sein Wunschgericht vor seinen Augen individuell zubereitet.

AlleAktien-Vapiano-Analyse-Pasta

Frische Pasta von Vapiano. Alle Zutaten sind frisch. Das Essen wird vor den Augen des Gastes gekocht. Quelle: Vapiano

Es werden Pizza, Pasta und frische Salate angeboten. Auf Wunsch können nahezu alle Gerichte glutenfrei, vegetarisch, vegan oder laktosefrei bestellt werden. Vapiano arbeitet außerdem an Produkten, die weniger Kohlenhydrate enthalten. So wurden Zucchininudeln unter dem Namen „Zoodles“ eingeführt. Diese enthalten gegenüber herkömmlichen Nudeln deutlich weniger Kohlenhydrate. Menschen mit speziellen Unverträglichkeiten kommen so ebenfalls auf ihre Kosten. Ein rasant wachsender Markt, der bisher kaum bedient wurde.

Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen auf ihre Ernährung achten. Vapiano bietet eine echte Alternative zu den unzähligen, aus den Böden sprießenden Burgerrestaurants an. Die von Vapiano angebotenen Gerichte sind typischerweise sehr leicht bekömmlich, enthalten wenige Kalorien, viele Ballaststoffe, wenig Fett und Zucker und dafür viele Proteine. Damit passt das Vapiano-Konzept perfekt in die Zeit.

AlleAktien-Vapiano-Analyse-Pizza

Die Pizza von Vapiano. Ebenfalls ausschließlich aus natürlichen Zutaten. Alle Zutaten sind frisch. Die Pizza ist lecker und leicht. Quelle: Vapiano

2002 eröffnete Vapiano das erste Restaurant in Hamburg. Die Gründer hatten die Vision, von der italienischen Küche inspirierte Gerichte mit frischen Zutaten und Aromen zu attraktiven Preisen und in stylischer Atmosphäre anzubieten.

Das ist mehr als gelungen. 15 Jahre später ist Vapiano eine weltweit aktive Restaurantkette. Die Atmosphäre in den Restaurants ist angenehm. Lange Eichenholztische und echte Olivenbäume zeichnen die Lokalitäten aus. Auf jedem Tisch finden sich frische Kräuter und Gewürze und Salze zur individuellen Verfeinerung der Speisen.

Die Bestellung erfolgt über ein spezielles System. Beim Betreten eines Restaurants bekommt jeder Gast eine Karte. Mit dieser läuft er zu seiner Wunschstation (Pasta, Pizza oder Salate) und nennt dem Koch sein Wunschgericht. Dieser bereitet das Gericht dann live und vor den Augen des Kunden zu. Dabei kann der Kunde besondere Wünsche und Vorlieben äußern. Nach der Bestellung wird die Karte belastet. Die Kunden nehmen die fertig zubereiteten Gerichte dann an der Kochstation entgegen und suchen sich einen Platz. Beim Verlassen des Restaurants bezahlen die Kunden, indem sie ihre Karte einem Kassierer am Ausgang  geben und dann den offenen Betrag begleichen.

 

Vapiano ist weltweit aktiv

AlleAktien-Vapiano-Aktienanalyse-Märkte.png

Vapiano hat in den letzten Jahren auf allen fünf Kontinenten Restaurants eröffnet. Das Konzept funktioniert weltweit. Ein sehr gutes Zeichen für die langfristigen Expansionsmöglichkeiten. Quelle: Vapiano SE Investor Relations Präsentation vom Januar 2018.

Vapiano hat in den letzten Jahren rasant expandiert. Zum 31.12.2017 hat das Unternehmen 205 Restaurants in 33 Ländern betrieben. Die nun folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verteilung der Restaurants nach Regionen.

Region Zahl der Restaurants Anteil der Restaurants
Deutschland 79 39%
Restliches Europa 85 41%
Restliche Welt 41 20%

Von den 205 Restaurants betreibt Vapiano 62 Restaurants selbst. 56 Restaurants werden in Joint Ventures zusammen mit lokalen Partnern betrieben. 87 Restaurants werden von Franchisenehmern betrieben. Diese betreiben die Restaurants nach Vorgaben von Vapiano auf eigene Rechnung und bezahlen für die Marke und die Prozesse einen geringen Anteil der Umsätze an Vapiano.

Franchise-Resturants erhöhen die Profitabilität enorm. Mit diesem Modell ist McDonalds sehr erfolgreich geworden. Denn sobald ein weiteres Franchise-Restaurant eröffnet wird, erhöhen sich sofort die Einnahmen und Cashflows für Vapiano. Vapiano musste aber kein eigenes Geld in die Eröffnung des neuen Restaurants stecken. Das Risiko eines möglichen, unwirtschaftlichen Betriebes liegt ebenfalls beim Franchisenehmer. Je mehr Franchiserestaurants eröffnet werden, desto stärker kann die Gewinnmarge des Unternehmens perspektivisch ansteigen.

McDonalds gelingt es, eine Gewinnmarge von über 40% zu erwirtschaften. Vapiano dürfte in 2018 eine operative Gewinnmarge von 3% erwirtschaften.

 

Pricing Power und Burggraben wachsen mit zunehmender Größe

Im Burgermarkt gibt es neben lokalen Restaurants zahlreiche Ketten. McDonalds, BurgerKing, FiveGuys, ShakeShack, Hans im Glück oder Peter Pane zeigen seit vielen Jahren eindrucksvoll, dass in der Restaurantbranche Ketten sehr erfolgreich funktionieren können.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Durch die Standardisierung wissen die Kunden bereits vor dem Betreten des jeweiligen Restaurants, was sie erwartet. Wer in einer neuen Stadt ist und einen der Läden erspäht, fühlt sich sofort vertraut.
  • Optimierte Prozesse sind ein weiterer Vorteil. Im Laufe der Zeit lernen die Unternehmen, ihre Kochvorgänge zu optimieren.
  • Qualitätskontrollen sorgen dafür, dass alle servierten Produkte frisch sind.

Eine Marke entsteht.

Lokale Familienrestaurants haben auch ihre Vorteile. Die Atmosphäre ist persönlicher. Gäste und Restaurantbetreiber lernen sich im Laufe der Zeit kennen.

Im Burgermarkt gibt es eine Koexistenz. Manche Konsumenten bevorzugen die standardisierten Produkte, andere gehen ausschließlich zu Familienrestaurants.

Der Markt für die italienische Küche war bis zum Markteintritt von Vapiano nahezu ausschließlich in der Hand lokaler Restaurants. Doch Vapiano ist mehr als ein gewöhnlicher Italiener. Der Kunde kann beim Kochvorgang live zuschauen und ihn beeinflussen. Es werden Produkte für Menschen mit einem gesunden Ernährungsstil angeboten.

Mit jedem zusätzlichen Standort, den Vapiano eröffnet, wächst die Bekanntheit der Marke. Kunden, die einmal bei Vapiano gegessen haben, wissen, was sie erwartet. Das schafft Vertrauen. Je mehr Standorte das Unternehmen eröffnet, desto stärker wird die Preissetzungsmacht und desto attraktiver wird das Unternehmen für neue Franchisenehmer. Denn sie können bei der Eröffnung eines Vapiano-Restaurants in ihrer Stadt darauf zählen, dass die Marke Vapiano bereits einigen Konsumenten bekannt ist.

Dennoch ist der Restaurantmarkt hart umkämpft. Wir Kunden haben jederzeit die Wahl, zu einem anderen Restaurant zu gehen.

 

Langfristige Trends im Restaurantmarkt: italienische Küche mit starkem Wachstum

Vapiano hat im Zuge des Börsengangs im Jahr 2017 die Unternehmensberatung OC&C beauftragt. OC&C hat von Vapiano den Auftrag bekommen, zu erforschen, wie schnell die einzelnen Restaurantmärkte von 2015 bis 2020 pro Jahr wachsen. Da die Studie von Vapiano bezahlt wurde, sollten wir vorsichtig mit ihr umgehen.

AlleAktien-Vapiano-Aktienanalyse-Marktwachstum-OCC

Laut OC&C soll die italienische Küche mit einer jährlichen Wachstumsrate von 9% die weltweit am stärksten wachsende Küche sein. Der Burgermarkt scheint mit einem jährlichen Wachstum von 3% hingegen bereits sehr gesättigt. Quelle: Vapiano SE Investor Relations Präsentation vom Januar 2018.

Nach Segmenten betrachtet wächst die „schnelle Küche“ am stärksten. Sowohl das von Vapiano angebotene „Fast-Casual-Dining-Konzept“, als auch „Quick-Service-Restaurants“ (QSR) wachsen am stärksten. „Fine Dining“ wächst hingegen sehr langsam.

 

Verbrauchertrends in der Gastronomiebranche

Laut OC&C bestehen fünf wesentliche Verbrauchertrends, die derzeit die Gastronomiebranche weltweit beeinflussen:

  1. Komfort: Verbraucher suchen mehr und mehr den schnellen und bequemen Zugang zu Lebensmitteln. Sie nutzen von Zuhause oder ihrem Arbeitsplatz aus regelmäßig Lieferdienste sowie Take-Away-Services und bevorzugen es, schnell und ohne Aufwand zu “snacken”, anstatt selbst zu kochen.
  2. Digitalisierung: Verbraucher nutzen zunehmend Technologien, wie integrierte Mobildienste, um ihren Alltag einfacher und zeitsparender zu gestalten. Mobile Anwendungen, die das Bestellen und die Zahlung effizienter machen, werden daher zunehmend beliebt.

    AlleAktien-Vapiano-Analyse-Stores

    So sieht ein typisches Vapiano-Restaurant von innen aus. Wiederkehrendes Element in jedem Restaurant: Ein echter Olivenbaum.

  3. Gasterlebnis: Restaurantbesucher gehen zunehmend auswärts essen, um soziale Kontakte zu knüpfen. Daher spielen erlebnisbezogene Kriterien wie ein kosmopolitisches und kommunikatives Ambiente, eine hohe Service-Qualität, ein attraktives Erscheinungsbild der Speisen und ein innovatives Menü mit saisonalen Spezialitäten bei der Wahl eines Restaurants eine bedeutende Rolle.
  4. Gesundheit und Frische: Da mehr und mehr Menschen großen Wert auf ihre Ernährung legen, erfährt die Gastronomiebranche eine steigende Nachfrage an frischen Zutaten und natürlichen Produkten aus ökologischer Erzeugung, die frei von Zusatzstoffen sind.
  5. Verantwortlichkeit: Verbraucher interessieren sich vermehrt für die Herkunft ihrer Lebensmittel und für die Bedingungen, unter denen sie gewonnen und produziert wurden. Daher steigt die Bedeutung der Verwendung regionaler Zutaten, der Verpflichtung gegenüber einer fairen und verantwortungsbewussten Gewinnung von Produkten sowie der Beachtung religiöser Gebote bei der Zubereitung von Lebensmitteln als Auswahlkriterien.

Werfen wir nun einen Blick darauf, wie Vapiano auf diese Trends reagiert.

 

Langfristige Strategie von Vapiano: starkes Wachstum und Fokus auf Digitalisierung

AlleAktien-Vapiano-Analyse-Gäste

Auf jedem Tisch finden sich frische Kräuter. Mit diesen kann sich jeder Gast seine Mahlzeit verfeinern. Quelle: Vapiano.

Im Geschäftsjahr 2018 möchte Vapiano weltweit 33 bis 38 neue Vapiano Standorte eröffnen. Dies entspricht einem Wachstum der Standorte von 16-19%. Außerdem soll der Umsatz in den bestehenden Standorten um 1-3% wachsen. Insgesamt dürfte das Umsatzwachstum von Vapiano in 2018 somit in etwa 20% betragen.

Das Unternehmen möchte gemäß eigener Prognose in 2018 einen Umsatz zwischen 390 Mio. EUR und 420 Mio. EUR erwirtschaften. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) soll 48-54 Mio. EUR erreichen. Dies entspricht einer EBITDA-Marge von 12-13%. Dies entspricht einer schönen Steigerung gegenüber den 11,5%, die in 2016 erzielt worden sind bzw. den 11,9%, die in 2017 erzielt worden sind.

Bis 2020 möchte Vapiano bereits 330 Restaurants betreiben. Mittelfristig soll das Wachstum also im Bereich von 20-25% bleiben. Eine schöne Wachstumsrate, die zu schnell steigenden Umsätzen und (hoffentlich auch) zu schnell steigenden Gewinnen führt.

 

Strenge Kriterien bei der Standortwahl sorgen für langfristigen Erfolg

Vapiano ist sehr streng bei der Auswahl der Standorte. Es werden nur dort Standorte aufgemacht, wo es genug potentielle Nachfrage gibt. In der jeweiligen Stadt müssen mindestens 100.000 Menschen leben. In einem Radius von einem Kilometer muss es mindestens 10.000 Arbeitsplätze geben, damit das Restaurant mittags voll werden kann. Die Flächen müssen mindestens 600 qm groß sein und der Mietvertrag über viele Jahre laufen. Es gibt einige weitere Kriterien. Dieser Kriterienkatalog stellt sicher, dass Vapiano trotz des starken Wachstums nur an attraktiven Standorten neue Restaurants eröffnet.

Da ich mich bereits mit Starbucks und Chipotle sehr ausführlich beschäftigt habe, weiß ich es sehr zu schätzen, dass Vapiano derart streng bei der Auswahl der neuen Standorte ist. Beide Unternehmen haben versucht, so schnell wie möglich zu wachsen. Dabei haben sich auch minderwertige Standorte akzeptiert. Diese haben sich nicht gelohnt. Daraufhin sind die Gewinne eingebrochen. Die Standorte mussten wieder geschlossen werden. Vapiano scheint diesen Fehler nicht zu machen.

 

Vapiano entwickelt neue Restaurantformate 

Neben den klassischen, sehr großen Restaurants mit stets über 600 qm Fläche arbeitet Vapiano an zwei neuen Konzepten.

Sogenannte „Mini Vapianos“ mit deutlich kleinerer Fläche eignen sich hervorragend  für zentrale Stadtlagen, Flughäfen und Bahnhöfe. Diese stellen dann nicht wie sonst üblich alle Gerichte selbst her, sondern beziehen täglich mehrere Lieferungen frischer Pasta, Saucen etc. von einer vollwertigen Vapiano-Filiale aus derselben Stadt. Der Vorteil dieser kleiner Läden sind deutlich geringere Mietzahlungen. Außerdem kommen an diesen Standorten typischerweise noch mehr Menschen vorbei. Dadurch ergibt sich ein sehr attraktives Szenario. Die Gewinnmargen dieses Formates dürften deutlich höher als bei den klassischen Standorten sein. In Wien und Ingolstadt gibt es bereits zwei Pilotrestaurants. Dort wird analysiert, wie gut das Format funktioniert.

Am 18. April hat Vapiano bekanntgegeben, künftig „Mini Vapianos“  an zahlreichen Flughäfen, Bahnhöfen und Outlet-Centern eröffnen zu wollen. Dazu wurde eine Kooperation mit HMSHost International, dem weltweit führenden Flughafen-Restaurantbetreiber und Teil der Autogrill Unternehmensgruppe, bekanntgegeben. HMSHost International betreibt derzeit Food & Beverage Outlets an 42 Flughäfen und 21 Bahnhöfen weltweit.

Ich interpretiere diese Unternehmensmeldung sehr positiv. Offensichtlich haben die Pilotfilialen großen Erfolg.

AlleAktien-Vapiano-Aktienanalyse-freistehendes-Restaurant-Fürth

Der Vapiano-Freestander in Fürth. Erst wird getestet, dann optimiert. Sobald das Format Gewinne abwirft, wird es ausgerollt.

Außerdem hat Vapiano in Fürth einen „Freestander“ errichtet. Die aus diesem Pilotstandort erlernten Erkenntnisse werden derzeit im zweiten Freestander in Toulouse umgesetzt. Für das Freestander-Konzept sucht Vapiano attraktive Standorte außerhalb von Innenstädten an Verkehrsknotenpunkten, die sich für den Bau eines freistehenden Gebäudes mit Außenbereich eignen. Die Zielgruppen für dieses Format sind vor allem Geschäftsleute auf dem Heimweg, Reisende, Freunde und Familien am Wochenende und Kunden von nahe gelegenen Einkaufszentren.

 

Mir gefällt diese Experimentierfreudigkeit von Vapiano sehr gut. Neue Konzepte werden an Pilotstandorten getestet. Dann wird optimiert. Erst wenn die Zahlen stimmen, wird das neue Konzept groß ausgerollt.

Vapiano digitalisiert sein Geschäft 

AlleAktien-Vapiano-Analyse-App.jpg

Die Vapiano-App beinhaltet auch eine Sharing-Funktion. Mit dieser können die Speisen an Freunde geteilt werden und Vapiano kommt ins Gespräch.

Vapiano hat eine eigene App entwickelt. Mit dieser können Kunden bestellen. Die Ware kann dann entweder ohne Anstehen im Restaurant abgeholt werden oder wird nach Hause geliefert.

Es gibt ein Treueprogramm. Wer regelmäßig mit der App bestellt, bekommt bei jeder Bestellung einen Café oder einen Salat umsonst dazu. Das erhöht die Kundenbindung. Außerdem bekommen Kunden, die ihre Gerichte über die App bestellen, ihr Essen an den Tisch geliefert. Die Wartezeiten für die App-Kunden reduzieren sich deutlich. Vapiano selbst spart Personal.

Außerdem werden immer mehr Vapiano-Standorte an das Take away sowie das Home delivery-Konzept angeschlossen. Dadurch steigt der Umsatz pro Standort deutlich an. Die Profitabilität verbessert sich.

Vapiano hat ein Orderterminal entwickelt. Dadurch sinken die Warteschlangen in Stoßzeiten ab.

Viele Kunden haben die langen Warteschlangen und Wartezeiten während der Stoßzeiten gestört. Mit all diesen Maßnahmen arbeitet Vapiano an einer Verbesserung der Situation.

 

 

Fazit: Kontrollierbares, profitables Wachstum 

Vapiano möchte stark wachsen. Das Wachstum soll gleichzeitig kontrollierbar bleiben. Der strenge Anforderungskatalog an neue Standorte sichert die Qualität der Neueröffnungen. Vapiano arbeitet an zahlreichen Innovationen, um das Ergebnis für die Gäste besser zu machen. Gleichzeitig sollten diese Maßnahmen dazu führen, dass sich das Umsatz- und Gewinnwachstum beschleunigt.

 

Management

AlleAktien-Vapiano-Analyse-CEO-Jochen-Halfmann.jpg

Vapiano wird von Jochen Halfmann geleitet. Quelle: Vapiano SE.

Jochen Halfmann ist seit 2015 Mitglied des Vorstands und seit September 2015 Vorsitzender des Vorstands.

Jochen Halfmann studierte Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig- Maximilians-Universität in München und der Albertus-Magnus-Universität zu Köln. Er begann seine berufliche Laufbahn als Management-Trainee bei der Douglas Holding AG. Es folgten weitere Stationen im Douglas Konzern als Filialleiter, Bereichsleiter und Geschäftsführungsassistent.

Jochen Halfmann ist bis zum 31. Dezember 2020 zum Vorsitzenden des Vorstandes der Vapiano SE bestellt.

 

Lutz Scharpe ist Finanzvorstand.

 

Am 21. März 2018 hat Vapiano bekanntgegeben, dass Cornelius Everke (53) ab dem 1. Mai 2018 zum Chief Operating Officer (COO) von Vapiano wird. In dieser Funktion wird Cornelius Everke die Segmente „Rest of Europe“, „Rest of World“ sowie weitere Zentralressorts verantworten und das aktuelle Vorstandsteam um Vorstandsvorsitzenden Jochen Halfmann und Finanzvorstand Lutz Scharpe ergänzen.

Cornelius Everke verfügt über langjährige internationale Management-Erfahrung und bringt umfassende Kenntnisse im Bereich der System- und Verkehrsgastronomie mit. Der 1964 geborene Manager war zuvor insgesamt zehn Jahre in leitendenden Positionen bei der börsennotierten britischen SSP-Gruppe tätig. Bei dem weltweit tätigen Verkehrsgastronomie-Anbieter, der an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen neben den eigenen Marken auch das Geschäft für bekannte Gastronomiemarken wie beispielsweise Burger King, Gosch, Pizza Hut und Starbucks übernimmt, verantwortete er als CEO Central Europe das profitable Wachstum seines Verantwortungsbereichs. Er war in der DACH-Region, in Frankreich sowie den Benelux-Ländern für insgesamt rund 7.000 Mitarbeiter und einem Jahresumsatz von knapp 500 Mio. EUR verantwortlich. Vor seiner Tätigkeit bei der SSP-Gruppe war Cornelius Everke als Geschäftsführer von Starbucks für den Aufbau und die Leitung des Deutschlandgeschäfts zuständig.

Cornelius Everke ist ein sehr erfahrener, bestens vernetzter Manager. Meiner Meinung nach verstärkt Vapiano das Managementteam zur richtigen Zeit.

 

Aktionärsstruktur

Aktionär Anteil der Aktien
Mayfair Beteiligungsfonds 2 GmbH & Co. KG 38,5%
Vap Leipzig GmbH & Co. KG 18,8%
Exchange Bio GmbH 12,9%
Management 0,3%
Streubesitz 29,6%

Der größte Aktionär von Vapiano ist die Mayfair Vermögensverwaltung. Dahinter steckt die Familie Herz. Der Anteil an Vapiano wurde bereits 2011 erworben. Die Familie Herz denkt sehr langfristig und hat wohl eine langfristige Maximierung des Unternehmenswertes als Ziel. Damit sind die Interessen aller Aktionäre gleichgestellt.

 

2. Bewertung der Vapiano SE

AlleAktien-Qualitätsscore aufgrund der kurzen Börsennotierung noch nicht zu ermitteln

Vapiano ist erst seit Juni 2017 an der Börse. Daher können wir noch keinen Qualitätsscore ermitteln.

 

Umsätze wachsen rasant an

AlleAktien-Vapiano-Aktien-Analyse-Umsatzentwicklung-10-Jahre

Die Umsätze sind seit 2014 von ca. 150 Mio. EUR auf über 300 Mio. EUR in 2017 angestiegen. In drei Jahren haben sich die Umsätze verdoppelt. Bis 2020 dürfte sich der Umsatz erneut fast verdoppeln.

 

AlleAktien-Vapiano-Aktien-Analyse-Umsatzwachstum-10-Jahre

Das Umsatzwachstum lag in 2017 bei über 30%. In den nächsten drei Jahren dürfte sich das Umsatzwachstum leicht abflachen. Vapiano bleibt aber ein klarer Wachstumswert.

Vapiano ist bereits in 33 Ländern aktiv. Überall scheint das Konzept zu funktionieren. Das bedeutet, dass Vapiano langfristig noch ein enormes Umsatzpotential hat. Durch die strengen Immobilienkriterien sorgt Vapiano dafür, dass dieses Wachstum von Dauer ist und profitabel und wertsteigernd erfolgt.

 

Gewinne durch starkes Wachstum nach unten gedrückt

AlleAktien-Vapiano-Aktien-Analyse-Gewinnentwicklung-10-Jahre

Die Gewinnentwicklung von Vapiano schaut nicht schön aus. In 2014 konnte noch ein operativer Gewinn von über 10 Mio. EUR erwirtschaftet werden und das bei deutlich geringeren Umsätzen als 2017.

 

AlleAktien-Vapiano-Aktien-Analyse-Gewinnmarge-10-Jahre

Die Gewinnmarge ist von 2014 bis 2017 kontinuierlich abgefallen. Allerdings sind in 2017 hohe Kosten für den Börsengang angefallen. Ab 2018 soll die Gewinnmarge Jahr für Jahr steigen.

Für den Verlust in 2017 gibt es drei Gründe:

  • Vapiano ist ein Wachstumsunternehmen. Durch zahlreiche Neueröffnungen müssen Mieten bereits bezahlt werden und das Personal bereits angelernt werden, obwohl die neuen Standorte noch keine Umsätze erwirtschaften. Das drückt auf die Gewinne.
  • Zudem fielen in 2017 aufgrund des Börsengangs hohe Einmalkosten an.
  • Vapiano hat außerdem zahlreiche Franchise-Restaurants und Joint-Venture-Restaurants von externen Partnern zurückgekauft. Dadurch fallen nun hohe Abschreibungen auf sogenannte, immaterielle Vermögensgegenstände an. Diese werden die die Gewinne in den nächsten nach unten drücken. Allerdings sorgen diese Abschreibungen nicht dafür, dass Geld abfließt. Ich persönlich rechne diese Abschreibungen daher heraus.

Bereits in 2018 sollte Vapiano wieder Gewinne schreiben. Steigende Umsätze sorgen dafür, dass Fixkosten wie die Kosten im Hauptsitz auf immer mehr Restaurants verteilt werden können. Die Kosten aus dem Börsengang in 2017 fallen ebenfalls weg.

Mittel- und langfristig rechne ich bei Vapiano mit einer von Jahr zu Jahr steigenden Gewinnmarge. Derzeit drückt v.a. eine sehr hohe Personalkostenquote von fast 40% der Umsätze auf die Gewinne. Der Grund dafür: Alle Speisen werden jeden Tag frisch aus frischen Zutaten zubereitet. Nun möchte ich aufführen, warum ich von einer langfristig steigenden Gewinnmarge ausgehe:

  • Durch steigende Umsätze können Fixkosten auf viel mehr Restaurants verteilt werden, wodurch die Gewinnmarge steigt.
  • Mit steigender Restaurantanzahl können die Anlaufkosten für neue Standorte von den Gewinnen der bestehenden Standorte immer leichter finanziert werden.
  • Durch die Digitalisierungsinitiativen (Bestellterminals, App…) wird der Personalaufwand pro Gast deutlich geringer.
  • Die neuen Verkaufskanäle Take away und Delivery verbessern die Profitabilität bestehender Standorte enorm, da für diese zusätzlichen Umsätze keine zusätzlichen Mieten bezahlt werden müssen. An vielen Standorten reicht sogar dasselbe Personal aus, um die zusätzliche Nachfrage zu bedienen.
  • Vapiano kann durch Preiserhöhungen die Profitabilität jederzeit erhöhen. Als Gast erschien mir das Preisniveau für die Top-Lagen und die hohe Qualität der Speisen in großen Städten eher niedrig.
  • Je stärker und je bekannter die Marke wird, desto mehr Franchise-Restaurants wird es geben. Diese erhöhen die Profitabilität enorm.

Insgesamt betrachtet glaube ich aufgrund der oben genannten Faktoren, dass Vapiano in 2017 das Tief der Ertragslage erreicht hat und nun in jedem Jahr die Gewinnmarge steigern kann. Das dürfte zu einem überproportionalen Gewinnwachstum führen und ein wesentlicher Kurstreiber für die Aktie werden. Ich rechne damit, dass es Vapiano in den kommenden fünf Jahren gelingen wird, eine operative Gewinnmarge von mehr als 10% zu erzielen.

 

Vapiano zahlt in der Wachstumsphase keine Dividende aus 

In den kommenden Jahren dürfte Vapiano immer mehr Geld verdienen. Die Erträge werden allerdings noch einige Jahre vollständig für die weitere Expansion benötigt werden. Daher ist derzeit keine Dividendenzahlung geplant.

 

Rentabilität leidet unter hohem Wachstum 

Vapiano weist zum 31.12.2017 ein bilanziertes Eigenkapital von 131 Mio. EUR aus. Zieht man davon den Goodwill in Höhe von 110 Mio. EUR ab, dann verbleibt ein tangible (greifbares, echtes, bereinigtes) Eigenkapital von 21 Mio. EUR.

Die Nettoverschuldung der Vapiano SE betrug zum 31.12.2017 118 Mio. EUR. Somit arbeitet Vapiano mit einem verzinslichen Kapital von 139 Mio. EUR. Mit diesem Kapital wurde in 2017 ein bereinigtes EBIT von ca. 10 Mio. EUR erwirtschaftet. In 2018 soll das operative Ergebnis ungefähr 13 Mio. EUR betragen. Aus diesen Werten ergibt sich eine niedrige, knapp einstellige Kapitalverzinsung.

Diese reicht nicht aus, um mit den einbehaltenen Gewinnen das starke Wachstum zu finanzieren. Daher wird Vapiano in den nächsten Jahren weitere Bankverbindlichkeiten aufnehmen. Aktuell nimmt Vapiano rund 120 Mio. EUR von einer 200 Mio. EUR-Kreditlinie in Anspruch, die allerdings auf 250 Mio. EUR aufgestockt werden kann.

Diese Mittel sollten ausreichen, um das weitere Wachstum bis 2020 finanzieren zu können. Es könnte in den nächsten Jahren aber auch zu einer kleinen Kapitalerhöhung kommen. Bis 2020 sollte sich die Profitabilität des Unternehmens durch eine steigende Gewinnmarge so stark erhöhen, dass das dann folgende weitere Wachstum aus eigener Kraft finanziert werden kann.

 

Verschuldung von Vapiano ist angemessen 

Die Nettofinanzverschuldung der Vapiano SE betrug zum 31.12.2017 118 Mio. EUR. Dies entspricht dem 3,0-fachen EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) des Jahres 2017. Vapiano zahlt rund 5% Zinsen auf das Bankdarlehen.

Viel höher kann die Verschuldung beim aktuellen Ertragsniveau nicht mehr werden. Gehen die Wachstumspläne auf und die Gewinnmarge steigt wie erwartet an, dann ist die Verschuldung gut zu stemmen. Entwickelt sich das Gewinnwachstum schwächer als erwartet, dann muss Vapiano in den nächsten Jahren wohl zu einer Kapitalerhöhung greifen, um sich zusätzliches Eigenkapital für das weitere Wachstum zu beschaffen.

 

Einordnung nach Peter Lynch: Attraktiver Fast-Grower

AlleAktien-Peter-Lynch

Rechnet man die Kosten für die Eröffnung neuer Restaurants und den Börsengang heraus, dann entwickeln sich die Gewinne von Vapiano stabil. Das Gewinnwachstum der nächsten Jahre dürfte deutlich über 10% pro Jahr liegen. Damit fällt Vapiano in die besonders attraktive Kategorie der Fast-Grower-Aktien.

Die Strategie bei Fast-Grower-Aktien sieht wie folgt aus: Kaufen und dann während der gesamten Wachstumsphase halten. Das größte Risiko dieser Kategorie von Aktien ist gemäß Lynch eine Verlangsamung der Wachstumsrate. Dieses Risiko sehe ich bei Vapiano nicht.

Das Konzept funktioniert erwiesenermaßen in vielen Ländern. Daher hat Vapiano noch genug Städte zu erobern. Diese Art von Aktien verspricht gemäß Lynch das höchste Renditepotential. Gelingt es einem Unternehmen, über viele Jahren hinweg mit 20-30% pro Jahr zu wachsen und die Bewertung verändert sich nicht, dann „muss“ auch der Aktienkurs um 20-30% jährlich wachsen.

 

Peer-Group-Vergleich: Shake Shack, McDonalds

AlleAktien-Vapiano-Aktienanalyse-Peergroup-Bewertung

Die Bewertung der Vapiano-Aktie erscheint im Peergroup-Vergleich viel zu günstig. Vapiano ist auf Basis des EV/EBITDA-Verhältnisses günstiger als McDonalds und ShakeShack bewertet. Quelle: Eigene Berechnungen. EUR/USD-Kurs: 1,20.

Shake Shack ist wie Vapiano im Fast-Casual-Dinging-Segment aktiv. Die Burgerkette bietet hochwertige Burger mit hochwertigen Zutaten an. Von der Unternehmensgröße und dem Wachstum ähneln sich Vapiano und Shake Shack sehr.

Schnell fällt auf: Vapiano ist im Vergleich zu Shake Shack zu günstig bewertet. Die Marktkapitalisierung von Vapiano müsste sich mehr als verdoppeln, um auf ähnliche Bewertungskennziffern zu kommen. Das Verhältnis aus Unternehmenswert (EV/Enterprise Value) und Umsatz sollte angesichts einer ähnlichen Wachstumsrate und einer ähnlichen Profitabilität in etwa identisch sein. Shake Shack wird aber mit dem 3,4-fachen Umsatz bewertet, Vapiano nur mit dem 1,7-fachen.

Bei Vapiano dürfte die Gewinnmarge in diesem Jahr ansteigen, bei Shake Shack zurückgehen.

Vapiano erscheint unterbewertet. Geht die Wachstumsstory auf, kann die Aktie über Jahre hinweg mit 20-30% pro Jahr steigen.

 

3. Risiken

Um es vorweg zu sagen: Vapiano ist eine kleine Restaurantkette mit großen Wachstumsambitionen. Auf dem Wachstumspfad kann viel schief gehen. Es wird wohl eine volatile Reise werden.

Ewigkeitsfaktor: Wahrscheinlichkeit, dass Vapiano in 10 Jahren besser dasteht als heute

Ich tue mich schwer damit, hier eine Antwort zu geben. Die letzten 15 Jahre hat der Wachstumskurs gut funktioniert. Das Konzept funktioniert in allen bisher betretenen Märkten. Es ist keine direkte Konkurrenz in Sicht. Aber das Unternehmen ist noch klein. Wirft derzeit kaum Gewinne ab. Ich tippe auf 80%.

 

Risiko: Gewinnmarge steigt nicht an

Die Gewinnmarge von Vapiano ist derzeit sehr gering. Gemäß den auf Finanzen.net veröffentlichten Analystenschätzungen soll in 2018 ein Nettogewinn von gerade einmal 6 Mio. EUR bzw. 1,5% der Umsätze erwirtschaftet werden.

Damit ein Investment in Vapiano ein voller Erfolg wird, muss es dem Unternehmen gelingen, im Laufe der Zeit immer profitabler zu werden. Derzeit drücken neben den Eröffnungskosten für neue Standorte v.a. die hohen Personalkosten von 40% der Umsätze auf die Gewinne.

Weiter oben in dieser Analyse habe ich bereits beschrieben, warum ich in Zukunft von einer steigenden Gewinnmarge ausgehe. Haupttreiber dürften eine steigende Unternehmensgröße und Preiserhöhungen sein. Vapiano hat in 2017 außerdem eine digitale Personaleinsatzplanungssoftware von Atoss in Betrieb genommen. Diese soll dabei helfen, den Personalbedarf besser zu planen.

Außerdem hat Vapiano ein „operationelles-Exzellenz-Programm“ aufgelegt. Ein Team von Mitarbeitern besucht Standort für Standort und analysiert die Prozesse. Anschließend werden verbesserte Prozesse eingeführt und Checklisten für Arbeitsabläufe ausgearbeitet. Dadurch steigt die Produktivität, aber auch die Qualität der einzelnen Standorte an.

Insgesamt betrachtet gehe ich davon aus, dass die Gewinnmarge durch die eben genannten Maßnahmen im Laufe der Zeit anziehen dürfte. Ein Risiko verbleibt.

 

Risiko: Das Wachstum verläuft chaotisch

Vapiano wächst stark. Viele Restaurants werden von Franchisenehmern betrieben. Daraus ergeben sich zahlreiche Risiken. Vapiano versucht mit professionellen Abläufen entgegenzusteuern. Für Neueröffnungen gibt es strenge Standortbedingungen. Es müssen genug Menschen im engen Umkreis leben und arbeiten. Die Immobilie muss groß genug sein.

Das operationelle-Exzellenz-Programm hilft dabei, die Effizienz in allen Filialen anzuheben. So kann auch die Qualität sichergestellt werden.

Im Netz finden sich einige Berichte aus 2014 und 2015, in denen Mitarbeiter von Franchise-Unternehmen sich über schlechte Arbeitsbedingungen beklagt hatten.

 

Weitere Risiken

Das Wachstum muss finanziert werden. Wenn sich die Gewinnmarge nicht verbessert, braucht Vapiano in den nächsten Jahren schnell neues Eigenkapital. Das verwässert den Unternehmensanteil der Altaktionäre.

Das auf die mexikanische Küche spezialisierte Unternehmen Chipotle Mexican Grill hatte in den letzten Jahren mehrfach mit Lebensmittelskandalen zu kämpfen. Die Ereignisse waren in den USA in den Schlagzeilen und haben zu einem deutlichen Besucherrückgang geführt. Umsätze und Gewinne sind eingebrochen. Der Aktienkurs ist heftig gefallen. Aktuell setzt eine Erholung ein. Die Krise hat das Unternehmen dennoch schwer getroffen. Theoretisch könnte auch Vapiano ein ähnliches Problem bekommen.

Schlechte Arbeitsbedingungen in einzelnen Standorten, Lebensmittelprobleme usw. können zu einer negativen Markenwahrnehmung führen.

Durch einen Konjunktureinbruch könnte vorübergehend die Bereitschaft absinken, ein wenig mehr Geld für höherwertiges Essen auszugeben bzw. überhaupt Essen zu gehen. Vapiano hätte dann mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen zu kämpfen.

Die Verträge mit den Franchisenehmern könnten fehlerhaft sein. Peter Pane war einer der größten Franchisenehmer von Hans im Glück und hat sich abgespalten. Natürlich gibt es jetzt einen heftigen Rechtsstreit. Der Ausgang ist unklar. Theoretisch könnte ein erfolgreicher Franchisenehmer von Vapiano auf dieselbe Idee kommen und sich selbstständig machen.

 

Keine disruptiven Risiken in Sicht

Hunger bekommen wir Menschen jeden Tag aufs Neue. Der Besuch eines Restaurants spart Zeit. Im Trend sind Take away und Delivery. Von beiden Trends kann Vapiano profitieren.

 

Gesamteinschätzung der Risiken

Vapiano ist erheblichen Risiken ausgesetzt. Ich habe das Gefühl, dass das Management sehr gut arbeitet und so gut wie möglich versucht, die Eintrittswahrscheinlichkeiten der Risiken zu minimieren. Die strengen Anforderungen an die Eröffnung neuer Standorte und das operationelle-Exzellenz-Programm gefallen mir. Die Risiken bleiben trotzdem hoch. Die Chancen aber auch.

 

4. Fazit der Vapiano Aktienanalyse

  • Vapiano ist eine der spannendsten Wachstumsstorys am deutschen Aktienmarkt. Dem Unternehmen ist es gelungen, die italienische Küche in einzigartiger Art und Weise auf der ganzen Welt skalierbar zu machen.
  • Derzeit arbeitet Vapiano aufgrund Expansionskosten und einer hohen Personalkostenquote mit einer geringen Gewinnmarge.
  • Mit zunehmender Unternehmensgröße und den Digitalisierungsinitiativen sollte die Gewinnmarge in den kommenden Jahren Stück für Stück ansteigen. Das Unternehmen verfügt meiner Meinung nach außerdem über ein nicht genutztes Preiserhöhungspotential.
  • Der Vergleich mit dem Wettbewerber Shake Shack zeigt auf, dass die Aktie deutlich unterbewertet ist.
  • Sollte es dem Unternehmen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten gelingen, dieses Konzept weltweit erfolgreich auszurollen, dann hat die Aktie ein enormes Potential.
  • Der Weg dahin ist riskant und dürfte volatil werden. Diese Aktie ist eine wesentlich riskantere Investition als eine Beteiligung an einem DAX-Unternehmen. Den hohen Risiken stehen auch erhöhte Chancen gegenüber.
  • Ich kaufe die Vapiano-Aktie in nächster Zeit.

 

Kapitalistische Grüße,
Jonathan Neuscheler

 

Quellen & Links

Beschreibung Link
Über Vapiano-Kurzvorstellung des Unternehmens zur Kurzvorstellung
Vapiano SE Geschäftsbericht 2017 zum Geschäftsbericht
Investor Relations Präsentation vom Januar 2018 zur Präsentation
Vapiano SE IPO-Prospekt zum Prospekt
Vapiano SE Analystenschätzungen auf finanzen.net zu den Schätzungen 
Artikel über Vapiano im Manager Magazin von 2012 zum Artikel
Vapiano SE Unternehmensmeldung zur Erweiterung des Vorstandes zur Meldung
Vapiano SE Unternehmensmeldung über neue Konzepte zur Meldung
Auswahlkriterien für neue Standorte zu den Kriterien
Franchising Konzept der Vapiano SE zum Konzept

Transparenzhinweis und Haftungsausschluss: Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung von AlleAktien oder den für AlleAktien tätigen Autoren statt, dieser Beitrag ist eine journalistische Publikation und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapieres dar. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust behaftet. Deine Investitionsentscheidungen darfst du nur nach eigener Recherche und nicht basierend auf den Informationsangeboten von AlleAktien treffen. AlleAktien und die für AlleAktien tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Der Autor hält derzeit Aktien der Vapiano SE.

16 Antworten

  1. Sehr spannende Analyse zu #Vapiano. Eine der besten Analysen, die ich auf AlleAktien je lesen durfte! Exzellent geschrieben und vieles über Restaurant-Franchising gelernt.

    Das Motto der Firma: „Wer es im Leben locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger.“ 😉

  2. Finanzsenf sagt:

    Schöne Analyse. Vapiano ist in der Tat interessant. Die Studie von OC&C und deren Wachstumsprognose scheint mir aber eindeutig zu positiv. Ein Wachstum von 9-10% im Zeitraum 2015-2020 ist für mich nicht erkennbar. 2017 konnte der like-for-like Umsatz (flächenbereinigt) um 4,8% zulegen, 2018 soll er nur um 1-3% steigen. Das Lieferdienstgeschäft hat zudem 2017 den Anstieg des Flächenumsatzes begünstigt.

  3. hifibike sagt:

    Vielen Dank für die ausführliche und interessante Analyse! Definitiv eine interessante Aktie mit Potential. Allerdings kommt die bei mir erst mal nur auf die watch list und noch nicht ins Depot. Es bleibt noch zu beweisen, daß Vapiano in der Lage ist, unterm Strich Geld zu verdienen und zwar trotz starken Wachstumskurses. Das Unternehmen argumentiert stark mit „bereinigtem EBITDA“. Dabei werden aber verdammt viele echten Kosten aus dem Ergebnis rausgerechnet. Das kann man auch so weit treiben, bis man ein „Ergebnis vor Kosten“ berichtet 😉

    • Ja, da stimme ich zu. Ich bin kein Freund vom EBITDA. Meistens müssen die Unternehmen ja sogar deutlich mehr investieren, als sie abschreiben. Ein Wachstumsunternehmen wie Vapiano erst recht. Auf der anderen Seite schreibt Vapiano sein Inventar deutlich schneller ab als Shake Shack. Die Folge: Shake Shack ist scheinbar profitabel, Vapiano scheinbar nicht. Aber du hast recht. Das Unternehmen sollte schnellstmöglich auch unter dem letzten Strich schwarze Zahlen schreiben. Starbucks und Chipotle waren anfangs auch unprofitabel. Heute sind es Cash-Cows. Wer sie heute kauft, kauft sich in eine enorme Bewertung hinein. Vapiano ist noch günstig. Gelingt es, schwarze Zahlen zu schreiben, wird die Aktie kräftig steigen.

  4. Spewdonk sagt:

    Hi Jonathan,
    im damaligen Starbucks-Podcast habt ihr als Vorteil herausgearbeitet, dass bei Starbucks immer was los ist – im Gegensatz zu Vapiano. Da hätte man zwischen Mittags und Abends viel totes Kapital (unnütz rumstehendes Personal).
    In wie weit ist das für hinsichtlich Franchiseaktien interessant? Siehst du Möglichkeiten/Ansporn für Vapiano bzgl diesen Punkt etwas zu unternehmen?

    • Hi, Vapiano arbeitet an einer stetigen Verbesserung der Personalkostenquote. Dazu habe ich ja einiges in der Analyse geschrieben. Eine neue, digitale Personalmanagementsoftware soll den Personalbedarf besser planen. Außerdem sorgen die operativen Verbesserungsprogramme für verbesserte Prozesse und schlankere Abläufe. Der Delivery-Bereich lastet das Personal stärker aus. Sollte sich m.M.n. also Stück für Stück verbessern. VG 🙂

  5. Kneilefeiz sagt:

    Vapiano, reif für einen Nachkaufalarm?
    VG Thomas

  6. Kneilefeiz sagt:

    Vapiano, langsam bekomme ich Appetit auf Pasta.
    Aber eine Frage treib mich dabei um: Ein heißer Sommer und das Geschäftsmodell geht mehr nicht auf?

    • Ich habe in der Analyse ja geschrieben, dass die Risiken hoch bleiben. Die Chancen, gerade langfristig, aber auch. Die Entwicklung ist spannend. Ich warte auf jeden Fall erstmal die nächsten Tage ab. Gut möglich, dass es weiter abwärts geht, denn oft dauert es ein paar Tage, bis alle Investoren auf eine solche Meldung reagieren. Am 12. September kommt der Halbjahresbericht, den werde ich mir genau durchlesen und daraufhin ein kleines Update (Nachkaufalarm) schreiben. Zuletzt wurde ja verkündet, dass man ab 2020 schwarze Zahlen schreiben möchte. Daran wurde nicht gerüttelt. Es scheint also tatsächlich am Wetter liegen. Zalando hat das ja auch zu spüren bekommen.VG, Jonathan

  7. Alexander Nagel sagt:

    Hallo Jonathan,
    Deine Analyse hat mich vor einer Weile sehr überzeugt und ich bin eingestiegen.
    Der Rutsch gerade ist schon heftig, kannst Du mir in diesem Zusammenhang erklären warum das gute Wetter schlecht fürs Geschäft ist?
    Vielen Dank
    Alexander

  8. David sagt:

    Hallo Jonathan,

    Danke für deine Analyse. Ich habe mir die Aktie nach dem Rutsch noch mal angeschaut und gestern eine sehr kleine Position (< 500 Euro, erster Aktienkauf 🙂 ) aufgebaut. Für mich persönlich bietet Vapiano weiterhin viel potenzial und verstehe bisher nicht, warum die Aktie so nach unten geprügelt wurde. Einziger Wermutstropfen aktuell ist, das OnVista wohl meine Order doppelt ausgeführt hat (obwohl diese nur einmal im Orderbuch gelistet ist). Ich bin gespannt auf auf dein Update nächste Woche.

    Danke und Grüße

  9. schlupp sagt:

    Hallo Jonathan,
    bin sehr gespannt auf das Update. Habe vor der Talfahrt zugeschlagen und bange nun natürlich wie es weitergeht. Ist für mich das erste Mal, dass es so in den Keller geht (-46%). Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen und langfristig denken.
    Mal schauen ob ich so mutig bin und bei 12/13€ nochmal Nachkaufe…

    Danke und Gruß

    • Bei kleinen Unternehmen kaufe ich immer kleinere Positionen. Es ist ganz normal, dass man als Aktionär besser und schlechter laufende Unternehmen im Depot hat. Kauf man einen ETF, setzt sich die Performance des ETFs ja auch aus besseren und schlechteren Positionen zusammen. Ein klassischer Fehler ist es, jetzt massiv nachzukaufen und so ein Klumpenrisiko in in einem kleinen Unternehmen aufzubauen. Erstmal die weitere Entwicklung abwarten. Ich bin auf die Aussagen des Vorstands gespannt und aktualisiere dann meine Einschätzung.

      VG, Jonathan

  1. 13. September 2018

    […] Mai 2018 habe ich eine Aktienanalyse zu Vapiano veröffentlicht. Damals schien die Welt noch in Ordnung. Vapiano ist eine italienische […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

AlleAktien kontaktieren